Kletterfischartige

Die Kletterfischartigen (Anabantiformes (von Anabas (Kletterfisch))) sind eine Knochenfischordnung aus der Gruppe der Barschverwandten (Percomorphaceae).[1][2][3] Zu der Ordnung werden die Labyrinthfische (Anabantoidei) und die Schlangenkopffische (Channidae) gezählt, in der Revision der Knochenfischsystematik durch Betancur-R. und Kollegen auch drei Familien kleiner, süd- und südostasiatischer „Barsche“, die Blaubarsche (Badidae), die Nanderbarsche (Nandidae) und die Sägeschuppenbarsche (Pristolepididae), deren Verwandtschaft mit den Labyrinthfischen schon lange vermutet wurde. Alle Arten der Anabantiformes leben im tropischen Afrika, in Süd-, Südost- und Ostasien (nördlich bis zum Amur). Sie sind reine Süßwasserfische. Alle heute den Kletterfischartigen zugeordneten Gruppen werden in älteren Systematiken den in der ursprünglichen Zusammensetzung polyphyletischen Barschartigen (Perciformes) zugeordnet.

Kletterfischartige
Punkt-Schlangenkopffisch (Channa pleurophthalma)

Punkt-Schlangenkopffisch (Channa pleurophthalma)

Systematik
Kohorte: Euteleosteomorpha
Unterkohorte: Neoteleostei
Acanthomorphata
Stachelflosser (Acanthopterygii)
Barschverwandte (Percomorphaceae)
Ordnung: Kletterfischartige
Wissenschaftlicher Name
Anabantiformes
Britz, 1995

MerkmaleBearbeiten

Die aus Labyrinth- und Schlangenkopffischen bestehende Kerngruppe der Kletterfischartigen kann durch sieben Synapomorphien diagnostiziert werden. Wichtigstes ist das Labyrinthorgan, auch Suprabranchialorgan genannt, ein aus der modifizierten ersten Epibranchiale, einer Knochenstütze der oberen Hälfte des Kiemenbogens, entwickeltes zusätzliches Atemorgan, das in einer Aussackung des Pharynx über den Kiemen liegt. Das paarige, kammerartige Labyrinthorgan liegt der zweiten Epibranchiale auf und besteht aus einer stark gefalteten Knochenplatte, die mit einer blutgefäßreichen Schleimhaut überzogen ist. Von der Wasseroberfläche wird Luft aufgenommen, der Gasaustausch findet dann an der Schleimhaut statt. Die vom Herz abgehende Aorta teilt sich, der vordere Zweig führt zu den beiden vorderen Kiemenbogenarterien, die auch das Labyrinthorgan mitversorgen, der hintere Zweig liefert die dritte und vierte Kiemenbogenarterie. Das Blut, das im Labyrinthorgan mit Sauerstoff angereichert wurde, wird nicht der Aorta dorsalis, sondern der Vena cardinalis anterior zugeführt, gelangt also bald zum Herzen (und von da in den gesamten Körper). Das Basioccipitale, ein Knochen der Hirnschädelbasis, hat rechts und links vom Parasphenoid paarige Fortsätze, an denen die mit Schlundzähnen besetzten oberen Pharyngealkiefer gelenkig artikulieren. Die Schwimmblase reicht nach hinten bis zum Parhypurale. Die Larven schweben mit seitlich der Wirbelsäule gelegenen, ölgefüllten Vesikeln frei im Wasser.[3][4]

SystematikBearbeiten

Systematik nach Betancur-R. et al.[1]
  Anabantiformes  
  Anabantoidei  

 Labyrinthfische (Anabantoidei)


   
  Channoidei  

 Schlangenkopffische (Channidae)


  Nandoidei  

 Sägeschuppenbarsche (Pristolepididae)


   

 Blaubarsche (Badidae)


   

 Nanderbarsche (Nandidae)






Das rechts stehende Kladogramm zeigt die möglichen Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Anabantiformes.

Schwestergruppe der Anabantiformes sind die Kiemenschlitzaalartigen (Synbranchiformes), eine Ordnung aal- bzw. stichlingsähnlicher Süß- und Brackwasserfische, die in den Tropen und Subtropen von Afrika, Asien, dem indo-australischen Archipel, Mexiko sowie Mittel- und Südamerika vorkommen. Anabantiformes und Synbranchiformes bilden das Taxon Anabantaria.[1]

QuellenBearbeiten

  1. a b c Ricardo Betancur-R, Edward O. Wiley, Gloria Arratia, Arturo Acero, Nicolas Bailly, Masaki Miya, Guillaume Lecointre and Guillermo Ortí: Phylogenetic classification of bony fishes. BMC Evolutionary Biology, BMC series – Juli 2017, DOI: 10.1186/s12862-017-0958-3
  2. Thomas J. Near, A. Dornburg, R.I. Eytan, B.P. Keck, W.L. Smith, K.L. Kuhn, J.A. Moore, S.A. Price, F.T. Burbrink, M. Friedman & P.C. Wainwright. 2013. Phylogeny and tempo of diversification in the superradiation of spiny-rayed fishes. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. 101:12738-21743. doi: 10.1073/pnas.1304661110, PDF
  3. a b E. O. Wiley, G. David Johnson: A teleost classification based on monophyletic groups. In: Joseph S. Nelson, Hans-Peter Schultze, Mark V. H. Wilson (Hrsg.): Origin and Phylogenetic Interrelationships of Teleosts. Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München 2010, ISBN 978-3-89937-107-9, S. 123–182.
  4. Ralf Britz: Teleostei. In: Wilfried Westheide, Reinhard Rieger (Hrsg.): Spezielle Zoologie. Teil 2: Wirbel- oder Schädeltiere. 1. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/Berlin 2004, ISBN 3-8274-0900-4, S. 285.