Kleines Wintergrün

Art der Gattung Wintergrün (Pyrola)

Das Kleine Wintergrün (Pyrola minor) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Wintergrün (Pyrola) in der Unterfamilie der Wintergrün- und Fichtenspargelgewächse (Monotropoideae) innerhalb der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae).

Kleines Wintergrün

Kleines Wintergrün (Pyrola minor)

Systematik
Asteriden
Ordnung: Heidekrautartige (Ericales)
Familie: Heidekrautgewächse (Ericaceae)
Unterfamilie: Monotropoideae
Gattung: Wintergrün (Pyrola)
Art: Kleines Wintergrün
Wissenschaftlicher Name
Pyrola minor
L.

BeschreibungBearbeiten

 
Illustration aus Billeder af Nordens Flora, Tafel 153
 
Habitus und einzelner Blütenstand
 
Fruchtstand

Vegetative MerkmaleBearbeiten

Das Kleine Wintergrün wächst als immergrüne ausdauernde krautige Pflanze. Der 10 bis 25 Zentimeter lange Stängel ist grün oder rötlich überlaufen und im oberen Teil gerade und aufrecht.

Die in einer grundständigen Rosette angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die Laubblätter bleiben auch im Winter grün, was zu der Namensgebung Wintergrün geführt hat. Der Blattstiel ist kürzer als die Länge der Blattspreite. Die einfache, ledrig-derbe Blattspreite ist rundlich-oval.

Generative MerkmaleBearbeiten

Die Blütezeit reicht in Mitteleuropa von Juni bis Juli. Die Blüten sind in einem allseitswendigen, aufrechten, traubigen Blütenstand angeordnet.

Die zwittrige Blüte ist radiärsymmetrisch mit doppelter Blütenhülle. Die Blütenkrone ist kugelig. Die 3 bis 5 Millimeter langen, weißen bis rosafarbenen Kronblätter sind nicht verwachsen. Die der Krone angedrückten Kelchzipfel sind dreieckig. Der gerade, nicht verdickte Griffel ist kürzer als die Blütenkrone.

Die Kapselfrucht besitzt fünf Fächer, die an Längsspalten aufplatzen. Die Samen des Kleinen Wintergrüns sind winzig; wie bei anderen Ernährungsspezialisten ist das Samengewicht mit 0,004 mg sehr niedrig. Der Keimling besitzt keine Keimblätter.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 46.[1]

ÖkologieBearbeiten

Die Narbe ist schleimig und lockt vor allem Fliegen und Käfer an. Es handelt sich dabei um nektarlose Glockenblüten. Bei Pyrola minor kommt es häufig zur Selbstbestäubung, da der mehlige Pollen aus den Poren der Staubbeutel auf die tiefer gelegene Narbe herabrieselt. Die Samen haben eine aufgeblasene Samenschale – es handelt sich um Ballonflieger. Zusätzlich findet beim Kleinen Wintergrün eine vegetative Vermehrung über Wurzelausläufer statt.

SymbioseBearbeiten

Die Keimung gelingt nur mit Hilfe von Wurzelpilzen. Die Wurzeln von Pyrola minor sind, wie die der anderen Wintergrüngewächse auch, dicht mit Hyphen von Pilzen überzogen. Diese Pilzhyphen umspinnen auch die Rindenzellen der Wirtspflanze, dringen in diese ein und werden dort verdaut. Dies stellt eine Zwischenform zwischen endotropher und ektotropher Mykorrhiza dar. Das Kleine Wintergrün versorgt sich so zusätzlich mit Wasser, Mineralien und Eiweißen und liefert dem Pilz dafür unter anderem Kohlenhydrate.

VorkommenBearbeiten

Das Kleine Wintergrün wächst von der Ebene bis ins Hochgebirge und ist zirkumpolar verbreitet. In Norddeutschland profitierte es über lange Phasen von der Ausweitung der Kiefern-Monokulturen im 20. Jahrhundert.

Das Kleine Wintergrün gedeiht auf basenreichen, humosen Böden, vorwiegend im Unterwuchs von nährstoffarmen Laubwäldern und von Nadelwäldern sowie in Birkenmooren oder naturnahen Kiefernforsten.

In Mitteleuropa ist das Kleine Wintergrün eine Charakterart der Ordnung Piceetalia, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften des Unterverbands Luzulo-Fagenion und der Verbände Quercion roboris oder Nardion vor.[1] In den Allgäuer Alpen steigt es im Tiroler Teil am Muttekopf bis zu einer Höhenlage von 2300 Metern auf[2]. Im oberen Seebertal in Südtirol steigt es sogar bis 2500 Meter, im Kanton Wallis bis 2480 Meter auf.[3]

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 2 (subalpin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).[4]

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001, ISBN 3-8001-3131-5. S. 727.
  2. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 291–292.
  3. Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3, Verlag Carl Hanser, München 1966. S. 1577–1580.
  4. Pyrola minor L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 15. November 2022.

WeblinksBearbeiten

Commons: Kleines Wintergrün (Pyrola minor) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien