Hauptmenü öffnen

Kisielice [kʲiɕɛˈlʲit͡sɛ] (deutsch Freystadt in Westpreußen) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Kisielice
Wappen von Kisielice
Kisielice (Polen)
Kisielice
Kisielice
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Iława
Fläche: 3,37 km²
Geographische Lage: 53° 36′ N, 19° 16′ OKoordinaten: 53° 36′ 0″ N, 19° 16′ 0″ O
Höhe: 90 m n.p.m.
Einwohner: 2130
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 14-220
Telefonvorwahl: (+48) 55
Kfz-Kennzeichen: NIL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: GrudziądzOstróda
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 172,80 km²
Einwohner: 6079
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 35 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2807043
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Rafał Ryszczuk
Adresse: ul. Daszyńskiego 5
14-220 Kisielice
Webpräsenz: www.kisielice.pl



Inhaltsverzeichnis

LageBearbeiten

Die Stadt liegt im historischen Westpreußen südlich der Danziger Bucht, etwa 26 Kilometer südöstlich von Marienwerder (Kwidzyn), 36 Kilometer nordöstlich von Grudziądz (Graudenz) und 90 Kilometer südöstlich von Danzig. Durch die Stadt fließt die Gardenga, ein Nebenfluss der Osa.

GeschichteBearbeiten

Im Jahr 1255 befand sich der Marktflecken als Vrienstad im Eigentum des Bistums. Am 22. Januar 1293 erhielt Dietrich von Stangen das Recht zur Anlage von Siedlungen auf seinen Grundstücken nach Kulmer Recht vom Bischof und Domkapitel von Pomesanien. Vrienburg wurde vermutlich zwischen 1315 und 1320 angelegt.[2] Überliefert ist die Erteilung des Stadtrechts im Jahr 1331.[3] Schon zuvor ist mit dem Bau der Kirche begonnen worden. Der flachgedeckte Ziegelbau hatte einen Holzturm, der 1653 verbrannte und 1856–1857 in Stein ergänzt wurde. Der Altar von 1696 stellte in seinem reichen Schnitzwerk die Stifterfiguren Otto Friedrich von der Groebens und seiner Frau dar.[4] Eine Besonderheit des Ortes ist der Marktplatz in Dreiecksform. Im Jahr 1350 hatte die Stadt ein gemauertes Rathaus und eine gemauerten Stadtbefestig mit drei Toren. Katharina von Stangen verkaufte 1397 die Stadt an das Bistum Pomesanien.

Nach dem Ende des Dreizehnjährigen Städtekriegs verblieb Freystadt im Zweiten Frieden von Thorn 1466 im Deutschordensstaat, der 1525 zum Herzogtum Preußen und 1701 zum Königreich Preußen wurde. 1653 brannte die Stadtkirche nach einem Blitzeinschlag ab. Im Jahr 1775 vernichtete ein Feuer große Teile der Stadt.

 
Stadtamt (Aufnahme 2010)
 
Stadtkirche (bis 1945 evangelisch, Aufnahme 2008)

Mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke von Jablonowo (1903–1920 Goßlershausen) nach Riesenburg wurde auch Freystadt 1899 an das Schienennetz angeschlossen, 1900 wurde die Zweigstrecke nach Marienwerder in Betrieb genommen. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Freystadt eine evangelische Kirche, eine Fabrik für die Herstellung landwirtschaftlicher Maschinen, eine Sägewerk und Ziegeleien.[5] Das Freystädter Tageblatt erschien 1902 erstmals. 1912 öffnete die Volksschule des Ortes. 1934 erschien die letzte Ausgabe des Freystädter Tageblatts.

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags stimmte die Bevölkerung im Abstimmungsgebiet Marienwerder, zu dem Freystadt gehörte, am 11. Juli 1920 über die weitere staatliche Zugehörigkeit zu Ostpreußen (und damit zu Deutschland) oder den Anschluss an Polen ab. In Freystadt stimmten 1875 Einwohner für den Verbleib bei Ostpreußen, auf Polen entfielen 36 Stimmen.[6]

Im Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt wegen der herannahenden Front am 20. Januar 1945 evakuiert. Drei Tage danach eroberte die Rote Armee Freystadt. Im Frühjahr 1945 gelang den Einwohnern bis auf etwa 130, die zurückgeblieben oder überrollt und heimgekehrt waren, die Flucht über die Oder-Neisse-Linie.[7] Im März 1945 unterstellte die Rote Armee die zu etwa achtzig Prozent zerstörte Stadt der Verwaltung der Volksrepublik Polen. Sie führte für Freystadt die polnische Ortsbezeichnung Kisielice ein und besiedelte es mit Polen. Das Stadtrecht wurde 1946 entzogen.

Durch eine Verwaltungsreform kam die Stadt 1975 zur neu gebildeten Woiwodschaft Elbląg. 1986 wurde der Ort wieder zur Stadt erhoben. Nach der Auflösung der Woiwodschaft Elbląg war die Stadt ab 1999 Teil der Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945Bearbeiten

Jahr Einwohner Anmerkungen
1576 0525 [8]
1782 0719 in 134 Haushalten (Feuerstellen), meistens evangelisch-lutherische Deutsche[9]
1802 0877 [10]
1810 0865 [10]
1816 0973 davon 848 Evangelische, 113 Katholiken und zwölf Juden[10]
1821 1.071 [10]
1831 1.157 [11]
1852 2.093 [12]
1864 2.466 am 3. Dezember, davon 2.165 Evangelische und 53 Katholiken[13]
1871 2.648 darunter 2.300 Evangelische und 60 Katholiken[14]
1875 2.564 [15]
1880 2.298 [15]
1890 3.075 [15]
1900 2.422 [5]
1905 2.425 davon 2.196 Evangelische, 71 Katholiken und 150 Juden[8]
1933 3.075 [15]
1939 3.351 [15]
1943 3.313 [8]
Einwohnerzahlen seit 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
2012 2.191 Stand vom 30. Juni 2012[16]

Gmina KisieliceBearbeiten

Zur Gemeinde Kisielice gehören folgende kleinere Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
Biskupiczki Bischdorf Limża Limbsee
Butowo Bauthen Łodwigowo (Groß) Ludwigsdorf
Byliny Bellingswalde Nowy Folwark Neuvorwerk
Galinowo Gallnau Ogrodzieniec Neudeck
Goryń Guhringen Pławty Wielkie Groß Plauth
Jędrychowo Heinrichau Sobiewola Sobiewolla
1913–45 Eigenwill
Kantowo Kanters Hof Stary Folwark Altvorwerk
Kisielice Freystadt i.Westpr. Trupel Traupel
Klimy Harnau Wałdowo Waldau B
Krzywka Krzywken
1892–1945 Niedereichen
Wola Wolla
193?-1945 Willenfeld
Łęgowo Langenau

VerkehrBearbeiten

 
Früherer Bahnhof (2010)

Die Stadt liegt an der Landesstraße 16, die von Graudenz (Grudziądz) nach Allenstein (Olsztyn) führt.

Der Bahnhof Kisielice war ein Knotenpunkt: Von der 1899 eröffneten Bahnstrecke Goßlershausen–Riesenburg zweigten eine 1900 bis 1945 betriebene Strecke nach Marienwerder und eine 1925 bis 1969 betriebene Strecke nach Bischofswerder (Biskupiec). Heute sind alle Strecken stillgelegt.

Söhne der StadtBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 409–411.
  • Johann Friedrich Goldbeck: Vollständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II, Marienwerder 1789, S. 8, Nr. 4.
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 439, Nr. 51.
  • Karl Josef Kaufmann: Geschichte des Kreises Rosenberg. Band 1. Groll, Marienwerder 1927.
  • Carl Josef Kaufmann: Geschichte der Stadt Freystadt. Teil 1: Bis 1653. Groll, Marienwerder 1931.
  • Alfred Müsse: Der Kreis Rosenberg. Ein westpreußisches Heimatbuch. Bösmann, Detmold 1963.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. Christa Mühleisen: 675 Jahre Freystadt.
  3. Entweder nach Magdeburger Recht, so die Website der Stadt, oder nach Kulmer Recht, so Christa Mühleisen, in: 675 Jahre Freystadt.
  4. Freistadt. In: Dehio, Gall: Deutschordensland Preußen, Deutscher Kunstverlag, München, Berlin 1952, S. 110.
  5. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 7, Leipzig und Wien 1907, S. 99, Ziffer 2).
  6. Herbert Marzian, Csaba Kenez: „Selbstbestimmung für Ostdeutschland – Eine Dokumentation zum 50 Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920“; Herausgeber: Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 123.
  7. Christa Mühleisen: 675 Jahre Freystadt.
  8. a b c Handbuch der historischen Stätten: Ost und Westpreußen, Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 156.
  9. Johann Friedrich Goldbeck: Vollständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II, Marienwerder 1789, S. 8, Nr. 4.
  10. a b c d Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 282–283, Ziffer 173.
  11. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 439, Nr. 51.
  12. Kraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 161.
  13. E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder, Danzig 1868, S. 114–125, Ziffer 38.
  14. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 49–50, Ziffer 3.
  15. a b c d e Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Provinz Westpreußen, Kreis Rosenberg. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  16. http://www.stat.gov.pl/cps/rde/xbcr/gus/l_ludnosc_stan_struktura_30062012.pdf