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Kirchham (Landkreis Passau)

Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Passau

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Die Gemeinde Kirchham im südlichen Landkreis Passau liegt am Kößlarner Bach inmitten der Pockinger Heide, einer fruchtbaren Ebene, die bis zum nahen Inn reicht. Der Ort profitiert einerseits durch die günstige Lage an der B 12, unweit der österreichischen Grenze und nahe der Bundesautobahn 3, aber auch durch den Kurtourismus, da Kirchham mitten im niederbayerischen Bäderdreieck liegt. Nach Bad Füssing sind es drei Kilometer, nach Passau 30 km, nach Schärding (Oberösterreich) 20 km, nach Pocking neun Kilometer, nach Obernberg am Inn (Oberösterreich) sieben Kilometer und nach Simbach am Inn 20 km.

GemeindegliederungBearbeiten

Die Gemeinde Kirchham hat 27 Ortsteile[2]:

Es gibt nur die Gemarkung Kirchham.

NachbargemeindenBearbeiten

GeschichteBearbeiten

Bis zur GemeindegründungBearbeiten

777 wird der „Ort, der Chirihheim genannt wird“ erstmals urkundlich erwähnt. Kirchham hat eine bis in diese Zeit zurückreichende Bedeutung als kirchlicher Mittelpunkt und Pfarrsitz. Das Martinspatrozinium der Pfarrkirche bestätigt diese historische Stellung als Seelsorgezentrum für das Umland. Der Gemeindeteil Erlbach ist seit etwa 1500 als Adelssitz nachweisbar, seit 1752 bestand die Hofmark Erlbach. Kirchham gehörte zum Rentamt Landshut und zum Landgericht Griesbach des Kurfürstentums Bayern. Die heutige politische Gemeinde entstand mit dem bayerischen Gemeinde-Edikt von 1818.

20. JahrhundertBearbeiten

Vom 6. März 1945 bis 2. Mai 1945 kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges existierte im Ort ein Außenlager des KZ Flossenbürg, dessen 400 Häftlinge Zwangsarbeit für eine Wiener Baufirma verrichten mussten.[3]

Im Jahr 1992 gewann Kirchham im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ die Silbermedaille, bereits im Jahr 1978 war der Ort Sieger in diesem Wettbewerb.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

  • 1961: 1291 Einwohner
  • 1970: 1404 Einwohner
  • 1987: 1969 Einwohner
  • 1991: 2248 Einwohner
  • 1995: 2345 Einwohner
  • 2000: 2313 Einwohner
  • 2005: 2427 Einwohner
  • 2010: 2354 Einwohner
  • 2015: 2195 Einwohner

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

 
Rathaus

Der Gemeinderat besteht aus insgesamt 14 Mitgliedern und setzt sich seit der Kommunalwahl am 16. März 2014 wie folgt zusammen:[4]

13 der 14 Mitglieder sind männlich.

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeister ist seit Mai 2008 Anton Freudenstein (CSU/Gemeindewohl), der 2014 mit 86,98 % der gültigen Stimmen wiedergewählt wurde.

Dessen Stellvertreter sind die 2. Bürgermeisterin Margareta Haslinger (CSU/Gemeindewohl) sowie Wilhelm Lickl (CSU/Gemeindewohl) als 3. Bürgermeister.

GemeindepartnerschaftenBearbeiten

Mit der gleichnamigen Gemeinde Kirchham aus dem oberösterreichischen Bezirk Gmunden besteht eine Partnerschaft.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

KulturBearbeiten

  • Kleinkunstbühne Kartoffelkeller
  • Kirchhamer Heimatfest

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Pfarrkirche St. Martin
  • Die neubarocke Pfarrkirche St. Martin wurde 1915 nach einem Brand der 1729 entstandenen barocken Vorgängerkirche von den Münchner Architekten Gebrüder Rank erbaut. Sie hat eine barocke und neubarocke Ausstattung.
  • Schloss Kirchham
  • Mühlenmuseum im Ortsteil Tutting
  • Diverse unter Denkmalschutz gestellte Bauernhäuser und -gehöfte im Rottaler Baustil.
  • Ausgrabungsfunde aus unterschiedlichen Zeitepochen, die hauptsächlich im Ortsteil Bach entdeckt wurden. Diese sind im Kirchhamer Rathaus/Gästeinformation während der Öffnungszeiten kostenlos zu besichtigen.

GedenkstätteBearbeiten

An der Stelle des 1957 aufgelösten KZ-Friedhofs nahe dem Ortsteil Waldstadt erinnert heute ein Denkmal an die 95 ehemals hier begrabene KZ-Häftlinge eines Außenlagers des KZ Mauthausen, die in einer ehemaligen Fliegerkaserne untergebracht waren und hier noch an den Folgen der Haft verstorben waren. Die Toten wurden auf den KZ-Ehrenfriedhof Flossenbürg überführt.[3][5]

FremdenverkehrBearbeiten

Bedingt durch die zentrale Lage im Niederbayerischen Bäderdreieck ist Kirchham Reiseziel für Kur- und Gesundheitstouristen. Aufgrund der hohen Luftqualität, der naturbelassenen Umgebung und diversen Kureinrichtungen besitzt die Gemeinde das Prädikat Staatlich anerkannter Erholungsort.

In der Gemeinde sind 26 Beherbergungsbetriebe ansässig, darunter zwei Hotels, ein Hotel garni und zwei Campingplätze. Die restlichen Unterkünfte sind Ferienwohnungen/Apartments und Pensionen.

Kirchham besitzt gemeinsam mit Bad Füssing einen Golfplatz. Die 18-Loch-Meisterschaftsanlage des ThermenGolfClub Bad Füssing - Kirchham wird durch den Kößlarner Bach als natürliches Hindernis durchflossen und hat unterschiedliche Schwierigkeitsgrade.

Im Ortsteil Ed an der Grenze zur Nachbargemeinde Bad Füssing befindet sich der Erlebnispark Haslinger Hof.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

StraßenverkehrBearbeiten

Durch die Bundesstraße 12, die von Lindau über München nach Passau und weiter an die deutsch-tschechische Grenze führt, ist Kirchham an das Fernstraßennetz angebunden. Zudem besteht über die B 12 im benachbarten Pocking eine Anbindung an die Bundesautobahn 3, die in Richtung Bayern Teile des bayerischen Waldes sowie den Passauer Raum und in Richtung Österreich das Innviertel erschließt.

Auf der Trasse der jetzigen B 12 entsteht die Bundesautobahn 94. Hierbei wird Kirchham mit der Anschlussstelle Nummer 31 eine eigene Auf- und Abfahrt erhalten. Derzeit befindet sich die Autobahn in diesem Abschnitt im Bau. Damit das Fernbleiben von Verkehrslärm in dem staatlich anerkannten Erholungsort nach der Fertigstellung der A 94 auch weiter gewährleistet ist, entsteht im Ortsteil Tutting eine 450 Meter lange Einhausung der Fahrbahn. Die restliche Trassierung innerhalb des Gemeindegebietes ist fernab vom Zentrum und bewohnten Gebieten.

Zudem wird im Gemeindegebiet die Bundesstraße 12 durch die aus Pfarrkirchen bzw. Rotthalmünster kommende Staatsstraße 2110 gekreuzt. Diese bindet in ihrem weiteren Verlauf Kirchham an den Kurort Bad Füssing (3 km) und die Staatsstraße 2117 an. Diese führt über den Inn, der hier die bayerisch-oberösterreichische Grenze bildet, nach Obernberg am Inn (7 km) und von dort weiter als L 510.

BusverkehrBearbeiten

Seit dem 1. Januar 2013 verkehrt mit dem Bäderbus ein Linienbus im öffentlichen Nahverkehr. Das Streckennetz dieses Ortsbusses umfasst die Gemeinde Kirchham sowie den Kurort Bad Füssing und dessen drei Thermalquellbäder.

Innerhalb des Gemeindegebietes befinden sich insgesamt 8 Haltestellen, welche Werktags und an Wochenenden im Stundentakt angefahren werden. 14 weitere Stationen befinden sich in Bad Füssing.

Ursprünglich war der Anschluss Kirchhams an das Netz des schon vorher in Füssing verkehrenden Linienbusses überwiegend für den Fremdenverkehr angedacht. Als Touristenbus sollte er hauptsächlich Kurgästen eine direkte Anbindung vom Feriendomizil zu den Thermalbädern sowie weiteren Kureinrichtungen ermöglichen. Mittlerweile wird der Bus zunehmend auch von Einheimischen für Berufs-, Erlediguns- oder Ausflugsfahrten genutzt.

Der Fahrpreis für eine Einzelfahrt beträgt unabhängig von der zurückgelegten Distanz 2,20 € (Stand: 2019).[6] Kirchhamer Kur- und Feriengästen steht diese Busverbindung kostenlos zur Verfügung. Gemeindebürger können für 20 € (Stand: Saison 2013) eine Jahreskarte – die Bürgerkarte – im Kirchamer Rathaus erwerben.

EisenbahnverkehrBearbeiten

Von 1910 bis 2003 war Kirchham mit dem Bahnhof Tutting im gleichnamigen Ortsteil, sowie einem Gleis zur Rottal-Kaserne an die Bahnstrecke Simbach am Inn–Pocking angeschlossen. Zusätzlich zweigte in Kirchham die Bahnstrecke Tutting–Kößlarn ab.

Mit der Zunahme des Individualverkehrs erwies sich der Betrieb beider Strecken als zunehmend unrentabel. Als Folge dessen stellte die Deutsche Bundesbahn zum 2. Oktober 1960 den Personenverkehr auf der Trasse Tutting-Kößlarn und am 1. Juni 1969 auf der Trasse Simbach-Pocking ein. Am selben Tag wurde auch der Güterverkehr zwischen Simbach und Tutting stillgelegt. Damit verlor der Bahnhof Tutting auch den Status eines Kreuzungsbahnhofes. Selbiges geschah am 1. Januar 1970 mit dem Abschnitt Rotthalmünster Kößlarn, welcher ab Februar 1972 zurückgebaut wurde.

Nachdem 1996 das restliche Teilstück der Strecke Tutting-Kößlarn aufgegeben wurde, verblieben nur noch die Bundeswehrtransporte der Rottal-Kaserne, die am Tuttinger Bahnhof umgeschlagen werden mussten, da das Anschlussgleis zur Kaserne bereits demontiert war.

Durch die Auflösung der Kaserne im Jahr 2002 verlor auch die Resttrasse zwischen Pocking und Kirchham ihren letzten Nutzen und sie wurde am 23. April 2003 stillgelegt.

2007 erfolge der Abbau und Abtransport der Gleisanlagen und es wurde mit dem Bau eines Geh- und Radweges begonnen, dessen Verlauf sich an der ehemaligen Streckentrassierung orientiert. Somit bekamen alte Bahnbauwerke, wie Brücken oder Bahndämme eine neue Funktion als Bestandteil der neu entstandenen Freizeit-Route zwischen Pocking und Kirchham.

2008 wurden alle Maßnahmen abgeschlossen und der Geh- und Radweg "Alter Bahndamm" eröffnet.

Wirtschaft einschließlich Land- und ForstwirtschaftBearbeiten

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 7, im produzierenden Gewerbe 67 und im Bereich Handel und Verkehr 65 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 406 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 656. Im verarbeitenden Gewerbe gab es zwei Betriebe, im Bauhauptgewerbe drei Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 52 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1209 ha, davon waren 1111 ha Ackerfläche und 89 ha Dauergrünfläche.

Kirchham hat eine starke Ausrichtung auf den Fremdenverkehr, hauptsächlich auf Kurgäste des Bäderdreiecks Bad Füssing, Bad Griesbach und Bad Birnbach.

BildungBearbeiten

Es gibt folgende Einrichtungen:

  • Kindergärten: 75 Kindergartenplätze[7]
  • Grundschule: 1.– 4. Klasse

Ehemaliger BundeswehrstandortBearbeiten

Die Gemeinde Kirchham war Standort des Heeres der Bundeswehr. Die Rottal-Kaserne wurde Anfang der 1960er Jahre erbaut. Dort waren hauptsächlich Panzereinheiten stationiert. Das Areal wurde 2003 aufgegeben.

Als 1989 der Eiserne Vorhang fiel und der Osten seine Grenzen öffnete, diente die Kaserne als Flüchtlings- und Aufnahmelager für DDR-Bürger, die über Ungarn und Österreich nach West-Deutschland kamen. Bedingt durch die östliche Lage und der Nähe zur österreichischen Grenze, war der Bundeswehrstandort für viele Menschen die erste Anlaufstelle und war dementsprechend hoch frequentiert.

Auf dem Gelände des ehemaligen Standortübungsplatzes befindet sich jetzt ein Solarpark, der in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bad Füssing und der Stadt Pocking entstanden ist.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111117/192327&attr=OBJ&val=746
  3. a b Außenlager Kirchham. Webseite KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Abgerufen am 6. Juli 2016.
  4. Gemeinderat. Abgerufen am 8. März 2019.
  5. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 155
  6. Bäderbus Fahrplan. In: kirchham.de. Abgerufen am 8. März 2019.
  7. Kindergarten St. Martin in Kirchham. Abgerufen am 24. Februar 2019.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kirchham (Landkreis Passau) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien