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Kindermissionswerk

Kinderhilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland mit Sitz in Aachen
Sternsinger in Dessau-Roßlau

Das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ ist das Kinderhilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland mit Sitz in Aachen und ein Werk der Päpstlichen Missionswerke. Es organisiert seit 1959 in Deutschland das Sternsingen, auch „Aktion Dreikönigssingen“ genannt, bei dem Kinder und Jugendliche für Kinderhilfsprojekte in der ganzen Welt Spenden sammeln. Schwerpunkt der Spendenkampagne im Jahr 2016 war das Kinderhilfsprogramm Fundación Palliri im Andenhochland von Bolivien.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Das Kindermissionswerk geht auf eine französische Initiative des Bischofs Charles-Auguste-Marie-Joseph de Forbin-Janson von Nancy (1785–1844) zurück, dessen Großväter Joseph Palamede de Forbin-Janson (1726–1809) und Karl Anton Hyacinth von Gallean (1737–1778), in der Heiliggeistkirche (Heidelberg) bzw. in St. Sebastian (Mannheim) begraben liegen. Im Mai 1843 rief er das Kinderhilfswerk Oeuvre de la Sainte Enfance ins Leben (deutsch: Werk der heiligen Kindheit), dessen Grundintention es war, dass französische Kinder für Kinder in China beteten und sich für sie einsetzten.[1]

Das Aachener Mädchen Auguste von Sartorius brachte diese Idee nach Deutschland und gründete, nachdem ihre ersten Bemühungen auf Ablehnung gestoßen waren, schließlich in Anlehnung an das französische Vorbild am 2. Februar (Mariä Lichtmess) 1846 das deutsche Kindermissionswerk unter dem Namen Verein der heiligen Kindheit.[1]

Bereits im Jahr 1856 wurde der Verein von Papst Pius IX. als kirchlicher Verein anerkannt und erhielt einen Kardinal als Protektor.[1] 66 Jahre später, am 3. Mai 1922 erhob Papst Pius XI. den Verein der heiligen Kindheit zum Päpstlichen Werk mit dem Namen Päpstliches Missionswerk der Kinder in Deutschland.[1]

Während des Zweiten Weltkriegs litt die Arbeit des Werks der Heiligen Kindheit unter der restriktiven Gesetzgebung der Nationalsozialisten. Die gleichzeitige Mitgliedschaft in nationalsozialistischen Jugendorganisationen und kirchlichen Verbänden wurde 1933 untersagt; die Zahl der Mitglieder sank.[1] Das öffentliche Sammeln von Geld wurde untersagt, die Mitarbeit von Lehrpersonen in kirchlichen Verbänden verboten und das Werk der Heiligen Kindheit durch die Gestapo überwacht.

Im Oktober 1945 nahm das Werk seine Arbeit wieder auf und veröffentlichte ab 1949 die Zeitschriften „Die Sternsinger“ und „Heilige Kindheit – Schule und Mission“. Um den 6. Januar 1959 fand erstmals die Sternsingeraktion oder Aktion Dreikönigssingen statt.

Präsidenten des Kindermissionswerkes in DeutschlandBearbeiten

Aktion DreikönigssingenBearbeiten

Beim Beginn der Aktion Dreikönigssingen 1959 beteiligten sich in ganz Deutschland noch etwa 100 Pfarrgemeinden und sammelten umgerechnet 45.000 Euro; heute ziehen Kinder und Jugendliche in nahezu allen der 12.500 deutschen Pfarrgemeinden um den Dreikönigstag von Haus zu Haus und sammeln Spenden. Jährlich beteiligen sich rund 500.000 Sternsinger bundesweit an der Aktion, die seit 1959 über 770 Millionen Euro an Spendengeldern sammelten. Alleine im Jahr 2013 wurden 2.442 Projekte in über 100 Ländern unterstützt.[3]

Spendenaufkommen und beteiligte Gemeinden der Aktion Dreikönigssingen in Deutschland:

Jahr Anzahl der Deutschland  Gemeinden Einnahmen   Beispielland Motto   Landessprache
1991: 10.666 Gemeinden 16,3 Mio. Euro Papua-Neuguinea  Papua-Neuguinea Aufbrechen, damit Kinder heute leben können. Kirap
1992: 10.779 Gemeinden 18,2 Mio. Euro Bolivien  Bolivien Hoffnung, damit Kinder heute leben können Esperanza
1993: 11.312 Gemeinden 19,9 Mio. Euro Nigeria  Nigeria Sauberes Wasser, damit Kinder heute leben können Mmili di Mma
1994: 11.662 Gemeinden 21,5 Mio. Euro Vietnam  Vietnam Eine Neue Erde, damit Kinder heute leben können Trái đất mới
1995: 11.895 Gemeinden 22,5 Mio. Euro Mosambik  Mosambik Heimat für alle, damit Kinder leben können Kaya Kwanga
1996: 12.105 Gemeinden 23,6 Mio. Euro Indonesien  Indonesien Gerechtigkeit für alle, damit Kinder heute leben können Keadilan
1997: 12.309 Gemeinden 24,9 Mio. Euro Ecuador  Ecuador Offene Türen, damit Kinder heute leben können Pascasca
1998: 12.564 Gemeinden 26,8 Mio. Euro Eritrea  Eritrea Einander Segen sein, damit Kinder heute leben können Burakie
1999: 12.772 Gemeinden 28,3 Mio. Euro Bangladesch  Bangladesch Miteinander singen, damit Kinder heute leben können Schombeto
2000: 12.836 Gemeinden 29,9 Mio. Euro Mexiko  Mexiko Jesus Christus – Brot des Lebens, damit Kinder heute leben können -
2001: 12.854 Gemeinden 30,1 Mio. Euro Sudafrika  Südafrika Lernen und Handeln, damit Kinder heute leben können Funduzenzele
2002: 12.683 Gemeinden 27,6 Mio. Euro China Volksrepublik  Volksrepublik China Heilende Hände, damit Kinder heute leben können Zhiyu zhi shou
2003: 12.540 Gemeinden 32,2 Mio. Euro Chile  Chile Kindern ein Zuhause geben Dar un hogar
2004: 12.516 Gemeinden 34,3 Mio. Euro Ruanda  Ruanda Kinder bauen Brücken gufatanya kubaka
2005: 12.743 Gemeinden 47,6 Mio. Euro* Thailand  Thailand Kinder haben eine Stimme dek mii sitti riak rong
2006: 12.421 Gemeinden 38,7 Mio. Euro Peru  Peru Kinder schaffen was Los niños lo pueden lograr
2007: 12.223 Gemeinden 38,8 Mio. Euro Madagaskar  Madagaskar Kinder sagen Ja zur Schöpfung Tianay ny Haritanan Atra
2008: 11.886 Gemeinden 39,7 Mio. Euro Sternsinger für die Eine Welt (50. Aktion Dreikönigssingen)
2009: 12.087 Gemeinden 39,6 Mio. Euro Kolumbien  Kolumbien Kinder suchen Frieden buscamos la paz
2010: 11.853 Gemeinden 40,6 Mio. Euro Senegal  Senegal Kinder finden neue Wege Utub yoon bu bees
2011: 11.622 Gemeinden 41,8 Mio. Euro Kambodscha  Kambodscha Kinder zeigen Stärke kmäng kmäng bong-hein kom-lahng
2012: 11.529 Gemeinden 42,4 Mio. Euro Nicaragua  Nicaragua Klopft an Türen, pocht auf Rechte Llamar a las puertas, insistir en vuestros derechos
2013: 11.604 Gemeinden 43,7 Mio. Euro Tansania  Tansania Segen bringen – Segen sein. Für Gesundheit in Tansania und weltweit!
2014: 11.075 Gemeinden 44,5 Mio. Euro Malawi  Malawi Segen bringen – Segen sein. Hoffnung für Flüchtlingskinder in Malawi und weltweit!
2015 10.515 Gemeinden 45,5 Mio. Euro Philippinen  Philippinen Segen bringen – Segen sein. Gesunde Ernährung für Kinder auf den Philippinen und weltweit!
2016 10.282 Gemeinden 46,2 Mio. Euro Bolivien  Bolivien Segen bringen – Segen sein. Respekt für dich, für mich, für andere – in Bolivien und weltweit!
2017 47,45 Mio. Euro Kenia  Kenia Segen bringen – Segen sein. Gemeinsam für Gottes Schöpfung – in Kenia und weltweit!
2018 Indien  Indien Kinder mit einer Mission – Gemeinsam gegen Ausbeutung! (Kinderarbeit in Indien)
2019 Peru  Peru Segen bringen – Segen sein. Wir gehören zusammen – in Peru und weltweit!
* Der außergewöhnlich hohe Betrag ist auf die erhöhte Spendenbereitschaft der Bevölkerung aufgrund des Seebebens im Indischen Ozean Ende 2004 („Tsunami-Katastrophe“) zurückzuführen.

Weltmissions-Tag der KinderBearbeiten

Seit 1950 wird nach der Festlegung durch Papst Pius XII. der sogenannte „Weltmissionstag der Kinder“ – zwischen dem Weihnachtsfest und dem Fest Epiphanie gelegen – begangen. In der Diözese Linz ist diese Sammlung als „Krippen-Opfer“ bekannt[4] und wird traditionell am 28. Dezember, dem Tag der Unschuldigen Kinder begangen.

Weitere AufgabenBearbeiten

Neben den Sternsingeraktionen beteiligen sich gemeinsam mit dem Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ Schulen, einzelne Klassen, Kindergartengruppen, Gruppen aus Jugendverbänden oder Pfarrgemeinden, Messdiener oder Kinderchöre an Aktionen für internationale Kinderprojekte. Mit Weihnachtsbasaren oder Sommerfesten, Sponsorenläufen oder Kinderflohmärkten sammeln sie Geld. Das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ beteiligt sich an kirchlichen Aktionen wie dem Weltmissionstag der Kinder, Kampagnen gegen Kinderarmut und Aids sowie zur Stärkung der Kinderrechte. "Des Weiteren hat die Unterstützung der Evangelisierungsarbeit in den Ländern Asiens, Ozeaniens, Afrikas und Lateinamerikas einen besonderen Stellenwert."[5] Ein weiteres Arbeitsfeld ist die Organisation von Kinderpatenschaften. Alleine 2013 kamen so 1,29 Mio. Euro für Kinder in aller Welt zusammen.[3]

SonstigesBearbeiten

Die sparsame und satzungsgemäße Verwendung der Spendengeldern wird dem Kindermissionswerk jährlich durch die Auszeichnung mit dem Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen bescheinigt.[6]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ (Hrsg.): Damit Kinder leben können. Die Geschichte des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“. Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf in Zusammenarbeit mit Kindermissionswerk „Die Sternsinger“. ISBN 3-7761-0052-4.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Ursula Lux: Sternsinger. Kinder sammeln für Kinder. In: G/Geschichte, Nr. 01/2018, S. 66–67, hier S. 67.
  2. „Neuer Präsident für „Die Sternsinger“ und missio Aachen“, Vatican News vom 22. Juli 2019
  3. a b Jahresbericht 2013. (PDF; 12 MB) Kindermissionswerk "Die Sternsinger". (Nicht mehr online verfügbar.) Kindermissionswerk "Die Sternsinger" e.V., 31. Juli 2013, archiviert vom Original am 22. Dezember 2014; abgerufen am 22. Dezember 2014.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sternsinger.org
  4. Krippen-Opfer in der Diözese Linz. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 21. Oktober 2013; abgerufen am 20. Oktober 2013.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.missio.at
  5. Grundsätze der Sternsinger für die Förderung von Projekten. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 22. Dezember 2014; abgerufen am 19. April 2012.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sternsinger.org
  6. Zuerkennung durch das DZI. Abgerufen am 22. Dezember 2014.