Hauptmenü öffnen
Kernkraftwerk Bilibino
Kernkraftwerk Bilibino
Kernkraftwerk Bilibino
Lage
Kernkraftwerk Bilibino (Föderationskreis Ferner Osten)
Kernkraftwerk Bilibino
Koordinaten 68° 3′ 26″ N, 166° 27′ 18″ OKoordinaten: 68° 3′ 26″ N, 166° 27′ 18″ O
Land: RusslandRussland Russland
Daten
Eigentümer: Rosenergoatom
Betreiber: Rosenergoatom
Projektbeginn: 1966
Kommerzieller Betrieb: 1. April 1974

Aktive Reaktoren (Brutto):

3  (36 MW)

Stillgelegte Reaktoren (Brutto):

1  (12 MW)
Eingespeiste Energie im Jahr 2006: 96 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme: 6.735 GWh
Stand: 22. Juli 2007
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Bilibino (russisch Билибинская АЭС [Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i], Kürzel БАЭС, BAES) liegt nahe der russischen Stadt Bilibino im Autonomen Kreis der Tschuktschen im Nordosten Sibiriens. In den letzten Jahren hat das Kernkraftwerk durchschnittlich 132 Millionen Kilowattstunden in das öffentliche Stromnetz der Oblast Magadan eingespeist. Darüber hinaus wird Wärme an die Stadt Bilibino abgegeben. Das Kernkraftwerk wurde als erstes und einziges im Nordpolarkreis in einem Gebiet mit Dauerfrostboden errichtet, um Energie für die Ausbeutung der Goldminen in der Umgebung bereitzustellen. Die Gegend um Bilibino ist abgeschnitten vom Straßen- und Eisenbahnnetz, zudem mangelt es vor Ort an konventionellen Energieträgern. Daher war der Bau eines kleinen Kernkraftwerks die mit Abstand kostengünstigste Variante, um die nötige Energie bereitzustellen. Eigentümer und Betreiber des Kernkraftwerkes ist das staatliche Unternehmen Rosenergoatom.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Im Jahr 1965 wurde beschlossen, das Kernkraftwerk Bilibino zu errichten; die Konstruktion begann am 11. Dezember 1966. Mit dem Bau der Kernreaktoren wurde am 1. Januar 1970 begonnen. Nach über vierjähriger Bauzeit wurde der erste Reaktorblock am 11. Dezember 1973 erstmals kritisch. Die Blöcke II und III folgten am 7. Dezember 1974 und 6. Dezember 1975. Der letzte Block IV wurde am 12. Dezember 1976 erstmals kritisch.[1] Die Reaktoren waren für eine Betriebsdauer von 30 Jahren vorgesehen. Die ersten Blöcke haben inzwischen diese Laufzeit erreicht und sollten eigentlich abgeschaltet werden. Für den Block I wurde im Jahr 2004, für den Block II im Jahr 2005 eine Laufzeitverlängerung von fünf Jahren genehmigt.[2] Auch für die Reaktorblöcke III und IV soll eine längere Betriebsdauer erlaubt werden als ursprünglich geplant; durch Modernisierungsmaßnahmen soll die Betriebsdauer des Kernkraftwerks um bis zu 15 Jahre verlängert werden. Ein Ersatz der vier Reaktoren ist nach 2015–2020 geplant.[2]

Noch 2003 wurde ein Neubau der Blöcke E, F und G bzw. V, VI und VII angedacht mit einer Nettoleistung von jeweils 31 MW.[3]

Stilllegung und ErsatzBearbeiten

Ab 2019 soll das schwimmende Kernkraftwerk Akademik Lomonossow, ein Small Modular Reactor (SMR), als Ersatz von Bilibino die Strom- und Wärmeversorgung des nahegelegenen Pewek sowie der angrenzenden Bergwerke übernehmen. Es wurde im St. Petersburger Hafen gefertigt und im Jahr 2018 nach Murmansk geschleppt. Im Sommer 2019 soll die Anlage an ihren Bestimmungsort in Pewek geschleppt und mit dem Stromnetz synchronisiert werden. Auf einer 150 m langen Barke befinden sich zwei Reaktoren vom Typ KLT-40C mit je 35 MW Leistung.[4]

Das AKW Bilibino wird im Zuge der Inbetriebnahme des AKW Akademik Lomonossow stillgelegt. Block 1 wurde bereits im März 2018 vom Netz genommen, die Brennstäbe wurden entfernt und im Abklingbecken eingelagert. Die Blöcke 2 bis 4 sollen im Dezember 2021 stillgelegt werden.[5]

LeistungBearbeiten

Bei den vier kleinen Reaktorblöcken handelt es sich um Reaktoren des Typs EGP-6. Die Nettoleistung der vier Reaktoren liegt bei jeweils 11 Megawatt (MW), die Bruttoleistung bei 12 MW.[1] Die thermische Leistung beträgt 62 MW. Mit einer installierten Gesamtleistung von 48 MW ist das Kernkraftwerk das kleinste in Betrieb befindliche Kernkraftwerk in Russland und auch weltweit.

Der EGP-6 (ЭГП-6) ist ein Reaktor mit einzelnen Kanälen für den Wasserdampf.[6] Es wird neben 11 MWe (netto) Elektrizität auch Wärme für externe Verbraucher bereitgestellt. Als Moderator wird Graphit eingesetzt. Bei den Reaktoren handelt es sich um ältere kleine Reaktortypen ähnlich der RBMK-Reaktoren der ersten Generation von Kernreaktoren.[7][8][9]

SicherheitBearbeiten

Am 10. Juli 1991 ereignet sich der bisher schwerste Störfall in diesem Kernkraftwerk. Es handelte sich dabei um einen ernsten Störfall der INES-Stufe 3.[10]

Ein Störfall der INES-Stufe 2 ereignete sich 1998.[11]

Daten der ReaktorblöckeBearbeiten

Das Kernkraftwerk Bilibino hat vier Blöcke:

Reaktorblock[1] Reaktortyp Netto-
leistung
Brutto-
leistung
Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Abschaltung
Bilibino - 1 GBWR-12/EGP-6 11 MW 12 MW 1. Januar 1970 12. Januar 1974 1. April 1974 14. Januar 2019[1]
Bilibino - 2 GBWR-12/EGP-6 11 MW 12 MW 1. Januar 1970 30. Dezember 1974 1. Februar 1975 (Dez. 2021 geplant)[5]
Bilibino - 3 GBWR-12/EGP-6 11 MW 12 MW 1. Januar 1970 22. Dezember 1975 1. Februar 1976 (Dez. 2021 geplant)[5]
Bilibino - 4 GBWR-12/EGP-6 11 MW 12 MW 1. Januar 1970 27. Dezember 1976 1. Januar 1977 (Dez. 2021 geplant)[5]

QuellenBearbeiten

  1. a b c d Power Reactor Information System der IAEA: „Russian Federation: Nuclear Power Reactors“ (englisch)
  2. a b World Nuclear Association - Nuclear Power in Russia (April 2007) (englisch)
  3. Das CNPP von der Russian Federation des Jahres 2003 (Memento des Originals vom 11. Juni 2007 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www-pub.iaea.org (englisch)
  4. deutschlandfunk.de, Wissenschaft im Brennpunkt, 16. Juli 2017, Dagmar Röhrlich: Schöne neue Reaktorwelt (30. Juli 2017)
  5. a b c d Bilibino unit 1 prepared for decommissioning
  6. Schematische Darstellung Reaktor EPG-6 (Seite A8) (englisch; PDF; 1,6 MB)
  7. National Research Council. 2003. End Points for Spent Nuclear Fuel and High-Level Radioactive Waste in Russia and the United States. Washington, DC: The National Academies Press. doi:10.17226/10667
  8. Österreichisches Ökologie Institut (englisch) (Memento vom 15. März 2005 im Internet Archive)
  9. Nuclear Energy Institute - Soviet Plant Source Book (Seite 122) (Memento des Originals vom 29. November 2006 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nei.org (englisch)
  10. Flowting Nuclear Power Plants in Russia (Seite 74) (Memento vom 29. September 2007 im Internet Archive) (englisch; PDF; 1,0 MB)
  11. Störfall von 1998 (PDF; 657 kB) (Memento vom 21. April 2014 im Internet Archive)

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten