Kemah (Türkei)

Siedlung in der Türkei

Kemah (armenisch Gamax, zazaisch Kemax) ist eine Stadt und zugleich Verwaltungszentrum des gleichnamigen Landkreises in der türkischen Provinz Erzincan. Der Ort liegt etwa 50 Straßenkilometer westlich von der Provinzhauptstadt Erzincan und beherbergt etwa ein Drittel (2018: 34,095 %) der Landkreisbevölkerung. Die heutige Stadt liegt am Fuße der alten Festung von Kemah an der Bahnstrecke von Erzincan nach Sivas.

Kemah
Wappen fehlt
Hilfe zu Wappen
Kemah (Türkei) (Türkei)
Red pog.svg
Basisdaten
Provinz (il): Erzincan
Koordinaten: 39° 36′ N, 39° 2′ OKoordinaten: 39° 36′ 10″ N, 39° 2′ 8″ O
Höhe: 1130 m
Einwohner: 2.781[1] (2011)
Telefonvorwahl: (+90) 446
Postleitzahl: 24400
Kfz-Kennzeichen: 24
Struktur und Verwaltung (Stand: 2019)
Gliederung: 10 Mahalle
Bürgermeister: Osman Kemal Aslan (MHP)
Landkreis Kemah
Einwohner: 8.167[1] (2011)
Fläche: 2.311 km²
Bevölkerungsdichte: 4 Einwohner je km²
Kaymakam: Ahmet Karaaslan
Website (Kaymakam):
Arabisch-Byzantinische Grenze mit den Festungen und Burgen. Kemah ist hier unter Kamacha (über der Beschriftung Lesser Arminia) aufgeführt.

Der heutige gebräuchliche Name Kemah ist eine Ableitung des griechischen Wortes Κάμαχα. In den arabischen Quellen des Mittelalters tauchten die Bezeichnungen Kamch oder Kamach auf.

LandkreisBearbeiten

Der Landkreis liegt im Westen der Provinz und grenzt an den Kreis İliç im Westen, an den Kreis Refahiye im Norden und an den zentralen Landkreis (Merkez) von Erzincan im Osten. Im Süden bildet der Kreis Ovacık (Provinz Tunceli) die Grenze. Der Kreis Kemah hat – wie die meisten Kreise im Osten und Westen der Provinz – eine sehr geringe Bevölkerungsdichte, die niedrigste der Provinz.

Der Kreis besteht neben der Kreisstadt noch aus 73 Dörfern (Köy) mit durchschnittlich 74 Bewohnern. Kerer ist mit 361 Einwohnern das größte Dorf.

GeschichteBearbeiten

Im frühen Mittelalter war Kemah eine Grenzfestung zwischen dem Byzantinischen Reich und den Umayyaden (später auch Abbasiden) und wechselte oft zwischen den beiden Seiten. Der erste arabische Angriff auf die Region unter Habib ibn Maslama war ein Fehlschlag für die Araber. Beim dritten Angriff im Jahr 678/679 konnten die Araber die Festung einnehmen, verloren sie aber nach kurzer Zeit wieder. Nach mehrmaligem Hin und Her konnten die Byzantiner Kemah zwischen 793 und der Schlacht von Manzikert im Jahr 1071 kontrollieren. Die ersten türkischen Raubzüge fanden schon 1057/58 statt. Nach der Niederlage der Byzantiner in Manzikert wurden in Anatolien türkische Fürstentümer (Beylik) gegründet. Kemah wurde Teil des Beylik Mengücek. Gründer war der gleichnamige General Mengücek Ghazi, der für seine Verdienste die Gebiete um Erzincan und Kemah als Belohnung erhielt. Mengücek Ghazi starb 1118 und ist in Kemah begraben worden.[2]

Die Mengücek wurden später von den Rum-Seldschuken bedrängt, bis deren Sultan Kai Kobad I. erst 1225 Erzincan und dann 1228 Kemah eroberte und so das Beylik beendete. Der letzte Mengücekherrscher hatte vorher noch versucht, mit den Saltukiden von Erzurum und Dschalal ad-Din eine Allianz gegen Kai Kobad I. zu schmieden, scheiterte aber damit. Die Rum-Seldschuken wurden 1243 von den Mongolen unterworfen und Kemah wurde zum Teil des Ilchanats. Nach dem chaotischen Ende der mongolischen Ilchane zersplitterte deren Reich in Anatolien in mehrere Teile. Kemah wurde von den Eretna und dann von Kadi Burhan al-Din beherrscht. Die Osmanen unter Sultan Bayezid I. eroberten große Teile in Ostanatolien und beseitigten Kadi Burhan al-Din. Sie sollten Kemah bis zum Ende des Ersten Weltkrieges beherrschen, allerdings mit Unterbrechungen. Bayazid I. verlor nämlich ein Teil seines Reiches 1402 an Timur und wurde sogar selber gefangen genommen. 1515 eroberten die Osmanen Kemah zurück, das in der Zwischenzeit zu den Aq Qoyunlu und Safawiden gehörte.

In Kemah wurden während des Völkermords an den Armeniern[3] zwischen dem 10. und dem 14. Juni 1915 innerhalb von vier Tagen 25.000 Armenier getötet, indem die Opfer in eine steile Schlucht und in den Fluss Euphrat geworfen wurden.[4][5]

PersönlichkeitenBearbeiten

QuellenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Kemah – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Türkiye Nüfusu İl ilçe Mahalle Köy Nüfusları, abgerufen am 14. Juni 2019
  2. Clive Foss, Alexander Petrovich Kazhdan: Oxford Dictionary of Byzantium. Hrsg.: Oxford University Press. New York und Oxford, Vereinigtes Königreich 1991, ISBN 978-0-19-504652-6, S. 1097.
  3. The forgotten Holocaust: The Armenian massacre that inspired Hitler. In: Teil von The Daily Mail, The Mail on Sunday & Metro Media Group. Associated Newspapers Ltd, 11. Oktober 2007, abgerufen am 8. Oktober 2011: „In four days alone, from 10–14 June 1915, the gangs 'eliminated' some 25,000 people in the Kemah Erzincan area alone.“
  4. Raymond H. Kévorkian: The Armenian genocide: a complete history. I. B. Tauris, London 2011, ISBN 1-84885-561-3, S. 309–310 (Abgerufen am 8. Oktober 2011).
  5. Raymond H. Kévorkian: The Extermination of Ottoman Armenians by the Young Turk Regime (1915-1916). In: Online Encyclopedia of Mass Violence. 3. Juni 2008, abgerufen am 8. Oktober 2011: „At a point two hours from the town, the men are taken aside and eliminated. 2,833 infants from the kaza of Bayburt are drowned in the Euphrates in the midst of the gorges of Kemah.“