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Der Kaufunger Wald im Landkreis Kassel und Werra-Meißner-Kreis in Hessen sowie im Landkreis Göttingen in Niedersachsen ist ein bis 643,4 m ü. NHN[1] hohes und rund 170 km²[2] (ohne die Söhre) großes Mittelgebirge im äußersten Norden des Osthessischen Berglands, dem Fulda-Werra-Bergland. Er bildet dort den Über-Naturraum Kaufunger Wald und Söhre, der auch die Söhre umfasst.

Kaufunger Wald
Höchster Gipfel Hirschberg (643,4 m ü. NHN)
Lage Landkreis Kassel, Werra-Meißner-Kreis, Landkreis Göttingen; Hessen und Niedersachsen (Deutschland)
Teil des Fulda-Werra-Berglands, Osthessisches Bergland
Kaufunger Wald (Hessen)
Kaufunger Wald
Koordinaten 51° 15′ N, 9° 45′ OKoordinaten: 51° 15′ N, 9° 45′ O
Fläche 170 km²
Der nördliche Kaufunger Wald bei Hedemünden

Demgegenüber wird unter Kaufunger Wald landläufig jedoch meistens nur die im Süden gemeindefreie Hochfläche des Gutsbezirks Kaufunger Wald nördlich der Großalmeröder Grabenzone verstanden, das heißt der nördlich des Oberlaufes der Gelster bzw. nördlich der Wedemann und des Unterlaufes der Losse liegende Teil des Waldes.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Der Kaufunger Wald befindet sich im Nordostteil Nordhessens und im Südteil Südniedersachsens. Er breitet sich zwischen Kaufungen im Südwesten, Kassel im Westen, Hann. Münden im Norden, Witzenhausen im Osten und Großalmerode im Süden aus. Hierzu muss, je nach Definition, die sich südlich anschließende Söhre hinzu gerechnet werden.

 
Im Kaufunger Wald (nördlicher Talhang des oberen Niestetals, Mai 2011)

Naturräumliche GliederungBearbeiten

Innerhalb des Fulda-Werra-Berglandes (Haupteinheit 357) wird der Kaufunger Wald wie folgt gegliedert:[3][4]

  • 357.7 Kaufunger Wald und Söhre
    • 357.70 Söhre
    • 357.71 Kaufunger-Wald-Hochfläche (Vorderer Kaufunger Wald)
    • 357.72 Hinterer Kaufunger Wald

Sofern nicht anders gekennzeichnet, werden im Folgenden unter „Kaufunger Wald“ nur die Naturräume 357.71 und 357.72 verstanden.

RandsenkenBearbeiten

Folgende Randsenken trennen den Kaufunger Wald von den benachbarten Naturräumen (im Uhrzeigersinn, beginnend im Süden):

Benachbarte HöhenzügeBearbeiten

Im Südwesten grenzt der Kaufunger Wald an die jenseits des Lossetals gelegene Söhre, im Westen schließt sich, durch die Westhessische Senke deutlich abgetrennt, der Habichtswald an. Im Nordwesten trennt die Fulda das Massiv vom Reinhardswald und im Nordosten ist die Werra Abgrenzung zum Bramwald. Im Südosten schließt sich, jenseits der Gelster, das deutlich höhere Bergmassiv des Hohen Meißner mit der Kasseler Kuppe (753,6 m) an.

Zusammen mit dem Hohen Meißner und großen Teilen der Söhre bildet der hessische Teil des "eigentlichen" Kaufunger Waldes den Geo-Naturpark Frau-Holle-Land (Werratal.Meißner.Kaufunger Wald), an den sich im Norden, auf niedersächsischer Seite, der Naturpark Münden anschließt.

BergeBearbeiten

Der höchste Berg des Kaufunger Waldes im erweiterten Sinne liegt mit dem 643,4 m hohen Hirschberg im Osten der Söhre. Nördlich davon, im Südosten des eigentlichen Kaufunger Waldes, dessen hessische Waldflächen im Gutsbezirk Kaufunger Wald zusammengefasst sind, erhebt sich der mit einem Aussichtsturm ausgestattete, zweithöchste Berg, der 641,2 m hohe Bilstein.

 
Bilsteinturm auf dem Bilstein

Zu den Bergen im Naturraum Kaufunger Wald und Söhre gehören – in der Regel mit Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN); wenn nicht anders genannt laut[1]; solche der Söhre sind mit einem Stern (*) gekennzeichnet; bei Bergen, die sich in knapp außerhalb des vorgenannten Naturraums befinden, sind die naturräumlichen Einheiten in Kursiv-Schrift hinter der Berghöhe erwähnt:

  • Badenstein * (441,5 m)
  • Mühlberg * (441,3 m)
  • Warpel * (439,4 m)
  • Kühlestuhl (433 m)
  • Hungershäuser Berg (430 m)
  • Steinkopf * (427,0 m)
  • Großer Staufenberg (427 m ü. NN)[6]
  • Hühnerfeldberg (418,4 m)
  • Salzleckerkopf (411,7 m)
  • Königsberg * (410,0 m)
  • Kratzenhagenkopf (405 m)
  • Haarbachskopf (400 m)
  • Heidelbeerkopf (396,0 m)
  • Kalbskopf (392,6 m)
  • Wildhecker Kopf (382,3 m)
  • Vockenberg * (381,25 m)
  • Wolfsberg (370,7 m)
  • Kleiner Staufenberg (370,5 m)
  • Gebrannter Kopf (360,0 m)
  • Gerholdsberg (355 m; Kasseler Becken)
  • Mühlenberg (351,8 m; Kasseler Becken)
  • Rodeberg (339,7 m)
  • Warteberge (336,9 m)
  • Nonnenkopf (335 m)
  • Speeler Kopf (315,8 m)
  • Ickelsberg (305,1 m)
  • Ellerberg (282,0 m)

    1 Berg im Stiftswald Kaufungen, einem Teilgebiet der Söhre

GewässerBearbeiten

Folgend sind Gewässer des eigentlichen Kaufunger Waldes aufgezählt; für Gewässer der Söhre siehe hier.[7]

Zu den größeren Fließgewässern im und am Kaufunger Wald gehören:
(je fulda- und werraaufwärts, d. h. von Nord nach Süd, sortiert; in Klammern Länge, Einzugsgebiet und Abfluss)

  • Fulda, passiert den Kaufunger Wald nordwestlich
    • Nieste (21,8 km, 88,1 km², 921 l/s), entspringt am Steinberg
    • Losse (28,9 km, 120,6 km², 1418 l/s), entspringt außerhalb des Kaufunger Waldes bei Hessisch Lichtenau und bildet, zusammen mit dem rechten Nebenfluss
      • Wedemann (5,1 km, 14,5 km², 213 l/s), die westliche Südgrenze
  • Werra, passiert den Kaufunger Wald nordöstlich
    • Gelster (18,2 km, 60,6 km², 771 l/s), entspringt nördlich des Hirschbergs (Söhre) und bildet die östliche Süd- und die südliche Ostgrenze

Zu den Stillgewässern im Kaufunger Wald gehören:

OrtschaftenBearbeiten

Zu den Ortschaften im und am Kaufunger Wald gehören:

GeologieBearbeiten

Die Berge des Kaufunger Waldes bestehen aus einer etwa 80 Millionen Jahre alten Buntsandsteinplatte, die von einigen Basaltkegeln und Kohleflözen durchsetzt ist. Weil diese Platte zum Beispiel durch ab- bzw. eingelagerte Tone teils wasserundurchlässig ist, haben sich einige Moore (z. B. Hühnerfeld) und Sümpfe gebildet. Durchzogen ist die Landschaft von zahlreichen Fließgewässern, die sich im Lauf der Jahrmillionen teils tief in die Sandsteinplatte eingegraben haben bzw. das Mittelgebirge nach außen hin abgrenzen.[8]

Aktivitäten und SehenswertesBearbeiten

Der Kaufunger Wald, im Mittelalter ein Reichswald, ist aufgrund zahlreicher Wanderwege (z. B. Eder-Gelster-Weg, Frau-Holle-Pfad, Herkulesweg, Kassel-Steig, Premiumweg Niester Riesen[9], Premiumweg Kaufunger Wald (Bilstein)[10] und Märchenlandweg) populär. Radfahrer und Mountainbiker nutzen die Forstwege, um sich fit zu halten und zu erholen. Die jährlich stattfindenden Veranstaltungen Bilstein-Bike-Marathon und Bilstein-Marathon locken zahlreiche Aktivisten und Besucher an. In Winter werden zahlreiche Wege zu Loipen umfunktioniert.

Zu den Sehenswürdigkeiten des Kaufunger Waldes gehören der Bilsteinturm auf der Kuppe des Bilsteins und das zwischen Hühnerfeldberg und Kleinen Steinberg gelegene Moor Hühnerfeld. Eine Freizeitattraktion ist der Erlebnispark Ziegenhagen bei Witzenhausen-Ziegenhagen, wo sich die Burgruine Ziegenberg befindet. In den Westausläufern des Kaufunger Waldes befindet sich in Sichelnstein die Burg Sichelnstein und bei Nieste das Bodendenkmal der einstigen Burg Sensenstein.

Vom Flugplatz Witzenhausen kann man zu Rundflügen über den Kaufunger Wald abheben.

VerkehrsanbindungBearbeiten

Erschlossen ist der Kaufunger Wald unter anderen durch die Bundesstraßen 7, 80 und 451, von denen die zwei zuerst genannten zur Bundesautobahn 7 führen. Durch den Südwestteil des Kaufunger Waldes wird in Zukunft ein noch in Planung befindlicher Abschnitt der A 44 (KasselEisenach) verlaufen; ein anderer Teilbereich dieser Autobahn – bei Hessisch Lichtenau – ist bereits für den Verkehr freigegeben. Außerdem führen mehrere Kreis- und Landesstraßen durch den Kaufunger Wald, eine davon verläuft zwischen Nieste und Kleinalmerode über die Passhöhe Umschwang.

Witzenhausen und Hann. Münden haben Bahnhöfe an der Bahnstrecke Halle–Hann. Münden; Kaufungen, Helsa und Hessisch Lichtenau werden von der Regiotram angefahren.

Geschichte der GläsnereiBearbeiten

Hans Jürgen von der Wense schrieb über die Geschichte der Glasherstellung im Kaufunger Wald:

„Glas wurde bis 1300 in Italien, dann in Böhmen bereitet, danach in sehr roher Form im Spessart, bis Anfang des 15. Jahrhundert Bauern aus Großalmerode hier im Kaufunger Wald eine für damalige Zeit ungeheuer große Glasindustrie aufbauten, denn hier fand man alles was der Gläsner braucht [...]“

Aus: Jürgen von der Wense: Epidot. Matthes & Seitz, München 1987, ISBN 3-88221-363-9 (Hrsg.) Dieter Heim S. 142−143

Und führt weiter aus:

„Der große Leibniz korrespondierte mit den Kunkells, die bald zu mächtigen Handelsherren aufstiegen. Das alles kommt aus unserem heute so stillen Tal, und überall im Kaufunger Wald, an jedem Quell, auf jeder Wiese und Lichtung, findet man noch immer kümmerlicher werdende Zeugen und Reste dieses alten naturverbunddenen Wander-Gewerbes.“

Aus: Jürgen von der Wense: Epidot. Matthes & Seitz, München 1987, ISBN 3-88221-363-9 (Hrsg.) Dieter Heim S. 143

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Landschaftssteckbrief 35702 Kaufunger Wald des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise) (ohne Söhre)
  3. Karte und Beschreibung im Umweltatlas Hessen
  4. Hans-Jürgen Klink: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 112 Kassel. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1969. → Online-Karte (PDF; 6,9 MB)
  5. Tafel Kohlenbergbau am Stellberg (Berghöhe 495 m über NN: 1. Absatz), auf eco-pfade.de (PDF; 323,3 KB)
  6. Topographische Karte 1:25.000, Blatt 4623, Kassel Ost, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt, Landesvermessung, Hannover
  7. Gewässerkartendienst des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hinweise)
  8. „Geologische Übersichtskarte von Hessen“. Geschichtlicher Atlas von Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  9. EntdeckerTour Premiumweg P11 Niester Riesen, auf naturparkfrauholle.land
  10. EntdeckerTour Premiumweg P14 Kaufunger Wald (Bilstein), auf naturparkfrauholle.land

LiteraturBearbeiten

  • Christian Hilmes et al.: Kaufunger Wald. Land und Leute zwischen Fulda und Werra. Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde e. V. Kassel 1834 – Zweigverein Kaufunger Wald, Kaufungen 1998
  • Jörg Wagner: Mensch und Wald im Mittelalter. Wald und Herrschaft, dargestellt anhand des Kaufunger Waldes. Wissenschaftsskripten, Reihe 8: Geschichte und historische Hilfswissenschaften, Band 1. Kletsmeier, Gießen 1997, ISBN 3-930494-32-9
  • Ernst Baier, Cord Peppler-Lisbach, Volker Sahlfrank: Die Pflanzenwelt des Altkreises Witzenhausen mit Meißner und Kaufunger Wald. 2., ergänzte und verbesserte Auflage. Schriften des Werratalvereins Witzenhausen, Heft 39. Werratalverein (WTV) Witzenhausen, Witzenhausen 2005, ISBN 3-9807194-2-1
  • Paul Benecke, Hans-Jürgen Liebscher, Ernst Meyer: Forstlich-hydrologische Untersuchungen im Kaufunger Wald. Schriften aus der Forstlichen Fakultät der Universität Göttingen und der Niedersächsischen Forstlichen Versuchsanstalt, Band 63. Sauerländer, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-7939-5063-8

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kaufunger Wald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikivoyage: Kaufunger Wald – Reiseführer