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Kaufland

deutsches Einzelhandelsunternehmen
Kaufland Stiftung & Co. KG

Logo
Rechtsform Stiftung & Co. KG
Gründung 1968
Sitz Neckarsulm, Deutschland
Leitung Ralf Imhof und Martin Pralow
Mitarbeiterzahl 56.058[1]
Umsatz 9,593 Mrd. EUR[1]
Branche Lebensmitteleinzelhandel
Website www.kaufland.de
Stand: 28. Februar 2018

Logo bis November 2016
Kaufland in Frankfurt (Oder)

Kaufland ist eine Supermarktkette mit Sitz in Neckarsulm. Der Lebensmittelvollsortimenter ist wie der Discounter Lidl ein Tochterunternehmen der Schwarz-Gruppe. Kaufland und Lidl sind zusammen mit einem Jahresumsatz von 104,3 Mrd. Euro (2018) die größten Lebensmittelhändler Europas.[2]

GeschichteBearbeiten

 
Beteiligungen innerhalb der Schwarz-Gruppe
 
Kaufland im slowakischen Prešov
 
Kaufland Europakarte
 
Kaufland im kroatischen Zagreb

Die Anfänge von Kaufland reichen bis in das Jahr 1930 zurück. Zu diesem Zeitpunkt trat Josef Schwarz (1903–1977) als persönlich haftender Gesellschafter (Komplementär) in die Südfrüchte Großhandlung Lidl & Co. in Heilbronn ein. Das Unternehmen wurde in Lidl & Schwarz KG umbenannt und zügig zu einer Lebensmittelgroßhandlung für die Region Heilbronn-Franken ausgebaut.[3] Nachdem das Unternehmen im Zweiten Weltkrieg 1944 völlig zerstört worden war, gelang der Wiederaufbau innerhalb von zehn Jahren. Die Firma erhielt 1954 in Heilbronn erneut ein eigenes Domizil und trat im selben Jahr in die „A&O Handelskette“ (heute: Markant) ein. Mit der Handels- und Fruchthof Heilbronn GmbH wurde in Nordwürttemberg 1960 das erste Zentrallager eröffnet. 1968 eröffnete Lidl & Schwarz den ersten Supermarkt unter dem Namen „Handelshof“ im schwäbischen Backnang, die Handelshof-Supermärkte wurden später in Kaufland umbenannt.

Nachdem Josef Schwarz 1977 im Alter von 74 Jahren verstorben war, übernahm dessen Sohn Dieter Schwarz die Leitung der Lidl & Schwarz KG. 1984 eröffnete in Neckarsulm (seit 1972 Sitz der Konzernzentrale) der allererste Supermarkt unter dem damals neuen Namen Kaufland.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands expandierte Kaufland in die neuen Bundesländer und eröffnete dort zahlreiche Märkte. Das erste ostdeutsche Kaufland-Warenhaus wurde 1990 in Meißen eingerichtet. 1998 wurde in Kladno in Tschechien die erste Kaufland-Filiale im Ausland eröffnet. Weitere Filialen betreibt Kaufland in den mittel- und osteuropäischen Ländern Polen, Kroatien, Bulgarien, der Slowakei und in Rumänien. Des Weiteren möchte Kaufland laut eigenen Angaben nach Moldau sowie Australien expandieren.[4]

Derzeit unterhält Kaufland über 1270 Märkte, davon über 660 in Deutschland.

Die Geschäfte verfügen jeweils über eine Fläche zwischen 2.200 und 15.000 m². Einige Filialen nutzen die in vielen Bundesländern ausgeweiteten Ladenöffnungszeiten und sind deshalb von montags bis samstags von 6 bis 22 Uhr bzw. 24 Uhr und einige bis 2 Uhr nachts geöffnet. Zu den verschiedenen Kaufland-Tochtergesellschaften gehören die Schwarz-Immobilienverwaltung GmbH & Co. KG, die im Besitz der SB-Warenhäuser ist, und die Kaufland-Dienstleistung GmbH als Betreiber der SB-Märkte. Im Dezember 2009 verkaufte die Karl Lupus GmbH & Co. KG ihre bisherigen zwölf Warenhäuser der famila Handels-Betriebe GmbH & Co. KG Rhein-Neckar und den Cash-&-Carry-Markt Lupus Food Service mit 1400 Mitarbeitern an Kaufland; die effektive Übernahme erfolgte im Februar 2010.[5] Im Januar 2010 hat Kaufland vier SB-Warenhäuser von Schlecker (Schleckerland) in Ehingen, Geislingen an der Steige, Göppingen und Schwäbisch Gmünd übernommen, umgebaut und auf das Kaufland-Konzept umgestellt.[6][7] Im April 2010 wurde die Umstellung der Kaufmarkt-Filialen in Kaufland vollzogen. Im November 2010 führte die Kaufland-Gruppe für ihre Mitarbeiter einen Mindestlohn von 8,50 Euro ein. Seit dem 1. März 2011 gilt dieser Mindestlohn auch für alle Mitarbeiter von externen Dienstleistern, die bei Kaufland auf Basis eines Werkvertrags oder im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung tätig sind. Ab 1. März 2012 wurde der Mindestlohn auf 9,00 Euro angehoben.

Ende März 2011 wurden die bisherigen Ratio-Märkte in Osnabrück und Stadthagen übernommen. Im Oktober 2011 wurden alle Handelshof-Märkte im Großraum Heilbronn in Kaufland umbenannt. Einhergehend mit dem Namenswechsel waren Umbau und Sortimentserweiterungen. Die komplette Umstellung aller bundesdeutschen Handelshof-Filialen wurde bis Ende 2011 abgeschlossen. Am 1. März 2013 wurde im Gewerbegebiet an der A 38 bei Heiligenstadt in Thüringen ein neues Fleischwerk für 90 Millionen Euro eingeweiht. Rund 600 Mitarbeiter verarbeiten dort Fleisch zu 250 Artikeln, die in die deutschen Kaufland-Filialen geliefert werden.[8][9]

Von Oktober 2015 bis März 2019 war Patrick Kaudewitz neuer Vorstandschef und führte – wie von ihm angekündigt – grundlegende Innovationen im Ein- und Verkauf durch.[10]

SortimentBearbeiten

Kaufland vertreibt neben Herstellermarken auch zahlreiche Handelsmarken und Eigenmarken. Seit 1994 unterhält Kaufland eigene Bäckereien. Seit November 2018 werden auch Demeter-Produkte angeboten.[11] Unternehmenseigene Fleischwerke bestehen in Möckmühl, Osterfeld, Heilbronn und Heiligenstadt.[12][13][14][15]

In Kooperation mit einigen Touristikunternehmen werden Pauschalreisen, Flugreisen und Kreuzfahrten angeboten. K-Classic Mobil ist eine von Telefónica Germany angebotene Eigenmarke für Kaufland-Kunden.[16]

WerbungBearbeiten

Mit dem TIP-Werbeverlag, der seinen Sitz im angrenzenden Heilbronn hat, unterhält Kaufland einen eigenen Werbeverlag, der die Broschüren TOP aktuell und TIP der Woche herausgibt. Dort wird über aktuelle Angebote und Produkte regionaler Anbieter informiert. Das kostenlose Werbeblatt finanziert sich durch Anzeigen und Einleger. Nach eigenen Angaben werden 400 verschiedene Regionalausgaben in einer Auflage von 17,8 Millionen Exemplaren herausgegeben. Am Abend des 29. September 2013 wurde im Rahmen der neu gestarteten Fernseh-Werbekampagne erstmals Werbung von Kaufland im deutschen Fernsehen ausgestrahlt.

Im September 2014 teilte der TIP-Werbeverlag mit, dass er die Zustellung durch eigene Mitarbeiter beendet und ab 1. November 2014 vollständig an Fremdfirmen vergibt, wie es bereits bisher für 40 % der Auflage der Fall ist.[17] Rund 55.000 Mitarbeiter, meist Minijobber, verlieren dadurch nach Angaben des Verlags ihre Anstellung und müssen sich neu bei den externen Zustell-Dienstleistern bewerben. Die Gewerkschaft ver.di kritisierte dies als „die wahrscheinlich größte Massenentlassung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“.[18]

Ende 2016 wurde die TIP der Woche in Kaufland umbenannt.[19]

LogistikBearbeiten

Kaufland betreibt in Deutschland sieben Logistikzentren mit insgesamt 2700 Mitarbeitern:

KritikBearbeiten

In der Neuausgabe des Standardwerkes Schwarzbuch Markenfirmen vom September 2014 wurde zum ersten Mal auch Kaufland aufgeführt. Die Autoren warfen dem Konzern miserable Arbeitsbedingungen in der Lieferkette und bei den heimischen Mitarbeitern vor.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Konzernabschluss zum 28. Februar 2018 im elektronischen Bundesanzeiger
  2. https://www.stern.de/wirtschaft/news/lidl--aldi-und-co--ranking-der-groessten-lebensmittelhaendler-europas-7955026.html
  3. Chronik. Abgerufen am 7. März 2018.
  4. Expansion in Australien: Down Under freut sich auf Kaufland. (handelsblatt.com [abgerufen am 24. April 2017]).
  5. Kaufland übernimmt Lupus/Famila mit 1400 Mitarbeitern - Wirtschaft - Pforzheimer Zeitung. Abgerufen am 3. April 2019.
  6. Schleckerland macht zu In: Schwäbische Zeitung vom 25. November 2009
  7. Neu-Ulmer Schleckerland öffnet wieder. In: Schwäbische Zeitung vom 4. Januar 2010
  8. Pünktlich am 1. März startet im Kaufland-Fleischwerk in Heiligenstadt die Produktion. Thüringische Landeszeitung, abgerufen am 12. Mai 2014
  9. Kaufland-Fleischbetrieb in Heiligenstadt startet Produktion (Memento vom 28. Mai 2016 im Internet Archive), abgerufen am 12. Mai 2014
  10. Manfred Stockburger: Zeitenwende bei Kaufland. Neckarsulm Wie Vorstandschef Kaudewitz den Lebensmittelhändler wieder attraktiv machen möchte. In: Heilbronner Stimme. 15. Mai 2016 (bei stimme.de [abgerufen am 15. Mai 2016]).
  11. Aktuelle Angebote; Demeter. In: kaufland.de. 15. November 2018, abgerufen am 19. November 2018.
  12. Heiko Fritze: Kaufland investiert 38 Millionen Euro. In: Heilbronner Stimme. 24. Dezember 2008, S. 35 (bei stimme.de [abgerufen am 27. Dezember 2008]).
  13. Wir über uns: Die FRISCHE-Metzgerei von K-Purland (Memento vom 12. Mai 2016 im Internet Archive) bei kaufland.de (abgerufen am 26. November 2012)
  14. Manfred Stockburger: Leiharbeiter: Vorreiter Kaufland. In: Heilbronner Stimme. 20. November 2010, S. 35 (bei stimme.de [abgerufen am 27. April 2011]).
  15. Bernd Jentsch: Fleischfabrik schafft mindestens 400 Jobs im Eichsfeld, thueringer-allgemeine.de, 18. Dezember 2009, abgerufen am 27. April 2011
  16. vgl. Impressum von K-Classic Mobil
  17. [1]
  18. Kaufland entlässt 55.000 Minijobber
  19. Kaufland.de: Prospekte
  20. K-Purland (Memento vom 14. Oktober 2016 im Internet Archive)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kaufland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien