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Katholische Integrierte Gemeinde

apostolische Gemeinschaft in Baierbrunn, Landkreis München, Bayern, Deutschland

Die Katholische Integrierte Gemeinde (KIG) ist gemäß dem Dekret Apostolicam actuositatem Nr. 18/19 des Zweiten Vatikanischen Konzils eine apostolische Gemeinschaft in der katholischen Kirche. Sie ist in verschiedenen Diözesen in Deutschland, Österreich, Italien und Tansania kirchlich anerkannt und vom jeweiligen Ortsbischof kanonisch errichtet.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die Anfänge der KIG gehen in die Nachkriegszeit zurück.[1] Initiatoren waren Traudl Wallbrecher (geb. Weiß) und der Rechtsanwalt Herbert Wallbrecher.[2] Die Gruppe orientierte sich an der modernen Exegese[3], der Liturgie- und Ökumene-Bewegung[4], den jüdischen Wurzeln des Christentums[5] und an Philosophie und Literatur der Nachkriegszeit (u. a. den französischen Existentialisten).[6]

1978 wurde die KIG vom Erzbischof von Paderborn, Kardinal Johannes Joachim Degenhardt, und im selben Jahr von Kardinal Joseph Ratzinger, damals Erzbischof von München und Freising und später Papst Benedikt XVI.[7], als öffentlich kirchlicher Verein anerkannt.[8]

Aufgabe und OrganisationBearbeiten

Die KIG beschreibt in ihren Statuten von 1978 ihre Arbeit als den Versuch, „in einer der Kirche entfremdeten Welt das Evangelium in einer solchen Gestalt präsent zu machen, dass auch Fernstehende wieder einen Zugang zum Glauben der Katholischen Kirche finden können. Ihre Mitglieder verknüpfen in allen Bereichen ihr Leben auf vielfältige Weise miteinander und ergreifen – eigenverantwortlich und eigenfinanziert – gemeinsame Initiativen.“

Die KIG ist dem Ortsbischof unterstellt, in dessen Diözese sie tätig ist. Der Päpstliche Rat für die Laien führt die Laienbewegung in seiner Liste der geistlichen Laienvereinigungen als anerkannte Vereinigung von Gläubigen päpstlichen Rechts.[9]

Zur KIG gehören Familien und Unverheiratete, Laien und Priester, die Tischgemeinschaften bilden und auch in Wohngemeinschaften leben.[1] Nach ihrem Selbstverständnis und ihrer Praxis bleibt jeder „verantwortlich für seinen Lebensunterhalt, für seinen Beruf, seine finanziellen Verhältnisse und sein Eigentum sowie die Vorsorge für Alter und Krankheit.“[10] Die Mitgliederversammlung ist nach den Statuten das verantwortliche Organ. Diese wählt auch das Leitungsteam und den Vorsitzenden des Leitungsteams, der vom Bischof bestätigt wird.

InitiativenBearbeiten

Zu den Initiativen, die von Zugehörigen der KIG betrieben werden, zählen:

PersonenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Andreas Martin (Red.): Die geistlichen Gemeinschaften der katholischen Kirche – Kompendium, St. Benno Verlag, Leipzig 2006, ISBN 3-7462-1995-7
  • Arnold Stötzel (Hrsg.): Monatszeitschrift HEUTE in Kirche und Welt (2000–2008)
  • Theologica Nr. 3: 'Teologa' del popolo di Dio. Gertraud Wallbrecher (1923–2016), Baierbrunn 2016, ISBN 978-3-946577-03-4
  • Traudl Wallbrecher, Ludwig Weimer und Arnold Stötzel (Hrsg.): 30 Jahre Wegbegleitung – Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. und die Katholische Integrierte Gemeinde, Verlag Urfeld, Bad Tölz 2006, ISBN 978-3-932857-40-9
  • Traudl Wallbrecher und Ludwig Weimer (Hrsg.): Katholische Integrierte Gemeinde. Eine Kurzdarstellung, Verlag Urfeld, Bad Tölz 2005, ISBN 978-3-932857-45-4
  • Mike Tyldesley: No Heavenly Delusion?: A Comparative Study of Three Communal Movements, Liverpool 2003, ISBN 0-85323-608-9
  • Traudl Wallbrecher u. a. (Hrsg.): HEUTE – pro ecclesia viva, Verlag Urfeld, Bad Tölz 1994, ISSN 0946-6401
  • Traudl Wallbrecher (Hrsg.): Die Integrierte Gemeinde. Beiträge zur Reform der Kirche, 18 Bände, Verlag Urfeld, München (1969–1976)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bernhard Koch: Gott schafft immer Neues. In: Katholische Integrierte Gemeinde (Hrsg.): Theologica Nr. 3. Baierbrunn 2016, ISBN 978-3-946577-03-4, S. 8 ff.
  2. HEUTE – pro ecclesia viva, Bad Tölz 1994, S. 63ff
  3. HEUTE – pro ecclesia viva, Bad Tölz 1994, S. 57
  4. HEUTE – pro ecclesia viva, Bad Tölz 1994, S. 55f
  5. HEUTE – pro ecclesia viva, Bad Tölz 1994, S. 77–79
  6. HEUTE – pro ecclesia viva, Bad Tölz 1994, S. 82–83
  7. Elio Guerriero: Benedikt XVI. Diener Gottes und der Menschen. Die Biografie. Herder, Freiburg 2017, ISBN 978-3-451-37832-4, S. 199 ff.
  8. Traudl Wallbrecher, Ludwig Weimer und Arnold Stötzel (Hrsg.): 30 Jahre Wegbegleitung - Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI und die Katholische Integrierte Gemeinde. Urfeld, Bad Tölz 2006, ISBN 978-3-932857-40-9, S. 36 f.
  9. http://www.laityfamilylife.va/content/laityfamilylife/en/sezione-laici/repertorio/comunita-cattolica-di-integrazione.html[1] Verzeichnis der Laienorganisationen
  10. Peter Zitta: Finden und Wiederfinden. In: Katholische Integrierte Gemeinde (Hrsg.): Theologia Nr. 3. Baierbrunn 2016, ISBN 978-3-946577-03-4, S. 19.
  11. Ludwig Weimer; Gerhard Lohfink: Maria nicht ohne Israel - Eine neue Sicht der Lehre von der unbefleckten Empfängnis. Herder, Freiburg im Breisgau 2012, ISBN 3-451-34139-5.
  12. Ludwig Weimer: Christsein angesichts der vielen Religionen. Urfeld, Bad Tölz 2002, ISBN 3-932857-22-4.
  13. Ludwig Weimer: Wo ist das Christentum? - Sören Kierkegaard neu gelesen. Urfeld, Bad Tölz 2004, ISBN 3-932857-43-7.
  14. Ludwig Weimer: Die Lust an Gott und seiner Sache - oder: Lassen sich Gnade und Freiheit, Glaube und Vernunft, Erlösung und Befreiung vereinbaren? 2. Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau 1982, ISBN 3-451-19195-4.
  15. Ludwig Weimer, Arnold Stötzel, Achim Buckenmaier: Die sieben Zeichen des Messias - Das eine Volk Gottes als Sakrament für die Welt. Pustet, Regensburg 2012, ISBN 978-3-7917-2426-3.
  16. Achim Buckenmaier: Der gerettete Anfang - Schrift und Tradition in Israel und der Kirche. Urfeld, Bad Tölz 2002, ISBN 3-932857-24-0.
  17. Achim Buckenmaier: Abraham - Vater der Gläubigen ; eine Glaubensbiographie. St. Ulrich, Augsburg 2003, ISBN 3-936484-10-4.
  18. Achim Buckenmaier: Ist das noch unsere Kirche? Die Zukunft der christlichen Gemeinde. Pustet, Regensburg 2012, ISBN 3-7917-2423-1.
  19. Achim Buckenmaier: Moses - Geschichte einer Rettung. St. Ulrích, Augsburg 2005, ISBN 978-3-936484-55-7.
  20. Rudolf Pesch: Gott ist gegenwärtig - Die Versammlung des Volkes Gottes in Synagoge und Kirche. St. Ulrich, Augsburg 2006, ISBN 978-3-936484-68-7.
  21. Rudolf Pesch: Antisemitismus in der Bibel? - Das Johannesevangelium auf dem Prüfstand. St. Ulrich, Augsburg 2005, ISBN 3-936484-44-9.
  22. Rudolf Pesch: Juden und Christen - ein einziges Volk Gottes? Patmos, Düsseldorf 2009, ISBN 978-3-491-72534-8.
  23. Rudolf Pesch; Ludwig Weimer; Achim Buckenmaier: Der Jude Jesus von Nazareth - Zum Gespräch zwischen Jacob Neusner und Papst Benedikt XVI. Bonifatius, Paderborn 2008, ISBN 978-3-89710-419-8.
  24. Norbert Lohfink: Im Schatten deiner Flügel - Große Bibeltexte neu erschlossen. Herder, Freiburg im Breisgau 2000, ISBN 3-451-27176-1.
  25. Norbert Lohfink: Der niemals gekündigte Bund - Exegetische Gedanken zum christlich-jüdischen Gespräch. Herder, Freiburg im Breisgau 1989, ISBN 3-451-21597-7.
  26. Norbert Lohfink: Kirchenträume - Reden gegen den Trend. Herder, Freiburg im Breisgau 1984, ISBN 978-3-451-19612-6.
  27. Gerhard Lohfink: Braucht Gott die Kirche? Zur Theologie des Volkes Gottes. Herder, Freiburg im Breisgau 1999, ISBN 978-3-451-26544-0.
  28. Gerhard Lohfink: Jesus von Nazareth - was er wollte, wer er war. Herder, Freiburg im Breisgau 2012, ISBN 978-3-451-34095-6.
  29. Gerhard Lohfink: Gegen die Verharmlosung Jesu - Reden über Jesus und die Kirche. Herder, Freiburg im Breisgau 2013, ISBN 978-3-451-34147-2.
  30. Gerhard Lohfink: Der neue Atheismus - eine kritische Auseinandersetzung. 3. Auflage. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-460-30031-6.
  31. Gerhard Lohfink: Wie hat Jesus Gemeinde gewollt? Kirche im Kontrast. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-460-30034-7.
  32. Gerhard Lohfink: Der christliche Glaube erklärt in 50 Briefen. 2. Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau 2018, ISBN 978-3-451-34795-5.
  33. Michael P. Maier: Jeremia - Die Geschichte eines Berufenen. Urfeld, Bad Tölz 2004, ISBN 3-932857-31-3.
  34. Michael P. Maier: Völkerwallfahrt im Jesajabuch. In: Beihefte zur Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft. Band 474. de Gruyter, Berlin 2016, ISBN 978-3-11-040645-0.
  35. Rudolf Kutschera: Das Heil kommt von den Juden (Joh 4,22) - Untersuchungen zur Heilsbedeutung Israels. Hrsg.: Dissertation, Universität Innsbruck. Lang, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-631-51585-5.

WeblinksBearbeiten