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Kathedrale von Autun

Kirchengebäude in Autun, Frankreich
Kathedrale von Autun: Mittelschiff mit Tonnengewölbe und Triforium

Die Kathedrale Saint-Lazare von Autun ist die Bischofskirche des Bistums Autun im Stil der Romanik und in der Bourgogne-Franche-Comté.

Es handelt sich dabei um eine dem heiligen Lazarus geweihte, dreischiffige Basilika mit reichem Fassadenschmuck, die den höchsten Platz der Oberstadt von Autun beansprucht. Seit 1949 trägt sie den Titel einer päpstlichen Basilica minor. Das Kulturdenkmal wurde im Jahr 1840 als Monument historique klassifiziert.

GeografieBearbeiten

Die Kathedrale liegt im oberen Teil der von einem geräumigen römischen Mauerring[1] umschlossenen 2 km² großen Altstadt und ist von mittelalterlichen Häusern umgeben. Eines davon ist das Geburtshaus des berühmten burgundischen Kanzlers Rolin, des Stifters des Hospitals Hôtel-Dieu in Beaune, das heute als Museum genutzt wird.

GeschichteBearbeiten

 
Romanik, Frühgotik, Spätgotik
 
Grundriss um 1400, vor Anbau der spätgotischen Kapellen

Bereits für das späte 2. Jahrhundert ist eine christliche Gemeinde in der Stadt belegt. Die im 3. Jahrhundert erfolgte Gründung eines Bischofssitzes ist hingegen umstritten. Erste urkundliche Erwähnungen einer Kathedrale datieren in die Mitte des 9. Jahrhunderts. Wenig später übertrug Karl der Kahle dem Bischof die Stadtherrschaft.

Die heutige Katheldrale wurde zunächst als Wallfahrtskirche errichtet. Bischofskirche von Autun war seit der Gründung des Bistums die wenige Meter östlich gelegene Cathédrale Saint-Nazaire. Von 1195 bis 1770 war Saint-Lazare Konkathedrale neben dieser Hauptkathedrale. Dann verlor Saint-Nazaire ihren Rang und wurde 1785 wegen Baufälligkeit abgerissen; nur noch eine Seitenkapelle ist erhalten. Die alte Kathedrale hatte annähernd die übliche West-Ost-Orientierung. Die Neue Kirche entstand im rechten Winkel dazu. Daher steht ihre Eingangshalle im Nordnordwesten, der Chor mit den drei Apsiden im Südsüdosten.

Die Errichtung der Kirche Sint-Lazare wurde um 1120 begonnen. Noch in Bau, wurde sie bereits 1130 anlässlich des Besuchs von Papst Innozenz II. geweiht. 1132 fand das Portal im östlichen Querhausgiebel Erwähnung. Als dann 1146 die Reliquien des heiligen Lazarus aus der alten Nazarius-Kathedrale in die Lazaruskirche überführt wurden, war die Kirche fast fertiggestellt; es standen nur noch Detailarbeiten aus, etwa am Fußboden.[2]

Diese Reliquien stammten ursprünglich aus der Lazaruskirche in Larnaka, von wo sie über den Umweg von Konstantinopel und Marseille hierher kamen.

Noch im 12. Jahrhundert wurde vor die Hauptfassade im Norden eine zunächst eingeschossige Eingangshalle gebaut, danach die hier zunächst vorhandene breite Eingangstreppe durch ein Palteau auf Höhe des Kirchenschiffbodens ersetzt. Schließßlich wurden die seitlichen Teile der offenen Halle zu geschlossenen Kapellen umgebaut. Im späten 13. Jahrhundert erhöhte man die Halle auf zwei Geschosse und stetzte ihr die beiden Ecktürme auf.[3]

 
Gewölbe (an Steinschlagnetzen vorbei schauen!)

Im Zuge des Hundertjährigen Krieges zerstörten 1379 englische Truppen aus der südwestfranzösischen Guyenne die Stadt und ihre große Wallfahrtskirche. Erst Kardinal Jean Rolin (Bischof 1436–1483) ließ das Gotteshaus wiederherstellen und erweitern. Seither prägen die spätgotischen Kapellenreihen an den Längsseiten und der mächtige Vierungsturm die Außenansicht der Kirche. Auch das obere Fenstergeschoss des Hauptchors mit seinen schmalen hohen Spitzbogenfenstern stammt erst aus dieser Erneuerung; vorher hatte in Höhe der heutigen Sohlbänke dieser Fenster eine halbkugelförmige romanische Apsiskalotte angesetzt. Die romanische Apsis war also kaum halb so hoch, wie jetzt die spätgotische ist. Zwischen dieser und dem romanischen Chor fand man allerdings Spuren einer ersten Erhöhung der Apsis um ein weiteres Fenstergeschoss gegen Ende des 13. Jahrhunderts.[4]

In der Barockzeit erfuhr der Innenraum erneute Umgestaltungen. So wurde die Apsis 1767 von Innen mit Marmor verkleidet und dabei die romanischen Fenster der unteren beiden Geschosse zugemauert – was von außen allerdings kaum auffällt.

GestaltBearbeiten

 
Langhaus (NNW–SSO), Westseite
 
Hauptapsis (mit spät­go­ti­schem Obergeschoss), Chor und Vierung von Südwesten
 
Vorhalle und „Westtürme“ im Norden, Blick aus Nordosten

Die Seitenschiffe dieser Basilika haben Kreuzgratgewölbe, Mittelschiff und Querschiff Spitztonnen. Die Arkaden zwischen den Schiffen sind spitzbogig, das Triforium darüber rundbogig, ebenso die Obergadenfenster. Die spätgotischen Kapellenzeilen haben Sterngewölbe und sind etwas niedriger als die Seitenschiffe, aus deren ehemaligen Fassadenpfeilern die Strebebögen hervorgehen. Balustraden auf den Fassaden der Kapellen verbergen außen die Dachtraufen der Seitenschiffsdächer.[5]

Damit folgt das Langhaus der Kirche deutlich dem Vorbild der nur wenig älteren dritten Kirche der Abtei Cluny (errichtet 1088–1130, noch ohne Narthex). Von dort werden der steile dreigeteilte Wandaufbau, die spitzbogigen Arkaden zwischen kreuzförmigen Pfeilern, die Wölbung des Mittelschiffs durch eine Spitztonne und die Kreuzgratgewölbe der Seitenschiffe übernommen. Verglichen mit der damals führenden Abteikirche ist die Basilika in Autun stärker an antiken Vorbildern orientiert. Das wird mit der großen Anzahl gut erhaltener römischer Bauten in der Stadt erklärt. So gibt es kaum runde Querschnitte, dafür rechteckige Arkadenpfeiler und zahlreiche kannelierte Pilaster.

Bei der Gestaltung des Chors schloss man sich nicht der in Cluny eingeführten Neuerung des Umgangschors mit Kapellenkranz an, sondern blieb bei dem traditionellen Schema mit drei parallelen Apsiden. Anhand einer Baunaht wird vermutet, dass nach der Errichtung der Apsiden eine neu Bauphase begann in der dann fast die gesamte Kirche in einem Gang errichtet wurde. Erst in dieser zweiten Bauphase habe man sich eng an der Abteikirche von Cluny orientert.[6]

Außergewöhnlich groß ist die zwei Joche tiefe offene Vorhalle unter den Türmen am Nordende des Langhauses. Nach Öffnung der zeitweilig als Kapellen abgetrennten Seitenbereiche erstreckt sie sich über die gesamte Breite der Kirche.

TympanonBearbeiten

Das Tympanon, also der ausgestaltete Giebel des Westportals der Kathedrale, zeigt ein in Stein gefasstes Jüngstes Gericht, das Meister Gislebertus, der wohl begabteste burgundische Steinmetz seiner Epoche, geschaffen hat und der durch eine Inschrift über dem Hauptportal namentlich bekannt ist. Das aus 29 Einzelplatten bestehende Bogenfeld zeigt eine Darstellung des Weltgerichts. Christus wird flankiert von Maria und dem Erzengel Michael, der die Seelen wiegt.

Gislebertus hat sein Werk zu Füßen des Christus mit seinem Namen gezeichnet, ein zur damaligen Zeit sehr ungewöhnlicher Vorgang. Sein Bildhauerstil lässt sich dadurch kennzeichnen, dass er weniger das Körpervolumen betont, sondern eher die graphische Seite. In der Kunstgeschichte wird dies als „Entmaterialisierung des Körpers durch die Linie“ bezeichnet (Beine rechts). Die einzelnen Körper sind nicht voluminös, sondern eher durch ihre lineare Kontur bestimmt – dieses Stilprinzip durchzieht die gesamte Kirche. Außerdem ist sein Werk gekennzeichnet durch sehr intensive atmosphärische Darstellungen sowohl der teuflisch-dämonischen Seite als auch der himmlischen.

Portalanlagen hatten anfangs grundsätzlich einen halbrunden oberen Abschluss nach dem Vorbild des römischen Triumphbogens. Das Halbrund galt als Abbild des Himmels (zum figürlichen Schmuck des Bogens über dem Tympanon siehe Monatsbilder), dies drückten auch die romanischen Rundbögen im Innern der Kirche aus. Die (von Christus aus gesehen) linke Seite ist häufig dem Negativen, dem Teufel, der Versuchung, den Verdammten vorbehalten, weshalb bei Portalen oft nur die rechte Seite geöffnet ist.

 
Tympanon der Kathedrale Saint-Lazare

Das Thema des Tympanons, Christus in der Mandorla, ist das klassische Thema bei großen Portalanlagen – und auch bei den Fresken in der zentralen Apsis taucht es häufig auf. Die Mandorla, das Zeichen der Würde, wird von vier Engeln getragen: Zwei von ihnen stehen, die beiden anderen fliegen, mit dem Kopf nach unten.

Man kann das Tympanon in vier Zonen teilen. Das obere Feld ist dem Paradies gewidmet, denn zur Rechten Christi sehen wir Maria auf einem Thron sitzen (oben links mit Engel). Zu seiner Linken befinden sich zwei sitzende Gestalten, in denen man gewöhnlich zwei Apostel erkennen will, da sie die Reihe der zehn Apostel weiter unten vervollständigen würden. Die Identifikation als Petrus und Paulus ist ausgeschlossen, da Petrus – eindeutig identifizierbar an seinem großen Schlüssel – bereits zur Rechten Christi (hohe Gestalt links in der Mitte) abgebildet ist.

Ganz links in der unteren Ecke befinden sich die Seelen, die ins Paradies eingehen. Rechts von Christus ist die sog. Psychostase, die Seelenwägung dargestellt, aufgeteilt zwischen dem Erzengel Michael und einem Teufel. Das Bild der Seelenwaage in der Hand des Erzengels Michael stammt aus dem ägyptischen Raum. Hier wurde der Glaube des uralten Kulturlandes, dass Osiris im Schattenreich die Seelen der Toten wägt, ohne weiteres ins Christliche übertragen. Ganz rechts unten sind folglich die Pforten der Hölle zu erkennen.

KapitelleBearbeiten

Die figürlichen Darstellungen der Kapitelle im Innern der Kirche – insbesondere in der Vierung – bilden zusammen eine Bibel aus Skulpturen.[7] Im Kapitelsaal, der an den Chorraum angrenzenden einstigen Rats- und Lesehalle der Kathedrale, sind einige Kapitelle und Figuren des Gislebertus ausgestellt.

OrgelBearbeiten

Die erste Orgel wurde 1820 von Louis Callinet erbaut. Von diesem Instrument existieren heute nur noch einige Stilelemente des Orgelgehäuses. Das Orgelwerk geht zurück auf das Werk, das 1876 von Joseph Merklin erbaut wurde, und im Laufe der Zeit nur geringfügig erweitert wurde. Das Instrument hat heute 45 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind elektrisch.[8]

I Positif C–g3
Quintaton 16′
Principal 8′
Bourdon 8′
Flûte harmonique 8′
Prestant 4′
Quinte 223
Doublette 2′
Tierce 135
Larigot 113
Piccolo 1′
Plein-jeu V
Cromorne 8′
II Grand Orgue C–g3
Bourdon 16′
Bourdon 8′
Montre 8′
Flûte 8′
Salicional 8′
Prestant 4′
Doublette 2′
Cornet V
Fourniture V
Bombarde 16′
Trompette 8′
Clairon 4′
III Récit expressif C–g3
Cor de nuit 8′
Flûte creuse 8′
Gambe 8′
Voix céleste 8′
Fugara 4′
Nazard 223
Quarte 2′
Plein-Jeu V
Basson 16′
Trompette 8′
Hautbois 8′
Voix humaine 8′
Soprano 4′
Tremolo
Pedale C–f1
Basse acoustique 32′
Contrebasse 16′
Soubasse 16′
Grosse Quinte 1023
Basse 8′
Bourdon 8′
Flûte 4′
Bombarde 16′
Trompette 8′
Clairon 4′

LiteraturBearbeiten

  • Franz-Bernhard Serexhe: Studien zur Architektur und Baugeschichte der Kathedrale Saint-Lazare in Autun. Dissertation, Universität Freiburg 2005 (Volltext)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Les remparts d'Autun (franz.: „Die Stadtbefestigung von Autun“) mit Karte am Anfang des unter Pour en savoir plus „Archéologie en Bourgogne: L’enceinte monumentale d’Augustodunum (Autun 71)“ abrufbaren PDF
  2. Dissertation Serexhe (siehe Weblinks), Text-PDF, S. 14
  3. Dissertation Serexhe (siehe Weblinks), Text-PDF, S. 233/234 ff.
  4. Dissertation Serexhe (siehe Weblinks), Text-PDF, S. 69–70
  5. Dissertation Serexhe (siehe Weblinks) – PDF Abbildungen, Fig. 47 (= allerletzte Abbildung), Bauaufnahme mit Gewölbeplan 1903 durch Gabriel Ruprich-Robert.
  6. Dissertation Serexhe (siehe Weblinks), Text-PDF, S. 71
  7. Le site sur l'Art Roman en Bourgogne :Autun – Cathédrale Saint-Lazare
  8. Nähere Informationen zur Orgel

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kathedrale von Autun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 46° 56′ 42,2″ N, 4° 17′ 57,5″ O