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Karstlandschaften in Südchina (China Südwesten)
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Shilin
Shilin
Libo
Libo
Wulong
Wulong
Guilin
Guilin
Shibing
Shibing
Huanjiang
Huanjiang
Karstlandschaften im Süden Chinas, die ins UNESCO-Welterbe eingetragen wurden

Die Karstlandschaften in Südchina (chinesisch 中国南方喀斯特, Pinyin Zhōngguó Nánfāng Kāsītè) sind Zeugnisse für die geologischen Prozesse, die sich in dieser Gegend in den vergangenen Erdzeitaltern abgespielt haben. Die Karstlandschaften erstrecken sich größtenteils über die Provinzen Guangxi, Guizhou, und Yunnan, sowie über das Gebiet der regierungsunmittelbaren Stadt Chongqing. Sie weisen eindrucksvolle Naturschönheiten auf und wurden zum Teil in das UNESCO-Welterbe aufgenommen.

Geologischer HintergrundBearbeiten

Etwa 13 % der Fläche (mehr als 1,25 Mio km²) der Fläche der Volksrepublik China werden von Kalksteinlandschaften gebildet. Davon können im engeren Sinne etwa 500.000 km² als Karstlandschaften charakterisiert werden. Diese Karstlandschaften liegen ganz überwiegend in Südchina, erstrecken sich über etwa 1380 km in West-Ost-Richtung und etwa 1010 km in Nord-Süd-Richtung und sind vor allem in den Provinzen Yunnan, Guizhou und Guangxi, zu kleineren Teilen aber auch in Chongqing, Sichuan, Hunan, Hubei und Guangdong lokalisiert. Die Landschaften weisen verschiedene klimatische Gegebenheiten auf (feuchte und halbtrockene, subtropische und tropische Klimate).[1]

Erdgeschichtlich entstand der zum Teil mehrere Kilometer dicke Kalksteingrund im Bereich des heutigen Südchina in der Zeit vom Kambrium bis zum Perm, d. h. vor etwa 540 bis 250 Millionen Jahren. Damals bildete das heutige Südchina den Boden eines Urmeeres in dem sich kontinuierlich Carbonat- und Silikat-Sedimente ablagerten. Infolge plattentektonischer Prozesse, die im Trias (vor 200 bis 250 Mio Jahren) einsetzten, und zur allmählichen Anhebung der Eurasischen Platte in diesem Bereich und zur Bildung des Himalaya im späten Tertiär (ab 70 Mio Jahren vor der Gegenwart) führten, fiel das Meer im Bereich Südchinas trocken und es entstand eine zu wesentlichen Teilen aus Kalkstein gebildete Landmasse, mit einem von Nordwesten nach Südosten abfallenden Höhengradienten von ungefähr 2000 Metern. Unter dem Einfluss der durch den Regen verursachten Erosion und weiterer geologischer Prozesse (Vulkanismus etc.) entstanden im Laufe der Zeit die heutigen, äußerst vielgestaltigen Karstlandschaften mit Turmkarst- und Kegelkarstformationen, Karsthöhlen, Dolinen etc.[2]

Eintragung in das UNESCO-WelterbeBearbeiten

 
Steinwald von Shilin
 
Xiao-Qikong (Libu-Karst)
 
Furong-Höhle (Wulong-Karst)
 
Zweiter Bogen im Bereich der „Drei Brücken“ (Wulong-Karst)
 
Kegelkarst in Yangshuo

Nachdem die Volksrepublik China anfänglich für verschiedene Karstlandschaften voneinander relativ unabhängige Anträge auf Eintragung in das UNESCO-Welterbe gestellt hatte, verfolgte die chinesische Regierung später die Strategie, die entsprechenden Karstlandschaften in Südchina in mehreren Phasen nacheinander als Teile eines gemeinsamen Welterbes „Karstlandschaften in Südchina“ eintragen zu lassen.

Eine kulturelle Besonderheit der nominierten Stätten bestand darin, dass sie zu großen Teilen in Regionen liegen, die von nationalen Minderheitenvölkern bewohnt sind (Shilin, Libo und andere). Von regierungsoffizieller chinesischer Seite wurde bei der Nominierung betont, dass die Rechte dieser Minderheiten respektiert würden und dass diese in die Verwaltung und Gestaltung der künftigen Welterbestätten miteinbezogen würden.[3] Die reichhaltige Biodiversität der nominierten Stätten, in denen mehrere seltene, streng geschützte Tier- und Pflanzenarten zu finden sind, wurde ebenfalls betont.[4]

Erste NominierungsphaseBearbeiten

In der ersten Nominierungsphase reichte die Volksrepublik China am 16. Januar 2006 einen Antrag auf Eintragung von drei Karstlandschaften (Shilin-Karst in Yunnan, Libo-Karst in Guizhou und Wulong-Karst in Chongqing) in das Welterbe ein. Shilin-Karst und Libo-Karst setzten sich aus jeweils zwei Stätten zusammen, während der Wulong-Karst aus drei Stätten bestand.[2]

Auf seiner 31. Sitzung in Christchurch (Neuseeland) vom 23. Juni bis 2. Juli 2007 nahm das UNESCO-Welterbekomitee die beantragten sieben Karstlandschaften in das UNESCO-Welterbe auf. Als Begründung wurden die Kriterien (vii) und (viii) genannt. Das UNESCO-Komitee regte zugleich an, dass auch Kriterium (ix) zusätzlich in Erwägung gezogen werden sollte.[5]

Im Jahr 2007 eingetragene Welterbestätten[6]
ID Name und Ort Ort, Provinz Koordinaten Fläche Pufferzone
1248-001 Shilin-Karst – Steinwald von Naigu
石林喀斯特-乃古石林
Shilin,
Yunnan
24° 54′ 32″ N, 103° 21′ 13″ O 01.746 ha 22.930 ha
1248-002 Shilin-Karst – Steinwald über verschiedene Dörfer
石林喀斯特-所各邑村
Shilin,
Yunnan
24° 43′ 4″ N, 103° 20′ 39″ O 10.324 ha
1248-003 Libo-Karst – Xiao-Qikong
荔波喀斯特-小七孔
Libo,
Guizhou
25° 16′ 38″ N, 107° 42′ 51″ O 07.834 ha 43.498 ha
1248-004 Libo-Karst – Dongguo
荔波喀斯特-洞多
Libo,
Guizhou
25° 13′ 8″ N, 107° 59′ 31″ O 21.684 ha
1248-005 Wulong-Karst – Qingkou-Doline
武隆喀斯特-箐口天坑
Wulong,
Chongqing
29° 33′ 28″ N, 107° 59′ 10″ O 01.246 ha 32.000 ha
1248-006 Wulong-Karst – Drei Naturbrücken
武隆喀斯特-天生三桥
Wulong,
Chongqing
29° 24′ 35″ N, 107° 53′ 28″ O 02.202 ha
1248-007 Wulong-Karst – Furong-Höhle
武隆喀斯特-箐口天坑
Wulong,
Chongqing
29° 12′ 28″ N, 107° 53′ 28″ O 02.552 ha
Gesamt 47.588 ha 98.428 ha

Zweite NominierungsphaseBearbeiten

In einer zweiten Phase wurden bis zum Jahr 2012 aus 10 primär ausgewählten Karstlandschaften vier weitere ausgewählt (Guilin-Karst in Guangxi, Shibing-Karst in Guizhou und Jinfoshan-Karst in Chongqing; zusätzlich Huanjiang-Karst in Guangxi als direkte Erweiterung zum Libo-Karst), die am 20. März 2013 bei der UNESCO als Welterbe-Kandidaten nominiert wurden. Entsprechend der Vorgabe der UNESCO wurden dabei Landschaften ausgewählt, die komplementär zu den schon eingetragenen Landschaften sein sollten, d. h. nicht deren Charakteristika exakt reproduzieren sollten.[7] Die Nominierung wurde im April 2014 durch das zuständige Komitee positiv begutachtet.[8] Auf seiner 38. Sitzung in Doha (Katar) vom 15. bis 25. Juni 2014 wurden die beantragten Stätten durch das UNESCO-Welterbe-Komitee in das Welterbe aufgenommen.[9]

Im Jahr 2014 eingetragene Welterbestätten[8]
ID Name und Ort Ort, Provinz Koordinaten Fläche Pufferzone
1248-008 Guilin-Karst – Putao-Fenglin
桂林喀斯特-葡萄峰林
Yangshuo,
Guangxi
24° 55′ 24″ N, 110° 21′ 16″ O 02.840 ha 21.610 ha
1248-009 Guilin-Karst – Lijiang-Fengcong
桂林喀斯特-漓江峰丛
Yangshuo,
Guangxi
25° 0′ 8″ N, 110° 27′ 32″ O 22.544 ha 23.070 ha
1248-010 Shibing-Karst
施秉喀斯特
Shibing,
Guizhou
27° 10′ 16″ N, 108° 5′ 40″ O 10.280 ha 18.015 ha
1248-011 Jinfoshan-Karst
金佛山喀斯特
Nanchuan,
Chongqing
29° 0′ 30″ N, 107° 11′ 59″ O 06.744 ha 10.675 ha
1248-012 Huanjiang-Karst
环江喀斯特
Huanjiang,
Guangxi
25° 10′ 1″ N, 107° 59′ 40″ O 07.129 ha 04.430 ha
Gesamt 49.537 ha 77.800 ha

f1  Karte mit allen Koordinaten der Welterbebestandteile: OSM

WeblinksBearbeiten

  • Karstlandschaften in Südchina auf der Website des Welterbezentrums der UNESCO (englisch und französisch).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Nomination file 1248 (63 MB). Bauministerium der Volksrepublik China/Webseite der UNESCO, April 2006, S. 2ff, abgerufen am 29. Juli 2019 (englisch).
  2. a b Advisory Body Evaluation (IUCN). Webseite der UNESCO, April 2006, abgerufen am 30. Juli 2019 (englisch).
  3. Nomination file 1248, S. 21/22: Chinese policies on minority peoples
  4. Nomination file 1248, S. 41–45: 2.a-2-4 Biotic Community and Biology Species; S. 63–64: 2.a-3-4 Ecosystem, S. 65–76: 2.a-3-4a Biodiversity; S. 100–104: 2.a-4-4 Biology
  5. Decisions: 31COM 8B.11 - Nomination of natural, mixed and cultural properties to the world heritage list - South China Karst. Webseite der UNESCO, 21. Juli 2007, abgerufen am 29. Juli 2019 (englisch).
  6. Nomination file 1248, Tabelle 1–2: Area of the Nominated Property and Proposed Buffer Zones im Anhang
  7. Nomination file 1248bis (195 MB). Ministerium für Bauwesen und Stadt-Land-Entwicklung der Volksrepublik China/Webseite der UNESCO, 2013, S. III, IV, V, abgerufen am 29. Juli 2019 (englisch).
  8. a b Advisory Body Evaluation (IUCN). Webseite der UNESCO, April 2014, abgerufen am 30. Juli 2019 (englisch).
  9. WHC-14/38.COM/16. (pdf) UNESCO, 7. Juli 2014, abgerufen am 30. Juli 2019 (englisch).