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Karpfenartige

Ordnung der Klasse Actinopterygii
Karpfenartige
Karausche (Carassius carassius)

Karausche (Carassius carassius)

Systematik
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überkohorte: Clupeocephala
Kohorte: Otomorpha
Unterkohorte: Ostariophysi
ohne Rang: Otophysa
Ordnung: Karpfenartige
Wissenschaftlicher Name
Cypriniformes
Goodrich, 1909

Die Karpfenartigen (Cypriniformes) sind eine artenreiche Ordnung von Süßwasserfischen. Sie kommen in Europa, Asien, Afrika und Nordamerika vor und dominieren vielfach die dortige Fischfauna. Ein Drittel aller Süßwasserfische und 6 % der Wirbeltierarten gehören zu den Karpfenartigen.[1] In Südostasien ist der Artenreichtum am größten. Karpfenartige bevorzugen wärmeres Wasser und werden im Norden und in kalten Gebirgsbächen zunehmend von Forellenfischen ersetzt. Sie fehlen in Südamerika, Madagaskar, Australien sowie östlich der Wallace-Linie. Zu den bekanntesten Karpfenartigen gehören der Karpfen (Cyprinus carpio) und der als Modellorganismus gut erforschte Zebrabärbling (Danio rerio).[1]

MerkmaleBearbeiten

 
Prachtschmerle (Chromobotia macracanthus)

Die Karpfenartigen sind meist schlanke bis hochrückige Fische. Unter den Schmerlen gibt es auch einige aalartig langgestreckte Formen (Schlammpeitzger, Dornaugen). Arten aus gemäßigten Regionen und große tropische Formen sind meist schlicht, kleine tropische Arten oft bunt gefärbt und beliebte Aquarienfische.

Die Kiefer, die anderen Mundknochen und die Kiemenbögen 1 bis 4 sind zahnlos, im Rachenraum sitzen ein bis drei Reihen Schlundzähne auf sichelförmigen Schlundknochen. Die Schlundzähne sind ein wichtiges Merkmal für die Artbestimmung. Das Maul ist oft stark vorstülpbar, die Lippen häufig mit Barteln besetzt. Zwischen Fortsätzen der Praemaxillare sitzt ein Kinethmoid genannter Knochen, der für die Karpfenartigen typisch ist. Kopf- und Kiemendeckel sind nackt, der Rumpf mit Elasmoidschuppen bedeckt. Eine Fettflosse fehlt. Gräten, Verknöcherungen des Bindegewebes zwischen den Muskelsegmenten, sind oft sehr zahlreich. Die Schwimmblase ist durch Einschnürungen in zwei oder drei Kammern geteilt und hat eine Verbindung zum Vorderdarm, aber ohne innere Wand.

Die meisten Karpfenartigen sind kleine bis mittelgroße Fische. Der größte ist Tor putitora, ein südostasiatischer Cyprinide, der eine Länge von 2,75 Meter erreichen kann.[2] Aber auch der kleinste bekannte Fisch ist ein Karpfenartiger, Paedocypris progenetica erreicht eine Länge von 10 mm.[3]

SystematikBearbeiten

Die Ordnung der Karpfenartigen (Cypriniformes) gehört zusammen mit den Salmlerartigen, den Welsartigen und zwei weiteren, artenärmeren Familien zur Überordnung der Ostariophysi, die damit die Mehrzahl aller Süßwasserfische umfasst. Zu den Karpfenartigen gehören 23 Familien[4] und etwa 4300 beschriebene Arten. Die Zahl der bisher unbeschriebenen Arten wird mit etwa 2500 angegeben. Viele der heute gelisteten Familien wurden bisher als Unterfamilien zu den Karpfenfischen (Cyprinidae) gerechnet und wurden erst im Jahr 2016 durch Stout und Kollegen zu eigenständigen Familien.[1]

 
Zebrabärbling (Danio rerio)

Die verwandtschaftlichen Verhältnisse verdeutlicht das folgende Kladogramm:[1]

  Cypriniformes  
  Gyrinocheiloidei  

 Saugschmerlen (Gyrinocheilidae)


   
  Catostomoidei  

 Saugkarpfen (Catostomidae)


   
  Cobitoidei  

 Prachtschmerlen (Botiidae)


   

 Langflossenschmerlen (Vaillantellidae)


   

 Steinbeißer bzw. Schmerlen sensu stricto (Cobitidae)


   

 Flossensauger (Balitoridae)


   

 „Störmäuler“ (Ellopostomatidae)


   

 Bachschmerlen (Nemacheilidae)







  Cyprinoidei  

 Paedocyprididae


   

 Karpfenfische (Cyprinidae)


   

 Bärblinge (Danionidae)


   

 Sundadanionidae


   

 Xenocyprididae


   


 Bitterlinge (Acheilognathidae)


   

 Gründlingsverwandte (Gobionidae)



   

 Kardinalfische (Tanichthyidae)


   

 Weißfische (Leuciscidae)











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LiteraturBearbeiten

  • Joseph S. Nelson, Fishes of the World, John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7.
  • Kurt Fiedler, Lehrbuch der Speziellen Zoologie, Band II, Teil 2: Fische, Gustav Fischer Verlag Jena, 1991, ISBN 3-334-00339-6.
  • Wilfried Westheide & Reinhard Rieger: Spezielle Zoologie Teil 2: Wirbel und Schädeltiere, 1. Auflage, Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg • Berlin, 2004, ISBN 3-8274-0307-3.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Stout, C.C., Tan, M., Lemmon, A.R., Moriarty Lemmon, E. & Armbruster, J.W. (2016): Resolving Cypriniformes relationships using an anchored enrichment approach. BMC Evolutionary Biology, November 2016. DOI: 10.1186/s12862-016-0819-5
  2. Tor putitora auf Fishbase.org (englisch)
  3. M. Kottelat, R. Britz, H.H. Tan & K.-E. Witte. 2005: Paedocypris, a new genus of Southeast Asian cyprinid fish with a remarkable sexual dimorphism, comprises the world's smallest vertebrate. Proceedings of the Royal Society, Volume 273, Number 1589 / April 22, 2006 doi:10.1098/rspb.2005.3419
  4. Eschmeyer, W. N. & Fong, J. D.: Catalog of Fishes Species by Family/Subfamily abgerufen am 13. Juli 2018

WeblinksBearbeiten