Karlmann Beyschlag

deutscher lutherischer Theologe und Kirchenhistoriker

Karlmann Beyschlag (* 9. März 1923 in Berlin; † 1. Februar 2011 in Erlangen) war ein deutscher Theologe und Kirchenhistoriker.

LebenBearbeiten

Als Sohn von Rudolf Beyschlag (1891–1961) und Urenkel von Willibald Beyschlag (1823–1900) wuchs Beyschlag inmitten der unruhigen ersten Jahre der Weimarer Republik in Berlin auf. Von 1941 bis 1945 leistete er den für ihn zeitlebens prägenden Kriegsdienst in Nordafrika, Russland und Frankreich. 1945–1946 war er in Kriegsgefangenschaft.

1946 bis 1951 studierte er Evangelische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Bethel sowie in Erlangen und Marburg. 1951 bis 1953 leistete er pfarramtlichen Hilfsdienst in Hessen. 1953 wurde er mit einer Arbeit über die Bergpredigt bei Franz von Assisi und Martin Luther in Erlangen zum Dr. theol. promoviert, anschließend wurde er Repetent für Neues Testament. 1955 habilitierte er sich bei Walther von Loewenich in Erlangen für Historische Theologie und wurde in Eschwege ordiniert. Ab 1956 lehrte er als Privatdozent bzw. apl. Professor (ab 1963) für Kirchengeschichte. Von 1971 bis 1988 war er ordentlicher Professor für Historische Theologie (Ältere Kirchengeschichte) an der Universität Erlangen-Nürnberg, 1979–1981 Dekan der Theologischen Fakultät.

Karlmann Beyschlag war seit 1951 verheiratet mit Anna-Katharina Beyschlag, geb. Bode. Gemeinsam hatten sie zwei Kinder.[1]

LeistungenBearbeiten

Als lutherisch, biblisch und seelsorglich orientierter Kirchenhistoriker prägte Beyschlag mit Reinhard Slenczka, Manfred Seitz, Niels-Peter Moritzen (* 1928) und Ingetraut Ludolphy (* 1921) mehrere Generationen von Studenten und gewann sie für die Beschäftigung mit Patristik und Bibel. Zusammen mit Manfred Seitz initiierte er sogenannte "Lebenswort-Gruppen", die das spirituelle Leben der Theologiestudenten in Blick hatten, u. a. durch wöchentliche memoratio et meditatio eines Bibelverses.[2] Darüber hinaus setzte er sich bei seinen Studenten ein für eine Inblicknahme der Erlanger Schule (Adolf Harleß, Johann Wilhelm Friedrich Höfling, Gottfried Thomasius, Hermann Olshausen und Johann Christian Konrad von Hofmann) und der Erlanger theologischen Traditionen (Theodor Zahn, Franz Delitzsch, Franz Hermann Reinhold von Frank, Theodosius Harnack u. a.). Dabei hatte er eine Einbettung der Theologie in die Kirche im Blick und wagte ab 1982 in der Tradition von Adolf von Harnack und Reinhold Seeberg als erster wieder ein profiliertes Panorama der Dogmengeschichte in ökumenischer Perspektive (Grundriß der Dogmengeschichte). Neben diesem ist Beyschlags wissenschaftliches Vermächtnis die monumentale Darstellung der Erlanger Theologie (1993). Ab 1991 fungierte er als Herausgeber des Homiletisch-Liturgischen Korrespondenzblatt Neue Folge (Flacius Verlag Fürth).

Seine Offenheit für Begegnungen und die Unterstützung konservativer Ausbildungsstätten (Geistliches Rüstzentrum Krelingen, Albrecht-Bengel-Haus Tübingen, Lutherische Theologische Hochschule Oberursel u. a.) ist für ihn ebenso charakteristisch wie seine markant-unkonventionelle, den eigenen Standpunkt offensiv kennzeichnende Lehre jenseits von Klischees. Kirchenkritisch beklagte er die Vorwegnahme der Eschatologie, eine Loslösung von Bibel und Bekenntnis in kirchlich-theologischen Urteilen und mahnte eine profilierte Bildung gegenüber bloßer Information an. Er sah sich dem Erbe von Werner Elert, Hermann Sasse und Paul Althaus verpflichtet. Seit dem Ende der 1970er Jahre führte er eine intensive Korrespondenz mit dem Neuendettelsauer Alttestamentler Martin Wittenberg. Neben der Bergpredigt, Franz von Assisi, Martin Luther und Gotthold Ephraim Lessing widmete er sich Studien zu Simon Magus, Clemens Romanus und Dag Hammarskjöld. 2001 wurde er in Oberursel mit dem Hermann-Sasse-Preis der SELK ausgezeichnet.[3]

WerkeBearbeiten

  • Die Erlanger Theologie. (Einzelarbeiten aus der Kirchengeschichte Bayerns 67). Erlangen 1993, ISBN 3-87513-086-3.
  • Grundriß der Dogmengeschichte:
    • Bd. 1: Gott und Welt. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1982, ISBN 3-534-04610-2.
    • Bd. 1: Gott und Welt. neubearb. u. erw. Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1988, ISBN 3-534-04610-2. (Japanische Übersetzung 1996)
    • Bd. 2: Gott und Mensch. Teil 1: Das christologische Dogma. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1991, ISBN 3-534-08088-2. (Japanische Übersetzung 1997)
    • Bd. 2: Gott und Mensch. Teil 2: Die abendländische Epoche. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000, ISBN 3-534-11166-4.
  • In Sachen Althaus/Elert. Einspruch gegen Berndt Hamm. In: Homiletisch-Liturgisches Korrespondenzblatt. Neue Folge 8. (1990/91) 153–172.
  • Dag Hammarskjold. Grandi mistici. Bologna 2016, ISBN 9-788-81051-510-5.

LiteraturBearbeiten

  • Bernd Jaspert: Mönchtum und Protestantismus. Probleme und Wege der Forschung seit 1877. Band 3: Von Karlmann Beyschlag bis Martin Tetz. St. Ottilien 2007, ISBN 978-3-8306-7286-9.
  • Wolfgang A. Bienert: Hermann Sasse und Karlmann Beyschlag – zwei lutherische Theologen im 20. Jahrhundert. In: Ders.: Kirchengeschichte in ökumenischer Verantwortung. Göttingen 2009, ISBN 978-3-89971-753-2, S. 241–252.
  • Reiner Andreas Neuschäfer: Karlmann Beyschlag (1923–2011). Ein unterschätzter Erlanger Theologe. In: Homiletisch-Liturgisches Korrespondenzblatt Neue Folge Nr. 4/2014, S. 23–37.
  • Reiner Andreas Neuschäfer: Beyschlag, Karlmann. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 35, Bautz, Nordhausen 2014, ISBN 978-3-88309-882-1, Sp. 153–164.
  • Reiner Andreas Neuschäfer: Beyschlag, Karlmann (1923–2011). In: Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde (Neuausgabe), 1, 2016.
  • Armin Wenz: Karlmann Beyschlag. The Last Twentieth-Century Erlangen Theologian. In: Logia. A Journal of Lutheran Theology XXII-2 2013, S. 53–55.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Die Professoren und Dozenten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen (1743-1960). S. 10. (online auf: opus.ub.uni-erlangen.de) (PDF; 856 kB)
  2. "Zu Beginn werden deren Teilnehmer mit geistlicher Schriftlesung und christlicher Meditation vertraut gemacht. Im weiteren Verlauf meditieren die Studenten täglich für sich einen gemeinsam bestimmten Bibelvers, das "Lebenswort". Was sie dabei erleben, wird in Gruppen besprochen. Ziel ist, daß die Tätigkeit als Seelsorger vom Wort des Lebens getragen und durchdrungen wird." Wolfgang Bub u. a. (Hg.): Lebenswort. Erlanger Universitätspredigten FS Manfred Seitz, Erlangen 1988, S. 7.
  3. (online)