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Karl Schmid (Mediävist)

deutscher Mediävist

Karl Schmid (* 24. September 1923 in Rielasingen bei Singen; † 14. November 1993 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Mediävist.

Karl Schmid wurde unmittelbar vor dem Abitur zur Wehrmacht nach Russland einberufen. 1942 legte er das Abitur ab und studierte von 1945 bis 1951 in Freiburg im Breisgau. Im Jahr 1951 wurde er in Freiburg bei Tellenbach promoviert mit der magna cum laude beurteilten Dissertation Graf Rudolf von Pfullendorf. Bis zum Druck 1954 schöpfte Schmid aus den Quellen noch weitere Erkenntnisse, die den landesgeschichtlichen Ansatz bis zur mittelalterlichen Kaiser- und Reichsgeschichte fortführten. Schmid gehörte zu einer Gruppe junger Historiker, die sich um Gerd Tellenbach zum sogenannten „Freiburger Arbeitskreis“ zur mittelalterlichen Personenforschung zusammen geschlossen haben.[1] Schmid habilitierte sich 1961 mit der Arbeit Geblüt, Herrschaft, Geschlechterbewusstsein ebenfalls an der Universität Freiburg. 1961 war er Dozent für Mittlere und Neuere Geschichte in Freiburg. Von 1963 bis 1965 war er Stipendiat des Deutschen Historischen Instituts in Rom. Im Jahre 1965 kehrte er nach Deutschland zurück, wo er auf einen Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Münster berufen wurde. Seine Antrittsvorlesung hielt er über die Erforschung von Gruppen in der frühmittelalterlichen Gesellschaft.[2] Im Jahre 1972 wechselte er von dort als Professor für mittelalterliche Geschichte zurück an die Universität Freiburg und übernahm den Lehrstuhl seines Lehrers Tellenbach. 1988 wurde er emeritiert. Zu seinen akademischen Schülern zählten Gerd Althoff, Michael Borgolte, Dieter Geuenich und Alfons Zettler.

Seine wissenschaftlichen Arbeitsgebiete waren die Geschichte der mittelalterlichen Memoria, die Adels- und Geschlechterforschung und die südwestdeutsche Landesgeschichte. Er war seit 1968 ordentliches Mitglied der Historischen Kommission für Westfalen und seit 1977 Mitglied des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte.

Im Zuge der Erschließung der klösterlichen Gedenkbücher aus karolingisch- und ottonischer Zeit stieß Schmid im Reichenauer Gedenkbuch auf einen Eintrag, der Otto bereits 929 als rex bezeichnet. Die englische Königstochter mit der sich Otto 929 oder spätestens 930 vermählte, wurde dabei nicht aufgeführt. In diesem Zusammenhang verwies Schmid auf eine am 16. September 929 ausgestellte Urkunde Heinrichs, die der Königin Mathilde ihr Witwengut zu sichert, sowie auf eine Urkunde aus Straßburg vom 27. Dezember 929, die einen Weihnachtsaufenthalt des Hofes am Oberrhein überliefert. Der Königshof befand sich damit in unmittelbarer Nähe zu dem Raum, wo sich zuvor die englische Gesandtschaft aufhielt. Diese Einzelregelungen Heinrichs hat Schmid als zusammenhängende Teile einer systematischen „Hausordnung“ aufgefasst, die als Höhepunkt Otto als Nachfolger in der Königsherrschaft vorsah. Mit seinen Forschungsbeiträgen von 1960 und 1964 zur Thronfolge Ottos I. hatte Karl Schmid neue Fakten in die fachwissenschaftliche Diskussion eingeführt.[3] Bis dahin war die Forschung ausschließlich von den Angaben des Geschichtsschreibers Widukind von Corvey ausgegangen. Aus Widukinds Sachsengeschichte schien hervorzugehen, dass König Heinrich I. seinen ältesten Sohn Otto 936 und damit erst kurz vor seinem Tod zum Nachfolger bestimmt hatte.

Im Jahr 1970 veröffentlichte er gemeinsam mit Eduard Hlawitschka und Gerd Tellenbach die Edition des Liber memorialis von Remiremont, die mehr als 2000 Gedenkeinträge und Traditionsnotizen von rund 160 Schreiberhänden hervorbrachte.[4] Mit Wollasch begründete er 1975 ein „kommentiertes Quellenwerk zur Erforschung der Personen und Personengruppen des Mittelalters“, die „Societas et Fraternitas“.[5] In den Jahren 1983 und 1989 gaben beide Historiker den Liber vitae der Abtei Corvey heraus. Bei den Monumenta Germaniae Historica begründete er 1975 mit den Libri memoriales et necrologia, Nova Series eine neue Reihe und leitete sie mit zwei Editionen ein. Als Auftrakt der Reihe veröffentlichte Schmid mit Johanne Autenrieth und Dieter Geuenich im Jahr 1979 das Reichenauer Verbrüderungsbuch von 824 mit 38232 Personennamen.[6]

Schmid verstarb kurz nach seinem 70. Geburtstag am 14. November 1993 in Freiburg im Breisgau an schwerer Krankheit.

SchriftenBearbeiten

  • Gebetsgedenken und adliges Selbstverständnis im Mittelalter. Ausgewählte Beiträge. Festgabe zu seinem sechzigsten Geburtstag. Thorbecke, Sigmaringen 1983, ISBN 3-7995-7023-3.
  • Geblüt – Herrschaft – Geschlechterbewußtsein. Grundfragen zum Verständnis des Adels im Mittelalter. Thorbecke, Sigmaringen 1998, ISBN 3-7995-6644-9. (Zugleich: Freiburg (Breisgau), Universität, Habilitations-Schrift, 1961)

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Karl Schmid: Der Freiburger Arbeitskreis'. Gerd Tellenbach zum 70. Geburtstag. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Bd. 122 (1974), S. 331–347.
  2. Karl Schmid: Über das Verhältnis von Person und Gemeinschaft im früheren Mittelalter. In: Frühmittelalterliche Studien 1 (1967), S. 225–249.
  3. Karl Schmid: Neue Quellen zum Verständnis des Adels im 10. Jahrhundert In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins Bd. 108 (1960), S. 185–232, bes. S. 185–202 (online); Karl Schmid: Die Thronfolge Ottos des Großen. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung 81, 1964, S. 80–163.
  4. Rudolf Schieffer: Memorialquellen in den Monumenta Germaniae Historica. In: Dieter Geuenich. Uwe Ludwig (Hrsg.): Libri vitae. Gebetsgedenken in der Gesellschaft des Frühen Mittelalters. Köln u. a. 2015, S. 17–32, hier: S. 26.
  5. Karl Schmid, Joachim Wollasch: Societas et Fraternitas. Begründung eines kommentierten Quellenwerkes zur Erforschung der Personen und Personengruppen des Mittelalters. In: Frühmittelalterliche Studien, Bd. 9 (1975), S. 1–48.
  6. Rudolf Schieffer: Memorialquellen in den Monumenta Germaniae Historica. In: Dieter Geuenich. Uwe Ludwig (Hrsg.): Libri vitae. Gebetsgedenken in der Gesellschaft des Frühen Mittelalters. Köln u. a. 2015, S. 17–32, hier: S. 28.