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Karl Poser: Bankhaus Wurzen, Bahnhofstr. 16a, Wurzen,1902
Karl Poser: Gemeindehaus Michaeliskirche, Nordplatz 4, Leipzig,1905
Karl Poser: Gemeindehaus Michaeliskirche Nordplatz 4, Eingangsportal, 1905
Karl Poser, 1905: Wohnhaus Salzmannstr. 11 (ehem. Turnerstr. 11), Leipzig
Karl Poser: Villa Pinkau, Springerstr. 8 Leipzig,1906/07
Karl Poser: Wohnhaus, Kurt-Eisner-Str. 42 (ehem. Kronprinzenstr. 42),1908
Karl Poser: Restaurant "Traube" im Weinhaus Bodenstein, Markgrafenstr. 10, Leipzig,1908
Karl Poser: Herrenhaus Biesen (Umbau), ca. 1910. Visitenkarte
Karl Poser: 1. Bezirksstift der Amtshauptmannschaft Auerbach i.V, 1908-10(?) 2. Bezirkskrankenhaus Amtmannschaft Chemnitz (Rabenstein) 1912/13(?)
Karl Poser: Int. Baufachausstellung Leipzig – Halle f. hygienische Baueinrichtungen, 1913
Karl Poser: Gartenstadt Marienbrunn, Wohnbauten am Triftweg, 1912/13

Karl Poser, getauft auf Ernst Carl Poser (* 5. Juni 1870 in Limbach, heute Limbach-Oberfrohna; † 19. August 1916 in Leipzig) war ein deutscher Architekt.

Leben und WirkenBearbeiten

Karl Poser wird als ältester Sohn des „geprüften Maurermeisters“ Ernst Friedrich Poser und seiner Frau Anna Laura Poser, geb. Harzendorf, in Limbach geboren. Großvater ist der "Bauunternehmer" Christoph Poser. Trauung mit Barbara Wilhelmine Bertha Germann, (* 25. Oktober 1865 in Darmstadt) am 7. September 1907; die Ehe bleibt kinderlos. Am 19. August 1916 stirbt Karl Poser an einer "Herzschwäche nach Operation des Blinddarms".[1]

Vater und Großvater zeichnen für viele Limbacher Bauprojekte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verantwortlich.[2] Poser ist also von klein auf mit der Baupraxis vertraut. Wo er seine Ausbildung zum Architekten absolviert, ist bisher nicht bekannt. Aber als Architekt verfolgt er sehr genau die aktuellen technischen und theoretischen Entwicklungen seiner Zeit, greift sie sogleich auf und entwickelt daraus eigene Lösungen. So nutzt er beispielsweise früh die Möglichkeiten von Eisen-Beton-Konstruktionen.[3]

Ab 1900 errichtet Poser in Leipzig zahlreiche Mietwohnungsbauten. Daneben bildet Wurzen einen besonderen Tätigkeitsschwerpunkt: 1902 entstehen hier eine neue Handelsschule sowie die Wurzener Bank. Bis ca. 1903 firmiert er in einer Bürogemeinschaft als "Poser & Friedrich, Bureau für Architektur und Bauausführungen", ist aber auch eigenständig tätig. Er beteiligt er sich an zahlreichen Wettbewerben und macht sich darüber hinaus einen Namen durch den geschickten und einfühlsamen Umbau historischer Gebäude, z. B. Schloss Flößberg bei Borna. 1905 entsteht das Gemeindehaus der Michaeliskirche am Nordplatz in Leipzig mit seinem außergewöhnlichen Eingangsportal, 1906/07 die Villa Pinkau – sein erstes Einzelhaus. Nach Möglichkeit zeichnet Poser auch für die Inneneinrichtungen seiner Bauten verantwortlich. Sein wichtigster (nachweisbarer) Beitrag auf diesem Gebiet ist die Einrichtung des Restaurants "Zur Traube" 1908, das damals als eines der elegantesten Lokale Leipzigs gilt.[4]

Von der Kritik wird vor allem sein seine Fähigkeit konventionellen Bauaufgaben "originelle" gestalterische Seiten abzugewinnen, gelobt.[5] Poser vermeidet typische Gliederungselemente, wie Säulen, Pilaster, oder stark hervortretende Gesimse. Manche seiner Fassaden scheinen zunächst fast flächig, erweisen sich dann aber als plastisch sorgfältig durchgebildet. Er setzt auf eine einfache, klare Gliederung, sparsame Ornamentik und ungewöhnliche Motiv-Kombinationen.

Gegen Ende des Jahrzehnts wandelt sich sein Stil deutlich: Unter dem Einfluss der aufkommenden Reform- und Heimatschutz-Architektur treten die dekorativen und bauplastischen Elemente stärker, zugunsten „sachlicher“, zweckmäßiger Bauformen zurück und verschwinden schließlich ganz – vielleicht auch eine Folge seines Eintritts in den Deutschen Werkbund. Er ist jetzt an Planungen für größere Wohnanlagen und Gartenstadtsiedlungen (u. a. Leipzig-Marienbrunn) beteiligt. Seine Fähigkeit zur "malerischen"[6] Organisation komplexer Gebäudeanlagen kommt Poser bei Großprojekten, wie dem Bezirksstift Auerbach (1908-10) oder beim Krankenhaus Rabenstein/Chemnitz (1912/13) zu gute. Diese "späten" Bauten sind immer noch sorgfältig durchgebildet, doch der originelle, baukünstlerische Zug fehlt nun.[7]

Nach 1910 beeinflusst ihn auch der aufkommende Neoklassizismus. Prägnantestes Beispiel dafür ist die Ausstellungshalle für hygienische Baueinrichtungen auf der internationalen Baufachausstellung 1913. Am einzigen Werk, mit dem sein Name allgemein verbunden wird, dem "Runde Ecke" genannten, ehemaligen Bürohaus der Feuerversicherungsanstalt am Thomasring, ist er wahrscheinlich nur für die technische Konstruktion im Auftrag Hugo Lichts verantwortlich, nicht aber für den Entwurf.[8]

Für 1908 ist die Atelier- bzw. Wohnadresse Äußere Hallesche Straße 7 in Leipzig-Gohlis durch ein Mitgliederverzeichnis der Gesellschaft für Erdkunde zu Leipzig[9] überliefert, für 1913 die Adresse Burgstraße 26[10].

Poser war Mitglied im Bund Deutscher Architekten und im Deutschen Werkbund.

WerkBearbeiten

Von Posers Werk sind u. a. folgende Bauten und zwei Grabdenkmale bekannt.

Bauten und EntwürfeBearbeiten

  • 1902: Mehrfamilienwohnhaus Kochstraße 31 in Leipzig (unter Denkmalschutz)[11][12]
  • 1902: Gebäude der Wurzener Bank in Wurzen[13][14]
  • 1905: Umgestaltung der Stadtkirche in Auerbach[15]
  • 1905: Wohnhaus Salzmannstraße 11 (ehem. Turnerstraße 11) in Leipzig-Eutritzsch, heute verändert[16]
  • 1905: Umbau des Wohn- und Geschäftshauses Schreiber in Wurzen, Markt 8, heute verändert[17]
  • um 1906: Gestaltung eines Torbogens am Gebäude Musikverlag F.C.Peters, Talstraße 10 in Leipzig[18]
  • 1905: Pastorat der Michaeliskirche in Leipzig, Nordplatz 4[19]
  • 1905: Wettbewerb Wohn- und Geschäftshaus, Leipzig Naschmarkt[20]
  • 1906/1907: Wohnhaus für Emil Pinkau, Leipzig, Springerstraße 8, heute Ländernotarkasse[21]
  • 1906/1908: Umbau Schloss Flößberg bei Borna[22]
  • 1908: Bank- und Wohnhaus, Promenade 12, Oschatz[23]
  • 1908: Kurt-Eisner-Str. 42.(ehem. Kronprinzenstr. 42), Leipzig[24]
  • 1908: Einrichtung Restaurant "Zur Traube" im Weinhaus Bodenstein, Markgrafenstr. 10, nicht erhalten[25]
  • 1908-10(?): Bezirksstift der Amtshauptmannschaft Auerbachi.V, Obergöltzsch b. Auerbach, nicht erhalten[26]
  • 1909: Wohnhaus mit Atelier für den Bildhauer Adolf Lehnert in Markkleeberg, Mozartstraße 1[27]
  • 1910(?): Herrenhaus Rittergut Biesen (evtl. Umbau eines älteren Gebäudes), Eilenburger Chaussee Nr. 8, Rackwitz-Zschortau, heute stark verändert[28]
  • 1911: Um- und Ausbau des Wohnhauses Moschelesstraße 13 in Leipzig (Ursprungsbau 1887/1888 nach Plänen von Ernst Riedel zeitgleich mit dem Nachbarhaus Moschelesstraße 11 errichtet; unter Denkmalschutz)[29]
  • 1911–1913: Verwaltungsgebäude der Leipziger Feuerversicherungs-A.G. in Leipzig (gemeinsam mit Hugo Licht sowie Georg Weidenbach und Richard Tschammer; heute mit Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“)
  • 1911: Wettbewerbsentwurf für die Internationale Baufach-Ausstellung Leipzig 1913 (prämiert mit dem 3. Preis)[30]
  • 1912–1913: Wohnungsbauten in der Gartenvorstadt Marienbrunn in Leipzig, u. a. Triftweg 15–23
  • 1912 (evt. ab 1909): Neues Rathaus in Regis-Breitingen[31]
  • 1913: Ausstellungsgebäude Halle für hygienische Baueinrichtungen auf der Internationalen Baufach-Ausstellung Leipzig 1913 (Innenarchitektur des Empfangsraums von Friedrich Voggenberger; nicht erhalten)[32]
  • 1912/13(?): Krankenhaus Rabenstein/Chemnitz, heute stark verändert[33]
  • 1914: Wohnanlage Emil-Schubert-Str. 17–37, Leipzig[34]

GrabdenkmaleBearbeiten

  • Grabmal G. Koehler in Greiz[35]
  • 1909: Grabmal für die Familie des Bildhauers Adolf Lehnert in Leipzig[36][37][38]

LiteraturBearbeiten

Wolf v. Waldow: Leipzig, Springerstraße 8 – eine Spurensuche. In: 25 Jahre freiberufliches Notariat in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt. Otto Schmidt Verlag, Köln, 1. Auflage 2015, ISBN 9783504062224

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Zit. nach Tauf- u. Sterberegister Kirchenbücher Limbach
  2. Vergl. Listen des Landesdenkmalamtes Sachsen
  3. Vergl. Bauakte Villa Pinkau
  4. Richard Landé in: Der Profanbau 1908, Beilage Nr. 2, S. 5.
  5. Richard Landé in: Der Profanbau 2.1906 S. 7–8.
  6. Richard Landé in: Der Profanbau 4. Jahrgang 1908, S. 51–52.
  7. Darstellung folgt Wolf v. Waldow
  8. Lebenserinnerungen des Anwalts Rudolf Mothes Rechtsstreit Karl Posers mit Hugo Licht (Memento des Originals vom 23. September 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.abstrakt.lib-ebook.com
  9. Mitteilungen der Gesellschaft für Erdkunde zu Leipzig, Jahrgang 1908 (Mitgliederverzeichnis), zuletzt abgerufen am 23. August 2012
  10. Mitgliederverzeichnis des Deutschen Werkbundes 1913
  11. zeitgenössische Abbildung des Hauses Kochstraße 31, zuletzt abgerufen am 23. August 2012
  12. Deutscher Bauherrenpreis 2005 für die Restaurierung des Hauses Kochstraße 31 als Selbstnutzerprojekt, zuletzt abgerufen am 23. August 2012
  13. zeitgenössische Abbildung des Gebäudes, zuletzt abgerufen am 23. August 2012
  14. Der Profanbau 1. Jahrgang 1905 Nr. 15 S. 239–242
  15. Neue Sächsische Kirchengalerie, 1. Band: Die Ephorie Auerbach nebst einem Bericht über die Schulverhältnisse im Inspektionsbezirk Auerbach. Leipzig 1905, Sp. 24 f. (Sp. 19–50 online als PDF-Dokument mit ca. 5 MB)@1@2Vorlage:Toter Link/www.rororo-selb.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  16. Der Profanbau, 2. Jahrgang 1906, Heft 1, S. 7 f.
  17. Der Profanbau, 2. Jahrgang 1906, Heft 1, S. 9.
  18. Edvard Grieg – Gedenk- und Begegnungsstätte Leipzig. In: Sächsische Immobilienzeitung vom 6. Mai 2009, zuletzt abgerufen am 22. August 2018
  19. Angabe am Portal
  20. Der Profanbau 2. Jahrgang 1906, Heft 2 S. 61–63.
  21. Bauakte
  22. Donath, Matthias: Schlösser in Leipzig und Umgebung. Meißen 2013, S. 136–137
  23. Liste Landesamt f. Denkmalpflege Sachsen
  24. Der Profanbau 4. Jahrgang 1908, S. 51–52.
  25. Der Profanbau 4. Jahrgang 1908, Beilage Nr. 2, S. 5.
  26. Neudeutsche Bauzeitung, 9. Jahrgang 1913, S. 365.
  27. Andreas Höhn: Bismarcklehnert aus der Mozartstraße. Zum 150. Geburtstag des Bildhauers. In: Markkleeberger Stadtnachrichten, Ausgabe 8/2012, S. 11. (online als PDF-Dokument mit 340 KB)
  28. Donath,Matthias Schlösser u.Herrenhäuser i.Nordsachsen Edition Sächsische Zeitung 2014, S. 31
  29. Prospekt zum Haus Moschelesstraße 13 der Deutschen Gesellschaft für Grundbesitz AG (online als PDF-Dokument mit 4,37 MB) (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dgg-ag.de
  30. Zentralblatt der Bauverwaltung, 31. Jahrgang 1911, Nr. 87 (vom 28. Oktober 1911) Digitalisat, S. 540.
  31. Neudeutsche Bauzeitung, 9. Jahrgang 1913, S. 393.
  32. Internationale Baufach-Ausstellung mit Nebenausstellungen Leipzig 1913 (Bauten-Übersicht) (Memento des Originals vom 28. April 2009 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kmkbuecholdt.de, zuletzt abgerufen am 23. August 2012
  33. Neudeutsche Bauzeitung, 9. Jahrgang 1913, S. 365.
  34. Liste Amt für Denkmalpflege Leipzig
  35. Zeitgenössische Publikation des Grabmals Koehler im Bestand des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin, abgerufen am 23. August 2012.
  36. zeitgenössische Publikation des Grabmals Lehnert im Bestand des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin, zuletzt abgerufen am 23. August 2012.
  37. Grabmal Lehnert als Kunstwerk des Monats Dezember 2010 auf den Seiten der Paul-Benndorf-Gesellschaft (Memento des Originals vom 10. Januar 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.paul-benndorf-gesellschaft.de, abgerufen am 23. August 2012
  38. zur Restaurierung des Grabmals Lehnert aus Anlass des 150. Geburtstags von Adolf Lehnert (2012) auf den Seiten der Paul-Benndorf-Gesellschaft (Memento des Originals vom 25. September 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.paul-benndorf-gesellschaft.de, abgerufen am 23. August 2012.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Karl Poser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien