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LebenBearbeiten

Karl Marbe wurde in Paris geboren, wo sein Vater als Geschäftsmann tätig war. 1875 zog die Familie nach Freiburg im Breisgau, von wo sie stammte. Nach dem Abitur studierte er in Bonn Psychologie. 1894 folgte er einem Ruf nach Würzburg; dort wurde zwei Jahre später das Psychologische Institut gegründet. Von 1905 an war Marbe Professor an der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften in Frankfurt am Main, wo er das Institut für Psychologie gründete. Von 1909 bis zu seiner Emeritierung 1935 lehrte er als Leiter des Psychologischen Instituts der Universität Würzburg.

Marbe war mit der Kunstmalerin Milly Marbe-Fries verheiratet; sie hat ihn mehrfach porträtiert.

WerkBearbeiten

Marbe gilt als Vertreter der Denkpsychologie (Würzburger Schule). Er untersuchte Anwendungsfelder psychologischer Erkenntnisse für Verkehrswesen, Werbung und Gerichtswesen. Er unternahm Untersuchungen zur Verteilung rhythmischer Einheiten verschiedener Längen; darauf geht das Gesetz der Verteilung rhythmischer Einheiten verschiedener Länge zurück.

Von 1927 bis 1928 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. 1940 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt.

Sein Buch Zeitgemäße populäre Betrachtungen für die kultivierte Welt, während und kurz nach der NS-Zeit in verständlicher Form geschrieben und erst 2013 von dem Würzburger Psychologiehistoriker Armin Stock im Nachlass wiederentdeckt, enthält eine kritische Analyse zur Psychologie der Massen mit Blick auf die Lage in Diktaturen. Marbe zeigt darin, wie stark die Mechanismen der Volksverführung, der Faszination und der Suggestion durch Führer im Nationalsozialismus und in anderen Systemen wirksam wurden. Marbe bot das Manuskript nach 1945 mehreren Verlagen an, doch keiner wollte es veröffentlichen.

SchriftenBearbeiten

  • Experimentell-psychologische Untersuchungen über das Urteil: eine Einleitung in die Logik. Engelmann, Leipzig 1901.
  • zusammen mit Albert Thumb: Experimentelle Untersuchungen über die psychologischen Grundlagen der sprachlichen Analogiebildung. Engelmann, Leipzig 1901. (Neudruck mit einer Einleitung von David D. Murray, John Benjamins, Amsterdam 1978, ISBN 90-272-0971-5.)
  • Über den Rhythmus der Prosa. J. Ricker'sche Verlagsbuchhandlung, Giessen 1904.
  • Theorie der kinematographischen Projektionen. J.A. Barth, Leipzig 1910.
  • Die Aktion gegen die Psychologie; eine Abwehr. Leipzig/Berlin, B. G. Teubner, 1913.
  • Die Rechenkunst der Schimpansin Basso im Frankfurter Zoologischen Garten. Leipzig, Berlin: B. G. Teubner, 1916.
  • Die Gleichförmigkeit in der Welt : Untersuchungen zur Philosophie und positiven Wissenschaft. C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck, München 1916–1919.
  • Mathematische Bemerkungen zu meinem Buche "Die Gleichförmigkeit in der Welt". C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck, München 1916.
  • Psychologie der Werbung. Poeschel, Stuttgart 1927.
  • Die gerichtspsychologische Begutachtung von Autounfällen und die Eignung zum Chauffeur: ein Führer für Gerichtsgutachter, Juristen und die Polizei. C. L. Hirschfeld, Leipzig 1932.
  • Grundfragen der angewandten Wahrscheinlichkeitsrechnung und theoretischen Statistik. C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, München und Berlin 1934.
  • Merkwürd[ige] Befunde in d. Geburtenstatistik. Akademische Verlagsgesellschaft, Leipzig 1940.
  • Warum werden in Kriegszeiten verhältnismässig viel Knaben geboren? Akademische Verlagsgesellschaft, Leipzig 1940.
  • Über die Lebensdauer der Deutschen in Stadt und Land. Verlag Theodor Steinkopff, Dresden, Leipzig 1944.
  • Selbstbiographie des Psychologen Geheimrat Prof. Dr. Karl Marbe in Würzburg. Herausgegeben im Namen der Kaiserlich Leopoldinisch-Carolinisch-Deutschen Akademie der Naturforscher von Emil Abderhalden. Halle (Saale) 1945.

LiteraturBearbeiten

  • Karl-Heinz Best: Karl Marbe (1869–1953). In: Glottometrics 9, 2005, S. 74–76 (PDF ram-verlag.eu). (Der Beitrag gibt eine biographische Skizze und geht auf Marbes Bemühungen um die Analogie sowie seine Untersuchung des Prosarhythmus ein, der sich eine Reihe seiner Schüler und spätere Linguisten anschlossen. Hierin besteht Marbes Bedeutung für die Quantitative Linguistik.)
  • Pamela Dörhöfer: Wie die Deutschen sich von Hitler verführen ließen. Als erster Wissenschaftler beschrieb Karl Marbe während der Nazidiktatur das Phänomen der Psychologie der Massen – jetzt ist sein Werk wieder aufgetaucht. In: Frankfurter Rundschau. 26. August 2016, S. 28–29.
  • Hans Eirich: Marbe, Karl. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 16, Duncker & Humblot, Berlin 1990, ISBN 3-428-00197-4, S. 103 f. (Digitalisat).
  • Annette Mülberger: La aportación de Karl Marbe a la psicología. Un enfoque crítico. (= Der Beitrag Karl Marbes zur Psychologie. Ein kritischer Ansatz.) Dissertation Universitat Autònoma de Barcelona, 1994 (Digitalisat)
  • Annette Mülberger: Das Psychologische Institut unter der Leitung von Karl Marbe. In: Wilhelm Janke: Hundert Jahre Institut für Psychologie und Würzburger Schule der Denkpsychologie. Hogrefe, Göttingen 1999, ISBN 3-8017-1310-5, S. 127–139.
  • Armin Stock: Zeitgemäße populäre Betrachtungen für die kultivierte Welt. Aus dem Nachlass eines deutschen Gelehrten. Hrsg. von Armin Stock. Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main u. a. 2016, ISBN 978-3-653-95509-5.

WeblinksBearbeiten