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Karl Lauterbach (Politiker, 1963)

Mediziner und deutscher Politiker, MdB

LebenBearbeiten

Karl Lauterbach wurde 1963 als Sohn eines Arbeiters in Düren geboren und wuchs in Oberzier[1] auf. Nach dem Abitur am Gymnasium am Wirteltor 1983 studierte er Humanmedizin an der RWTH Aachen und an der University of Texas at San Antonio (USA). 1991 wurde er an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit der Dissertation Weiterentwicklung des Parametric Gammascopes auf der Grundlage von experimentellen und klinischen Studien zum Dr. med. promoviert. Von 1989 bis 1992 folgte ein Studium der Gesundheitsökonomie (Health Policy and Management) und Epidemiologie an der Harvard School of Public Health der Harvard University mit Abschluss als Scientiae Magister (SM). Von 1992 bis 1993 hatte er ein Fellowship der Harvard Medical School inne.[2] Gefördert von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung erlangte er dort 1993 den Abschluss Scientiæ Doctor (Sc.D.). 2010 erhielt Lauterbach die Approbation als Arzt; diese hatte er nach dem Abschluss seines Medizinstudiums zunächst nicht beantragt.[3]

1998 wurde Lauterbach Direktor des neu gegründeten Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE) an der Universität zu Köln; damit war auch seine Berufung als Professor verbunden. Dort ist er aufgrund seines Bundestagsmandats beurlaubt. Von 1999 bis zur Wahl in den Bundestag im September 2005 war Lauterbach Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. 2003 war er Mitglied in der Kommission zur Untersuchung der Nachhaltigkeit in der Finanzierung der Sozialen Sicherungssysteme („Rürup-Kommission“). Seit 2008 ist er Adjunct Professor für Gesundheitspolitik und -management an der Harvard School of Public Health.[4]

Lauterbach war Mitglied der CDU.[5] Seit 2001 ist er SPD-Mitglied. Seit 2005 wurde er stets per Direktmandat im Wahlkreis Leverkusen – Köln IV in den Bundestag gewählt (2005 mit 48,6 %, 2009 mit 37,1 %, 2013 mit 41,35 % und 2017 mit 38,49 %). Er war in der 17. Legislaturperiode der Sprecher der Arbeitsgruppe Gesundheit der SPD-Bundestagsfraktion, seine Nachfolgerin wurde Hilde Mattheis. Von Ende 2013 bis September 2019[6] war er stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und dort zuständig für die Themen Gesundheit, Bildung und Forschung sowie für Petitionen.[7] Lauterbach ist im Bundestag zudem ordentliches Mitglied im Gemeinsamen Ausschuss sowie stellvertretendes Mitglied in den Ausschüssen für Gesundheit, für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, für Finanzen und für Petitionen.[8]

Im Juli 2019 gab er seine Kandidatur als SPD-Vorsitzender im Duo mit seiner Parteikollegin Nina Scheer bekannt.[9][10] In der ersten Mitgliederbefragungsrunde errang das Duo den 4. Platz mit 31.271 Stimmen (14,63 %).[11]

Lauterbach heiratete 1996 die heutige Leiterin des Tumorzentrums Aachen Angela Spelsberg, mit der er vier Kinder hat. Sie lebten ab 2004 getrennt und ließen sich 2010 scheiden.[12] Aus einer anderen Beziehung hat er ein weiteres Kind.[13]

Politische SchwerpunkteBearbeiten

Die wichtigsten von Lauterbach vertretenen Thesen zur Gesundheitspolitik sind:

  • Einführung einer Bürgerversicherung im Gesundheitswesen.
  • Bekämpfung von Tendenzen in Richtung einer Zwei-Klassen-Medizin.
  • Ausrichtung der medizinischen Versorgung an Evidenz und Kosten-Effektivität.
  • Berücksichtigung von distributiven Ergebnissen neben den allokativen Ergebnissen von Gesundheitsprogrammen, d. h. Bekämpfung sozialer Ungleichheit durch Gesundheitspolitik

Neben seinem Schwerpunkt, der Gesundheitspolitik, engagiert sich Lauterbach auch in anderen Politikbereichen, etwa in der Bildungs- oder Sozialpolitik. Er wird dem linken Flügel der SPD zugerechnet und ist ein erklärter Gegner des dreigliedrigen Schulsystems.[14]

Lauterbach hat sich schon in seiner Zeit als Wissenschaftler für seine gesundheitspolitischen Vorstellungen eingesetzt, u. a. als Berater der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt.

Am 5. Juni 2013 wurde er in das Kompetenzteam von Peer Steinbrück berufen.[15]

MitgliedschaftenBearbeiten

Lauterbach ist Mitglied der Gewerkschaft ver.di.[16][17]

Von Juli 2001 bis Juni 2013 war er Mitglied des Aufsichtsrats der Rhön-Klinikum AG.[18] Er gab den Posten im Juni 2013 im Zusammenhang mit seiner Berufung in das Kompetenzteam von Peer Steinbrück für die Bundestagswahl 2013 ab.[19]

Lauterbach ist seit 2017 Mitglied der überparteilichen Europa-Union Deutschland, die sich für ein föderales Europa und den europäischen Einigungsprozess einsetzt.[20]

SonstigesBearbeiten

Ein Markenzeichen Lauterbachs ist die Fliege, die er regelmäßig anstelle einer Krawatte trägt.[21]

Karl Lauterbach unterstützt als Pate das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Leverkusen bei der Aktion Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage[22].

Veröffentlichungen (Auswahl)Bearbeiten

 
Karl Lauterbach präsentiert sein Buch Gesund im kranken System (2009).
  • Karl Lauterbach, Markus Lindlar: Informationstechnologien im Gesundheitswesen. Telemedizin in Deutschland. Gutachten. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 1999, ISBN 3-86077-820-X.
  • Karl Lauterbach, Markus Lüngen: DRG-Fallpauschalen. Eine Einführung. Anforderungen an die Adaption von Diagnosis-related groups in Deutschland. Gutachten im Auftrag des AOK-Bundesverbandes. Schattauer, Stuttgart 2000, ISBN 3-7945-2076-9.
  • Karl W. Lauterbach (Hrsg.): Sozioökonomische Aspekte der Therapie kardiologischer Erkrankungen. Urban und Vogel, München 2000.
  • Markus Lüngen, Karin Wolf-Ostermann, Karl. W. Lauterbach: Krankenhausvergleich. Betriebsvergleich nach § 5 Bundespflegesatzverordnung. Schattauer, Stuttgart 2001, ISBN 978-3-7945-2144-9.
  • Karl Lauterbach, Matthias Schrappe: Gesundheitsökonomie, Qualitätsmanagement und evidence based medicine. Eine systematische Einführung. Schattauer, Stuttgart 2001. (2. Auflage 2008, ISBN 3-7945-2287-7.)
  • Markus Lüngen, Karl Lauterbach (Hrsg.): Ergebnisorientierte Vergütung bei DRG. Qualitätssicherung bei pauschalierender Vergütung stationärer Krankenhausleistungen. Springer, Berlin 2002, ISBN 3-540-42818-6.
  • Karl Lauterbach, Timm Volmer: Arzneimitteltherapie – Über-, Unter- und Fehlversorgung. Was leisten „neue Steuerungsinstrumente“?. Schattauer, Stuttgart 2002, ISBN 3-7945-2132-3.
  • Markus Lüngen, Karl Lauterbach: DRG in deutschen Krankenhäusern. Umsetzung und Auswirkungen. Schattauer, Stuttgart 2003, ISBN 3-7945-2262-1.
  • Karl Lauterbach et al.: Bestandsaufnahme der Rolle von Ambulanzen der Hochschulkliniken in Forschung, Lehre und Versorgung an ausgewählten Standorten (Hochschulambulanzenstudie). Ein Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Sankt Augustin 2003.
  • Karl W. Lauterbach, Stephanie Stock, Helmut Brunner (Hrsg.): Gesundheitsökonomie. Lehrbuch für Mediziner und andere Gesundheitsberufe. Huber, Bern 2006. (2. Auflage 2009, ISBN 3-456-84695-9)
  • Karl Lauterbach: Der Zweiklassenstaat. Wie die Privilegierten Deutschland ruinieren. Rowohlt, Berlin 2007, ISBN 3-87134-579-2.
  • Stephanie Stock, Marcus Redaèlli, Karl Lauterbach: Wörterbuch Gesundheitsökonomie. Kohlhammer, Stuttgart 2007, ISBN 3-17-019153-5.
  • Karl Lauterbach: Gesund im kranken System. Ein Wegweiser. Rowohlt, Berlin 2009, ISBN 3-87134-625-X.

LiteraturBearbeiten

  • Markus Feldenkirchen: Willy werden. Karl Lauterbach kämpfte mit linken Positionen dafür, Parteivorsitzender zu werden – eine Nahaufnahme. In: Der Spiegel. Nr. 44, 2019, S. 36 ff. (online).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Sandra Kinkel: Von Oberzier über Köln ins Brandt-Haus?: Karl Lauterbach bewirbt sich um den SPD-Bundesvorsitz.
  2. Harvard University: Karl Lauterbach, Professor of Health Economics and Epidemiology, University of Cologne; and member, German Bundestag (Memento des Originals vom 29. April 2010 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ethics.harvard.edu, abgerufen am 22. November 2011.
  3. Personalien: Karl Lauterbach. In: Der Spiegel Heft 35/2010, S. 152
  4. Harvard University: Karl Lauterbach – Adjunct Professor of Health Policy and Management, abgerufen am 22. November 2011.
  5. Ludmilla Hauser, Peter Korn: Karl Lauterbach: „Ich kann in Berlin viel bewegen“. In: RP Online. 11. September 2013.
  6. Der Tagesspiegel vom 6. September 2019: „Keine glaubwürdige Haltung“. Lauterbach zieht sich aus SPD-Fraktionsspitze zurück, abgerufen am 6. September 2019
  7. Fraktionsvorstand der SPD-Bundestagsfraktion, abgerufen am 27. November 2016.
  8. Internetauftritt Stadt Köln Bundestagswahl 2013@1@2Vorlage:Toter Link/www.stadt-koeln.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., abgerufen am 20. Juni 2014
  9. Neuaufstellung der Sozialdemokraten: Nina Scheer und Karl Lauterbach wollen SPD-Parteichefs werden. In: Spiegel Online. 12. Juli 2019 (spiegel.de [abgerufen am 12. Juli 2019]).
  10. Anja Maier: Karl Lauterbach zum SPD-Vorsitz: „Wir trauen uns das zu“. In: Die Tageszeitung: taz. 14. Juli 2019, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 14. Juli 2019]).
  11. Wir wählen eine neue Spitze. In: spd.de. Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), abgerufen am 29. Oktober 2019.
  12. Ex-Frau von Lauterbach: „Hoffentlich wird er nicht Minister!“ kurier.at, 1. November 2013
  13. Auch Politiker haben ein Recht auf Liebe und Erotik bz-berlin.de, 13. August 2007
  14. "Wir schaffen eine Klasse systematischer Verlierer!" Thorsten Stegemann im Gespräch mit Karl Lauterbach, auf Telepolis vom 14. Juni 2007, abgerufen am 19 September 2019.
  15. zeit.de: Steinbrück holt Lauterbach in sein Kompetenzteam, vom 5. Juni 2013, abgerufen am 9. Juni 2013.
  16. Bundestag: Abgeordneter Dr. Karl Lauterbach, SPD (Memento des Originals vom 27. Juli 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bundestag.de, abgerufen am 22. November 2011.
  17. Tina Hildebrandt: Karl Lauterbach: Angreifen, nachgeben, fertigmachen. 13. Juni 2013.
  18. "Karlchen Überall" und die Putzkräfte sueddeutsche.de, 18. Dezember 2013
  19. Lauterbach verlässt Rhön-Klinikum-Aufsichtsrat handelsblatt.de, 5. Juni 2013
  20. Andreas Born: Leverkusen: Hauptversammlung der Europa-Union (Veröffentlicht am: 17.01.2018).
  21. Tina Hildebrandt: Karl Lauterbach: Angreifen, nachgeben, fertigmachen. Die Zeit, 21. Juni 2013, abgerufen am 17. Juli 2016.
  22. Pate des Freiherr vom Stein-Gymnasiums Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage (Memento des Originals vom 27. November 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.schule-ohne-rassismus.org, abgerufen am 27. November 2016