Karl-Heinz Priester

deutsches SS-Mitglied und späterer revisionistischer Verleger

Karl-Heinz Priester (* 20. März 1912 in Frankfurt am Main; † 16. April 1960 in Wiesbaden) war ein Mitglied der höheren Führungsebene der Hitler-Jugend und späterer Verleger für Holocaustleugnung und Geschichtsrevisionismus in der Bundesrepublik Deutschland.

LebenBearbeiten

Vor 1945Bearbeiten

Priester wuchs in Frankfurt auf und war nach der Schule Zeitungsvolontär.[1] Er war Schriftleiter der Frankfurter Post, einer Zeitung der Deutschnationalen Partei.[2]

Während der Weimarer Republik trat Priester in die Hitler-Jugend (HJ) ein und war 1932 für die Presse-Schulung der HJ im Bann Hessen-Nassau verantwortlich. 1933 wurde er Führer des Oberjungbanns I des an die HJ angegliederten Jungvolkes im selben Gebiet.[3] Danach war er hauptsächlich in der Deutschen Arbeitsfront tätig[4] und war von 1935 bis 1939 Direktor deren Unterorganisation Kraft durch Freude.[5]

Über die Mitgliedschaft in der Schutzstaffel (SS) gibt es unterschiedliche Angaben. Während einige Quellen Priester als Mitglied der Waffen-SS darstellen, der den Rang SS-Sturmbannführer erreichte,[6] sprechen andere nur vom „SS-Anwärter“[7] der von der SS schließlich abgelehnt wurde.[3]

Im Zweiten Weltkrieg war er ab 1939 Frontberichterstatter bei der Luftwaffe, später Oberleutnant der Infanterie und Verbindungsoffizier zur Waffen-SS.[5]

Nach 1945Bearbeiten

Nach dem Kriegsende 1945 wurde Priester in der französischen Besatzungszone Deutschlands zunächst nicht belangt. 1946 wurde er jedoch, als er nach Hessen wechselte, von der amerikanischen Besatzungsmacht interniert und erst 1948 wieder freigelassen.[8]

Nach seiner Freilassung blieb er ein politischer Aktivist der extremen Rechten. Sein Verlag saß in Wiesbaden. Bekannt wurde er vor allem als Verleger von Holocaustleugnern wie Maurice Bardèche, Paul Rassinier, Harry Elmer Barnes und F.J. P. Veale.

1948 schloss er sich der hessischen NDP an und wurde enger Mitarbeiter des Parteigründers Heinrich Leuchtgens. Er überwarf sich jedoch mit diesem, als Leuchtgens im Januar 1950 beschloss, die NDP in die DRP zu überführen. Priester und seine Anhänger forderten eine national-revolutionäre und keine national-konservative Partei. Daraufhin gründeten sie die kurzlebige Nationaldemokratische Partei – Nationale Reichspartei.[9] Unter Priesters Führung agierte diese als hessischer Landesverband der neu gegründeten SRP von Fritz Dorls.[10][11] Priester wurde SRP-Landesvorsitzender und gehörte kurzzeitig der SRP-Parteileitung an.[12]

Parallel engagierte sich Priester auf internationaler Ebene. Im Oktober 1950 traf er auf einer vom Movimento Sociale Italiano (MSI) initiierten Konferenz in Rom Per Engdahl und besprach die Gründung einer europäischen Sammlungsbewegung. Trotz eines Einreiseverbots wurde Priester im Mai 1951 in Malmö/Schweden in Abwesenheit in den Vorstand der faschistischen Europäischen Sozialen Bewegung unter der Führung des italienischen MSI gewählt. Am 29. März 1951 gründete er deren deutschen Ableger, die Deutsch-Soziale Bewegung (DSB).

Priester gehörte 1951 mit dem ehemaligen SS-Sturmbannführer Arthur Ehrhardt und dem Schriftsteller und ehemaligen SA-Obersturmführer Herbert Böhme zu den Mitgründern der Zeitschrift Nation und Europa, die als Organ der Deutsch-Sozialen Bewegung gedacht war. Er fungierte mit Ehrhardt zusammen als Herausgeber der Zeitschrift.[13] Neben seiner Verlagstätigkeit war Priester bis zu seinem Tod damit beschäftigt, zahlreiche neonazistische Gruppierungen und Parteien zu gründen oder zu spalten.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hans Frederik: Die Rechtsradikalen. Humboldt-Verlag, München 1965, S. 70.
  2. Karl Heinz Priester zum Gedächtnis. In: Nation Europa. Heft 10, Oktober 1960, S. 43.
  3. a b Kurt P. Tauber: Beyond Eagle and Swastika: German Nationalism Since 1945. Band 2, Wesleyan University Press, 1967, S. 1018.
  4. Richard Stöss: Vom Nationalismus zum Umweltschutz. Westdeutscher Verlag, 1980, S. 56.
  5. a b Richard Stöss: Parteien-Handbuch: die Parteien der Bundesrepublik Deutschland. 1945–1980. Westdeutscher Verlag, 1984, S. 1898.
  6. so etwa Eberhart Schön: Die Entstehung des Nationalsozialismus in Hessen. Hain-Verlag, 1972, S. 207.
  7. Der Spiegel. 3/1950 vom 19. Januar 1950, S. 10.
  8. Hans Frederik: NPD, Gefahr von Rechts? Verlag Politisches Archiv, 1966, S. 102.
  9. Konstituierung des Landesvorstand der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (Nationale Reichspartei), 29. Januar 1950. Zeitgeschichte in Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  10. Manfred Jenke: Verschwörung von Rechts: Ein Bericht über den Rechtsradikalismus in Deutschland nach 1945. Berlin 1961, S. 88.
  11. Horst Schmollinger: Die nationaldemokratische Partei Deutschlands. In: Richard Stöss: Parteienhandbuch. Westdeutscher Verlag, Opladen 1986, ISBN 3-531-11838-2, S. 1908f.
  12. Henning Hansen: Die Sozialistische Reichspartei (SRP): Aufstieg und Scheitern einer rechtsextremen Partei. Droste-Verlag, 2007, S. 68.
  13. Jens Mecklenburg (Hrsg.): Handbuch Deutscher Rechtsextremismus. Elefanten-Press, Berlin 1996, ISBN 3-88520-585-8, S. 609.