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Karawankentunnel (Autobahn)

Autobahntunnel zwischen Österreich und Slowenien

Der Karawankentunnel (slow.: Predor Karavanke) ist ein knapp acht Kilometer langer Grenztunnel zwischen der Republik Österreich und der Republik Slowenien. Er wurde zwischen 1986 und 1991 errichtet und verbindet die österreichische Karawanken Autobahn A11 mit der slowenischen Autobahn A2 in Richtung Ljubljana zwischen Jesenice und Rosenbach, einem Ortsteil von Sankt Jakob im Rosental. Er verläuft dabei durch die namensgebenden Karawanken (slowenisch Karavanke), einen Gebirgsstock der südlichen Kalkalpen. Die Fahrzeit von Villach nach Ljubljana hat sich seit Eröffnung des 7864 Meter langen Tunnels um über eine Stunde verkürzt.

Karawankentunnel
Predor Karavanke
Karawankentunnel
SlowenienSlowenien Südportal (oben) / OsterreichÖsterreich Nordportal (unten)
Nutzung Straßentunnel
Verkehrsverbindung OsterreichÖsterreich AUT A11 / SlowenienSlowenien SLO A2
Ort Karawanken
Länge Weströhre: 7864 m
Oströhre (im Bau): 7948 m[1]dep1
Fahrzeuge pro Tag Ø 10859 (2017)[2]
Anzahl der Röhren 1 (zweite Röhre in der Bauphase[3])
Bau
Bauherr Weströhre: (OsterreichÖsterreich Österreich)
Tauernautobahn AG
(SlowenienSlowenien Slowenien) bis 1989 Skupnost za ceste Slovenije, ab 1990 Republiška uprava za ceste
Oströhre:
OsterreichÖsterreich ASFINAG / SlowenienSlowenien DARS
Baukosten Weströhre: 2,2 Mrd. öS[4]
Oströhre: 340 Mio. Euro[5]
Baubeginn Weströhre:
12. August 1986[6]
Oströhre:
18. September 2018
Fertigstellung Weströhre: 1. Juni 1991[7]
Oströhre: Februar 2024Vorlage:Zukunft/In 4 Jahren
Gesamtfertigstellung:
Anfang 2026Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren
Planer Weströhre: (OsterreichÖsterreich Österreich) Tauernautobahn AG,
(SlowenienSlowenien Slowenien)
Geoconsult / GeoZS
Oströhre[8]: (OsterreichÖsterreich Österreich)
Laabmayr & Partner,
iC consulenten, IGT Geotechnik & Tunnelbau,
(SlowenienSlowenien Slowenien)
JV ELEA iC, IRGO Consulting, IBE, LINEAL, PNZ, Geoportal, IGH
Betrieb
Betreiber OsterreichÖsterreich ASFINAG / SlowenienSlowenien DARS
Maut 2019: 7,40 Euro für Fahrzeuge < 3,5 Tonnen[9]
Karte
Reliefkarte Slowenien Kärnten.jpg
Der Karawankentunnel verbindet das Bundesland Kärnten mit der slowenischen Region Oberkrain.
Lage
Karawankentunnel (Autobahn) (Österreich)
Red pog.svg
Red pog.svg
Koordinaten
Südportal 46° 27′ 12″ N, 13° 59′ 25″ O
Nordportal 46° 31′ 11″ N, 14° 1′ 23″ O

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Postmarke, 1. Juni 1991

Die Herstellung, Erhaltung und Finanzierung der etwa 9,8 Kilometer langen Karawanken-Autobahn-Tunnelstrecke, verlaufend von Winkl im Rosental, Kärnten, bis Hrusica in Oberkrain, Slowenien, wurde am 29. Juni 1978 mit Bundesgesetzblatt Nr. 442 beschlossen und mit Erlass des damaligen Bundesministerium für Bauten und Technik vom 24. Jänner 1979 einschließlich der Planung an die Tauernautobahn AG übertragen[10]. Bereits 1977 wurde dazu ein Staatsvertrag zwischen Slowenien und Österreich unterzeichnet, welcher wegen Finanzierungsproblemen Jugoslawiens 1983 abgeändert und neu unterzeichnet wurde. Im Jahr 1985 erhielt Jugoslawien die Finanzierungszusage der Europäischen Investitionsbank. 1986 und -87 wurde das Projekt in beiden Ländern ausgeschrieben.

Die Errichtung der Weströhre des Karawankentunnels begann mit dem Tunnelanschlag in Slowenien im August 1986, bzw. in Österreich im Juni 1987[11]. Der historische Tunneldurchschlag erfolgte am 16. Juni 1989[12]. Die Eröffnung wurde am 31. Mai 1991 gefeiert. Am 1. Juni erfolgte die Verkehrsfreigabe. Die Konstruktionsarbeiten übernahm für Österreich die Firma Swietelsky, für Slowenien die inzwischen aufgelöste Slovenija ceste Tehnika, das ebenfalls 1987 in Konkurs geratene deutsche Bauunternehmen Polensky & Zöllner, sowie das slowenische Bauunternehmen Gradis BP und die italienische Delma Srl. Die Inbetriebnahme der Karawanken Autobahn erfolgte vorerst mit einer Fahrspur im Juni 1991, die Fertigstellung im Juni 1992. Von der Weströhre liegen 3.450 Meter auf slowenischem- und 4.414 Meter auf österreichischem Staatsgebiet. Insgesamt 3,3 Milliarden Schilling wurden in Summe für 4,4 Kilometer Tunnel und 16,8 Kilometer Freilandstrecke investiert (ca. 240 Millionen Euro). Der Tunnel selbst kostete 2,2 Milliarden Schilling, davon übernahm Österreich 1,2 Milliarden und Slowenien umgerechnet eine Milliarde[13]. Vier Männer ließen bei der Errichtung des Tunnels ihr Leben, drei davon waren Kärntner. Bereits 27 Tage nach der Eröffnung wurde im slowenischen 10-Tage-Krieg im Juni 1991 der Tunnel kurzzeitig von Einheiten der Jugoslawischen Volksarmee besetzt, am 30. Juni jedoch wieder von slowenischen Einheiten eingenommen.

Bauherr war für Österreich die Tauernautobahn AG, für Slowenien bis 1989 die Skupnost za ceste Slovenije und ab 1990 die Republiška uprava za ceste. Mit der Bauaufsicht für Österreich war gemäß Übereinkommen vom 15. Dezember 1987 das Land Kärnten (Amt der Kärntner Landesregierung) betraut. Bis zur Eröffnung des Tunnels war Jugoslawien von Nordwesten nur über Passstraßen (Wurzenpass und Loiblpass) oder durch den Eisenbahn-Karawankentunnel zu erreichen.

Die österreichische Grenzpolizeiinspektion befand sich vor der Schengen-Erweiterung in Rosenbach, Gemeinde St. Jakob im Rosental.

Geologische BesonderheitenBearbeiten

 
Nordportal im November 2018
 
Barbarafeier Dezember 2018

Der Karawankentunnel durchquert im Wesentlichen Formationen der Werfener Schichten, Dolomite und Kalke der Trias sowie Tonschiefer, Konglomerate und Sandsteine des Hochwipfelflysch. Das Gebirgsmassiv ist durch junge Bruchtektonik stark in Längs- und Querrichtung zerstückelt. Es bestehen vertikale Versetzungsbeträge von mehreren hundert Metern. Der tektonisch besonders stark beanspruchte slowenische Südabschnitt hat stark wechselnde Verhältnisse, davon lange Strecken in schwieriger Geologie.

In der historischen Baudokumentation des in der Nähe befindlichen Eisenbahntunnels (1901–1906) hieß es bereits, dass die durch die Bewegung des Gebirges verursachten Deformationen des Tunnels dazu führten, dass sich ein Bohrwagen schon vier Stunden nach Eröffnung eines neuen Abschnitts nicht mehr durch diesen bewegen konnte, da er vom Gebirge eingeklemmt worden war. Das damalige Firstgewölbe bestand aus massiven Steinquadern, welche der Gebirgsdruck so stark zerstörte, dass der Eisenbahntunnel auf einer Strecke von fünfhundert Metern rekonstruiert werden musste.

Bei der Konstruktion der Weströhre ab 1986 zeigten sich geologisch bedingt, in erster Linie auf slowenischer Seite, viele Probleme, welche bereits durch den Eisenbahntunnel bekannt waren. So gab es bereits nach siebenhundert Metern Vortrieb von der Südseite einen Wassereinbruch von 100 Litern pro Sekunde, welcher zu einem einmonatigen Baustopp führte. Durch die Gebirgsbewegungen entstand bei Errichtung der Spritzbetonschale ein diagonaler Riss über den gesamten Tunnel. Schwere Schäden an Spritzbeton und Ankern waren die Folge. So kam es zu einer Kalottenkonvergenz, also zum Eindrücken bzw. Verengen der Kalotte durch Gebirgsbewegungen um bis zu 1,5 Meter vom ursprünglichen Ausgangspunkt. Dies führte zu Scherrissen und Konvergenzgeschwindigkeiten (Geschwindigkeit der Gebirgs-Deformation) von 25 cm pro Tag. Auch nachdem ausgebrochene Abschnitte mehrere Monate zur Beruhigung kamen, bewegten sich diese plötzlich ruckartig um bis zu 45 cm vom Ausgangsprofil des Tunnels. Man änderte daraufhin das sog. Übermaß des Tunnelprofils, sodass selbst nach Konvergenzen von 70–80 cm die Spritzbetonschale immer noch unbeschädigt erhalten bleiben konnte.

Durch diese lang anhaltenden und oft verspätet auftretenden Bewegungen mussten über ein Jahr nach Errichtung der eigentlichen Spritzbetonschale Nachankerungsbereiche definiert werden, wobei einzelne Abschnitte für sich schon einhundert Meter lang waren. Hier kamen bis zu drei verschiedene Ankerraster zum Einsatz. Aus allgemeiner Sicht bezog sich das Ankerschema im Karawankentunnel auf die Ausbruchsklasse 6 von 7, die eine voreilende Sicherung verlangt, sprich die Sicherung des zukünftig auszubrechenden Bereichs durch Anker, bevor dieser eröffnet wird. Dabei kamen in der Kalotte 10–12 Anker mit einer Länge von 9 Metern bzw. sechs Stück mit einer Länge von 6 Metern und einer Haftung von ca. 250 Kilonewton (kN) zum Einsatz. Man benötigte an besonders instabilen Abschnitten im Gesamtprofil bis zu 600 Meter an Ankern pro Tunnel-Meter. Eine von der Baufirma Alpine Mayreder, Kraus & Co. entwickelte Sonderkonstruktion eines nachgiebigen Ankerkopfes kam zum Einsatz. Dieser war flexibel und konnte die Bewegungen des Gebirges bis zu 20 cm kompensieren, ohne dabei zu reißen.

Das größte Hindernis beim Bau des Karawankentunnels ergab sich nach 3000 Metern Vortrieb von Süden, wobei es zu einem verheerenden Wassereinbruch von mehreren Hundert Litern pro Sekunde kam, welcher den Tunnel einen Meter hoch überflutete und 4000 Kubikmeter an Gestein in den Tunnel spülte. Das meiste Equipment wurde davongespült und stark beschädigt, es kamen jedoch durch vorausschauendes Handeln im Wissen um die anstehenden Wassereinbrüche keine Personen zu Schaden. Der Druck des Bergwassers betrug dabei bis zu 3,5 Megapascal, in manchen Drainageauslässen bis zu 70 Bar. Ein eigener Behelfstunnel musste in diesem Bereich parallel zum Straßentunnel errichtet werden, um zur nördlichen Seite der Einbruchszone gelangen und Ankerbohrungen vornehmen zu können. Die Bauarbeiten wurden allein dadurch um 2 Monate verzögert.[14]

Im Gegensatz zum Bau des ersten Tunnels bietet sich für die neue Oströhre der große Vorteil an, dass die exakte Geologie im Bereich des Tunnels genau erschlossen ist, wodurch Überraschungen vorgebeugt und die zeitliche Planung für besonders schwierige Abschnitte genau vorbereitet werden kann. Zusätzlich zu den vorhandenen Unterlagen wurden im Jahr 2015 Probebohrungen für die Oströhre durchgeführt, diese führten immer wieder zu Gasausbrüchen, welche zu Verkehrsbehinderungen in der Weströhre führten[15].

MautBearbeiten

Für den Tunnel ist eine Maut zu entrichten. Der Betrag für die Pkw-Maut mit und ohne Anhänger beträgt im Jahr 2019 rund 7,40 Euro und kann bar oder mit Kreditkarte (VISA/Mastercard) bezahlt werden. Des Weiteren kann man, unter Angabe des Kennzeichens, online die digitale Streckenmaut (früher „Videomaut“ genannt) buchen, so dass die Entrichtung der Maut vor Ort entfällt. Diese Möglichkeit besteht aber nur in Fahrrichtung Süden, in Richtung Norden muss vor Ort bezahlt werden. Grund für den Unterschied sind unterschiedliche Betreiber. Für Vielfahrer gibt es die Möglichkeit, eine kennzeichengebundene 14-Fahrten-Monatskarte zu erwerben. Sie kostet 32,20 Euro, gilt für 14 Fahrten und ist 30 Kalendertage ab Ausstellung gültig. Nicht verbrauchte Fahrten verfallen.[16]

Wegen der Sondermautstrecke ist der Karawankentunnel ohne österreichische Vignette befahrbar.[17] Bis zur Ausfahrt Hrušica ist die Strecke auch laut Asfinag ohne slowenische Vignette befahrbar.

NutzungsfrequenzBearbeiten

Im Juni/Juli/August 2016 wurden alleine in Richtung Slowenien 160.000/322.000/303.000 Fahrzeuge gezählt. In Summe also knapp 800.000 Fahrzeuge in 3 Monaten. Im Juli 2015 waren es noch 265.000 Fahrzeuge gewesen. Regelmäßig entstehen Staus, insbesondere an Samstagen und Sonntagen. Die Asfinag verteilte an den acht Samstagen im Juli und August 2016 insgesamt 106.000 Stück Halbliter-Kunststoffflaschen Mineralwasser und 20.000 Malbücher plus Buntstifte für Kinder an die Personen im Stau.[18][19]

VerkehrsfunkBearbeiten

Im Tunnel können die Sender Ö3 (Österreichischer Rundfunk, 90,4 MHz) und VAL 202 (Radio Televizija Slovenija, 98,9 MHz) empfangen werden.

TunnelsicherheitBearbeiten

 
Innenansicht Weströhre, Blick Richtung Süden

Die Überwachung des Tunnels teilen sich beide Länder, diese wechselt im Monatsrhythmus zwischen den Verkehrs-Leitstellen in Klagenfurt, Kärnten und Hrušica in Slowenien. Die ASFINAG stellt eine eigene Brandschutzeinheit mit der Bezeichnung "Brandschutzgruppe Karawankentunnel", welche sofort intervenieren kann, sollte Alarm im Tunnel ausgelöst werden. Gleichzeitig gibt es auf der slowenischen Seite des Tunnels eine eigene Betriebsfeuerwehr. Der derzeit ein-röhrige Tunnel verfügt aktuell neben 5 redundanten Tunnel-Steuergeräten und Servern über 48 Notrufeinrichtungen im Tunnel, 24 Verkehrsampeln, 18 elektronische Infotafeln und 20.000 Systemdatenpunkte. Regelmäßige Trainings und Übungen der länderübergreifenden Einsatzkräfte sind fester Bestandteil des Sicherheitskonzepts[20][21]. 2013 wurde die gesamte Leittechnikanlage sowie Teile der Elektromaschinellen Ausrüstung an den Stand der Technik angepasst und erneuert.[22]

Im Mai 2012 ging auf der österreichischen Seite ein Stück vor dem eigentlichen Tunnelportal in einer Thermoportal genannten Galerie ein Thermoscanner in Betrieb, der heiße Bremsen an Lkw erkennt und die betroffenen Fahrzeuge per Ampelschaltung am Einfahren in den Tunnel hindert, um möglicher Brandentstehung vorzubeugen. Im ersten Jahr wurden etwa 300 Lkw und Busse deshalb gestoppt. Das Thermoportal mit Technik des Unternehmens Sick war die erste solche Anlage in Europa und wurde – ohne gesetzlichen Auftrag – von der ASFINAG zur Förderung der Sicherheit errichtet.[23] Eine Jury um das Thema Gefahrguttransport hat der Anlage den Deutschen Innovationspreis zugesprochen.[24]

Im Herbst 2013 wurde für das Video-System eine Ereignis-Erkennung nachgerüstet, welche aufsteigenden Rauch oder Verkehrsstaus frühzeitig erkennen und rechtzeitig Alarm schlagen soll.[25]

Vollausbau und Generalsanierung 2018–2026Bearbeiten

 
Zugang Oströhre, Österreich
 
Vortrieb Österreich Nov. '18
 
Brückenkonstruktion 2016

Im Jahr 2004 erließ das Parlament der Europäischen Union eine Richtlinie mit der Bezeichnung „Mindestanforderungen für die Sicherheit von Tunneln im transeuropäischen Straßennetz“ (Richtlinie 2004/54/EG), welche im Speziellen für den Karawankentunnel die Notwendigkeit der Errichtung eines Fluchtstollens bis zum Jahr 2019 bedeutete. Daher wurde 2006 eine Studie in Auftrag gegeben, welche prüfen sollte, ob statt der Errichtung eines einfachen Fluchtstollens der Bau einer zweiten Röhre sinnvoll wäre.[26]

Nach Evaluierung dieser Studie kündigte die ASFINAG im März 2015 den zweiröhrigen Vollausbau an. Als Vorleistung wurde von September 2015 bis Oktober 2017 auf österreichischer Seite eine 350 Meter lange Autobahnbrücke hin zum neuen Ostportal errichtet sowie eine 14 Meter hohe Stützmauer zur Hangbefestigung. Die fertige Brücke wurde abschließend durch Errichtung einer 250 Meter langen Verbindung zur bestehenden Autobahn Richtung Mautstation angebunden.[27]

Die Auswahl ging für Österreich mit einem Gebot in der Höhe von 89,9 Millionen Euro ohne Einsprüche von anderen Anbietern an die aus sieben Angeboten gewählte Swietelsky Tunnelbau GmbH, welche auch den ersten Tunnel für Österreich errichtet hatte.

Das Projekt wurde von der Europäischen Union im Zuge des Connecting Europe Facility (CEF) Programmes in der Planungsphase mit 3,35 Millionen Euro gefördert. Für die Bauphase gibt es einen unterzeichneten Förderungsvertrag mit einer maximalen Förderhöhe von 9,4 Millionen Euro.[28][29]

Am 18. September 2018 fand der feierliche Tunnelanschlag am Nordportal in Österreich statt[30]. Seither findet der Vortrieb, bezogen auf die österreichische Seite des Tunnels, im Rhythmus von durchgehend 7 Tagen die Woche und durchgehend 24 Stunden pro Tag, statt. In der Kalotte werden zwischen 5 und 6 Abschläge (Sprengungen) pro Arbeitstag durchgeführt. Je nach Abschlagstiefe entspricht dies im Schnitt ca. 7 Metern pro Tag. Nach Abschluss der Arbeiten an der Kalotte wird die Strosse mit ebenfalls 5 bis 6 Abschlägen pro Tag, jedoch mit doppelter Abschlagstiefe, sprich ca. 14 Metern pro Tag aufgefahren. Im Anschluss wird die Sohle mit einer Geschwindigkeit von 15 bis 20 Metern pro Tag nachgezogen.

Der Tunneldurchschlag an der Grenze von Österreich zu Slowenien soll Mitte des Jahres 2022Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren erfolgen. Der anschließende Innenausbau mit Errichtung der Tunnelinnenschale soll bis Anfang 2023 abgeschlossen sein, danach folgt die Ausstattung mit Sicherheitseinrichtungen bis Februar 2024 und darauf die Freigabe der neuen Oströhre.[31]

Die Errichtung der neuen Oströhre erfolgt nach Neuer Österreichischer Tunnelbaumethode. Die Tunnellänge beträgt gesamt 7948 Meter, davon liegen in Österreich 4.402 Meter und in Slowenien 3.546 Meter.[31] Ende des Jahres 2021 soll der Vortrieb in Österreich abgeschlossen sein, in Slowenien Mitte des Jahres 2022. Bis dahin werden in Summe ca. 2,6 Millionen Tonnen, das sind mehr als 90.000 LKW-Fuhren, an Gestein auf beiden Seiten ausgebrochen worden sein. Bis zu einer halben Million Tonnen an Beton wird die Konstruktion in Anspruch nehmen.[31]

Beim Bau des Karawankentunnels kommt auch das neuartige Building Information Modeling (BIM) zum Einsatz. Dieses stellt das gesamte Bauwerk in einem digitalen 3D-Modell dar.[31]

Die Gesamtkosten für Österreich, sprich die Kosten für die Planung, Errichtung und Verkehrsanbindung der neuen Oströhre inklusive aller dazugehörigen baulichen Maßnahmen und der Sanierung der Bestandsröhre, werden laut ASFINAG für Österreich ca. 192 Millionen Euro betragen (168 Millionen für den Tunnel selbst), für Slowenien werden sich die Kosten laut der Betreibergesellschaft DARS auf etwa 150 Millionen Euro belaufen. Die reinen Kosten für den Tunnelneubau werden sich für ASFINAG und DARS auf 320 Millionen Euro belaufen.

Nach Fertigstellung der neuen Oströhre im Februar 2024 wird die bestehende Weströhre, wie auch vor wenigen Jahren beim Vollausbau des Katschberg- und Tauerntunnels, direkt im Anschluss geschlossen und für knapp 2 Jahre saniert. Die Sanierungsarbeiten werden, aufgrund des vergleichsweise schlechteren Tunnelzustands auf slowenischer Seite besonders tiefgreifend und daher mit besonderem Zeitaufwand verbunden sein. Mit Anfang des Jahres 2026 sollen alle zwei Tunnelröhren in Vollbetrieb gehen.[32][33][34][35]

Verkehrstechnisch ist daher bis zur Gesamtfreigabe beider Tunnelröhren Anfang des Jahres 2026 nur die Bestandsröhre bzw. während der Sanierung selbiger nur die neue Oströhre befahrbar, sodass im Tunnel noch Gegenverkehr besteht und ein dauerndes Tempolimit gilt. Bei starkem Verkehrsaufkommen erfolgt eine Geschwindigkeitsreduktion von 80 km/h auf 50 km/h.

Da es vor der Konstruktion der neuen Oströhre keine Fluchtmöglichkeiten gab, bringt die Errichtung selbiger zentrale sicherheitstechnische Neuerungen, insbesondere 26[36] begehbare Querschläge, welche ca. alle 350 Meter beide Röhren verbinden werden, sowie 8 befahrbare Querschläge[37]. Diese Querschläge werden parallel zu den Vortriebsarbeiten errichtet, um schnellstmöglich neue Fluchtwege bereitstellen zu können.

Im Zuge der Bauarbeiten soll das Nordportal in Österreich eine neue Fassade in zeitgemäßem Design erhalten. Den ausgelobten Wettbewerb dazu gewann das Architekturbüro Hertl aus Steyr mit einem Entwurf bestehend aus einer vorgehängten, transparenten, Aluminium-Konstruktion.[38]

Nach Abschluss aller Bauarbeiten Anfang des Jahres 2026 wird der Karawankentunnel über ein neuartiges Mittelstreifenüberfahrt-Leitsystem (MÜLS) verfügen. Dieses kann im Fall einer Störung (z. B.: bei einem Unfall) vor den Tunnelportalen befindliche, bewegliche Betonleitwände von selbst steuern und so die Fahrbahnen und den darauf befindlichen Verkehr in die ein oder andere Röhre umleiten und diese gleichzeitig auf Gegenverkehrsbetrieb umstellen[39]. Somit kann die gesamte Verkehrsführung durch den Tunnel im Fall des Falles innerhalb kürzester Zeit umgestellt werden.

Es gibt auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen zur Zeit nur noch fünf einröhrige Tunnel mit einer Länge von über 500 Metern.[40]

Vergabe-Streit und Korruptionsvorwürfe in SlowenienBearbeiten

Für Slowenien hätte die DARS Ende Juli 2018 einen globalen Großkonzern aus der Türkei, Cengiz İnşaat[41], mit einem Gebot in der Höhe von 89,3 Millionen Euro[42] beauftragt. Obwohl das Angebot den EU-Normen entsprach und dieses, vor allem im Verhältnis zur Österreichischen Seite, welche 900 Meter mehr Tunnel hat und 89,9 Mio. Euro kostet, preislich fundiert war, beklagten sich im August die Verlierer der Vergabe, unter anderem die slowenischen Unternehmen Kolektor CPG aus Nova Gorica und Gorenjska Gradbena aus Oberkrain über die Vergabe an eine ausländische Firma und versuchten das türkische Unternehmen mit dem Vorwurf des Preisdumpings öffentlich in Misskredit zu bringen.[43]

Nach Zurückweisung der Beschwerden durch die DARS riefen die Beschwerdeführer die nationale Überprüfungskommission DKOM an, welche die Vergabe Ende November 2018 wegen "unzulässiger Dokumente" aufhob.[44][45][46] Auffällig ist dabei, dass es sich hier um reine Formalitäten ohne bedeutenden Einfluss auf das schriftliche Angebot gehandelt haben soll, welche erwiesenermaßen in allen Angeboten vorhanden waren, auch in denen der slowenischen Kläger, und generell kaum vermieden hätten werden können. Manche Beobachter sahen hier den Versuch einer Intrige der lokalen Firmen gegen den ausländischen Ausschreibungs-Gewinner bzw. gegen die DARS selbst. Ebenso wurde öffentlich und nicht zum ersten Mal über Korruptions-Vorkomnisse bei der DKOM spekuliert, weshalb das slowenische Ministerium für öffentliche Verwaltung vor kurzem ein eigenes Gesetz zum Schutz der Unabhängigkeit der DKOM erließ[47].

Die Angebote der slowenischen Unternehmen wären nämlich deutlich höher gewesen, zwischen 15 und 20 Millionen Euro[48], und hätten den eher kleinen Unternehmen wichtige Einnahmen eingebracht, welche für den Großkonzern Cengiz vermutlich weniger bedeutend gewesen wären. Gleichzeitig verfügt keiner der slowenischen Beschwerdeführer über die Expertise bzw. die Ressourcen für solch ein Projekt, weshalb diese eigens Konsortien mit ausländischen Unternehmen für die Angebotserstellung gründen mussten.

Cengiz İnşaat als globaler Konzern hat hingegen neben weltweit übernommenen Projekten im Wert von 24 Milliarden USD bereits hunderte Kilometer an Eisenbahn- und Straßentunnels in Eigenregie errichtet. Nach Bewertung der Situation gab die DARS Mitte Februar 2019 bekannt, das ursprüngliche Vergabeverfahren zu beenden und die Angebote aller Bewerber wegen der besagten formalen Unzulässigkeiten in sämtlichen Angeboten abzulehnen – um sich vor ähnlichen Einsprüchen wegen Formalitäten schützen zu können – und ein sogenanntes Verhandlungsverfahren einzuberufen, zu welchem sechs ausgewählte Anbieter eingeladen werden sollten, darunter auch Cengiz İnşaat.[49][50]

Am 28. Februar endete die zweiwöchige Einspruchsfrist. Erneut langten Einsprüche durch die ursprünglichen Beschwerdeführer aus Slowenien, Kolektor CPG und Gorenjska Gradbena, welche nach eigener Ansicht den Vertrag erhalten sollten, gegen das nun neue Auswahlverfahren ein. Nur zwei Wochen später wies die DARS die Einsprüche erneut zurück, wodurch das Verfahren nun abermals zur DKOM weitergereicht wurde.[51]

Während der erneuten Abhandlung der Einsprüche bei der DKOM erklärte Anfang April 2019 der seit 2012 Vorsitzende der staatlichen Überprüfungskommission Borut Smrdel überraschend seinen Rücktritt und begründete diesen damit, dass immer wieder von außen versucht werden würde, Druck auf die DKOM auszuüben, um diese in ihren Entscheidungen zu beeinflussen und bezog sich dabei konkret auf den aktuellen Vergabe-Streit um den Karawankentunnel. Die Einflussnahme würde so weit gehen, dass Entscheidungen nicht mehr "auf Basis des Gesetzes" getroffen würden. Kritische Beobachter deuteten diese Erklärung als Vorwand für eine persönliche Niederlage. Der Vorstand habe offensichtlich ein Ergebnis zu Gunsten der Kläger herbeiführen wollen, wodurch eines der beiden Unternehmen den Bau-Vertrag erhalten hätte.[52]

Am 15. Mai 2019 wurde das Urteil der DKOM veröffentlicht, wonach die Kommission die Einsprüche von Kolektor CPG und Gorenjska Gradbena zurückgewiesen hatte. Nun wird die DARS in einem mehrwöchigen Prozess ein Verhandlungsverfahren mit folgenden sechs Bewerbern und deren Partnern führen[53][54]:

  1. Implenia Österreich GmbH, Salzburg + Implenia Schweiz AG, Dietlikon + CGP d.d., Novo Mesto
  2. Gorenjska Gradbena d.d., Kranj + Metrostav A.S., Prag
  3. Kolektor CPG d.o.o, Nova Gorica + Riko d.o.o., Ljubljana + Yapi Merkezi A.S., Istanbul
  4. Euroasfalt d.o.o., Sarajevo + CP Ptuj d.d., Ptuj
  5. J & P Avax S.A., Athen
  6. Cengiz İnşaat A.S., Istanbul

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. https://www.asfinag.at/ueber-uns/newsroom/pressemeldungen/2018/tunnelanschlag-vollausbau-karawankentunnel/
  2. Dauerzählstellen - Verkehrsstatistiken 2017 (Memento des Originals vom 25. März 2018 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.asfinag.at (ZIP; 2,4 MB). In: asfinag.at, abgerufen am 24. März 2018.
  3. https://www.asfinag.at/ueber-uns/newsroom/pressemeldungen/2018/zweiten-roehre-karawankentunnel/
  4. https://www.asfinag.at/verkehrssicherheit/bauen/bauprojekte/a-11-karawanken-autobahn-neubau-zweite-roehre-karawankentunnel/
  5. https://www.meinbezirk.at/land-kaernten/lokales/tunnelsicherheit-im-fokus-asfinag-investiert-heuer-75-millionen-d2033332.html
  6. https://www.asfinag.at/verkehrssicherheit/bauen/bauprojekte/a-11-karawanken-autobahn-neubau-zweite-roehre-karawankentunnel/
  7. https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160601_OTS0040/asfinag-karawankentunnel-ist-seit-25-jahren-oesterreichs-tor-zum-sueden
  8. https://www.laabmayr.at/tunnelbau/alpin/karawankentunnel/
  9. https://www.delo.si/novice/slovenija/z-novim-letom-za-20-centov-drazja-voznja-skozi-predor-karavanke-132610.html
  10. Rechnungshof: Wahrnehmungsbericht des Rechnungshofes. (PDF) Rechnungshof 1033 Wien, Dampfschiffstraße 2, Oktober 1996, abgerufen am 3. November 2018.
  11. https://www.asfinag.at/verkehrssicherheit/bauen/bauprojekte/a-11-karawanken-autobahn-neubau-zweite-roehre-karawankentunnel/
  12. | Lot 1142 | SIXBID.COM - Experts in numismatic Auctions. Abgerufen am 13. Januar 2019.
  13. ASFINAG: Karawankentunnel ist seit 25 Jahren Österreichs „Tor zum Süden“. Abgerufen am 13. Januar 2019.
  14. Predor Karavanke Tunnel, Geologija in Geotehnika, Ljubljana 1991, Cestni inženiring p.o., Ljubljana, Titova 64
  15. https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150210_OTS0060/asfinag-keine-gefahr-nach-gasaustritt-bei-bohrloch-im-karawankentunnel
  16. Asfinag Sonder- und Videomaut. In: asfinag.at, abgerufen am 5. April 2016.
  17. PKW Sondermaut. (Memento des Originals vom 25. Juli 2008 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.asfinag.at In: asfinag.at
  18. Die „Asfinag-Durstlöscher“ waren an Samstagen pausenlos im Einsatz. (Memento des Originals vom 29. August 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.asfinag.at In: asfinag.at, 29. August 2016, abgerufen am 29. August 2016.
  19. Rekordfrequenz am Karawankentunnel. In: orf.at, 29. August 2016, abgerufen am 29. August 2016.
  20. Grenzüberschreitende Rettungsübung. 8. Oktober 2013, abgerufen am 20. Februar 2019.
  21. Übung im Karawankentunnel. 16. Oktober 2017, abgerufen am 20. Februar 2019 (österreichisches Deutsch).
  22. https://www.duerr-gruppe.at/de/referenzen-da/a11-karawankentunnel.html. Abgerufen am 20. Februar 2019.
  23. Modernstes Thermoportal Europas erkennt überhitzte Fahrzeuge am Karawankentunnel. In: youtube.com
  24. Preis für Karawankentunnel-Thermoportal. In: orf.at, 9. Mai 2013, abgerufen am 18. September 2013.
  25. Test für Videosystem in Karawankentunnel. In: orf.at, 18. September 2013.
  26. Mehr Sicherheit im Karawankentunnel. Studie zu zweiter Tunnelröhre. In: kaernten.orf.at
  27. Infos zum Vollausbau des Karanwankentunnels auf www.asfinag.at. Pressemitteilung der ASFINAG vom 4. März 2015, abgerufen am 7. März 2015.
  28. ASFINAG: Vergabe zweiter Röhre Karawankentunnel an ARGE Swietelsky Tunnelbau GmbH & Co KG und Swietelsky Baugesellschaft m.b.H. In: OTS.at. (ots.at [abgerufen am 11. September 2018]).
  29. Regionalmedien Austria: Karawankentunnel: Bau der zweiten Röhre ab September. In: meinbezirk.at. (meinbezirk.at [abgerufen am 11. September 2018]).
  30. ASFINAG: Feierlicher Tunnelanschlag als Start für Vollausbau des Karawankentunnels. In: OTS.at. (ots.at [abgerufen am 13. September 2018]).
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