Kampfunfähigkeit

Der Begriff Kampfunfähigkeit wird auf Personen und Waffensysteme angewandt, wenn diese nicht mehr in das Kampfgeschehen eingreifen können oder keine direkte Bedrohung mehr darstellen. Dies bedeutet bei einer Person nicht notwendigerweise, dass diese tot ist, oder bei einem Waffensystem, dass es vollständig zerstört wurde. Es wird ausschließlich eine mehr oder weniger radikale Einschränkung des Gegners durch verschiedene Mittel hervorgerufen.

HintergrundBearbeiten

Für den Schutz des eigenen Landes oder den Einsatz in Auseinandersetzungen mit Kampfhandlungen werden sowohl kampffähige Soldaten als auch einsatzfähige Waffen benötigt. Um die Wehrfähigkeit geeigneter Personen sicherzustellen, werden zuvor oftmals sogenannte Musterungen oder Medizinische Tauglichkeitsprüfungen zur Feststellung der Verwendungsfähigkeit durchgeführt, um diejenigen Kandidaten auszuwählen, die die notwendigen Voraussetzungen für einen Kampfeinsatz erfüllen. Zur Sicherstellung der Verteidigungsfähigkeit eines Landes wurde beispielsweise in Deutschland die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. In der Bundesrepublik von 1956 bis 2011[1] und in der Deutschen Demokratischen Republik von 1962 bis 1990.[2][3]

Nach der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland wurde immer wieder die unzureichende Kampffähigkeit der Bundeswehr und ihrer Waffensysteme beklagt. So beklagte Josef Joffe in einem Bericht der Zeitschrift Die Zeit: „Die Bundeswehr ist allenfalls bedingt kampffähig. Es fehlt an (fast) allem für die heutige Kriegsführung: an Aufklärung (im All wie auf dem Kampffeld), Transportern und Schiffen, hoch beweglichen Panzerfahrzeugen, Luftunterstützung, Kampfhubschraubern, Präzisionsmunition und Trägern wie Drohnen.“[4]

Nicht einsatzfähige Waffensysteme, wie Hubschrauber und Flugzeuge, die nicht flugtauglich sind, oder veraltete Systeme vermindern die Kampffähigkeit der Truppe. Auch der Focus beklagte den teilweise maroden Zustand der zur Verfügung stehenden Waffensysteme.[5]

PersonenBearbeiten

Bei einer in diesem Sinne kampffähigen Person kann durch unterschiedliche Methoden, beispielsweise beim Einsatz im Nahkampf, eine Kampfunfähigkeit herbeigeführt werden. Hierzu zählen neben dem Tod die Einschränkung der Bewegungsfreiheit durch Fesselung oder vorübergehendes Ausschalten der Sinne bis hin zur Bewusstlosigkeit, beispielsweise durch Rauch oder betäubende Gase. Auch die Zerstörung oder Entwendung der Waffen schränkt die Kampffähigkeit der Personen ein.

Ein weiterer Aspekt, der auch bei körperlich unversehrten Menschen zu einer langfristigen Kampfunfähigkeit führen kann ist die psychische Belastung durch das sogenannte Kriegstrauma, der Soldaten am Einsatzort, wie beispielsweise beim Bundeswehreinsatz in Afghanistan, ausgesetzt sind.[6]

WaffensystemeBearbeiten

Moderne Waffensysteme basieren meistens auf aufwendiger Technologie, die zahlreiche Möglichkeiten der Störung durch Gegner bietet. So können beispielsweise Störsender eingesetzt werden, um ein Waffensystem vorübergehend auszuschalten oder fehlzuleiten. Auch der Einsatz von gewissen Minentypen gegen Großgerät wie gepanzerte Fahrzeuge, dient häufig nicht der Tötung der Insassen, sondern eher der Einschränkung der Manövrierfähigkeit der Fahrzeuge selber (beispielsweise das Zerstören der Kette von Kettenfahrzeugen). Auch der Verschuss sämtlicher Munition kann zur Kampfunfähigkeit führen, vor allem bei der Zerstörung bestimmter Ziele (wie Panzer) oder Einsätzen mit bestimmten Waffensystemen (wie Jagdflugzeuge). Waffensysteme können ohne Munition nur noch bedingt am Einsatz teilnehmen, sie sind somit kampfunfähig. Müssen Waffensysteme im Kampfgebiet zurückgelassen werden, so werden sie teilweise absichtlich Kampfunfähig gemacht oder Kriegsschiffe versenkt, um dem Feind keine aktive Waffe zu überlassen.

Häufig wird in militärischen oder zivilbehördlichen Konflikten, die noch nicht auf eine unmittelbare Gefährdung der eigenen Kräfte hindeuten versucht, eine potentielle oder eindeutige Bedrohungsquelle kampfunfähig zu machen, ohne dabei Menschen zu töten. So werden durch gezielte Schüsse Antriebsquellen von Fahrzeugen zerstört, oder durch sogenannte nichttödliche Waffen bedrohliche Personen gestoppt.[7]

Nichttödliche Munition kann auch gegen sogenannte Kampfhunde zum Einsatz kommen.[8]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Alexander Weinlein: Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht beschlossen. In: Deutscher Bundestag. (bundestag.de).
  2. Kai Riedel: documentArchiv.de – Gesetz über die allgemeine Wehrpflicht [Wehrpflichtgesetz] (24.01.1962). documentarchiv.de, abgerufen am 8. November 2016.
  3. Gesetz über die allgemeine Wehrpflicht (Wehrpflichtgesetz 1982). webmaster@verfassungen.de, abgerufen am 8. November 2016.
  4. Josef Joffe: Neue Rolle der Bundeswehr?: Ein bisschen Krieg. In: Zeit Online. 6. Februar 2014, abgerufen am 8. November 2016.
  5. Mitten im Flug: Kampfhubschrauber „Tiger“ verliert Raketen. In: FOCUS Online. 28. September 2014 (focus.de).
  6. Birgitta vom Lehn: Der unsichtbare Feind. In: morgenpost.de. Abgerufen am 8. November 2016.
  7. Markus Becker: Neue Militärtechnik. So kämpft der Soldat von morgen. In: Spiegel Online. 17. August 2011, abgerufen am 8. November 2016.
  8. Waffen sollen nur kampfunfähig machen. Brandenburgs Polizei will spezielle Munition gegen Kampfhunde. rp-online.de, 1. August 2000, abgerufen am 8. November 2016.