Kaiserpreis-Rennen 1907

Autorennen

Das Kaiserpreis-Rennen war nach dem Gordon-Bennett-Rennen 1904 die zweite große Motorsportveranstaltung in Deutschland. Es fand am 13. und 14. Juni 1907 statt.

Rennsieger Felice Nazzaro bei seiner Siegesfahrt
Beim Kaiserpreis-Rennen fuhren die Fahrer jedoch im Uhrzeigersinn, also in entgegengesetzter Richtung wie beim Gordon-Bennett-Rennen, die Strecke ab. Somit hatte der Taunus innerhalb von drei Jahren zwei internationale Automobilrennen.
Die unbewegten Aufnahmen zeigen die vorbeifahrenden Wagen von einem Teilstück der Strecke aus. Gefilmt von Julius Neubronner.

VorgeschichteBearbeiten

Durch den Sieg von Camille Jenatzy auf Mercedes beim Gordon-Bennett-Cup 1903 war Deutschland als Austragungsort dieses Rennens vorgegeben. Im Gegensatz zu Frankreich und Großbritannien, wo die Politik den Rennen gegenüber bislang eher restriktiv begegnete, war das deutsche Kaiserhaus – das gegenüber dem Automobilwesen lange Zeit ebenfalls sehr zurückhaltend eingestellt gewesen war – nach dem Mercedes-Erfolg beim Gordon-Bennett-Rennen 1903 von der nationalen Begeisterung für Automobilrennen erfasst worden und Kaiser Wilhelm II. soll persönlich an der Auswahl der Rennstrecke bei Homburg beteiligt gewesen sein. Start und Ziel des 128 km langen und viermal zu durchfahrenden Rundkurses im Taunus war nahe dem Kastell Saalburg, einem weiteren Prestigeobjekt Wilhelms, wo auch die kaiserliche Tribüne errichtet wurde. Durch die Anwesenheit des Kaisers erhielt die Veranstaltung eine zusätzliche Aufwertung, was sich in einer gesteigerten Teilnehmerzahl widerspiegelte.

Insgesamt traten 18 Wagen aus sieben Nationen am 17. Juni 1904 gegeneinander an. Wie schon im Vorjahr entwickelte sich das Rennen erneut zu einem deutsch-französischen Zweikampf, Camille Jenatzy auf Mercedes gegen den bis dahin noch weitgehend unbekannten Léon Théry auf Richard-Brasier. Trotz genauester Streckenvorbereitung und überlegener Motorleistung seines 95-PS-Mercedes verlor Jenatzy jedoch auf den sehr präzise fahrenden Théry Runde um Runde einige Sekunden, sodass der Franzose schließlich mit etwa 11 Minuten Zeitvorsprung und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 87 km/h durchs Ziel ging.

Das RennenBearbeiten

Das Rennen wurde auf einer 117 km langen Strecke durch den Taunus ausgetragen, die von Oberursel bis Weilburg und wieder zurück führte. Zahlreiche deutsche Marken (Opel, Mercedes, Eisenach, Adler und andere) waren am Start. Der Sieg ging an den Italiener Felice Nazzaro auf Fiat. Der Preis für das beste deutsche Fahrzeug wurde Carl Jörns auf Opel 34/65 PS verliehen und bescherte Opel den Titel „Hoflieferant“.

Zwei Wochen nach der Veranstaltung wurde beim Circuit des Ardennes ein Rennen für Kaiserpreis-Fahrzeuge ausgeschrieben, das John Moore-Brabazon auf Minerva gewann.

In den Folgejahren wurde statt des einmaligen Rennens um den Kaiserpreis mehrmals die Prinz-Heinrich-Fahrt ausgetragen: Prinz Heinrich von Preußen war der motorsportbegeisterte Bruder des Kaisers Wilhelm II.

Im Jahr 2007 fand ein Jubiläumsrennen mit Oldtimern statt.[1]

ErgebnisseBearbeiten

MeldelisteBearbeiten

Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen
Norddeutscher Bund  Dürkopp & Co. 01A Norddeutscher Bund  Friedrich Schmidt Dürkopp C
01B Deutsches Reich  Rudolf Oelerisch
01C Osterreich-Ungarn  Beneslav Jarosch
Italien 1861  Fabbrica Junior Torinese Automobili 02A Junior
02B
Norddeutscher Bund  Opel 03A Norddeutscher Bund  Friedrich Opel Opel C
03B Deutsches Reich  Carl Jörns
03C Frankreich  Christian Michel
Frankreich  Automobiles Rebour 04A Italien 1861  Renzo Taddioli Rebour
04B
Deutsches Reich  Argus Motoren-Gesellschaft m.b.H. 05A Deutsches Reich  Anton Flohr Argus
Deutsches Reich  Sun Motorwagen-Gesellschaft mbH E. Jeannin & Co. KG 06A Deutsches Reich  Marc Jeannin Sun D
Norddeutscher Bund  Benz & Cie. AG 07A Frankreich  Victor Hémery Benz 38/60 PS Benz 8L I4 C
07B Deutsches Reich  Dietrich Spamann
07C Deutsches Reich  Clemens von Bojano
Deutsches Reich  Emilé Schulz
Italien 1861  Fiat 08A Italien 1861  Vincenzo Lancia Fiat M
08B Italien 1861  Felice Nazzaro
08C Frankreich  Louis Wagner
Norddeutscher Bund  Daimler-Motoren-Gesellschaft 09A Osterreich-Ungarn  Alexander Burton Mercedes 80 PS Mercedes 8L I4 C
09B Osterreich-Ungarn  Ferdinand Porsche
Frankreich  André Gasteaux
34A Belgien  Camille Jenatzy
34B Deutsches Reich  Willy Pöge
34C Deutsches Reich  Otto Salzer
Belgien  NV Minerva Motors 10A Vereinigtes Konigreich  John Moore-Brabazon Minerva E
10B Vereinigtes Konigreich  Kenelm Lee Guinness
10C Frankreich  Albert Guyot
Frankreich  Lethimonnier et Cie 11A Frankreich  Albert Villemain Martin-Lethimonnier
11B Frankreich  Philippe Ducon
Frankreich  Automobiles Mors 12A Frankreich  Albert Lavergne Mors
Frankreich  Lorraine-Dietrich 13A Frankreich  Fernand Gabriel Lorraine-Dietrich M
13B Frankreich  Henri Rougier
13C Frankreich  Arthur Duray
Frankreich  Automobiles Darracq S.A. 14A Italien 1861  Vincenzo Florio Darracq C
14B Frankreich  Henri Ollorip
14C Frankreich  Charles Brauda
Deutsches Reich  Protos Automobilwerk Nonnendamm GmbH 15A Deutsches Reich  Gerhard Adelberger Protos C
Belgien  Compagnie Belge de Construction Automobile 16A Belgien  Lucien Hautvast Pipe C
16B Belgien  Pierre de Caters
16C Belgien  Charles Deplus
Italien 1861  Fabbrica Ligure Automobili Genova 17A Italien 1861  Carlo Raggio FLAG
17B
17C
Deutsches Reich  August Horch & Cie. Motorwagenwerke AG 18A Deutsches Reich  Bernard Buckner Horch
18B Deutsches Reich  Heinrich Hoffmann
18C Deutsches Reich  Wilhelm Krapff
Deutsches Reich  Adlerwerke vorm. H. Kleyer AG 19A Deutsches Reich  Peter Geller Adler C
19B Deutsches Reich  Roger Fischer
19C Deutsches Reich  Christer Junk
Deutsches Reich  Dietrich Göbel
Frankreich  Vinot & Deguingand 20A Frankreich  Antoine Ferey Vinot
Frankreich  SA des Établissements Rochet-Schneider 21A Frankreich  Waldin Rochet-Schneider M
21B Frankreich  Viton
Frankreich  SA Mathis 22A Frankreich  Émile Mathis Mathis
Deutsches Reich  Ehrhardt-Decauville 23A Deutsches Reich  Franz Kirchheim Ehrhardt
23B Deutsches Reich  Konrad Beireis
Italien 1861  Brevetti Fiat 24A Frankreich  Boschis Brevetti Fiat
Frankreich  SA Ariès 25A Frankreich  Leon Collinet Ariès
25B Frankreich  Jean Vallée
Deutsches Reich  Fahrzeugfabrik Eisenach AG 26A Deutsches Reich  R. Schmidt Dixi
26B Deutsches Reich  Salmann
Italien 1861  Fabbrica Automobili Isotta Fraschini Milano 27A Italien 1861  Vincenzo Trucco Isotta Fraschini M
27B Italien 1861  Ferdinando Minoia
27C Italien 1861  Giuseppe Tamagni
Italien 1861  Züst Fabbrica Italiana di Automobili 28A Italien 1861  Enrico Maggioni Züst
28B Italien 1861  Marco Conti
Vereinigtes Konigreich  Daimler Motor Company 29A Vereinigtes Konigreich  Oliver Bush Daimler C
29B Vereinigtes Konigreich  G. Ison
29C Vereinigtes Konigreich  Hodierne
Frankreich  Société General des Automobiles Porthos 30A Frankreich  Emile Stricker Prothos
Frankreich  Société Gobron-Brillié 31A Frankreich  Douet Gobron-Brillié C
31B Frankreich  Francoise Terry
Schweiz  Maschinenfabrik F. Martini AG 32A Schweiz  Beutler Martini C
32B Schweiz  Depasse
Italien 1861  FIV Edoardo Bianchi S.p.A. 33A Italien 1861  Gianmaria Tomaselli Bianchi C
33B Italien 1861  Carlo Maserati
Italien 1861  Fabbrica Automobili Itala 35A Italien 1861  Alessandro Cagno Itala C
35B Frankreich  Maurice Fabry
35C Frankreich  Maurice Fournier
Deutsches Reich  Süddeutsche Automobil-Fabrik Gaggenau 36A Osterreich-Ungarn  Otto Hieronimus Gaggenau
36B Deutsches Reich  David Lucke
36C Deutsches Reich  Thomas Robl
Belgien  SA L’Auto Métallurgique 37A Belgien  Hugo Wilhelm Métallurgique C
37C Belgien  Bussing
Schweiz  Société des Établissements L. Picker, Moccand & Cie 38A Schweiz  Gérard Busson Lucia
Vereinigtes Konigreich  Napier & Son 39A Vereinigtes Konigreich  Lord Glentworth Napier
Belgien  Automobiles Imperia 40A Deutsches Reich  Willfried Henze Imperia E
Osterreich-Ungarn  Wiener Automobilfabrik A.G. 41A Osterreich-Ungarn  Walter Saze Gräf & Stift
Deutsches Reich  Nationale Automobil-Gesellschaft 42A Deutsches Reich  Carl Fritsch NAG
42B Deutsches Reich  R. Scholz
Deutsches Reich  Willy Salzer
42C Deutsches Reich  H. Ernecke

RennergebnisBearbeiten

Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde Ausfallgrund
01 Italien 1861  Felice Nazzaro Italien 1861  Fiat 4 1 5:34:28,200
02 Belgien  Lucien Hautvast Belgien  Pipe 4 1 + 4:44,200
03 Deutsches Reich  Carl Jörns Deutsches Reich  Opel 4 1 + 5:22,800
04 Frankreich  Christian Michel Deutsches Reich  Opel 4 1 + 15:08,600
05 Frankreich  Louis Wagner Italien 1861  Fiat 4 1 + 16:22,600
06 Italien 1861  Vincenzo Lancia Italien 1861  Fiat 4 1 + 17:23,400 1:22:55,600
07 Italien 1861  Ferdinando Minoia Italien 1861  Isotta Fraschini 4 1 + 18:52,000
08 Frankreich  Maurice Fournier Italien 1861  Itala 4 1 + 18:52,200
09 Deutsches Reich  Otto Salzer Deutsches Reich  Mercedes 4 1 + 23:06,800
10 Italien 1861  Alessandro Cagno Italien 1861  Itala 4 1 + 24:45,800
11 Deutsches Reich  R. Schmidt Deutsches Reich  Dixi 4 1 + 29:04,000
12 Schweiz  Beutler Schweiz  Martini 4 1 + 32:44,200
13 Frankreich  Henri Rougier Frankreich  Lorraine-Dietrich 4 1 + 33:48,800
14 Belgien  Camille Jenatzy Deutsches Reich  Mercedes 4 1 + 34:28,200
15 Schweiz  Depasse Schweiz  Martini 4 1 + 45:47,600
16 Frankreich  Maurice Fabry Italien 1861  Itala 4 1 + 54:31,400
17 Italien 1861  Gianmaria Tomaselli Italien 1861  Bianchi 4 1 + 58:21,200
18 Deutsches Reich  Willy Salzer Deutsches Reich  NAG 4 1 + 1:01:06,200
19 Deutsches Reich  Friedrich Schmidt Deutsches Reich  Dürkopp 4 1 + 1:12:18,200
20 Frankreich  Francoise Terry Frankreich  Gobron-Brillié 4 1 + 1:21:40,000
21 Deutsches Reich  Gerhard Adelberger Deutsches Reich  Protos 4 1 + 1:38:41,800
Belgien  Charles Deplus Belgien  Pipe 3 1 NC
Italien 1861  Carlo Maserati Italien 1861  Bianchi 3 1 NC
Frankreich  Viton Frankreich  Rochet-Schneider 3 1 NC
Deutsches Reich  Willfried Henze Belgien  Imperia 3 1 NC
Frankreich  Douet Frankreich  Gobron-Brillié 2 DNF Ausfall im Finalrennen
Deutsches Reich  Friedrich Opel Deutsches Reich  Opel 2 DNF Ausfall im Finalrennen
Deutsches Reich  Peter Geller Deutsches Reich  Adler 2 DNF Ausfall im Finalrennen
Deutsches Reich  Salmann Deutsches Reich  Dixi 2 DNF Ausfall im Finalrennen
Frankreich  Victor Hémery Deutsches Reich  Benz 1 DNF Ausfall im Finalrennen
Frankreich  Albert Guyot Belgien  Minerva 1 DNF Ausfall im Finalrennen
Frankreich  Arthur Duray Frankreich  Lorraine-Dietrich 1 DNF Ausfall im Finalrennen
Frankreich  Charles Brauda Frankreich  Darracq 1 DNF Ausfall im Finalrennen
Vereinigtes Konigreich  G. Ison Vereinigtes Konigreich  Daimler 1 DNF Ausfall im Finalrennen
Vereinigtes Konigreich  John Moore-Brabazon Belgien  Minerva 1 DNF Ausfall im Finalrennen
Frankreich  Fernand Gabriel Frankreich  Lorraine-Dietrich 1 DNF Ausfall im Finalrennen
Italien 1861  Vincenzo Florio Frankreich  Darracq 1 DNF Ausfall im Finalrennen
Deutsches Reich  Willy Pöge Deutsches Reich  Mercedes 1 DNF Ausfall im Finalrennen
Belgien  Hugo Wilhelm Belgien  Métallurgique 1 DNF Ausfall im Finalrennen

WeblinksBearbeiten

Commons: Kaiserpreis-Rennen 1907 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • I Kaiser Preis. (Nicht mehr online verfügbar.) www.teamdan.com, archiviert vom Original am 14. Dezember 2018; abgerufen am 12. Februar 2020 (englisch).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kaiserpreisrennen 2007 – Fahrzeuge, Klassen und Preise. (Nicht mehr online verfügbar.) In: auto motor und sport. www.auto-motor-und-sport.de, 30. Mai 2007, archiviert vom Original am 10. Juni 2016; abgerufen am 12. Februar 2020.