Königsberg in Bayern

Gemeinde im Landkreis Haßberge in Deutschland

Königsberg in Bayern (amtlich: Königsberg i.Bay., bis 1920 Königsberg in Franken) ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Haßberge in Bayern, gelegen zwischen Coburg und Schweinfurt.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Königsberg in Bayern
Königsberg in Bayern
Deutschlandkarte, Position der Stadt Königsberg in Bayern hervorgehoben

Koordinaten: 50° 5′ N, 10° 34′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Haßberge
Höhe: 280 m ü. NHN
Fläche: 61,9 km2
Einwohner: 3588 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 58 Einwohner je km2
Postleitzahl: 97486
Vorwahl: 09525
Kfz-Kennzeichen: HAS, EBN, GEO, HOH
Gemeindeschlüssel: 09 6 74 164
Stadtgliederung: 17 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 7
97486 Königsberg i. Bay.
Website: www.koenigsberg.de
Bürgermeister: Claus Bittenbrünn[2] (Freie Wähler)
Lage der Stadt Königsberg in Bayern im Landkreis Haßberge
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Über dieses Bild
Königsberg in Franken als Exklave des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha 1640 bis 1920
Blick auf die Altstadt
Burgruine auf dem Schlossberg
Turm der Marienkirche mit Wächterturm der Burg im Hintergrund
Marktplatz mit Blick zum Salzmarkt
Häuserzeile am Salzmarkt
Rolandstatue von 1605

GeografieBearbeiten

Das Landstädtchen liegt am Westrand der Haßberge. Durch den Hauptort führt der Fränkische Marienweg.

NachbargemeindenBearbeiten

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Hofheim in Unterfranken, Burgpreppach, Ebern, Kirchlauter, Zeil am Main, Haßfurt und Riedbach.

StadtgliederungBearbeiten

Es gibt 17 Stadtteile (in Klammern Einwohnerzahl, Stand: 1. Januar 2009):[3]

GeschichteBearbeiten

In der Sächsischen ZeitBearbeiten

Königsberg entstand infolge eines Burgenbaus auf dem „Weinberg des Königs“ (zur Burg siehe: Burg Königsberg) um 1180 vermutlich auf dem Boden einer altfränkischen Königsdomäne. Es bestand aber schon im Frühmittelalter im Bereich der Vorstadt eine Siedlung namens „Ingelhofen“. Im Jahr 1234 wurde Königsberg erstmals erwähnt, 1333 erhielt es die Marktgerechtigkeit und 1358 schließlich die vollen Stadtrechte.[4] Die Stadt wurde im Verlauf der Geschichte beinahe sechzigmal als Pfand oder Erbe in andere Hände gegeben. So gehörte Königsberg seit 1400 zu den Wettinischen Herzogtümern. Im 16. Jahrhundert galt Königsberg mit etwa 2000 Einwohnern als ein Zentrum der Gegend. Nachdem Stadt und Burg infolge des Schmalkaldischen Krieges und der Grumbachschen Händel in den Besitz von Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach, Wilhelm von Grumbach, Moritz von Sachsen und dem Bistum Würzburg gelangt waren, konnten sie 1569 von Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Weimar zurückgekauft werden. So blieb Königsberg auch für die nächsten Jahrhunderte im Besitz der sächsischen Herzogtümer, nämlich bis 1640 bei Sachsen-Weimar, dann folgte Sachsen-Gotha bis 1675, Sachsen-Römhild bis 1683 und dann Herzogtum Sachsen-Hildburghausen. Mit der Neuordnung der ernestinischen Herzogtümer 1826 bis zum Ende der Monarchie 1918 gehörte der Ort zum Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. 1858 wurde die Trennung von Verwaltung und Justiz eingeführt. Königsberg hatte eine eigene magistrale Verfassung. Im März 1892 bekam die Stadt mit der Bahnstrecke Haßfurt–Hofheim einen Anschluss an das Eisenbahnnetz. Nach der Einstellung des Bahnverkehrs wurde die Strecke umgebaut. In Königsberg ist ein mittelalterliches Leprosorium nachweisbar, das als „Sondersiechenhaus“ bezeichnet und 1754 aufgehoben wurde.[5]

Wechsel nach BayernBearbeiten

Nach einer Volksabstimmung 1919 wurde der Freistaat Coburg zum 1. Juli 1920 mit dem Freistaat Bayern vereinigt. Damit kamen auch die Stadt Königsberg in Franken und das Amt Königsberg zu Bayern. Die Stadt wurde dem bayerischen Bezirk Hofheim im Kreis Unterfranken und Aschaffenburg zugeteilt.[6] Im Zuge dessen wurde der bis dahin geltende Namenszusatz „in Franken“ zu „in Bayern“ abgeändert.

StadtbrändeBearbeiten

Im Jahr 1632, im Verlauf des Dreißigjährigen Kriegs, lagerte das von Johann T’Serclaes von Tilly geführte Heer mit 8000 Mann in Königsberg. Die Stadt wurde geplündert und aus einer Unachtsamkeit entstand ein verheerender Stadtbrand, der über die Hälfte der Häuser zerstörte. Der Frömmigkeit Tillys ist es zu verdanken, dass die prachtvolle gotische Marienkirche auf dem Marktplatz verschont blieb, obwohl das direkt daneben stehende Rathaus ebenfalls abbrannte. Tilly hatte seine Männer angewiesen, das Gotteshaus vor den Flammen zu schützen. Acht Jahre später waren abermals kaiserliche Truppen in Königsberg. Die Bürger hatten ihre Besitztümer im Dachstuhl der Kirche in Sicherheit gebracht. Als die Soldaten sie raubten, legten sie Feuer im Dach, so dass die Kirche doch noch ein Raub der Flammen wurde. Weite Teile der Stadt fielen diesem zweiten Stadtbrand zum Opfer. Es dauerte lange, bis sich Königsberg vom Dreißigjährigen Krieg erholt hatte. Ihre einstige Bedeutung erlangte die Stadt nicht mehr.

Die Stadtbrände waren auch die Ursache für die heute so romantische geschlossene Fachwerkaltstadt, ein „Ensemble von europäischem Rang“. Da fast alle Häuser verbrannt waren, ist kaum noch bürgerliche Bausubstanz aus früheren Jahrhunderten vorhanden. Dafür zeigt die Altstadt in allen Straßenzügen ein einheitliches Fachwerkbild des späten 17. und 18. Jahrhunderts. Dem Engagement des verstorbenen Altbürgermeisters Rudolf Mett ist es zu verdanken, dass die Altstadt erhalten blieb und unter Denkmalschutz steht.

ReligionenBearbeiten

Während der Reformation wurde Königsberg 1523 lutherisch. Daran wirkte der aus der Stadt stammende Balthasar Düring mit, der Martin Luther vermutlich im Augustinerkloster von Königsberg kennenlernte. Während der Reformation löste sich das Augustinerkloster auf, ebenso die adlige Schwesternschaft von der Agelblume, die von Kunigunde Truchseß gestiftet worden war. Königsberg war in der Reformationszeit auch eines der Zentren der mitteldeutschen Täuferbewegung. Vor allem Hans Hut und Eukarius Binder waren in Königsberg und Umgebung als Täuferprediger aktiv.

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Januar 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Unfinden eingegliedert. Am 1. April 1972 folgten Köslau und Kottenbrunn. Am 1. Juli 1972 kamen Altershausen, Hofstetten und Römershofen hinzu.[7] Junkersdorf wurde am 1. Januar 1974 eingemeindet. Die Reihe der Eingemeindungen wurde am 1. Mai 1978 mit der Eingliederung von Dörflis bei Königsberg in Bayern, Hellingen und Holzhausen abgeschlossen.[8]

PolitikBearbeiten

BürgermeisterBearbeiten

Erster Bürgermeister ist seit 14. Oktober 2014 Claus Bittenbrünn (Freie Wähler); dieser wurde am 15. März 2020 mit 81,2 % der Stimmen wieder gewählt. Sein Vorgänger Uwe Beck (CSU) setzte sich erst im März 2014 gegen Erich Stubenrauch (Freie Wähler) mit ca. 66 % durch, der seit 2002 Bürgermeister war, schied aber nach kurzer Zeit aus gesundheitlichen Gründen aus dem Amt aus. Stubenrauchs Vorgänger war Kurt Sieber (FDP), der das Amt seit 1990 innehatte. Dieser war von 1978 bis 1982 Mitglied des Landtags.

StadtratBearbeiten

Der Stadtrat hat (ohne Bürgermeister) 16 Mitglieder.

CSU SPD FWG Offene Hellinger Liste Gesamt
2014 7 4 4 1 16 Sitze
2008 7 4 5 16 Sitze

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Gold ein zweigeschwänzter, rot bewehrter schwarzer Löwe.“[9]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

Königsberg ist bekannt für seine Fachwerkhäuser in der Altstadt. Der zentrale Salzmarkt ist noch heute ein Fachwerkhausensemble von seltener Geschlossenheit und steht komplett unter Denkmalschutz. Dort stehen ein Denkmal für Regiomontanus, das Rathaus mit einer Rolandsfigur sowie das Tillyhaus.

Die spätgotische Marienkirche wurde 1397 bis 1432 erbaut. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Langhaus unter Leitung des Coburger Architekten Leopold Oelenheinz mit seinem ursprünglichen Aussehen wiederhergestellt. Es war beim Stadtbrand 1640 zerstört und als Holzkonstruktion in barockem Stil aufgebaut worden. Das Bauwerk zählt zu den ansehnlichsten Hallenkirchen Frankens und beherbergt den Abdruck des Abendmahlreliefs aus der Dresdner Kreuzkirche des in Königsberg geborenen Bildhauers Heinrich Epler.

Weitere erwähnenswerte Bauwerke sind

BaudenkmälerBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Der Bahnhof Königsberg (Bayern) lag an der Bahnstrecke Haßfurt–Hofheim. Diese ist inzwischen stillgelegt. Es besteht eine Regionalbus-Verbindung von beziehungsweise nach Königsberg zwischen Haßfurt und Hofheim.

Ansässige UnternehmenBearbeiten

  • Die Fränkische Rohrwerke Gebr. Kirchner GmbH & Co. KG hat seit 1912 ihren Hauptsitz in Königsberg. Das Familienunternehmen produziert bei 580 Millionen Euro Umsatz mit weltweit 4500 Mitarbeitern (Stand: 2019) vor allem Wellrohre aus Kunststoff.[10]
  • Die 1952 gegründete Regiolux GmbH stellt mit rund 200 Mitarbeitern (Stand: 2011) Leuchtensysteme her. Ein Tochterunternehmen ist die Lichtwerk GmbH.
  • Die KHK Bike Handels GmbH fertigt und vertreibt besondere Fahrräder und Fahrradzubehör.[11]

MedienBearbeiten

 
Sendeturm, der zur Verbreitung von „Radio Primaton“ diente

Südlich von Königsberg befindet sich ein Sendeturm, der zur Verbreitung des Programms von „Radio Primaton“ auf 105,8 MHz mit 320 W ERP diente.[12]

PersönlichkeitenBearbeiten

 
Gedenktafel für Feldmarschall von Seckendorff an der Burg
 
Gedenktafel für Regiomontanus an der Stelle seines Geburtshauses

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Persönlichkeiten, die im Ort gewirkt habenBearbeiten

  • Paul Melissus (1539–1602), Schriftsteller, Übersetzer und Komponist. Er war kurze Zeit Kantor in Königsberg und widmete der Stadt 1577 ein Gedicht (ad montem regio franconiae).
  • Paul Graf von Waldersee (1831–1906), preußischer Offizier und Musikwissenschaftler, lebte von 1888 bis zu seinem Tod in Königsberg. Er liegt auf dem städtischen Friedhof begraben.
  • Hans Wollschläger (1935–2007), Schriftsteller und Übersetzer, lebte von 1998 bis zu seinem Tod in Dörflis

LiteraturBearbeiten

  • Ernst Solger: Geschichte der Stadt und des Amtes Königsberg in Franken. Riemann, Coburg 1894 (Digitalisat).

WeblinksBearbeiten

Commons: Königsberg in Bayern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Tabellenblatt "Daten 2", Statistischer Bericht A1200C 202041 Einwohnerzahlen der Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke 1. Vierteljahr 2020 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Stadtrat (Detailansicht). Gemeinde Königsberg in Bayern, abgerufen am 2. September 2020.
  3. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111025/120239&attr=OBJ&val=1637
  4. http://www.geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_674164.pdf
  5. Dokumentation: Mittelalterliche Leprosorien im heutigen Bayern, ursprünglich in „Die Klapper“, 1995, Zeitschrift der Gesellschaft für Leprakunde, abgerufen am 10. August 2017 (Memento des Originals vom 6. Februar 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.muenster.org
  6. Der Staatsvertrag zwischen Bayern und Coburg
  7. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 486.
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 759, 760.
  9. Eintrag zum Wappen von Königsberg in Bayern in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  10. Wir über uns | FRÄNKISCHE Rohrwerke - Fränkische Rohrwerke. Abgerufen am 1. Juli 2019.
  11. khk bike – Unternehmen (Memento des Originals vom 27. April 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.khk-bike.de
  12. [1]