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Lithographie der König-Friedrich-August-Hütte im Album der Sächsischen Industrie von 1856
Aktie über 1000 RM der König Friedrich August-Hütte vom September 1929

Die König-Friedrich-August-Hütte war ein sächsisches Eisenwerk, welches sich in Dölzschen unweit von Dresden befand. Das Werk ist für die sächsische Montan- und Wirtschaftsgeschichte bedeutsam, da hier 1842 der erste mit Steinkohlenkoks betriebene Hochofen zur Eisenverhüttung in Betrieb genommen wurde.

Geografische LageBearbeiten

Das Eisenwerk lag im Tal der Weißeritz unmittelbar an der Grenze der Gemeinden Dölzschen und Döhlen. Die verkehrliche Erschließung erfolgte über die von Dresden kommende Talstraße (heute Staatsstraße 194 nach Freital). Das Werk verfügte zudem über einen Gleisanschluss an die 1855 eröffnete Strecke der Albertsbahn AG (heute Bahnstrecke Dresden–Werdau).

GeschichteBearbeiten

 
Blick auf das 1795 erbaute Hammerherrenhaus, welches später als Hüttenschänke genutzt wurde

Die König-Friedrich-August-Hütte ist aus einem Hammerwerk hervorgegangen. 1789 erwarb der aus Stolpen stammende Hammerschmied Johann Gottfried Ulbricht ein Grundstück auf den „Gitterseer Wiesen“. Hier nahm er 1794 einen Eisenhammer in Betrieb. Ein Jahr später wurde das Wohnhaus des Hammermeisters errichtet, das später als Hüttenschänke diente.

1821 erwarben zwei Dresdner Handwerksmeister das Werk. Sie errichteten 1822 auf dem Gelände ein Schlacken-, Stahl- und Eisenbad zur Behandlung von Gicht und Rheuma und erhielten 1826 auch eine Konzession zur Bewirtung und Beherbergung der Badegäste.

Im Jahr 1827 erwarb der bekannte Montanunternehmer Carl Friedrich August Dathe von Burgk das Hammerwerk. Seine 1819 gegründeten Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke hatten in den Jahren zuvor einen rasanten Aufschwung genommen. Dathe von Burgk erkannte durch Besichtigung von Gruben und Eisenhütten in Westfalen und Belgien (unter anderem Cockerill in Seraing) bereits frühzeitig die Möglichkeiten, die eine Kombination von Steinkohlengruben mit Eisenwerken boten. Bereits 1823 setzten in seinem Werk die ersten Versuche zur Verkokung der geförderten Kohle ein.

Unmittelbar nach dem Erwerb des Eisenhammers Dölzschen, der nun als „Freiherrliches von Burgk’sches Eisenhüttenwerk“ firmierte, begannen Umbau und Erweiterungsmaßnahmen. 1828 ging hier eine Eisengießerei mit Kupolofen in Betrieb, 1835 nahm eine Maschinenfabrik ihre Arbeit auf. Zwischen 1835 und 1840 konnte Dathe von Burgk die Eisenverarbeitung von 5000 auf 10.000 Zentner verdoppeln.

1842 gelang Dathe von Burgk dann erstmals in Sachsen die Inbetriebnahme eines Koks-Hochofens. Dafür erhielt er eine staatliche Prämie in Höhe von 25.000 Talern. Der Steinkohlenkoks stammte aus den von Burgkschen Steinkohlenzechen im Plauenschen Grund, die verhütteten Erze bezog das Werk aus Berggießhübel. Hier hatte Dathe von Burgk seit etwa 1840 mehrere Magnetitzechen erworben. Nur wenig später wurde ebenfalls noch 1842 der erste Koks-Hochofen der Königin-Marien-Hütte in Cainsdorf bei Zwickau angefahren.

Im März 1846 besuchte der sächsische König Friedrich August II. das Werk, das anlässlich dieses Besuches nun als Freiherrlich von Burgksche König-Friedrich-August-Hütte bezeichnet wurde.

Da die Koksqualität der Burgker Steinkohlenzechen keine dauerhafte Verhüttung ermöglichten und sich auch der Transport der Eisenerze von Berggießhübel nach Dölzschen auf Dauer als zu teuer gestaltete, wurde der Hochofen der Hütte bereits 1849 wieder stillgelegt. Das Werk wurde als Gießerei und Maschinenbauwerkstatt weitergeführt und fertigte in den 1860er Jahren unter anderem Dampfmaschinen und -kessel, guss- und schmiedeeiserne Maschinenteile, Wasserräder, Schraubenpressen und Werkzeugmaschinen.

Nach dem Tod von Dathe von Burgk (1872) ging das Werk 1873 in den Besitz der Deutschen Bank über, die es ab 1882 als Aktiengesellschaft führte. In dieser Zeit wurde das Werk modernisiert, der Betriebserweiterung musste 1873 auch das 1822 eingerichtete Schlackenbad weichen. 1897 wurde das Betriebsgelände großflächig von den Hochwasserfluten der Weißeritz überschwemmt.

Während des Ersten Weltkrieges wurde die König-Friedrich-August-Hütte in die Rüstungsproduktion einbezogen. Nach Kriegsende folgte der wirtschaftliche Niedergang, der 1922 zur Übernahme durch die Sächsische Maschinenfabrik Chemnitz führte, für die die Hütte vorher schon als wichtiger Lieferant tätig war. 1928 wurde die Hütte wieder als eigenständige Aktiengesellschaft aus der Sächsischen Maschinenfabrik ausgegliedert. Anfang der 1930er Jahre wurde der Geschäftsbereich der Maschinenfabrikation aufgegeben und es erfolgte der Weiterbetrieb als Eisengießerei. 1935 wurde der Guss von Leichtmetall aufgenommen.

Während des Zweiten Weltkrieges erfolgte wiederum die Einbeziehung in die Rüstungsproduktion. Nach Kriegsende wurden die Anlagen der Gießerei noch im Sommer 1945 demontiert. Unmittelbar darauf begann jedoch der Wiederaufbau und schon zum Jahresende 1945 konnte wieder das erste Eisen gegossen werden. Ein Jahr später (1946) wurde das Werk enteignet und in Volkseigentum überführt.

 
Vom EHD hergestellter Straßenablauf in Freital

Zwischen 1946 und 1993 konzentrierte sich die Produktion des nun als „VEB Eisenhammerwerk Dresden-Dölzschen“ bezeichneten Werkes auf die Herstellung von Gusserzeugnissen für die Kfz-Produktion. Hergestellt wurden unter anderem Bremstrommeln für den PKW Trabant (ab 1959) und den LKW W50 (ab 1969). 1987 erfolgte die Eingliederung des Betriebes in das IFA Kombinat für PKW.

Im Zuge der Wende wurde der Betrieb von der Treuhandanstalt 1991 als „nicht sanierungsfähig“ beurteilt. Daraufhin übernahmen 1993 ehemalige Werksangehörige im Zuge eines Management-Buy-outs das privatisierte Unternehmen. Das Werk firmierte als EHD Eisenhammer Dresden GmbH & Co. KG und hatte sich auf die Herstellung von Gussteilen für den Kanalbau spezialisiert. 2013 ging es in die Insolvenz und wurde aufgelöst.

Von der historischen Bausubstanz blieb das 1795 erbaute Gebäude des Hammerherrenhauses (Hüttenschänke) erhalten, welches unter Denkmalschutz steht.

LiteraturBearbeiten

  • Johannes Hohlfeld: 150 Jahre König-Friedrich-August-Hütte. Freital 1939.
  • Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, Sächsisches Oberbergamt (Hrsg.): Das Döhlener Becken bei Dresden. Geologie und Bergbau. (= Bergbau in Sachsen, Band 12.) Freiberg 2007, ISBN 3-9811421-0-1. (Digitalisat)
  • Wilhelm Salewski: Mitteldeutsche Eisenwerke in alter Zeit. Galtgarben-Verlag, Holzminden 1965.
  • Karl Söhnel: Das Tal der Arbeit. In: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, 16. Jahrgang 1927, Heft 3–6, S. 178–200.
  • VEB Eisenhammerwerk Dresden-Dölzschen (Hrsg.): 200 Jahre Eisenhammer im Plauenschen Grund. Freital 1989. (Auszug mit kurzer Chronik (Memento vom 17. Februar 2013 im Webarchiv archive.today))

Koordinaten: 51° 0′ 59,5″ N, 13° 40′ 18,5″ O