Sand-Silberscharte

Art der Gattung Silberscharten (Jurinea)
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Die Sand-Silberscharte (Jurinea cyanoides), auch Kornblumenartige Jurinee oder Sand-Bisamdistel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae). Die Sand-Silberscharte ist selten und mittlerweile europaweit durch die FFH-Richtlinie geschützt. Der Gattungsname ehrt den schweizerischen Arzt und Naturforscher Louis Jurine (1751–1819).[1]

Sand-Silberscharte
Sand-Silberscharte (Jurinea cyanoides), Illustration

Sand-Silberscharte (Jurinea cyanoides), Illustration

Systematik
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Carduoideae
Tribus: Cynareae
Gattung: Silberscharten (Jurinea)
Art: Sand-Silberscharte
Wissenschaftlicher Name
Jurinea cyanoides
(L.) Rchb.

BeschreibungBearbeiten

Die Sand-Silberscharte ist eine aufrechte, sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 20 bis 70 cm. Diese Art bildet bis zu 2,50 m tiefe Bodenwurzeln. Im Zuge der vegetativen Vermehrung können unterirdische Triebe zu neuen Teilpflanzen eines Individuums heranwachsen. Die in einer grundständigen Rosette angeordneten Laubblätter sind fiederspaltig, mit linealischen, ganzrandigen Zipfeln. Die Blattoberseite ist erst spinnwebig wollig und später verkahlend und dann dunkelgrün; die Blattunterseite bleibt weißfilzig behaart.

Die lang gestielten Körbchen stehen meist einzeln an den Stängeln. Sie weisen einen Durchmesser von 3 bis 5 cm auf. Die Hüllblätter sind filzig-grau. Meist ist die Blütenkrone purpurrot. Die Blütezeit reicht von Juli bis September.[2]

Die Achänen sind glatt und schwachgrubig.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 30.[3]

VorkommenBearbeiten

Die Sand-Silberscharte ist ein kontinentales Florenelement, das von Süd- und Mittelrussland bis Westsibirien und weiter bis zum Altai sowie von den Kaukasusländern bis nach Turkestan weit verbreitet ist. Disjunkte Vorkommen liegen im Elbe- und Rhein-Main-Gebiet in etwa 500 km vom geschlossenen Hauptareal entfernt.

Die Sand-Silberscharte braucht etwas kalkhaltigen, locker-humosen Sandboden in sommerwarmer Klimalage. Sie besiedelt lückige Sandrasen, lichte Kiefern-Trockenwälder und Binnendünen. In Sandgebieten zwischen Neckar- und Mainmündung, am Mittellauf des Mains, in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen kommt sie selten vor. Sonst fehlt sie in Mitteleuropa.

Sie ist eine territoriale Charakterart des Jurineo-Koelerietum bzw. eine Verbandscharakterart des Koelerion glaucae. Wichtige Begleitarten sind: Koeleria glauca, Corynephorus canescens, Euphorbia seguieriana, Artemisia campestris und Medicago minima.

ÖkologieBearbeiten

Die Silberscharte wurzelt bis zu 250 Zentimeter tief.[3] In Wiederansiedlungsprojekten wird seit 2009 versucht, die Bestände der Sand-Silberscharte wieder zu vergrößern.[4]

TaxonomieBearbeiten

Jurinea cyanoides (L.) Rchb. hat die Synonyme: Carduus cyanoides L., Jurinea centaurioides Klokov, Jurinea charcoviensis Klokov, Jurinea pseudocyanoides Klokov.[5]

LiteraturBearbeiten

  • W. S. Judd, C. S. Campbell, E. A. Kellog, M. J. Donoghue: Plant Systematics: a phylogenetic approach. 2. Auflage. Sinauer, Sunderland, Mass 2002., ISBN 0-87893-403-0.
  • Herbert Frankenhäuser: Mainz in der Eiszeit. In: Stadt Mainz (Hrsg.): Vierteljahreshefte für Kultur, Politik, Wirtschaft, Geschichte. Hermann Schmidt, Mainz 1999.
  • Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 6: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Asteridae): Valerianaceae bis Asteraceae. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8001-3343-1.
  • Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. 2. Auflage. Band 4: Nachtschattengewächse bis Korbblütengewächse. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2000, ISBN 3-440-08048-X.
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5.

WeblinksBearbeiten

Commons: Sand-Silberscharte (Jurinea cyanoides) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen. Erweiterte Edition. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin Berlin 2018. [1]
  2. Jurinea cyanoides (Sand-Silberscharte) Biologie und Morphologie bei ex-situ-erhaltung.de, abgerufen am 19. September 2020.
  3. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 961.
  4. Projekt Sand-Silberscharte PDF-Datei bei offenlandinfo.de.
  5. Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). – In: W. Greuter & E. von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Datenblatt Jurinea cyanoides In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.