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Jugendarbeitslosigkeit als Spezialfall der Arbeitslosigkeit wird oft gesondert betrachtet, da

  • die Höhe der Jugendarbeitslosigkeitsquote in vielen Ländern von der allgemeinen Arbeitslosigkeitsquote (nach oben) abweicht,
  • die Gründe und Ursachen der Jugendarbeitslosigkeit sich von denen älterer Arbeitsloser unterscheiden,
  • abweichende Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit gegenüber der allgemeinen Arbeitslosigkeit diskutiert werden und
  • die Wirkung von Jugendarbeitslosigkeit als gravierender empfunden wird.

EuropaBearbeiten

Als Jugendlicher wird in internationalen Vergleichen meist gemäß der Definition der Vereinten Nationen bezeichnet, wer mindestens 15 und höchstens 24 Jahre alt ist. Eine Unterteilung zwischen Jugendarbeitslosigkeit und der Arbeitslosigkeit insgesamt ist sinnvoll, da Jugendarbeitslosigkeit beispielsweise wesentlich sensibler auf konjunkturelle Veränderungen reagiert.[1] Für die Frage, wer arbeitslos ist, wird im Folgenden die Standarddefinition des International Labour Office (ILO) verwendet.

JugendarbeitslosenquoteBearbeiten

Die Jugendarbeitslosenquote berechnet sich auf Basis der Gesamtheit aller Jugendlichen abzüglich derer, die sich in Ausbildung oder Studium befinden, oder aus anderen Gründen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen.

Arbeitslosenquoten und Veränderung 1985–2011 in ausgewählten Ländern Europas nach Altersklassen (in %)
Land ’85 <25 ≥25 ’90 <25 ≥25 ’95 <25 ≥25 2000 <25 ≥25 2008 <25 ≥25 2011 <25 ≥25
Belgien  Belgien 11,3 23,6 9,0 7,3 14,5 6,2 9,3 21,5 7,9 8,4 23,0 6,9 18,0 5,9 18,7 6,1
Danemark  Dänemark 7,8 11,5 6,8 8,3 11,5 7,6 7,0 9,9 6,3 5,0 8,4 4,4 8,0 2,6 14,2 6,5
Deutschland  Deutschland 6,9 9,8 6,1 4,9 4,6 5,0 8,2 8,5 8,1 8,2 9,0 8,0 10,6 7,2 8,6 5,7
Finnland  Finnland 5,0 9,1 4,2 3,4 6,4 2,9 17,0 41,2 13,8 9,6 21,4 7,8 16,5 5,0 20,1 6,2
Frankreich  Frankreich 10,3 25,8 7,2 9,4 19,8 7,7 11,9 27,1 10,1 8,9 18,8 7,8 18,6 6,1 22,1 7,9
Griechenland  Griechenland 7,8 23,9 5,2 7,0 23,2 4,4 9,1 27,9 6,5 22,1 6,7 44,4 16,0
Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Kgr. 11,5 18,2 9,5 7,0 10,4 6,1 8,7 15,5 7,4 8,5 12,6 4,2 15,0 4,0 21,1 5,9
Irland  Irland 18,0 25,1 15,4 14,1 19,8 12,5 12,0 19,0 10,3 4,1 5,6 3,8 12,7 5,0 29,4 13,0
Italien  Italien 9,5 32,2 4,5 9,8 29,0 5,9 11,8 32,8 8,4 10,7 31,9 7,9 21,3 5,6 29,1 7,0
Luxemburg  Luxemburg 3,0 6,5 2,0 1,6 3,6 1,3 2,9 7,2 2,3 2,1 5,7 1,7 17,9 4,0 16,8 4,1
Niederlande  Niederlande 10,5 17,7 8,7 7,8 11,4 6,8 7,2 12,1 6,1 2,8 5,1 2,4 5,3 2,2 7,6 3,8
Osterreich  Österreich 4,3 5,9 4,1 3,2 4,4 3,0 8,0 3,2 8,3 3,5
Portugal  Portugal 4,7 10,4 3,2 7,1 16,0 5,5 4,1 8,5 3,4 16,4 7,2 30,1 11,8
Schweden  Schweden 2,8 5,8 2,3 1,7 3,8 1,3 8,1 19,0 6,7 5,6 10,5 5,0 20,2 4,2 22,9 5,3
Spanien  Spanien 16,3 31,8 12,4 22,7 41,7 18,7 13,6 25,0 11,6 24,6 9,8 46,4 19,5
Tschechien  Tschechien 9,9 4,0 18,0 5,9
Polen  Polen 17,3 6,0 25,8 8,1
Schweiz  Schweiz 7,0 2,8 7,7 3,6

Quelle: DIW 2001[2] DIW 2012[3]

vor dem EU-Beitritt nicht vergleichbare Berechnungsmodalität

Problematik der statistischen ErfassungBearbeiten

Die Fokussierung auf die Jugendarbeitslosenquote wird kritisiert, da sie die besondere Situation der jugendlichen Altersgruppe nicht berücksichtigt und so zu falschen Schlüssen führen kann. So befinden sich im Alter zwischen 15 und 24 Jahren ein großer Teil der Personen in Ausbildung oder Studium, was die Grundgesamtheit, auf die sich die Quote berechnet, deutlich verkleinert. Die Arbeitslosenquote ist dadurch bei Jugendlichen stets höher als in anderen Altersgruppen, selbst wenn die zugrunde liegenden absoluten Zahlen identisch sind. Dies führt so weit, dass die Jugendarbeitslosenquote umso stärker steigt, je mehr Jugendliche ein Studium oder eine Ausbildung aufnehmen. Die tatsächliche Situation wird so verzerrt dargestellt.[4][5]

Als Ausweg wird der Jugendarbeitslosenanteil vorgeschlagen, der die Gesamtheit aller Jugendlichen als Grundlage hat und damit sich in Ausbildung oder Studium befindliche Personen einschließt.[4] Der Jugendarbeitslosenanteil betrug im vierten Quartal 2012 in der Europäischen Union 9,7 % (die Quote dagegen 23,2 %), in Griechenland 16,1 % und in Spanien 20,6 % (die entsprechenden Quoten 57,9 % bzw. 55,2 %).[6] Die gesellschaftliche Debatte wird jedoch von der Jugendarbeitslosenquote dominiert, was inzwischen auch von der europäischen Statistikbehörde Eurostat, die beide Zahlen veröffentlicht, kritisiert wurde.[7]

Andere StaatenBearbeiten

In Namibia betrug die Jugendarbeitslosigkeit laut der Namibia Statistics Agency im Jahr 2018 46,1 Prozent.[8]

LiteraturBearbeiten

Cremer, Günther (Hrsg.): Jugend ohne Arbeit. Analysen, Stellungnahmen, Programme. München: Kösel-Verl. 1976 von der Haar, Heinrich/ Stark-von der Haar, Elke: Jugendarbeitslosigkeit und soziale Sicherung. Berlin: Verl. Die Arbeitswelt 1982. Hermanns, Manfred: Jugendarbeitslosigkeit seit der Weimarer Republik. Ein sozialhistorischer und soziologischer Vergleich. Opladem: Leske & Budrich 1990. ISBN 3-8100-0728-5

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://library.fes.de/pdf-files/id/ipa/09227.pdf
  2. Bettina Isengard: Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union: Entwicklung und individuelle Risikofaktoren. In: DIW Berlin – Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e. V.: Wochenbericht des DIW Berlin, 4, 2001, S. 57–64 (abstract diw.de)
  3. Karl Brenke: Arbeitslosigkeit: Jugendliche sind viel stärker betroffen als Erwachsene. In: DIW Berlin – Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e. V.: Wochenbericht des DIW Berlin 30, 2012, S. 6 (Wochenbericht Nr.30, diw.de)
  4. a b Steven Hill: Das Trugbild Jugendarbeitslosigkeit. 15. August 2012, abgerufen am 28. Juni 2014.
  5. Gerhard Losher: Irreführende Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit. 19. Juli 2013, abgerufen am 28. Juni 2014.
  6. Youth unemployment, 2012Q4 (%). Eurostat, 19. Juli 2013, abgerufen am 28. Juni 2014.
  7. Martin Bohne: Tücken der Statistik zur Jugendarbeitslosigkeit: Wie aus 55 Prozent 16 werden. ARD, 15. Juli 2013, abgerufen am 28. Juni 2014.
  8. Key Highlights of the 2018 Labour Force – Indicators. Namibia Statistics Agency, März 2019 (PDF).