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Als Judenordnungen werden die seit dem 16. Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zur Ablösung der vertraglichen Judenschutzbriefe durch die Landesfürsten erlassenen Landesgesetze bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Judenordnung des Hochstifts Münster von 1662

Das Bestreben der Landesherren, alle bestehenden Einnahmequellen zu rationalisieren und damit auch die Nutzung des Judenregals zu sichern, führte zur Ausarbeitung von Judenordnungen, die mit kaiserlichen Privilegien und Ordnungen in Konkurrenz traten. Schon im Spätmittelalter sind städtische Judenordnungen erlassen worden, die im Rahmen des städtischen Satzungsrechts gesehen werden müssen.

Die landesherrlichen Judenordnungen des 16. und 17. Jahrhunderts müssen im Zusammenhang mit dem sich konsolidierenden Territorialstaat betrachtet werden. Die Judenordnungen hatten Auswirkungen auf den Rechtsstatus der Juden. Nun konnten sich die Juden auf eine Reihe von allgemeinen Bestimmungen berufen und diese auch gerichtlich durchsetzen. Der Besitz eines Schutzbriefes verschaffte seinem Inhaber das Recht zur Teilhabe an dem jeweils geltenden allgemeinen Judenrecht, das in den Judenordnungen festgelegt war.

Beweggründe für die Schaffung der Judenordnungen waren die Vereinheitlichung des unsicher gewordenen Rechts und die genaue Abgrenzung gegenüber den alten kaiserlichen Schutzrechten. Weiter spielte das Schutzbedürfnis der christlichen Untertanen in religiöser und wirtschaftlicher Hinsicht eine Rolle. Diese hatten Angst vor den Auswirkungen des kaufmännischen Geschicks der Juden, die durch ihre erzwungene Spezialisierung auf den Handel überterritoriale Verbindungen schufen.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Friedrich Battenberg: Judenverordnungen in Hessen-Darmstadt: das Judenrecht eines Reichsfürstentums bis zum Ende des Alten Reiches; eine Dokumentation. Wiesbaden 1987. ISBN 3-921434-09-2. [nicht ausgewertet]

WeblinksBearbeiten