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Darstellung eines Judenhuts in der Frankfurter Judenordnung (Stättigkeit) (1613). Die Pflicht den Hut zu tragen, war um diese Zeit schon aufgehoben.

Als Judenhut wird eine ikonografische Darstellung eines halbkugelig oder konisch zulaufenden breitkrempiger Hut mit einem Knauf auf dem Scheitel („pileum cornutum“ = gehörnter Hut) bezeichnet.[1] Dieser Hut wurde ab dem 11. Jahrhundert in Buchmalerei und anderen Abbildungen verwendet, um Personen als Juden zu markieren.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Der jüdische Spruchdichter Süßkind von Trimberg rechts im Bild mit Judenhut (Codex Manesse, 14. Jahrhundert)

Die älteste erhaltene Abbildung des Judenhuts stammt aus dem Kostbaren Bernwardevangeliar des Bernward von Hildesheim aus dem Jahr 1015.[2] In je einer Darstellung der Anbetung durch die Heiligen Drei Könige,[3] von Johannes dem Täufer,[4] und des Judas Iskariot[5] tragen jeweils verschiedene Personengruppen, die Drei Könige, die Zuhörer des Johannes sowie die Priester, die den Judas auszahlen, den Judenhut. Aus der Abbildung der Heiligen Drei Könige mit dem Hut schließt Sara Lipton, Professorin an der Stony Brook University, dass der Hut in diesem Werk noch nicht als Markierung für Juden diente, sondern als ikonografisches Motiv für die östliche Herkunft, ihr Alter und ihre Bildung der abgebildeten Personen. Sie leitet das aus der Entstehungszeit ab, in der unter den Ottonen eine deutliche Absetzbewegung von Konstantinopel stattfand und identifiziert den Judenhut in den Abbildungen für Bernward mit der Phrygischen Mütze, die in Byzantinischen Abbildungen Verwendung fand. Die drei mit dem Hut abgebildeten Figurengruppen identifiziert Lipton mit den drei möglichen Reaktionen der Zeitgenossen auf die Erscheinung Jesu: Ablehnung und Hass durch die Priester, Indifferenz bei den Zuhörern des Johannes und Anbetung durch die Drei Könige.[6] Andererseits führten Bischöfe in der westlichen, Katholischen Kirche etwa zur Entstehungszeit des Evangeliars die spitze Mitra als neue Kopfbedeckung ein. Sie löste ein Stirnband ab. Mit der Darstellung in seinem Evangeliar grenzte Bernward also noch nicht aus, sondern verband in Gegenteil die Bischöfe seiner Zeit und damit sich selbst mit den Vorgängern, seien es Juden oder Nichtjuden und verwies auf die Gefahren und Verantwortung als Gelehrte.[7]

Um 1056 wird im Kloster Reichenau der spitze Hut erneut verwendet, die Priester und Ältesten, die über die Hinrichtung Jesu beraten, sind damit bekleidet.[8] Und in der um 1100 errichteten Kirche von Jelling, Dänemark gibt es eine Abbildung von Johannes dem Täufer, die offenbar direkt aus dem Bernward Evangeliar abgezeichnet wurde, einschließlich der spitzen Hüte seiner Zuhörer.[9] 1084 war der Mönch Goderan in der Abtei Lobbes im heutigen Belgien der erste, der den Judenhut auch für seine Initialen zum Alten Testament verwendete.[10] 1096 fertigte Goderan in eine weitere Bibel für das Kloster Stablo und verwendete den spitzen Hut erneut. Diese Bibel, die heute in der British Library aufbewahrt wird,[11] galt lange als die erste Abbildung des Judenhutes. Diese Ikonografie wurde wegen der Entstehung während des Ersten Kreuzzuges mit seinen Judenverfolgungen als grafische Darstellung von Antijudaismus interpretiert.[12] Lipton widerspricht: Für sie sind Goderans Initialen eine Darstellung von Alter, Wissen, Erfahrung und Zuordnung zu einem östlichen Kulturkreis. Beides war in seiner Zeit positiv konnotiert, so dass die Abbildungen wie auch die Kreuzzüge eine Hinwendung zum Osten und den Ereignissen der Evangelien bezeugen, keine Ablehnung.[13]

Eine systematische Umwertung des Judentums in der christlichen Ikonographie wird in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts angenommen. Als einflussreich gilt die umstrittene Autobiographie des Hermann von Köln, die unter dem Titel De conversione sua opusculum um 1170 verbreitet wurde. Hermann war Konvertit und Prämonstratenser im Kloster Cappenberg, sein früherer Name soll Iudaeus gewesen sein und er beschreibt erstmals Juden als Unwissende, Irregeleitete, die nichts von Christus gehört haben oder hören wollen.[14] Praktisch gleichzeitig gibt es erste Kreuzigungsszenen auf denen Juden explizit als solche mit Attributen dargestellt und als schuldig und böse konnotiert werden.[14] [15]

Das Vierte Laterankonzil von 1215 forderte von den weltlichen Machthabern, Bevölkerungsgruppen wie Juden, Sarazenen und Muslime zum Tragen eines spezifischen Kennzeichens, das jeweils regional festzulegen war, zu verpflichten. Während diese Forderung in einigen europäischen Ländern umgesetzt wurde, wenn auch nicht durch Vorschreibung des Judenhutes, sondern durch andere Kennzeichen, geschah das in den deutschen Ländern nur langsam. Dort forderten vor allem im 14. Jahrhundert verschiedene Partikularkonzilien die Festschreibung des genannten Hutes als Kennzeichen für Juden, was dazu beitrug, dass der Judenhut als bis dahin freiwillig getragener Bestandteil der jüdischen Tracht mehr und mehr verschwand.

Seit dem 15. Jahrhundert wurde er durch andere Kennzeichen, meist ein gelber oder roter Ring oder Kreis, ersetzt. Auch in islamischen Ländern wurde von Andersgläubigen gefordert, eigene Kennzeichen an ihrer Kleidung anzubringen. Die praktische Wirkung solcher Forderungen blieb aber gering. Die Kenntlichmachung sollte Juden Kontakt zu Christen erschweren. Sie erleichterte damit deren soziale Kontrolle und provozierte durch die stigmatisierende Wirkung auch Übergriffe.

Im späteren Mittelalter wurden gelegentlich auch Christen als Schandstrafe zum Tragen eines Judenhutes verurteilt, zum Beispiel Frauen, die sich mit Juden eingelassen hatten, oder Wucherer. Ikonographisch wurde der Judenhut in den deutschen Landen dazu verwendet, um männliche Personen als Juden zu kennzeichnen, auch wenn sie in der Realität gar keinen Judenhut getragen hatten, wie alttestamentliche Personen in biblischen Darstellungen oder unbekleidet dargestellte verurteilte Verbrecher.

Der Judenhut wurde auch als Siegelbild jüdischer Gemeinden, etwa in Prag benutzt.

In der Ikonographie wird Abraham meist mit einem spitzen Judenhut als kennzeichnendes Attribut dargestellt,[16] in der mittelalterlichen Darstellung erscheint der Spitzhut seit dem frühen 13. Jahrhundert als Kennzeichnung von Juden.[17]

HeraldikBearbeiten

 
Stadtwappen von Judenburg

Der sogenannte Judenhut ist in der Heraldik eine gemeine Wappenfigur und wird selten ohne einen menschlichen Kopf im Wappen gezeigt. Die kappenförmige Kopfbedeckung ist die schon im Mittelalter von Israeliten getragene. Die Wappenfigur kann in Schild oder auch im Oberwappen sein. Seine Darstellung ist eigentlich weiß (Silber) oder gelb (Gold). Aber der Hut wurde aus Unkenntnis gelegentlich mit dem Eisenhut verwechselt.[18]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Sara Lipton: Dark Mirror - The Medieval Origins of Anti-Jewish Iconography. Metropolitan Books 2014, ISBN 978-0-8050-7910-4
  • Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Bibliographisches Institut, Leipzig 1984, S. 217.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Judenhut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

AnmerkungenBearbeiten

  1. Lipton 2014, S. 16
  2. Lipton 2014, S. 25.
  3. Saralipton.com: The Three Magi, Kostbares Evangeliar des Bernward von Hildesheim, Fol. 18r
  4. Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte - Bildarchiv Foto Marburg: Bußpredigt Johannes des Täufers und Berufung der ersten vier Apostel, Kostbares Evangeliar des Bernward von Hildesheim, Fol. 75r
  5. Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte - Bildarchiv Foto Marburg: Das letzte Abendmahl und Judas empfängt seinen Lohn, Kostbares Evangeliar des Bernward von Hildesheim, Fol. 118r
  6. Lipton 2014, S. 25–39
  7. Lipton 2014, S. 39
  8. Kupferstichkabinett Berlin: Evangelistar Heinrichs IV. (?), Zwei Szenen: Die sich beratenden Juden, Ident.Nr. 78 A 2, fol. 26 verso
  9. Lipton 2014, S. 46
  10. Lipton 2014, S. 47
  11. British Library: Bible ('The Stavelot Bible')
  12. Bernhard Blumenkranz: Le Jiuf médiéval au miroir de l'art chrétien. Paris 1966, S. 13–20; Lipton 2014, S. 23
  13. Lipton 2014, S. 54, 99
  14. a b Lipton 2014, S. 99 f
  15. Saralipton: [https://static.macmillan.com/static/holt/darkmirror/images/gallery/3-03.jpg Initial zu Psalm 68 in Peter Lombard 1166, Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, ms. a. 244, fol. 113v
  16. Sabine Poeschel: Handbuch der Ikonographie. WBG, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-534-22918-5, S. 45.
  17. Lexikon der christlichen Ikonographie. Band 2. Herder, Freiburg 2004, ISBN 3-451-22568-9, S. 450.
  18. Oswald 1984, S. 217