Jossa (Sinntal)

Ortsteil der Gemeinde Sinntal

Jossa ist ein Ortsteil der Gemeinde Sinntal im osthessischen Main-Kinzig-Kreis. Jossa liegt im Naturpark Spessart und ist staatlich anerkannter Erholungsort. Das Dorf hat 639 Einwohner (Stand 30. Juni 2014) und eine Fläche von 181 ha. Langjähriger Ortsvorsteher war Günter Walther (von 1997 bis 2016). Nachfolger wurde am 26. April 2016 sein Sohn Stefan Walther.

Jossa
Gemeinde Sinntal
Koordinaten: 50° 14′ 17″ N, 9° 35′ 34″ O
Höhe: 216 m ü. NHN
Fläche: 1,81 km²[1]
Einwohner: 670 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 370 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 36391
Vorwahl: 06665
Blick auf Jossa
Blick auf Jossa
Ortsschild

GeographieBearbeiten

 
Ortsansicht von Westen mit Kirche und Viadukt

Der Fluss Jossa, der im Spessart in Lettgenbrunn entspringt, mündet östlich des Dorfes in die Sinn. In diesem Bereich liegt auch das Naturschutzgebiet „Schachblumenwiesen“ in der die geschützte Schachblume (Fritillaria meleagris) gedeiht. Das Tal der Sinn bildet hier die Grenze zwischen den Mittelgebirgen Spessart und Rhön. Die südliche Gemarkungsgrenze von Jossa ist gleichzeitig die Grenze zwischen den Bundesländern Hessen und Bayern (Unterfranken).

Das Ortsbild ist durch ein großes Eisenbahn-Viadukt der alten Nord-Süd-Strecke FuldaWürzburg geprägt. Zum Teil verkehren auch Güterzüge der Relation Frankfurt–Würzburg über Jossa.

GeschichteBearbeiten

1698 wurde urkundlich in der Gegend des heutigen Ortes erstmals ein Joßmüller genannt, der zunächst eine Getreidemühle, später auch eine Holzschneidemühle an der Jossa besaß. Sein Wohnhaus war wohl das erste Haus in Jossa. Das eigentliche Dorf wurde in den Jahren 1725 bis 1730 von Einwohnern von Breunings und Burgjoß angelegt und bereits 1734 als Jossa genannt.

Pfarrlich gehörte Jossa zur Pfarrei Neuengronau, wo der Ort ab 1760 einzeln geführt wird. Zuständig war die Kirche in Altengronau, wo auch die zuständige Volksschule gelegen war. Ab 1740 hatte Jossa mit Kaspar Buchhold seinen ersten eigenen Lehrer. Weil noch kein Schulgebäude vorhanden war, zog er mit seinen Schülern im Ort von Haus zu Haus. Das erste Schulhaus wurde 1797 in der Ortsmitte errichtet. Nach wenigen Jahrzehnten war dies aber schon zu klein und wurde im Jahr 1847 durch ein neues großes Schulgebäude im Küppelweg ersetzt. Weil man erst ab 1910 über eine eigene Kirche verfügte, war in diesem Gebäude auch ein Betsaal untergebracht. Auf dem Gebäude befand sich ein kleiner Glockenturm mit einer Glocke.

Im Jahr 1895 löste sich Jossa von der Kirchengemeinde Neuengronau und schloss sich als Filialgemeinde der Kirchengemeinde Marjoß an. 1909 wurde mit dem Bau einer eigenen Kirche begonnen, die 1910 eingeweiht wurde. Durch den Anstieg der Einwohnerzahlen musste ein Schulneubau mit zwei Klassenräumen errichtet werden, der im vorletzten Kriegsjahr 1944 bezogen wurde. 1952 wurde gegenüber dem Hauptgebäude noch ein dritter Schulsaal errichtet, der mittlerweile als Schulungsraum in das Feuerwehrhaus des Ortes integriert ist. Eine Turnhalle, die auch für gesellige und kulturelle Veranstaltungen genutzt wird, entstand 1962. Seit 2013 ist die Schule in Jossa geschlossen. Die Grundschüler besuchen die Hans-Elm-Schule im Nachbarort Altengronau. Die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes wurde besonders Ende des 19. und die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts günstig beeinflusst durch den Eisenbahnbau Gemünden–Fulda und Jossa–Bad Brückenau-Wildflecken. Auch die ersten Feriengäste kamen in den 1950er-Jahren mit der Eisenbahn nach Jossa, zumal hier auch Schnellzüge hielten.[2]

GebietsreformBearbeiten

Am 1. Juli 1974 wurde Jossa im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz in die zuvor neu gebildete Gemeinde Sinntal eingegliedert.[3][4] Für Jossa wurden wie für die übrigen Ortsteile ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher gebildet.[5]

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[6]

• 1747: 19 Haushaltungen
• 1812: 25 Feuerstellen, 394 Seelen
Jossa: Einwohnerzahlen von 1812 bis 2017
Jahr  Einwohner
1812
  
394
1834
  
372
1840
  
391
1846
  
402
1852
  
707
1858
  
398
1864
  
413
1871
  
534
1875
  
425
1885
  
461
1895
  
435
1905
  
518
1910
  
598
1925
  
598
1939
  
647
1946
  
901
1950
  
891
1956
  
765
1961
  
743
1967
  
745
1970
  
734
1979
  
738
1990
  
717
1995
  
746
2000
  
691
2005
  
664
2010
  
655
2015
  
641
2017
  
627
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [6]; nach 1970: Gemeinde Sinntal[7]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[6]

• 1885: 421 evangelische (= 97,23 %), 12 katholische (= 2,77 %) Einwohner
• 1961: 683 evangelische (= 91,92 %), 58 katholische (= 7,81 %) Einwohner

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

  • Jährliche Theateraufführungen der Laienspielgruppe in der Mehrzweckhalle
  • Chorkonzert mit Gastchören
  • Weihnachtsmarkt mit Bläserchor, Chorgesang und Weihnachtsspielen der Kinder

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

 
Bahnhof Jossa

Öffentlicher VerkehrBearbeiten

 
Viadukt über das Tal der Jossa von Osten aus

Der Bahnhof Jossa liegt an der Bahnstrecke Flieden–Gemünden. Hier verkehren Regionalzüge der Relation Schlüchtern–Würzburg–Bamberg, von denen einige auch in Jossa beginnen bzw. enden. Vom Bahnhof zweigte außerdem die Sinntalbahn nach Bad Brückenau und weiter nach Wildflecken ab, auf der der Gesamtverkehr seit 31. März 2005 eingestellt ist. Die Strecke ist seither auch offiziell stillgelegt. Es besteht jedoch eine Linienbusverbindung. Die Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg führt östlich an der Gemarkung Jossa weitgehend im Tunnel Altengronauer Forst vorbei.

StraßenverkehrBearbeiten

Der Ort ist von den Autobahnanschlussstellen der A 66 (Bad Soden-Salmünster beziehungsweise Steinau) und der A 7 (Bad Brückenau) etwas mehr als 20 km entfernt.

TourismusBearbeiten

Der im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ mehrfach ausgezeichnete Ort besitzt zehn Rundwanderwege unterschiedlicher Länge. Der 25 km lange Kulturradweg „Perlen der Jossa“ führt von Jossa in den Spessart nach Villbach. Anschluss besteht durch den Radfernweg R2 durch das Tal der Sinn sowohl nach Mainfranken als auch in die Rhön. Weitere Anlagen sind:

  • Freizeitanlage in der Talaue mit Kneipp-Anlage,
  • Spielplatz und Sportplatz mit Trainings- und Hauptfeld
  • vielseitig nutzbare Spielfläche (im Winter als Eisfläche hergerichtet)
  • Angelmöglichkeiten und Beobachtung der hier ansässigen Biber
  • Grillplatz mit Schutzhütte
  • Wellness-Oase in einem ortsansässigen Hotel

BildungBearbeiten

  • Hans-Elm-Schule im 2 km entfernten Nachbarort Sinntal-Altengronau (Grund-, Haupt- und Realschule)
  • Gymnasium und Fachschulen in Schlüchtern (23 km – mit dem öffentlichen Nahverkehr gut erreichbar)

WeblinksBearbeiten

 Commons: Jossa (Sinntal) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b „Einwohner, Daten und Anfahrt“. In: Internetauftritt. Gemeinde Sinntal, archiviert vom Original; abgerufen im Juni 2018. (Daten aus Web-Archiv).
  2. Gemeinde Sinntal mit Ortsteilen (pdf) (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive)
  3. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Gelnhausen, Hanau und Schlüchtern und der Stadt Hanau sowie die Rückkreisung der Städte Fulda, Hanau und Marburg (Lahn) betreffende Fragen (GVBl. 330–26) vom 12. März 1974. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 149, § 15 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 377.
  5. Hauptsatzung. (PDF; 529 kB) §; 5. In: Webauftritt. Gemeinde Sinntal, abgerufen im Februar 2019.
  6. a b c Jossa, Main-Kinzig-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 25. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  7. Haushaltssatzung für den Haushaltsplan 2019. (PDF; 2,8 MB) Statistische Angaben. Gemeinde Sinntal, S. 41, archiviert vom Original; abgerufen im Januar 2019.