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Josef Massenez

deutscher Ingenieur und Industrieller
Josef Massenez, Foto 1890

Josef (Joseph) Massenez (* 26. Dezember 1839 in Grünstadt; † 24. Dezember 1923 in Wiesbaden) war ein deutscher Ingenieur und Industrieller.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

 
Historistische Villa Humboldtstraße 14 in Wiesbaden, Wohnsitz von Josef Massenez ab 1903,[1][2] Foto 2013

Massenez war Sohn von Ludwig Massenez († 1881), eines Französisch-Lehrers am Progymnasium Grünstadt (damals zur bayerischen Pfalz gehörig), dessen Vorfahren aus dem Elsass eingewandert waren, und der Franziska Behlen († 1892). Massenez besuchte das Gymnasium Speyer[3] und studierte zunächst Rechtswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität; 1858 wurde er im Corps Franconia München aktiv.[4] Als Inaktiver wechselte er – seinem Interesse an Mathematik und Naturwissenschaften folgend – zum Bergbau und Hüttenwesen an der Bergakademie Leoben (Steiermark), wo Peter Tunner einer seiner akademischen Lehrer war.

In Ruhrort, Duisburg-Hochfeld, Nadja Hunya (Siebenbürgen)[5] und Salzgitter arbeitete er als Hütteningenieur, insbesondere im Hochofenbau. Von 1874 bis 1891, offiziell bis 1893, leitete er den Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein in Hörde bei Dortmund, bis 1875 zusammen mit Hermann G. Beitter (1829–1875), dann mit Gustav Hilgenstock (1844–1913).[6] In dieser Funktion trug er maßgeblich zur Entwicklung der deutschen Eisen- und Stahlindustrie bei (→ Stahlerzeugung). So initiierte er am 26. April 1879 – zusammen mit Gustave Léon Pastor von den Rheinischen Stahlwerken in Meiderich – die Patentierung des Thomas-Verfahrens in Deutschland, Österreich-Ungarn und Luxemburg.[7][8] Der Weg zur großindustriellen Stahlproduktion im Ruhrgebiet wurde damit eröffnet. Am 22. September 1879 wurde in Hörde und Meiderich gleichzeitig der erste „Thomasstahl“ erblasen.

1885 gründete Massenez die Europäische Wassergas-Aktiengesellschaft, am 13. April 1889 die Rheinische Metallwaaren- und Maschinenfabrik Aktiengesellschaft in Düsseldorf, heute Rheinmetall. Zwischen 1876 und 1879 engagierte er sich für die Wiedereinführung der Roheisenzölle (→ Schutzzollpolitik). 1885 sowie von 1887 bis 1891 war er Präsident der Dortmunder Handelskammer. Massenez war auch Initiator des Centralverbandes deutscher Industrieller, an dessen Gründung er 1876 beteiligt war, und Funktionär des Vereins Deutscher Eisenhüttenleute (VDEh), aus dessen Vorstand er mit Ablauf des Jahres 1906 ausschied.[9] Ferner gehörte er dem Preußischen Volkswirtschaftsrat an. 1885 trat er dem Deutschen Kolonialverein bei.[10]

Den Lebensabend verbrachte Massenez in Wiesbaden, wo er sich nach faktischem Ausscheiden aus dem Hörder Verein 1891 als Zivilingenieur niedergelassen hatte, und – nach 1911 – auf der Burg Gutenfels über Kaub am Rhein.[11][12] Zusammen mit seinem Sohn Otto erwarb Massenez zwischen 1903 und 1922 zahlreiche Patente in Deutschland und anderen europäischen Staaten; außerdem investierten sie mit dem Bergbauunternehmen Vivero Iron Ore Company Ltd.[13] in die Mina de la Silvarosa[14] bei Vivero in Galicien. Die Technische Hochschule Charlottenburg ehrte ihn 1909 mit ihrem Ehrendoktor-Titel, die Stadt Dortmund durch eine Straßenbenennung im Ortsteil Hacheney.[15]

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Die Hochofen- und Walzwerksanlage Phönix zu Laar bei Ruhrort. In: Die baulichen Anlagen auf den Berg-, Hütten- und Salinenwerken in Preußen (1864)
  • Einige Bemerkungen zur Eisenzoll und Tarif-Frage (1876)
  • Zur Klassifikation von Eisen und Stahl (1878)
  • Mitteilungen über den Entphosphorungsprozess im Konverter (1880)
  • On the Elimination of Sulphur from Pig Iron (1891)[16]
  • Dreißig Jahre Thomasverfahren in Deutschland. In: Stahl und Eisen, Sonderdruck (1909)

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Birgit Kita, Thomas Weichel (Landeshauptstadt Wiesbaden): Einige Fakten über Wiesbaden. S. 18 (online, Datei im PDF)
  2. Sixth Congress of International Association for Testing Materials, New York 1912, Band 2, S. 6, (online)
  3. Nachruf in: Stahl und Eisen, Band 44,Teil 1, S. 216, Verein Deutscher Eisenhüttenleute; (Ausschnittscan)
  4. Kösener Corpslisten 1930, 108, 243
  5. Möglicherweise handelt es sich hier um einen Fehler. Als ähnlich klingender Bergbau- und Hüttenstandort ist in Siebenbürgen Hunedoara (ungarisch: Vajdahunyad) bekannt.
  6. Lars Ulrich Scholl: Ingenieure in der Frühindustrialisierung: staatliche und private Techniker im Königreich Hannover und an der Ruhr (1815–1873). Studien zu Naturwissenschaft, Technik und Wirtschaft im neunzehnten Jahrhundert, Band 10, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1978, ISBN 3-525-42209-1, S. 378 (online)
  7. Manfred Toncourt, Astrid Dörnemann: Das Thomas-Verfahren in Europa. Entstehung, Entwicklung, Ende. Klartext Verlag, Essen 2009, S. 70
  8. Otto Johannsen: Geschichte des Eisens, Verlag Stahleisen, Düsseldorf 1924, S. 200 (online, Datei im PDF)
  9. Stahl und Eisen. Zeitschrift für das deutsche Eisenhüttenwesen vom 2. Januar 1907 (Nr. 1, 27. Jahrgang), Verlag A. Bagel, Düsseldorf, S. 10 (online, Datei im PDF im Portal delibra.bg.polsl.pl)
  10. Eintrag Dr. Ing. h.c. Massenez, Joseph im Portal dortmund-postkolonial.de, abgerufen am 13. April 2014
  11. Robert R. Taylor: The Castles of the Rhine. Recreating the Middle Ages in Modern Germany. Wilfried Laurier University Press, Waterloo, Ontario, Kanada 1998, ISBN 0-88920-268-0, S. 362, Fußnote 32 (online)
  12. Artikel Burg Gutenfels im Portal regionalgeschichte.net, abgerufen am 13. April 2014
  13. Walter Robert Skinner, Walter E. Skinner: Mining Manual Containing Full Particulars of Mining Companies, Financial Times, 1913, S. 1165
  14. Vgl. Artikel Mina de la Silvarosa in der spanischsprachigen Wikipedia
  15. Dortmund, Massenezstr. im Portal straßenfotos.de, abgerufen am 13. April 2014
  16. Online-Referenz im Portal books.google.de, abgerufen am 13. April 2014