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John William Dawson

kanadischer Geologe und Paläontologe

Sir John William Dawson, genannt William Dawson (* 13. Oktober 1820 in Pictou, Nova Scotia; † 19. November 1899 in Montreal) war ein kanadischer Geologe, Paläontologe und Schulreformer. Er erforschte besonders die Geologie und Paläontologie von Nova Scotia.

John William Dawson

Leben und WirkenBearbeiten

Dawson hatte schottische Vorfahren und studierte nach dem Besuch der Pictou Academy an der Universität Edinburgh mit dem Abschluss 1842. Dort studierte er Geologie und Naturgeschichte bei Robert Jameson (1774–1854). Nach seinem Studium ging er wieder nach Nova Scotia. 1850 bis 1853 war er Superintendent für Erziehung in Nova Scotia, wobei er sich für Reformen einsetzte und darin dem US-amerikanischen Pädagogen Henry Barnard folgte, mit genauen Vorstellungen über die Architektur und Einrichtung von Schulen. Neben seiner offiziellen Tätigkeit, für die er viel auf Reisen war, studierte er die Geologie Kanadas und sammelte Fossilien. Ab 1855 bis 1893 war er Professor für Geologie und Prinzipal der McGill University.

1852 besuchte Charles Lyell, der berühmte schottische Vordenker der modernen Geologie, Nova Scotia im Rahmen seiner dritten Nordamerika-Reise, und Dawson begleitete ihn dabei. Auf dieser Exkursion entdeckten sie in oberkarbonischen Sedimentgesteinen der Kliffküste der „South Joggins“ die fossilen Überreste eines landbewohnenden Temnospondylen, die 1853 von Richard Owen unter dem Namen Dendrerpeton acadianum erstbeschrieben wurden.[1][2] Damit legten die beiden den Grundstein für die Erforschung eines der weltweit am vollständigsten überlieferten Ökosysteme des Oberkarbons. Nachfolgend führte Dawson weitere Ausgrabungen in dieser Lokalität durch, wobei er unter anderem auf die Knochen einer Landwirbeltier­art stieß, die er 1860 zu Ehren Lyells unter dem Namen Hylonomus lyelli beschrieb,[3] und die heute als eins der frühesten Reptilien bzw. einer der frühesten Amnioten gilt.[4]

Er untersuchte die Pflanzen der fossilen paläozoischen Kohlewälder in Nova Scotia. 1859 beschrieb er als einer der Ersten Pflanzen aus dem Devon und veröffentlichte auch später viel über Paläobotanik. Mit ihm verbunden ist auch die Beschreibung des Eozoon canadense (1865)[5] aus präkambrischen Kalksteinen aus Quebec, die damals von ihm als Foraminiferen-Verwandte und älteste Fossilien angesehen wurden, heute aber als metamorphe mineralische Bildung angesehen werden[6]. Obwohl er infolge seiner geologischen und paläontologischen Studien davon überzeugt war, dass „die Natur“ ein in geologischen Zeiträumen veränderliches System ist, blieb er kreationistischen Ideen verhaftet und lehnte die Auffassung ab, dass Menschen und Menschenaffen biologisch engste Verwandte sind.[7]

1860 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt, 1862 wurde er Fellow der Royal Society und Mitglied der American Philosophical Society.[8] Er war der erste Präsident der Royal Society of Canada. 1881 wurde er Mitglied des Order of St. Michael and St. George und 1884 wurde er geadelt. 1893 war er Präsident der Geological Society of America. 1895 wurde er zum Ehrenmitglied (Honorary Fellow) der Royal Society of Edinburgh gewählt.[9] Zu seinen Ehren wurde das Mineral Dawsonit benannt.

Er war seit 1847 mit Margaret A. Y. Mercer verheiratet, die Präsidentin der Ladies Bible Association war und mit anderen eine Schule für Mädchen in Montreal gründete. Sein Sohn George Mercer Dawson (1849–1901) wurde ebenfalls ein bekannter Geologe, Direktor des Geological Survey of Canada.

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Charles Lyell, John W. Dawson: On the Remains of a Reptile (Dendrerpeton Acadianum, Wyman and Owen) and of a Land Shell discovered in the Interior of an Erect Fossil Tree in the Coal Measures of Nova Scotia. Quarterly Journal of the Geological Society. Bd. 9, 1853, S. 58–67 (einschl. J. Wyman: Notes on the Reptilian Remains. S. 64–66, und R. Owen: Notes on the above-described Fossil Remains. S. 66–67) (BHL)
  2. Localities of the Carboniferous: Dendrerpeton and Joggins, Nova Scotia. University of California Museum of Paleontology (UCMP), 1994–2006
  3. John W. Dawson: On a Terrestrial Mollusk, a Chilognathous Myriapod, and some New Species of Reptiles, from the Coal-Formation of Nova Scotia. Quarterly Journal of the Geological Society. Bd. 16, 1860, S. 268–277 (BHL)
  4. Trond Sigurdsen, Robert L. Carroll: Amniotes, The Origin of. S. 63–69 in Richard M. Kliman (Hrsg.): Encyclopedia of Evolutionary Biology. Academic Press/Elsevier, 2016, ISBN 978-0-12-800049-6, S. 64 f.
  5. Dawson On the structure of certain organic remains in the Laurentian limestones of Canada, Quart. J. Geol. Soc., Band 21, 1865, S. 51–59
  6. J. Adleman Eozoön: debunking the dawn animal, Endeavor, Band 31, 2007, S. 94–98, C. F. O'Brien Eozoön canadense: „The dawn animal of Canada“, Isis, Band 61, 1970, S. 206–223. Dass der Kalkstein metamorph geprägt war, wurde 1894 festgestellt.
  7. Anatomically considered, man is an animal of the class Mammalia. In that class, notwithstanding the heroic efforts of some modern detractors from his dignity to place him with the monkeys in the order Primates, he undoubtedly belongs to a distinct order. I have elsewhere argued that if he were an extinct animal, the study of the bones of his hand or of his head would suffice to convince any competent palaeontologist that he represents a distinct order, as far apart from the highest apes as they are from the carnivora.S. 209 in: John William Dawson: Modern ideas of evolution as related to revelation and science. 4th edition. The Religious Tract Society, London 1890, doi:10.5962/bhl.title.18937.
  8. Member History: John W. Dawson. American Philosophical Society, abgerufen am 8. Juli 2018.
  9. Fellows Directory. Biographical Index: Former RSE Fellows 1783–2002. Royal Society of Edinburgh, abgerufen am 20. Oktober 2019.