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LebenBearbeiten

Der Sohn eines deutschen Vaters und einer englischen Mutter, der zweisprachig aufwuchs, wurde 1965 an der University of Cambridge promoviert und lehrte von 1964 bis 1972 als Lecturer, anschließend bis 1979 als Reader an der University of Sussex in Brighton, wo er 1979 Professor wurde. Von 1970 bis 1983 war er Mitarbeiter der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, von 1982 bis 1985 Dean an der School of European Studies. Im Jahr 1986/1987 war Röhl Forschungsstipendiat am Historischen Kolleg München.[1] Neben seiner englischen Professur übernahm er immer wieder Lehrstuhlvertretungen in Deutschland. 1999 wurde er emeritiert. John C. G. Röhl ist der Vater des Regisseurs Christoph Röhl.

WirkenBearbeiten

Röhl gilt als einer der führenden Experten und Kritiker der Wilhelminischen Zeit unter Kaiser Wilhelm II. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er vor allem durch seine dreibändige Biografie des letzten deutschen Kaisers bekannt.[2] Darin vertritt und entwickelt er hauptsächlich die These vom Persönlichen Regiment Wilhelms II., schreibt ihm die Hauptverantwortung für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu und erhebt, obgleich streng wissenschaftlich verfahrend, auch schwere moralische Anschuldigungen gegen den letzten Kaiser. Mit seiner These bewirkte Röhl einen Paradigmenwechsel in der deutschen Geschichtswissenschaft, die, anders als im angloamerikanischen Raum, Wilhelm bis in die 1970er und 1980er Jahre nach herrschender Meinung als „schwachen Herrscher“ von begrenztem politischem Einfluss eingeschätzt und entsprechend vernachlässigt hatte.

Röhls Biographie über den Kaiser Wilhelm II. wird von dem australischen Historiker Christopher Clark als „einzigartiges Beispiel herausragender wissenschaftlicher Arbeit“ geschätzt. Röhls Ausführungen über die große Mitschuld des letzten Kaisers am Ausbruch des Ersten Weltkrieges widerspricht Clark gleichwohl.[3]

Ehrungen und MitgliedschaftenBearbeiten

PreiseBearbeiten

  • Wolfson-Historikerpreis, 1994
  • Gissingspreis, 2003
  • Einhard-Preis, 2013

Mitgliedschaften, FellowshipsBearbeiten

  • Historisches Kolleg, 1986–1987
  • Woodrow Wilson International Center for Scholars, Washington D. C., 1989–1990
  • Institute for Advanced Study, Princeton, 1994
  • National Humanities Center, North Carolina, 1997–1998

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Germany without Bismarck: The crisis of government in the 2. Reich, 1890–1900. Batsford, London 1967.
Übersetzung: Deutschland ohne Bismarck: Die Regierungskrise im 2. Kaiserreich. 1890–1900. Wunderlich, Tübingen 1969.
  • From Bismarck to Hitler: The problem of continuity in German history. Longmann, London 1970.
  • Zwei deutsche Fürsten zur Kriegsschuldfrage. Lichnowsky und Eulenburg und der Ausbruch des 1. Weltkriegs. Eine Dokumentation, als Hrsg, Droste Verlag, Düsseldorf 1971, ISBN 978-3-7700-0274-0.
Englische Ausgabe: 1914 – delusion or design? The testimony of 2 German diplomats, Karl Max Lichnowsky ; Philipp Eulenburg-Hertefeld. Edited and introduced by John Röhl. With a foreword by Hugh Trevor-Roper, Elek, London 1973.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Historisches Kolleg - John C. G. Roehl. Abgerufen am 4. September 2018.
  2. Vom Halbgott zum Fossil, Artikel vom 30. September 2008 von Johannes Saltzwedel auf Spiegel Online
  3. Christopher Clark: How powerful was the Kaiser? (Rezension der englischen Übersetzung des dritten Bandes von Röhls Wilhelm-Biographie). In: London Review of Books 37:8, 2015, S. 23–24.