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Johannes Varwick

deutscher Politikwissenschaftler
Johannes Varwick (2014)

Johannes Varwick (* 28. Februar 1968 in Aschaffenburg) ist ein deutscher Politikwissenschaftler. Er ist seit 2013 Lehrstuhlinhaber für Internationale Beziehungen und europäische Politik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

LebenBearbeiten

Johannes Varwick studierte Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft und Wirtschaftspolitik in Münster und Leeds. Von 1995 bis 1998 absolvierte er als Stipendiat der Friedrich-Naumann-Stiftung ein Promotionsstudium (Thema: Sicherheit und Integration in Europa) bei Wichard Woyke am Institut für Politikwissenschaft der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster.

In den folgenden Jahren war er Fellow am Wissenschaftszentrum NRW des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) sowie Leiter des Bereichs europäische Sicherheitspolitik am Forschungsinstitut der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. 2000 war er Fellow der Dräger-Stiftung in Chicago. In den Jahren 2000 bis 2003 war er wissenschaftlicher Assistent für Internationale Politik am Institut für Internationale Politik der Universität der Bundeswehr in Hamburg. 2003 war er Fellow am State Department in Washington, D.C. Von 2003 bis 2009 war Varwick Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit den Schwerpunkten Europäische Integration und Internationale Organisationen an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Im September/Oktober 2009 war er Inhaber des Theodor-Heuss-Chair am Department of International Studies des Instituto Tecnológico Autónomo de México in Mexiko-Stadt. Von 2009 bis 2013 war er Professor für Politische Wissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Seit März 2013 ist er Professor für Internationale Beziehungen und europäische Politik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. In Halle ist er Vertrauensdozent der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

Varwick ist verheiratet mit der Theologin Anja Middelbeck-Varwick und Vater von vier Kindern.

ForschungsschwerpunkteBearbeiten

Er forscht zu den Themenbereichen internationale Organisationen (insbesondere Vereinte Nationen, NATO und EU), Europäisierung, internationale Sicherheit, deutsche und europäische Außenpolitik und internationale Ordnungspolitik und Probleme des Multilateralismus. Sein besonderes Engagement gilt der Politikberatung und der Politischen Bildungsarbeit. Er hat sich auch einen Namen durch politikwissenschaftliche Lehrbücher, u. a. zu den Vereinten Nationen, zur NATO und zu Grundfragen der Politikwissenschaft gemacht.

Varwick hat im Frühjahr 2015 an der Universität Halle-Wittenberg die Forschungsgruppe „Interdisciplinary Research Group on the Europeanisation of Strategic Policies“ (IRESP) gegründet. Dort werden Projekte bearbeitet, deren thematische Gemeinsamkeit in der Europäisierung strategischer Politikbereiche und Themen besteht. Varwick versteht diese als komplexe Interaktion zwischen europäischer und nationalstaatlicher Ebene und untersucht nicht ausschließlich die EU, sondern auch andere multilaterale Formate, z. B. europäische Positionierungen in „Koalitionen der Willigen“ oder europäische Positionierungen in sonstigen Club-Governance- und Multilateralismus-Formaten. Varwick vertritt einen intergouvernementalen Politikbegriff in einer eher staatswissenschaftlichen Tradition.

Mitgliedschaften und TätigkeitenBearbeiten

Varwick ist Gutachter für die Deutsche Stiftung Friedensforschung, die Alexander von Humboldt-Stiftung, den Deutschen Akademischen Austauschdienst und die Studienstiftung des Deutschen Volkes. Ferner ist der für die Fachzeitschriften Sicherheit und Frieden, Politische Vierteljahresschrift und Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik (auch im Editorial Advisory Board) als Gutachter tätig.

Von 2008 bis 2011 war er Mitglied des Advisory Panels des NATO Committee for Science for Peace and Security. Seit 2009 ist er Mitglied im VN-politischen Beirat des Auswärtigen Amts. 2014 wurde er Mitglied des Beirates der Clausewitz-Gesellschaft.[1] Seit 2016 ist er Vizepräsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik[2], seit 2017 Mitglied des Präsidiums der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen. Varwick berät verschiedene Ministerien, u. a. war er an der Erarbeitung des 2016 erschienenen „Weißbuchs zur Sicherheit und zur Zukunft der Bundeswehr“ beteiligt und trägt regelmäßig zu sicherheitspolitischen Themen in der Öffentlichkeit vor.

Varwick gehört u. a. der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen, der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft, der Deutsch Atlantischen Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik an. Ab 2007 war er Mitherausgeber der Fachzeitschrift Politische Bildung, die ab 2015 mit neuem Konzept unter dem Namen „Politikum“ erscheint[3]. Er ist zudem Mitherausgeber mehrerer Buchreihen im Nomos Verlag (United Nations and Global Change[4]) und im Wochenschau-Verlag[5].

PositionenBearbeiten

In einem offenen Brief an die Partei der AfD, der in diversen Medien Beachtung fand, reagierte er auf die Einrichtung von „Meldeportalen“ durch die AfD, u. a. in Sachsen-Anhalt, dem Bundesland, in dem Varwick lehrt[6]. In diesen Online-Meldeportale können Schüler und Studenten der AfD Lehrende melden, die die AfD im Unterricht kritisieren. Auf sarkastische Weise formulierte er in dem Brief die Absicht, der AfD „diese Arbeit gerne“ abzunehmen, in Form von mehreren „Geständnissen“. Unter anderem schrieb er: „Wir gestehen, dass wir die Zeit des Nationalsozialismus nicht als kleinen 'Vogelschiss' behandelt haben“, eine Anspielung auf eine entsprechende Äußerung des AfD-Parteivorsitzenden Alexander Gauland.[7]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Beirat, Webseite der Clausewitz-Gesellschaft, abgerufen am 23. November 2015.
  2. http://www.gsp-sipo.de/general/vorstand.htm
  3. http://politikum.org/
  4. http://www.nomos-shop.de/reihenpopup.aspx?reihe=303
  5. http://www.wochenschau-verlag.de/attributeindexer/list/product/index_ids/72761/
  6. AfD startet Meldeportal in Sachsen-Anhalt. In: Volksstimme. 8. November 2018, abgerufen am 25. November 2018.
  7. Mit diesem Geständnis wehrt sich ein Professor gegen die AfD. In: Bento. 25. November 2018, abgerufen am 25. November 2018.