Johannes Streccius

preußischer Offizier, zuletzt Generalleutnant

Johannes Streccius (* 5. März 1831 in Stendal; † 25. Januar 1889 in Wiesbaden) war ein preußischer Offizier, zuletzt Generalleutnant.

LebenBearbeiten

HerkunftBearbeiten

Er war der Sohn von Johann Karl Christian (* 3. Juni 1789 in Stendal; † 7. Oktober 1833 ebenda), zuletzt Premierleutnant der Landwehr a. D. und Stadtrat in Stendal, und dessen Ehefrau Ernestine Eleonore Amalie, geborene Matthias (* 24. Dezember 1794 in Magdeburg; † 2. Oktober 1855 in Barby). Sein jüngerer Bruder Christian Felix (1833–1889) schlug ebenfalls eine Militärkarriere ein und brachte es bis zum Generalmajor. Der spätere General der Infanterie Alfred Streccius (1874–1944) war sein Neffe.

MilitärlaufbahnBearbeiten

Streccius besuchte ab 2. September 1843 zunächst die Kadettenanstalt in Potsdam, dann ab 3. Juni 1845 in Berlin. Er wurde am 28. April 1849 als Sekondeleutnant dem 17. Infanterie-Regiment der Preußischen Armee in Wesel überwiesen. Zur Niederschlagung der Badischen Militäraufstands nahm er mit diesem Regiment an den Gefechten bei Waghäusel, Bischweiler und Kuppenheim teil. Vom 1. Oktober 1852 bis zum 1. Juli 1853 wurde er zur Allgemeinen Kriegsschule abkommandiert. Als Erzieher wurde er ab dem 3. April 1855 in das Kadettenhaus Berlin kommandiert. Vom 1. Oktober 1856 bis 1. November 1858 war er beurlaubt und Erzieher des Grafen zu Stolberg-Wernigerode. Während dieser Zeit wurde er am 19. September 1857 zum Premierleutnant befördert.

Als 1859 der Krieg zwischen Österreich und Frankreich, der Sardinische Krieg, ausbrach, wurden in Deutschland Verwicklungen befürchtet. Das Korps wurde von Friedens- auf Kriegsstärke gebracht und am 14. Juni auf Befehl des Prinzen von Preußen mobilgemacht. Während der Mobilmachung war Streccius Führer einer Kompanie des 17. Landwehr-Regiments. Als es nach Köln verlegt war, wurde der Friede von Villafranca geschlossen und sein Korps trat den Rückzug an. Am 13. November 1859 zum Hauptmanns befördert, wurde Streccius am 13. Dezember 1860 zum Chef der 7. Kompanie in Wesel ernannt. Unter Stellung à la suite dieses Regiments war er dann ab dem 1. März 1861 Zweiter Offizier beim Großen Militärwaisenhaus in Potsdam. Wieder zurück in Wesel, wurde er Chef der 2. Kompanie, sie war ab 1866 in Celle, in das Regiment einrangiert. Im Krieg gegen Österreich kam sein Regiment in Böhmen bei Münchengrätz und Königgrätz zum Einsatz. Hierfür wurde er am 20. September 1866 mit dem Kronenorden IV. Klasse mit Schwertern ausgezeichnet.

 
Kriegsschule in Kassel

Unter Beförderung zum Major am 16. März 1869 wurde Streccius zum Kommandeur des Kadettenhauses Bensberg ernannt. Am 22. Mai 1869 wurde er à la suite des Generalstabs der Armee gesellt und Direktor der Kriegsschule in Kassel ernannt.[1] Gleichzeitig war er in der Zeit ab dem 15. Dezember 1869 für drei Monate als Generalstabsoffizier zum Generalkommando des IX. Armee-Korps nach Altona kommandiert. Für die Dauer des mobilen Verhältnisses im Deutsch-Französischen Krieg war Streccius ab 16. Juli 1870 Generalstabsoffizier beim Generalgouvernement am Rhein im Bereich des VII., VIII. und XI. Armee-Korps. Seit dem 22. August fungierte er als Chef des Generalstabs. Als Direktor wurde er am 19. September 1874 zum Oberstleutnant befördert.

Am 26. Januar 1876 wurde Streccius zum Kommandeur des I. Bataillons im 4. Thüringischen Infanterie-Regiment Nr. 72 in Torgau ernannt. Unter Stellung à la suite beauftragte man ihn am 19. November mit der Führung des 2. Hanseatische Infanterie-Regiments Nr. 76 in Hamburg und Lübeck. Am 12. Dezember 1876 folgte seine Ernennung zum Kommandeur und am 22. März 1877 wurde er Oberst. Als solcher war er vom 17. Juni bis zum 6. August 1879 Leiter des Ober-Ersatz-Geschäfts im Bereich der 33. Infanterie-Brigade. Zu einem zehntägigen Informationskursus an der Militärschießschule wurde er am 5. August 1881 abkommandiert.

Unter der Beförderung zum Generalmajor wurde Streccius am 15. Mai 1883 zum Kommandeur der 59. Infanterie-Brigade in Metz ernannt. Am 16. April 1887 wurde er zum Kommandanten von Karlsruhe, seit dem 15. November 1887 mit dem Charakter eines Generalleutnants, ernannt. Unter Verleihung des Patents zum Generalleutnant wurde er am 19. September 1888 zum Kommandanten von Rastatt ernannt. 1891 wurde Streccius am Jahrestag der Erstürmung der Düppeler Schanzen im Deutsch-Dänischen Krieg durch die Preußen mit Pension zur Disposition gestellt.

Streccius setzte sich in Wiesbaden zur Ruhe und verstarb dort am 25. Januar 1898.

SprachwissenschaftBearbeiten

Streccius ist auch ein bekannter Sprachforscher gewesen. Fast alle Sprachen Europas wurden von ihm beherrscht. Besonders übersetzte er militärische und geschichtliche Werke aus dem russischen. Unter anderem waren dies die Werke des Fürsten Nikolaĭ Sergieevitch Galitzin über antike Taktiken wie die drei Bände „Allgemeine Kriegsgeschichte des Altertums“ oder den Dreißigjährigen Krieg 1618–1648.

Seine ab 1874 erschienen 38 Übersetzungen wurden in über 56 Publikationen zitiert.

FamilieBearbeiten

Streccius hatte sich am 4. Juni 1860 in Göttingen mit Auguste Baum (* 18. Oktober 1834 in Danzig; † 18. November 1876 in Torgau) verheiratet. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor:

  • Wilhelm Felix (* 10. Juli 1863 in Potsdam; † 28. November 1863 ebenda)
  • Maria Amalie (* 14. Oktober 1865 in Göttingen; † 6. Dezember 1942 in Bremen)
  • Amalie Luise Sophie (* 21. August 1867 in Celle; † 29. August 1941 in Mannheim)
  • Sohn, (* 4. März 1869 in Celle; † 16. März 1869 ebenda)
  • Marianne Katharina (* 26. März 1870 in Kassel; † 4. April 1924 in Mannheim)
  • E. Luise Henriette (* 7. Januar 1872 in Kassel; † 6. August 1872 ebenda)
  • Rosa Anna Amalie Auguste (* 16. April 1873 in Kassel)

Er hatte sich ein zweites Mal am 13. Februar 1879 in Stuttgart mit Emmy Anna Karoline Hochstaetter (* 21. April 1857 in Darmstadt; † 14. März 1935 in Berlin) verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor:

  • Emmy Sophie Luise (* 17. Oktober 1880 in Hamburg)
  • Hans Clemens Emil Felix (* 26. April 1883 in Hamburg; † 4. November 1891 in Baden-Baden)

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Die Ausrüstung des Infanterie-Offiziers zu Fuß und zu Pferd: ein Rathgeber bei eintretender Mobilmachung, sowie für das Manöver. E.S. Mittler & Sohn. Berlin 1876.

AuszeichnungenBearbeiten

QuellenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 10, Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, o. O. [Hamburg], o. J. [1942], DNB 986919810, S. 362–364, Nr. 3267.
  • Bogislav von Kleist: Die kgl. preuß. Generale von 1840–1894. Nr. 1626
  • Theodor Pratsch: Offizier-Stammliste des Infanterie-Regiments Graf Barfuss (4. Westfäl.) Nr. 17. von der Errichtung des Regiments am 1. Juli 1813 bis zum 1. Okt. 1907. E.S. Mittler & Sohn. Berlin 1908.
  • Fabricius: Geschichte des 4. thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 72 in den Jahren 1860 bis 1878. E.S. Mittler & Sohn. Berlin 1879.
  • Harry von Rège: Offizier-Stammliste des Infanterie-Regiments Nr. 76. 1902. Nummer 4, S. 4.
  • E. Neubourg: Bensberg und sein Cadettenhaus, zum fünfzigjährigen Stiftungsfeste des Cadettenhauses. E.S. Mittler & Sohn. Berlin 1890.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Der spätere Kaiser, Prinz Wilhelm von Preußen besuchte unter ihm die Kriegsschule Kassel und hatte des Generals Streccius in seinen Aufzeichnungen später dankbar gedacht.