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Johanna Tesch

deutsche Politikerin (SPD), MdR
Johanna Tesch

Johanna Friederike Tesch, geborene Carillon (* 24. März 1875 in Frankfurt am Main; † 13. März 1945 im KZ Ravensbrück)[1] war eine deutsche Politikerin (SPD).

LebenBearbeiten

Geboren als Tochter des Schneidermeisters Gustav Carillon, arbeitete Johanna Carillon bis zur Heirat 1900 im elterlichen Haushalt. Sie hatte drei Söhne. 1902 gehörte sie zu den Mitbegründern des Bildungsvereins für Frauen und Mädchen und arbeitete führend im Verband der Haus- und Büroangestellten mit. 1906 wurde Tesch 1. Vorsitzende der Frankfurter Ortsgruppe des Zentralverbandes der Haus- und Büroangestellten, 1916 Mitglied der städtischen Deputation für Irre und Epileptische. In die SPD trat Tesch 1909 ein. (Bis 1908 war es Frauen in Preußen verboten, Mitglied einer politischen Partei zu werden.) Als Eintrittsdatum wurde im Mitgliedsbuch 1902 angegeben.

Tesch war 1919 Abgeordnete der Deutschen Nationalversammlung und von 1920 bis 1924 Mitglied der SPD-Fraktion des Reichstags. Seit 1933 lebte sie zurückgezogen mit ihrem Ehemann im Frankfurter Stadtteil Riederwald.

Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler wurde Johanna Tesch am 22. August 1944 im Rahmen der Aktion Gitter im Alter von 69 Jahren von den Nationalsozialisten verhaftet und ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück gebracht, wo sie am 13. März 1945 an den Folgen der Haft (wahrscheinlich Unterernährung) starb. In Postkarten und Briefen, die von der SS zensiert wurden, schrieb sie noch regelmäßig an ihre Familie, um diese zu beruhigen.

GedenkenBearbeiten

An ihrem Wohnhaus Am alten Volkshaus 1 (früher: Max-Hirsch-Str. 32) erinnert seit 1995 eine Gedenktafel an die „Streiterin für Demokratie und Gerechtigkeit“. Die Stadt Frankfurt am Main ehrte sie durch die Umbenennung des Johanna-Tesch-Platzes (früher Schulze-Delitzsch-Platz). Berlin gedenkt der Frankfurterin mit einer der 96 Gedenktafeln für von den Nationalsozialisten ermordete Reichstagsabgeordnete in der Nähe des Reichstags sowie einer Straße in Niederschöneweide[2]. In Gummersbach ist ein Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt (Awo) nach ihr benannt. Die SPD Frankfurt-Riederwald und die Awo Frankfurt haben einen Preis für soziales Engagement zu ihren Ehren gestiftet. Zudem wurde eine Frankfurter U-Bahn-Station nach ihr benannt.

Anlässlich des 60. Todestages von Johanna Tesch veranstaltete die SPD am 18. März 2005 eine Gedenkveranstaltung und ein Erzählcafé.

LiteraturBearbeiten

  • Johanna Tesch. In: Franz Osterroth: Biographisches Lexikon des Sozialismus. Band I. Verstorbene Persönlichkeiten. J. H. W. Dietz Nachf., Hannover 1960, S. 309.
  • Hanna Eckhardt: Johanna Tesch (1875-1945). Frankfurter Streiterin für soziale Gerechtigkeit. In: Verein für Frankfurter Arbeitergeschichte. Mitteilungsblatt des Vereins für Frankfurter Arbeitergeschichte. Bd. 19 (2005), Heft 31.
  • Martin Schumacher (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. 3., erheblich erweiterte und überarbeitete Auflage. Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5183-1.
  • Felix Blömeke: Tesch, Johanna Friederike. In: Frankfurter Biographie. Personengeschichtliches Lexikon. Zweiter Band M–Z, Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1996, S. 464–465 ISBN 3-7829-0459-1

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Felix Blömeke: Tesch, Johanna Friederike. In: Wolfgang Klötzer (Hrsg.): Frankfurter Biographie. Personengeschichtliches Lexikon. Zweiter Band M-Z. Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt a. M. 1996, ISBN 3-7829-0459-1, S. 464-5.
  2. Kauperts Strassenführer durch Berlin. Abgerufen am 24. August 2018.