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Johann Pflugbeil

deutscher Offizier, zuletzt Generalleutnant im Zweiten Weltkrieg

LebenBearbeiten

MilitärlaufbahnBearbeiten

Johann Pflugbeil trat 1904 in die königlich-sächsische Armee ein und war von 1914 bis 1918 Kompaniechef und Bataillonskommandeur an der Ostfront.[1] Nach Ende des Krieges wurde er 1920 in die Reichswehr übernommen und wirkte als Kommandeur und Generalstabsoffizier in verschiedenen Einheiten. Von 1933 an war er als Oberst Kommandeur des Infanterie-Regiments 10 und wurde bereits 1936 zum Generalmajor befördert. 1937 war er Landwehr-Kommandeur Breslaus[2][3] und war 1938 nach 34. Dienstjahren aus dem Militärdienst ausgeschieden. 1939 wurde er aber wieder für den aktiven Kriegsdienst reaktiviert.[4] Vom 26. August 1939 bis zum 5. Juli 1942 führte er die neu aufgestellte 221. Infanterie-Division, später in 221. Sicherungs-Division umbenannt. In dieser Position wurde er am 1. Oktober 1939 zum Generalleutnant befördert.[5] Trotz der bekannten Mängel der 221. Infanterie-Division tat Pflugbeil nicht dagegen, dass der Verband im verlustreichen Partisanenkrieg eingesetzt wurde.[6] Ihm traute man wohl nicht nur aufgrund des Alters nicht mehr zu einem Kampfverband zu kommandieren, sodass er bis Kriegsende weder weiter befördert wurde noch ein ernsthaftes Kommando übernehmen konnte.[2] Von der Aufstellung im September 1942 bis Kriegsende war er Kommandeur der 388. Feldausbildungs-Division.[7] Gleichzeitig wurde er in der Zeit Kampfkommandant von Mitau und erhielt für seine Tätigkeiten in dieser Position im August 1944 das Ritterkreuz.

KriegsverbrechenBearbeiten

Er wurde in Zusammenhang mit den Kriegsverbrechen in Bialystok im Juni 1941 gebracht, da die von ihm damals kommandierte Division in diesem Gebiet eingesetzt war und er die Befehle für die Behandlung der Zivilbevölkerung herausgegeben hatte, welche Grundlage für die Ausschreitungen wurden.[8] Er beklagte sich zwar über die Vorfälle, ließ das Polizei-Regiment aber gewähren. So wird berichtet, dass als einige Juden in Todesangst um ihr Leben baten, ein Polizist vor den Augen von Pflugbeil auf diese urinierte und Pflugbeil sich nur abwandte und ging! Anschließend versuchte er im Kriegstagebuch die Exzesse zu vertuschen, bescheinigte den Einheiten seine „vollste Anerkennung“ und verlieh sogar Orden für das Kriegsverbrechen.[9][10][11][12] So ließ er auch festhalten, dass die Synagoge in Bialystok in Brand geriet, nicht weil sie angezündet wurde, sondern weil sie in Brand geschossen wurde, weil aus ihr geschossen wurde.[13] Im Białystok-Prozess war er posthum 1968 im Urteil Benannter.[14][15]

Curt Pflugbeil war der Bruder von Johann Pflugbeil.

Auszeichnungen (Auswahl)Bearbeiten

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ben Shepherd: Terror in the Balkans. Harvard University Press, 2012, ISBN 978-0-674-06513-0, S. 254 (google.de [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  2. a b Christian Hartmann: Wehrmacht im Ostkrieg: Front und militärisches Hinterland 1941/42. Walter de Gruyter, 2012, ISBN 978-3-486-70226-2, S. 165 (google.de [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  3. Günter Wegner: Stellenbesetzung der Deutschen Heere 1815-1939. Biblio Verlag, 1990, S. 857 (google.de [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  4. Samuel W. Mitcham: Crumbling Empire: The German Defeat in the East, 1944. Praeger, 2001, ISBN 978-0-275-96856-4, S. 156 (google.de [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  5. Samuel W. Mitcham: German Order of Battle: 1st-290th Infantry divisions in World War II. Stackpole Books, 2007, ISBN 978-0-8117-3416-5, S. 274 (google.de [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  6. Jürgen Kilian: Wehrmacht und Besatzungsherrschaft im Russischen Nordwesten 1941 - 1944: Praxis und Alltag im Militärverwaltungsgebiet der Heeresgruppe Nord. Verlag Ferd.Sch├╢ningh GmbH & Co KG, 2012, ISBN 978-3-506-77613-6, S. 128 ff. (google.de [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  7. Samuel W. Mitcham: German Order of Battle: 291st-999th Infantry divisions, named infantry divisions, and special divisions in World War II. Stackpole Books, 2007, ISBN 978-0-8117-3437-0, S. 90 (google.de [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  8. Christian Hartmann: Wehrmacht im Ostkrieg: Front und militärisches Hinterland 1941/42. Walter de Gruyter, 2012, ISBN 978-3-486-70226-2, S. 274 (google.de [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  9. Christian Hartmann: Wehrmacht im Ostkrieg: Front und militärisches Hinterland 1941/42. Walter de Gruyter, 2012, ISBN 978-3-486-70226-2, S. 276 (google.de [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  10. Prof Nicholas Stargardt: Der deutsche Krieg: 1939 - 1945. FISCHER E-Books, 2015, ISBN 978-3-10-403503-1 (google.de [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  11. Ben Shepherd: Terror in the Balkans. Harvard University Press, 2012, ISBN 978-0-674-06513-0, S. 251 (google.de [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  12. Hamburger Institut für Sozialforschung: Verbrechen der Wehrmacht. Hamburger Institut für Sozialforschung, 2002, S. 594 (google.de [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  13. Christian Gerlach: Kalkulierte Morde: Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrußland 1941 bis 1944. Hamburger Edition HIS, 2013, ISBN 978-3-86854-567-8 (google.de [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  14. Christian Hartmann: Wehrmacht im Ostkrieg: Front und militärisches Hinterland 1941/42. Walter de Gruyter, 2012, ISBN 978-3-486-70226-2, S. 275 (google.de [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  15. Thomas F. Schneider: Robert M. W. Kempner (17.10.1899-15.8.1993). Universitätsverlag Rasch, 2000, ISBN 978-3-935326-03-2, S. 31 (google.de [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  16. Veit Scherzer: Ritterkreuzträger 1939–1945. Die Inhaber des Eisernen Kreuzes von Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine, Waffen-SS, Volkssturm sowie mit Deutschland verbündete Streitkräfte nach den Unterlagen des Bundesarchivs. 2. Auflage. Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2.