Johann Hinrich Röding

deutscher Buchautor und Teehändler

Johann Hinrich Röding (* 1. Mai 1763 in Buxtehude; † 22. April 1815 in Hamburg) war ein deutscher Kaufmann und Lexikograph.

LebenBearbeiten

Röding war ein Sohn von Pastor Hinrich Lucas Röding und Anna Margaretha, geb. Martens. Nach seiner Schulausbildung in Buxtehude erhielt er in Hamburg eine kaufmännische Ausbildung und eröffnete schließlich ein eigenes kleines Ladengeschäft für Tee in der Nähe des Hamburger Hafens, das er allein betrieb. In direktem Kontakt mit Seeleuten aus aller Welt arbeitete Röding trotz seiner bescheidenen Lebensverhältnisse jahrelang an einem maritimen Lexikon. Sein Allgemeines Wörterbuch der Marine in allen europäischen Seesprachen nebst vollständigen Erklärungen erschien 1793 bis 1798 im Verlag der Buchhandlung von Philipp Andreas Nemnich. Das in Lieferungen erscheinende Werk umfasste nach Abschluss drei Textbände und einen Tafelband mit insgesamt knapp 2000 Seiten.

Der erste Band enthält neben Vorwort, Subskribentenliste und einer mehr als 250 Seiten umfassenden Bibliographie seefahrtsbezogener Literatur von 1484 bis 1793 mit Autoren- und Sachregister die Stichwörter A–K, Band 2 die Stichwörter L–Z. Band 3 erfüllt mit Indices aller Stichwörter in den Sprachen Holländisch, Dänisch, Schwedisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch die Funktion eines mehrsprachigen Seefahrtwörterbuchs; eine geplante Ergänzung in Russisch, die durch Zarin Katharina die Große gefördert werden sollte, kam wahrscheinlich aufgrund des Todes der Herrscherin nicht mehr zustande. Band 4 enthält mehr als 800 Abbildungen auf 115 Kupfertafeln.

Von einer geplanten umfassenden und stark erweiterten Neubearbeitung[1] erschien im Todesjahr Rödings nur noch das spanisch-englische Wörterbuch.

Rödings Werk war das erste umfassende maritime Lexikon im deutschen Sprachraum. Die teils sehr ausführlichen Erläuterungen zum Bau, zur Takelung, Navigation und Schiffsführung von Segelschiffen sind bis heute von historischem Wert. Den maritimen Wortschatz des „Allgemeinen Wörterbuchs“ verwerteten unter anderem die Brüder Grimm für ihr Deutsches Wörterbuch.

Röding war auch als begabter Miniaturmaler und Klavierspieler bekannt. Mit seiner Frau Ilsa Maria Röding, geb. Wagner (1779–1857), hatte er neun Kinder. Der Rödingweg in Buxtehude wurde nach ihm benannt.

Johann Hinrich Röding wird gelegentlich mit dem Hamburger Schriftsteller und Lehrer Johann Heinrich Röding verwechselt.

WerkBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Friedrich von Matthisson: Erinnerungen, Bd. 1 (IX. Vaterländische Besuche), Orell Füssli & Co., Zürich 1810, S. 317–318 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  • 3241. Röding (Joh Hinrich II). In: Hans Schröder: Lexikon der hamburgischen Schriftsteller bis zur Gegenwart. Bd. 6, Hamburg 1873, S. 332–333 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttps%3A%2F%2Freader.digitale-sammlungen.de%2Fde%2Ffs1%2Fobject%2Fdisplay%2Fbsb11158941_00344.html~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D bei der Bayerischen Staatsbibliothek München)
  • Lothar Eich: Nachwort zur Reprintausgabe Allgemeines Wörterbuch der Marine Tafelband, Leipzig 1987, Hamburg 1987
  • Martin Jank: Rödings Wörterbuch der Marine; Aus Buxtehude für alle Welt, in: Allgemeinen Haushaltungskalender, 141. Jahrgang, Zeitungsverlag Krause, 1989
  • Mete Canitez: Berühmtes Werk aus Buxtehude, Johann Hinrich Rödings maritimer Klassiker, in: Buxtehuder Tageblatt, 27. November 2003
  • Magdalena Lisiecka-Czop: Als die Seemannssprache noch romantisch war - nautischer Wortschatz des 18. Jahrhunderts im Spiegel des Allgemeinen Wörterbuches der Marine (1793–1798) von Johann Hinrich Röding, in: Studia Maritima z. XXIII, 2010, (polnisch)
  • Bernd Utermöhlen: Johann Hinrich Röding, ein Wörterbuch-Autor aus Buxtehude, in: Sprachen in fach- und berufsbezogenen Kontexten. Theoretische und praktische Überlegungen, hrsg. von Magdalena Lisiecka-Czop, Katarzyna Sztandarska und Bernd Utermöhlen. Hamburg 2018, S. 11–30.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ausführlicher Editionsplan in der Rezension der Jenaischen Allgemeinen Literatur-Zeitung 1815, Bd. 2, Nr. 133, S. 61f. (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttps%3A%2F%2Fzs.thulb.uni-jena.de%2Frsc%2Fviewer%2Fjportal_derivate_00084994%2FALZ_1815_Bd2_061.tif~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D bei der Thüringer Landes- und Universitätsbibliothek Jena)