Johann Carl Schott

deutscher Antiquar, Numismatiker, Bibliothekar und Archäologe

Johann Carl Schott (* 1672 in Heidelberg; † 12. Dezember 1717[1] in Berlin) war ein deutscher Antiquar, Numismatiker, Bibliothekar und Vertreter einer frühen Form der archäologischen Kunstgeschichte.

Johann Carl Schott war Neffe von Lorenz Beger, der einer der ersten Deutschen war, die sich mit archäologischen Themen auseinandersetzten. Schon zum Hauptwerk seines Onkels, dem Thesaurus Brandenburgicus selectus, der zwischen 1696 und 1701 erschien, steuerte er sorgfältig geschaffene Zeichnungen bei. 1705 wurde Schott Nachfolger seines Onkels als Vorsteher des Berliner Antikenkabinetts. Seit 1708 war er krank, 1713 kam es mit dem Tod von König Friedrich I. zu einem Einschnitt für die Antikensammlung, da der neue König Friedrich Wilhelm I. kein Interesse an der Antikensammlung hatte und später einen Großteil der Stücke veräußerte. 1717 verstarb Schott im Alter von nur 45 Jahren.

Schotts wichtigste Leistung war ein von ihm in deutscher Sprache erstellter, jedoch nicht gedruckter, Katalog der Berliner Antikensammlung mit dem Titel Beschreibung der im kgl. preuß. Antiquitäten u. Medaillen Kabinett (I. Gemach) vorhandenen histor. Sachen zur Erforschung der alten Geschichte. Da in deutscher Sprache verfasst, wandte sich der Führer über die wissenschaftliche, zu dieser Zeit meist auf Latein publizierende, Klasse hinaus an ein interessiertes breites Publikum. Als erster Autor beschreibt Schott die Sammlung, anders als bis dahin üblich, nach Sachgruppen und nicht nach Materialgruppen und orientierte sich dabei insbesondere für die ägyptischen Stücke an den Vorarbeiten von Athanasius Kircher. Schott stellte nicht nur die antiken Fundstücke zusammen, sondern versuchte auch Erklärungen, etwa zu der für die damalige Zeit ungewöhnlich erscheinenden Sitte der Brandbestattung bei den Römern, zu geben und war auch damit einer der ersten Forscher, die sich solcher Fragestellungen annahmen. Der flüchtig verfasste Text entstand größtenteils zwischen 1703 und 1705, ein Nachtrag zum Berliner Kameo kam nach 1713 hinzu. Wegen des fehlenden Interesses des neuen Königs kam es nie zu einem Druck. Mehr als 200 Jahre war das Manuskript verschollen und wurde im Nachlass von Johann Carl Conrad Oelrichs wiederentdeckt und 1987 publiziert. Erst 1830 unternahm Christian Friedrich Tieck einen erneuten Versuch eines derartigen Kataloges von Berliner Antiken. Schott war Mitglied der Königlich Preußischen Sozietät der Wissenschaften in Berlin.

LiteraturBearbeiten

  • Gerald Heres: Johann Carl Schotts Beschreibung des Berliner Antikenkabinetts. In: Staatliche Museen zu Berlin. Forschungen und Berichte. Bd. 26, 1987, ISSN 0067-6004, S. 7–28, JSTOR 3881002, (Beschreibung der im kgl. preuß. Antiquitäten u. Medaillen Kabinett (I. Gemach) vorhandenen histor. Sachen zur Erforschung der alten Geschichte. Deutsche Staatsbibliothek Berlin, Handschriftenabteilung, Nachlaß Oelrichs, Kasten 86 Nr. 739 [kommentierte Publikation]).
  • Gerald Heres: Anfänge archäologischer Fragestellung in Johann Carl Schotts ungedruckter Beschreibung des Berliner Antikenkabinetts. In: Staatliche Museen zu Berlin. Forschungen und Berichte. Bd. 27, 1989, S. 239–241, JSTOR 3881049.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Nach Jöcher am 12. Dezember 1718.