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Jochen Welt (* 14. Februar 1947 in Velbert) ist ein deutscher Politiker (SPD). Der Diplomsozialwissenschaftler war von 1987 bis 1998 Bürgermeister der Stadt Recklinghausen und von 2004 bis 2009 Landrat des Kreises Recklinghausen. Er war zudem von 1990 bis 2004 Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 1998 bis 2004 war er Beauftragter für Aussiedlerfragen der Regierung Schröder, von 2002 bis 2004 zusätzlich Beauftragter für nationale Minderheiten.

Inhaltsverzeichnis

AusbildungBearbeiten

Von 1961 bis 1963 besuchte Welt die Handelsschule und machte anschließend bis 1966 eine Ausbildung als Industriekaufmann. Im Jahre 1967 legte er die Bildungsreifeprüfung ab und studierte bis 1971 Sozialarbeit, danach bis 1975 Sozialwissenschaften.

BerufBearbeiten

1983 bis 1987 war Welt Leiter der Schulverwaltung und Verwaltungsdirektor der Fachhochschule Bergbau Bochum. Seit 1987 war er Abteilungsleiter bei der Deutschen Montantechnologie und Geschäftsführer der Gesellschaft für Energietechnik. Seit 2009 ist er Geschäftsführer der IPAConsult. Von August 2014 bis März 2017 war Jochen Welt Geschäftsführer der Otto Benecke Stiftung e. V.[1]

PolitikBearbeiten

Ab 1975 war Welt Ratsmitglied, 1985 bis 1986 Fraktionsvorsitzender und 1987 bis 1998 Bürgermeister von Recklinghausen. Jochen Welt wurde jeweils mit absoluter Mehrheit durch den Rat der Stadt Recklinghausen gewählt.

Jochen Welt war vom 20. Dezember 1990 bis zum 22. Oktober 2004 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er wurde stets im Wahlkreis Recklinghausen I direkt gewählt.

Von 1998 bis 2002 war Jochen Welt Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen, von 2002 bis 2004 zusätzlich noch Beauftragter für Nationale Minderheiten. Im Rahmen dieser Aufgabe hat er das erste Integrationskonzept des Bundes "Aussiederpolitik 2000" vorgelegt[2] und in diesem Zusammenhang das Begriffspaar "fördern und fordern" in die migrationspolitische Debatte eingeführt.[3][4] Von ihm stammt auch das „Vier-Säulen-Modell“ der Aussiedlerintegration, das zur Grundlage der Integrationsförderung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wurde.[5]

Am 10. Oktober 2004 wurde Jochen Welt zum Landrat des Kreises Recklinghausen gewählt, weshalb er am 22. Oktober desselben Jahres sein Bundestagsmandat niederlegte.

Welt erklärte im Februar 2008, aus persönlichen Gründen bei der Kommunalwahl 2009 nicht mehr als Landrat zu kandidieren.

KontroversenBearbeiten

Jochen Welt wurde jeweils mit absoluten Mehrheiten direkt in den Bundestag gewählt[6]. Trotzdem war er zeit seines politischen Wirkens umstritten. So wurde ihm vorgeworfen, private Vorteile aus seinen öffentlichen Ämtern zu ziehen.[7] Allerdings wurde er in keinem Fall strafrechtlich belangt.[8]

MitgliedschaftenBearbeiten

  • IG Bergbau, Chemie, Energie.
  • SPD seit 1969.

NebentätigkeitenBearbeiten

  • Abteilungsleiter bei der Deutschen Montantechnologie war er auch während seines Bundestagesmandates.

Während des Landratsmandates:

  • Vorsitzender des Aufsichtsrates der Vestische Straßenbahnen GmbH
  • Vorsitzender es Aufsichtsrates von ECOCity (Abfallwirtschaftsverband)
  • Stellv. Vorsitzender des Verbandsausschusses RVR
  • Mitglied des Aufsichtsrates AGR (Abfallbeseitigungsgesellschaft Ruhr)
  • Stellv. Verbandsvorsteher Verkehrsverbund Rhein Ruhr
  • Verbandsvorsteher des Studieninstituts Emscher Lippe
  • Mitglied des Verwaltungsrates der Sparkasse Vest Recklinghausen

VeröffentlichungenBearbeiten

  • "Jeder gegen jeden - Tagebuch aus einer entsolidarisierten Gesellschaft", - Bonn : Vorwärts-Verl., 1994
  • „Liebe und Politik: Es wird wohl nie ein Ende nehmen.... Liebe im Schatten der Gewalt“, Roman, Darmstadt 1997
  • Einwanderungsland Deutschland - Neue Wege nachhaltiger Integration - Bonn, 2001 St. 23 – 40
  • "Betrifft: Bürgergesellschaft / 8. Bürgerengagement in der Aussiedler- und Integrationspolitik" c 2004
  • "Integration stiften!", - Eine Brücke die wir brauchen - gerade jetzt - , Göttingen, V&R unipress GmbH, 2015
  • Migration und Begabungsförderung, Hrsg. Yasemin Karakasoglu, Hans-Georg Hiesserich, Göttingen 2010, Zum Integrationsmanagement St. 163 ff

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Pressemitteilung der Otto Benecke Stiftung e. V. vom 1. Juli 2014 (Memento vom 3. September 2014 im Internet Archive), abgerufen am 27. August 2014.
  2. http://library.fes.de/fulltext/asfo/00806002.htm
  3. Klaus J. Bade in: Migazin - 31. Mai 2016
  4. http://www.migazin.de/2016/05/31/bades-meinung-das-integrationsbehinderungsgesetz/
  5. Uta Saumweber-Meyer: Chancen und Perspektiven der Integrationsförderung: Neue Aufgaben des Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtling. 21. November 2003, abgerufen am 15. März 2018.
  6. Deutscher Bundestag - Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages seit 1949. In: Deutscher Bundestag. (Online [abgerufen am 7. März 2018]).
  7. Ermittlungen auch gegen Landrat Jochen Welt WAZ vom 11. Februar 2009, abgerufen am 27. August 2014.
  8. Vorwürfe gegen Landrat nicht mehr haltbar Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 20. Oktober 2009, abgerufen am 27. August 2014.