Joachim Günther (Politiker, 1948)

deutscher Politiker (FDP), MdB

Joachim Günther (* 22. Oktober 1948 in Syrau, Vogtland) ist ein deutscher Politiker (LDPD/FDP). Er war von 1991 bis 1998 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau.

LebenBearbeiten

Ausbildung und BerufBearbeiten

Nach dem Besuch der Oberschule mit der Berufsausbildung zum Maschinenbauer absolvierte Günther ein Ingenieur-Studium in Chemnitz mit der Fachrichtung Maschinenbau/Konstruktion, welches er 1970 als Diplom-Ingenieur beendete. Danach war er als Konstrukteur in einem Ingenieurbüro tätig. Ein 1977 begonnenes Fernstudium des Wirtschaftsrechts an der Deutschen Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft „Walter Ulbricht“ beendete er 1982 als Diplom-Wirtschaftler.[1]

ParteiBearbeiten

1971 wurde Günther Mitglied der LDPD. Später wurde er LDPD-Kreissekretär im sächsischen Oelsnitz.[1] Von 1985 bis 1990 war er Sekretär des LDPD-Kreisverbandes Plauen und von Februar bis August 1990 Hauptgeschäftsführer der LDPD bzw. ab März 1990 des Bundes Freier Demokraten.

Von 1990 bis 1995 war er Vorsitzender des FDP-Landesverbandes Sachsen. In einigen Medien wurde sein Werdegang verwendet, um exemplarisch aufzuzeigen, wie alte DDR-Funktionäre aus dem zweiten und dritten Glied nach dem Mauerfall in der FDP unterkamen.[2]

Von 2000 bis April 2007 war Günther stellvertretender Landesvorsitzender. Von 1990 bis 1994 gehörte er außerdem dem Präsidium der FDP an. Seit 1995 ist er Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes Vogtland.

AbgeordnetentätigkeitBearbeiten

Günther war von 1990 bis 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er kurzzeitig vom 15. bis 28. Januar 1991 Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion. Ab 2002 war er Sprecher der FDP-Fraktion für Wohnungspolitik und Aufbau Ost.

Joachim Günther ist stets über die Landesliste Sachsen in den Bundestag eingezogen. Sein Wahlkreis ist Vogtland – Plauen.

Durch das Scheitern seiner Partei an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl 2013 ist er im 18. Bundestag nicht mehr vertreten.

Öffentliche ÄmterBearbeiten

Am 24. Januar 1991 wurde er als Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung berufen. Nach der Bundestagswahl 1998 schied er am 26. Oktober 1998 aus dem Amt.

Sonstiges EngagementBearbeiten

Günther war „freiwilliger Helfer der Volkspolizei“ und beabsichtigte nach eigenen Aussagen ursprünglich nach Abschluss des Studiums „eine Wahlfunktion im Staatsapparat übernehmen“ zu wollen.[1]

PrivatesBearbeiten

Günther ist verheiratet und hat drei Kinder. Er lebt in Theuma.

Politische PositionenBearbeiten

Aufruf zum MedienboykottBearbeiten

Im Januar 2012 veröffentlichte Günther auf seiner Homepage unter dem Titel „Medienhetze ignorieren? Ich bin so frei“ einen Aufruf zum Boykott kritischer Zeitungen und Sender.[3] In diesem betrieb Günther sehr nachdrücklich „Medienschelte“. Er verwies auf Bundespräsident Christian Wulff, „den die Journalistenmeute wie einen räudigen Fuchs über sämtliche Titelblätter und durch alle Fernsehsendungen hetzt, weil er Vergünstigungen in Anspruch genommen haben soll“. Günther erklärte, das würden doch auch sonst alle machen, Journalisten eingeschlossen.[4] Er vertrat die Auffassung, dass die Medien „uns vorübergehend suggerieren (können), dass man in Deutschland nicht einmal mehr einen neuen, modernen Bahnhof bauen darf. Von verschiedensten Brücken-, Straßen-, Stromtrassen-Bauvorhaben ganz zu schweigen.“

Er vertrat dezidiert die Auffassung, dass die Medien die Politik der Liberalen z. B. bei der Finanztransaktionssteuer oder der Vorratsdatenspeicherung falsch darstellen. Er erklärte weiterhin „dass wir als Liberale das Spiel beenden, das uns die Presse deutschlandweit seit Monaten aufzwingt“. Medien mit „linksgrüner Hysterie-Berichterstattung“ hätten zu viel Macht.[5] Günther führte fort:

„Wer stoppt diesen Kampagnen-Wahnsinn? Solange wir als Zeitungsleser, Radiohörer und Fernsehzuschauer uns weiter so an der Nase herumführen lassen, wird sich nichts ändern. Solange werden uns weiter in der Hauptsache Negativschlagenzeilen vorgesetzt und Berichte, die den Hauch eines Skandals haben - aus der Welt- und Bundespolitik übrigens ebenso wie aus dem lokalen Geschehen.“

Joachim Günther[4]

Er forderte "irreführende" Medien zu boykottieren[5]:

„Nun kann man unmoralische und unfähige Journalisten nicht einfach zum Rücktritt auffordern. Wohl aber kann man Zeitungen abbestellen, Radio- und Fernsehsender nicht mehr einschalten. Ich bin sicher, dann würde sich einiges ändern im medialen Bereich. Das erfordert aber Einigkeit unter den Konsumenten und ein gewisses Maß an Werten. Aus meiner Sicht geht es um Humanität, Demokratie und Selbstachtung.“

Joachim Günther[4]

Zeitgleich ließ er seinen liberalen Abgeordnetenkollegen und einer Reihe von Unionsabgeordneten ein gleichlautendes Schreiben zukommen. Er rief die Adressaten darin auf, den Aufruf zum Boykott weiterzuverbreiten.[6]

Die FDP-Spitze distanzierte sich in der Folge ausdrücklich von Günthers Aussagen.[6]

KabinetteBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c vgl. z. B. Parteien Verläßliche Stützen spiegel.de, 12. September 1994, abgerufen am 14. Juni 2012
  2. vgl. z. B. FDP Geisel der Neuen-Bei den Liberalen setzen sich zunehmend alte Kader aus den ehemaligen Blockparteien durch. spiegel.de, 11. November 1991, abgerufen am 14. Juni 2012
  3. Liberale in der Krise FDP-Abgeordneter ruft auf zum Medien-Boykott spiegel.de, 23. Januar 2012, abgerufen am 14. Juni 2012.
  4. a b c „Medienhetze ignorieren? Ich bin so frei“, zitiert nach Für einen FDP-Bundestagsabgeordneten ist die Medienhetze Schuld am Zustand der Partei, Telepolis, 23. Januar 2012, abgerufen am 14. Juni 2012.
  5. a b Rundbrief von Joachim Günther-FDP-Politiker ruft zum Medienboykott auf fr-online.de, 23. Januar 2012, abgerufen am 14. Juni 2012.
  6. a b Aufruf zum Medien-Boykott FDP-Spitze bügelt Abgeordneten Günther ab spiegel.de, 23. Januar 2012, abgerufen am 14. Juni 2012.