Jeff Beck

Britischer Musiker

Jeff Beck (* 24. Juni 1944 in Wallington, London Borough of Sutton; eigentlich Geoffrey Arnold Beck) ist ein britischer Rock-Gitarrist und mehrfacher Grammy-Preisträger. Der Rolling Stone listete ihn 2011 auf Platz fünf der 100 besten Gitarristen aller Zeiten.[1]

Jeff Beck in Melbourne (2009)

LebenBearbeiten

Wie viele Gitarristen der frühen 1960er Jahre in England verdiente Jeff Beck sein Geld als Sessionmusiker. 1965 – nach dem Wechsel Eric Claptons zu John Mayall – suchten die Yardbirds einen neuen Leadgitarristen. Beck war einer der ersten Gitarristen, der mit electronic fuzz distortion und noise experimentierte. Nach einem legendären, aber kurzen Leadgitarren-Duo mit Jimmy Page verließ er Ende 1966 die Gruppe.

Anfang 1967 veröffentlichte er seine Solo-Single Hi Ho Silver Lining/ Beck's Bolero, die ein großer Hit wurde. Beck sang hier selbst. Im selben Jahr gründete Jeff Beck eine neue Band, die Jeff Beck Group. Dabei waren Rod Stewart (Gesang), Ron Wood (Bass), Micky Waller (Schlagzeug) und Nicky Hopkins (Keyboard). Die Gruppe produzierte zwei Alben, Truth (1968) und Beck-Ola (1969). Dessen ungeachtet entwickelten sich Spannungen in der Jeff Beck Group, und 1969 stiegen Stewart und Wood aus, um sich den Faces anzuschließen. Ron Wood wechselte dann 1975 zu den Rolling Stones.

1968 wollte die Psychedelic-Rock-Band Pink Floyd Beck als Gitarristen anwerben. Pink Floyd benötigte wegen der psychischen Probleme Syd Barretts, der zu dieser Zeit der Bandleader von Pink Floyd war, einen zusätzlichen Gitarristen; letztendlich fiel die Wahl dann aber auf David Gilmour.

Nach dem zweiten Scheitern der Jeff Beck Group (die 1972 auseinanderfiel) gründete Beck das hochkarätige Trio Beck, Bogert & Appice (BBA) mit Carmine Appice (Schlagzeug) und Tim Bogert (Bass), beide früher bei Vanilla Fudge und Cactus. Auch diese Gruppe fand vornehmlich in Spezialistenkreisen Beachtung und löste sich bald wieder auf. Immerhin hatten sie einen Hit mit Stevie Wonders Superstition und Beck spielte die Lead-Gitarre in Lookin' for Another Pure Love auf Wonders Album Talking Book. 1975 veröffentlichte Beck ein instrumentales, sehr vom Jazz inspiriertes Solo-Album mit dem Titel Blow by Blow, das von der Kritik sehr gelobt wurde. Dem folgte eine Gemeinschaftsarbeit mit dem Jazz-Rock-Keyboarder Jan Hammer und dessen Band 1976: Wired, die ebenfalls große Zustimmung fand. In dieser Zeit produzierte Beck auch zwei Alben der Gruppe Upp, bei denen er auch selbst mitspielte.

In den 1980ern und 1990ern brachte Jeff Beck nur gelegentlich Alben heraus: Flash (1985, darunter einige Stücke zusammen mit Rod Stewart und Jan Hammer), Guitar Shop (1989), Crazy Legs (1993, eine Hommage an sein Vorbild[2] Cliff Gallup, den Gitarristen von Gene Vincent),[3] Who else (1999), und You Had It Coming (2001). Jeff Beck gewann den Grammy zum dritten Mal in der Kategorie Best Rock Instrumental Performance für sein Stück Dirty Mind aus dem Album You Had It Coming. Nebenbei spielte er als Gastmusiker in Projekten anderer Musiker (z. B. Jon Bon Jovis Blaze of Glory und Roger Waters Amused to Death 1992).

Jeff Beck hatte nie solche Erfolge gefeiert wie Eric Clapton oder Jimmy Page, dennoch gilt er mit seinen musikalischen Visionen zwischen Jazz-Rock bzw. Fusionmusik (z. B. auf Wired und auf There and Back, feat. Simon Phillips), Psychedelic und Progressive Guitar Music als eine ebenso bestimmende Kraft der Rockmusik. Für seine Rockinstrumentals wurde er bislang sechsmal mit einem Grammy Award ausgezeichnet: 1986 für Escape, 1990 für Jeff Beck's Guitar Shop mit Terry Bozzio und Tony Hymas, 2002 für Dirty Mind, 2004 für Plan B, 2010 für A Day in the Life und 2011 für Nessun dorma.

Beck spielt fast ausschließlich Fender Stratocaster-Gitarren. Fender hat mit ihm zusammen ein „Signature“-Stratocaster-Modell konzipiert, das durch den Fender-Custom Shop produziert und vertrieben wird.[4]

Gibson stellte 2009 ein Jeff-Beck-Modell einer Les Paul vor.[5] Die Farbe ist originalgetreu „Oxblood“. Eine weit verbreitete Annahme ist, dass das Unternehmen Seymour Duncan seit den 70er Jahren serienmäßig einen Humbucker, der den Namen von Jeff Beck trägt (Artikel-Nr. SH-4 im Sortiment), anfertigt. Dies ist jedoch falsch, die Bezeichnung „JB“ steht für „Jazz/Blues“ anstelle von „Jeff Beck“.

Beck benutzt seit den 1980er Jahren nur noch sehr selten ein Plektrum (nur für besonders schnelle Sololäufe). Charakteristisch für sein Spiel ist seit den 1990er Jahren das exzessive Nutzen des Tremolo-Hebels in Anlehnung an die Spieltechnik Cliff Gallups bei gleichzeitigem Anschlag mit den Fingern der rechten Hand[6] sowie des Lautstärke- und Klangreglers seiner Gitarre.

DiskografieBearbeiten

Mit The YardbirdsBearbeiten

StudioalbenBearbeiten

Jahr Titel Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[7][8]
(Jahr, Titel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
  DE   AT   CH   UK   US
1975 Blow by Blow US4
 
Platin

(25 Wo.)US
1976 Wired UK38
(5 Wo.)UK
US16
 
Platin

(25 Wo.)US
1980 There and Back UK38
(4 Wo.)UK
US21
(20 Wo.)US
1985 Flash DE60
(1 Wo.)DE
UK83
(1 Wo.)UK
US42
(18 Wo.)US
1993 Crazy Legs US171
(1 Wo.)US
Coveralbum mit Liedern von Gene Vincent
1999 Who Else! UK74
(1 Wo.)UK
US99
(5 Wo.)US
2001 You Had It Coming DE96
(1 Wo.)DE
US110
(2 Wo.)US
2003 Jeff DE96
(1 Wo.)DE
US122
(1 Wo.)US
2010 Emotion & Commotion DE30
(6 Wo.)DE
AT44
(1 Wo.)AT
CH40
(4 Wo.)CH
UK21
(4 Wo.)UK
US11
(9 Wo.)US
2016 Loud Hailer DE23
(4 Wo.)DE
AT25
(3 Wo.)AT
CH11
(6 Wo.)CH
UK27
(1 Wo.)UK
US41
(2 Wo.)US

grau schraffiert: keine Chartdaten aus diesem Jahr verfügbar

Weitere Studioalben

  • 1986: Lotus Gem
  • 1989: Jeff Beck’s Guitar Shop
  • 1989: Blue Wind
  • 1992: Frankie’s House

LivealbenBearbeiten

Jahr Titel Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[7][8]
(Jahr, Titel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
  DE   AT   CH   UK   US
1977 Jeff Beck with the Jan Hammer Group Live US23
 
Gold

(15 Wo.)US
2008 Performing This Week... Live At Ronnie Scott’s DE71
(3 Wo.)DE
2011 Rock’n’Roll Party Honoring Les Paul DE96
(1 Wo.)DE
US54
(2 Wo.)US
2015 Live+ US148
(1 Wo.)US

grau schraffiert: keine Chartdaten aus diesem Jahr verfügbar

Weitere Livealben

  • 1974: Live in Japan
  • 2006: Live at B. B. King’s Blues Club
  • 2007: Official Bootleg USA ’06 (Blu-Spec)
  • 2014: Live In Tokyo

KompilationenBearbeiten

  • 1991: Beckology, Anthology
  • 1995: The Best of Beckology

EPsBearbeiten

  • 2014: Yosogai (nur in Japan veröffentlicht)

SinglesBearbeiten

Jahr Titel
Album
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[7][8]
(Jahr, Titel, Album, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
  DE   CH   UK   US
1967 Hi Ho Silver Lining
UK14
(29 Wo.)UK
B-Seite: Beck’s Bolero
1972 erneut auf Platz 17, 1982 erneut auf Platz 62
Tallyman
UK30
(3 Wo.)UK
B-Seite: Rock My Plimsoul
1973 I’ve Been Drinking
UK27
(6 Wo.)UK
B-Seite: Morning Dew / Greensleeves
mit Rod Stewart
1985 People Get Ready
CH24
(2 Wo.)CH
UK48
(7 Wo.)UK
US48
(10 Wo.)US
B-Seite: Back on the Street / You Know, We Know
mit Rod Stewart
Höchstplatzierung in UK nach Wiederveröffentlichung 1992
2010 I Put a Spell on You
Emotion & Commotion
DE72
(1 Wo.)DE
feat. Joss Stone

grau schraffiert: keine Chartdaten aus diesem Jahr verfügbar

Weitere Singles

  • 1975: Cause We’ve Ended as Lovers
  • 1980: The Final Peace
  • 1985: Ambitious
  • 1985: Gets Us All in the End
  • 1985: Stop, Look and Listen
  • 1989: Guitar Shop (mit Terry Bozzio & Tony Hymas)
  • 1989: Day in the House (mit Terry Bozzio & Tony Hymas)

GastbeiträgeBearbeiten

Jahr Titel
Album
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[7][8]
(Jahr, Titel, Album, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
  DE   CH   UK   US
2007 Up to the Mountain
UK56
(2 Wo.)UK
Kelly Clarkson feat. Jeff Beck
2014 No Man’s Land (Green Fields of France)
No Man’s Land (Green Fields of France)
UK49
(2 Wo.)UK
Joss Stone feat. Jeff Beck

VideoalbenBearbeiten

  • 2008: Performing This Week... Live at Ronnie Scott’s (US:  Platin; UK:  Gold)
  • 2011: Rock & Roll Party: Honoring Les Paul (US:  Gold)
  • 2014: Live In Tokyo
  • 2017: Live at the Hollywood Bowl
  • 2018: Still On the Run Documentary

QuellenBearbeiten

  1. 100 Greatest Guitarists of All Time. Rolling Stone, 18. Dezember 2015, abgerufen am 8. August 2017 (englisch).
  2. Hannes Fricke: Mythos Gitarre: Geschichte, Interpreten, Sternstunden. Reclam, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-15-020279-1, S. 69 und 91.
  3. Allmusic: Crazy Legs (engl.)
  4. Jeff Beck Stratocaster (Memento des Originals vom 12. Juni 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.fender.com
  5. Michael Leonhard: Gibson launches Jeff Beck Les Paul. In: MuscRadar. 29. Januar 2009, abgerufen am 28. Oktober 2019.
  6. Hannes Fricke: Mythos Gitarre: Geschichte, Interpreten, Sternstunden. Reclam, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-15-020279-1, S. 91 f.
  7. a b c d Chartquellen: DE AT CH UK US
  8. a b c d Auszeichnungen für Musikverkäufe: US UK

LiteraturBearbeiten

  • Stambler, Irwin: The Encyclopedia Of Pop, Rock And Soul. 3. überarbeitete Auflage, New York City, New York: St. Martin’s Press, 1989, S., 42–44 – ISBN 0-312-02573-4.

WeblinksBearbeiten

Commons: Jeff Beck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien