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Jean de Bodt

sächsischer General und Architekt

LebenBearbeiten

FamilieBearbeiten

Bodt wurde als Kind reformierter Eltern in Paris geboren. Er gab seine Eltern als Arnold Bodt und Dame Caterine de Gion an.[1] Bodt könnte der Sohn eines aus Mecklenburg nach Paris ausgewanderten Arnold von Both (Bodt), und einer Französin sein.[2] Genauso gut könnte er auch aus den Niederlanden stammen.[3] Der Buttfisch in seinem Wappenring ist ein Indiz. Bodt war zweimal verheiratet gewesen. Unwahrscheinlich ist, dass seine erste Frau eine uneheliche Tochter Wilhelms III. von Oranien gewesen ist.[4] Vielmehr heiratete John Bodt 1694 in London Elizabeth Timberly[5], von der er sich 1706 scheiden ließ.[6] Nachweisbar ist auch seine zweite Ehe mit Magdalena von Persode († 13. April 1733), Schwester des Generalmajors Johann von Persode[7], die er am 23. Februar 1707 in Berlin heiratete.[8] Aus dieser Ehe gingen mehrere Töchter hervor, darunter:

  • Suzanne Eleonore von Bodt ∞ Karl Moritz von Wangelin. Deren Tochter heiratete Karl Kuno Ludwig von Klitzing.
  • Charlotte von Bodt ∞ Johann Sigmund von Petzinger.

WerdegangBearbeiten

Jean de Bodt studierte in Frankreich Architektur bei François Blondel, floh aber 1685 nach Aufhebung des Edikts von Nantes wegen seines evangelischen Glaubens als Hugenotte nach Holland. Als Offizier im Dienste des Prinzen Wilhelm von Oranien fand er Gelegenheit, neben der Teilnahme an verschiedenen Feldzügen seine Studien in den Niederlanden und später – ebenfalls im Gefolge des Prinzen – in England fortzusetzen. In London wurde er Kapitän (Hauptmann) der Infanterie und des Ingenieur-Korps.

Berlin und Preußen
 
Berliner Zeughaus: Fassadenaufriss und halber Grundriss nach Jean de Bodt

1699 folgte er einem Ruf des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. nach Berlin und wurde dem Füsilier-Regiment Nr. 20 (Alt-Bornstedt) zugeordnet. Zunächst begann er seine Tätigkeit mit umfangreichen Sicherungsmaßnahmen, danach veränderte er schrittweise die alten Pläne und fand neue Formen, die durch die französische Klassik und die englische Architektur des ausgehenden 17. Jahrhunderts beeinflusst waren. In Berlin vollendete er als Leiter des gesamten Bauwesens ab Herbst 1699 das Zeughaus, das auf Planungen von Johann Arnold Nering zurückgeht und nach dessen Tod von Martin Grünberg und Andreas Schlüter fortgeführt wurde, wobei Letzterer vor allem die Bauplastik schuf. Wesentliche Elemente des Zeughauses gehen aber auf de Bodts Konzepte zurück. Er entwarf auch Teile des Potsdamer Stadtschlosses.

Friedrich I. wünschte sich aus Gründen kultureller Repräsentation eine Aufwertung seines 1701 gegründeten Königreichs Preußen und bewog die reichsten Familien in Ostpreußen mit dem Bau einer Reihe von Barockschlössern; de Bodt beteiligte sich daran mit den Entwürfen für Schloss Friedrichstein und Schloss Schlodien.[9] Seine Pläne für Friedrichstein, das Schloss der Grafen Dönhoff, setzte in den Jahren 1709–1714 der Architekt John von Collas um, ebenfalls ein Hugenotte mit ähnlichem Lebensweg; Jean de Bodt und John von Collas (Jean de Collas) dürften sich gekannt haben: beide flohen zuerst nach Holland, dann im Gefolge Wilhelms III. von Oranien mit ihm nach London, und beide kamen um 1700 nach Preußen. Philipp Gerlach begann 1715 in Berlin nach de Bodts Plänen mit dem Bau des Turms der Parochialkirche.

Seit März 1701 war er ordentliches Mitglied der damaligen Königlich Preußischen Sozietät der Wissenschaften.[10] Am 9. Mai 1705 wurde beschlossen, dass er Kommandeur des Ingenieurs-Korps werden sollte, zunächst noch ohne Patent. Am 14. September 1706 bekam er sein Patent als Oberst. Am 24. Dezember 1715 beförderte ihn König Friedrich Wilhelm I. zum Generalmajor. Am 1. Januar 1722 wurde er Kommandeur der Festung Wesel und baute sie aus. Das Berliner Tor ist sein Werk.

Sachsen

Der Bruch kam, als der König beim Ausbau der Festung Magdeburg Walrawe bevorzugte. De Bodt erbat darauf hin seinen Abschied. Durch Vermittlung seines Freundes Longuelune trat er 1728 in Sachsen die Nachfolge von August Christoph von Wackerbarth als Generalintendant der Zivil- und Militärgebäude sowie als Chef des Ingenieur-Korps an, wofür er den Rang eines Generalleutnants erhielt. Damit war er auch Dienstvorgesetzter des zivilen Oberbauamts. In dieser Funktion modernisierte er ab 1734 im Auftrag von Friedrich August II. die Festung Königstein. Zwischen 1735 und 1737 ließ er auf Schloss Sonnenstein über Pirna den bis heute erhaltenen Elbflügel der Festung sowie die Neue Kaserne errichten. 1741 wurde er zum General der Infanterie ernannt. Allerdings waren diese Dienstgrade kaum mit militärischen Pflichten verbunden, sondern dienten lediglich der Eingruppierung seiner Besoldung als leitender Architekt des Staates.

In Dresden leitete er unter anderem den erweiternden Umbau des Japanischen Palais. Er entwarf, ähnlich seinem Portikus am Berliner Zeughaus und an den ostpreußischen Schlössern, auch hier einen Säulenportikus mit Dreiecksgiebel, hier aber bekrönt von einer Kuppel und flankiert von Figuren hinter dem Giebeldreieck - eine Anordnung wie sie später Paul Wallot beim Berliner Reichstagsgebäude ins Gigantische steigern sollte. „Eigentlich in seiner Monumentalität fremd für Dresden, verbindet sich doch dieser Mittelteil auf eine geglückte Weise mit den auf Pöppelmann zurückgehenden geschwungenen Dachformen der Eckpavillons.“[11]

Auf Geheiß Friedrich August II. erarbeitete er 1737 den Plan zu einer „besonderen Fachanstalt“ für Ingenieuroffiziere. Im Dezember 1743 nahm diese den Lehrbetrieb als „Ingenieurakademie zu Dresden“ mit zunächst zwei ständigen Lehrern auf. In den Räumen der sowohl als Ritter- als auch als Militärakademie bezeichneten Neustädter Kaserne am Niedergraben wurden Mathematik und ihre Anwendungen, Festungsbau und -krieg, theoretische und praktische Geodäsie, Kartographie, Geographie, Zivilbaukunst, Mechanik einschließlich Hydromechanik und Maschinenkunde gelehrt. Lediglich vom Siebenjährigen Krieg (1756–1763) unterbrochen, wirkte die Ingenieurakademie mit bald fünf Lehrkräften bis in die Zeit der Napoleonischen Kriege hinein.[12]

2005 erwarb die Bibliothek des Winterthur Museum (bei Wilmington (Delaware)) einen reichhaltigen Sammelband mit Ornament-Vorlagen aus dem Besitz de Bodts.[13]

Bilder von Bauten Jean de BodtsBearbeiten

LiteraturBearbeiten

nach Autoren / Herausgebern alphabetisch geordnet

WeblinksBearbeiten

  Commons: Jean de Bodt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Huguenot Society of Great Britain and Ireland (Hrsg.): Proceedings of the Huguenot Society of Great Britain & Ireland, Band 26, Ausgaben 1–4, London 1997, S. 509.
  2. Vgl., Laurenz Demps: Der Gensd'armen-Markt. Gesicht und Geschichte eines Berliner Platzes. Henschelverlag, Berlin 1987, ISBN 3-362-00141-6, S. 30
  3. Vgl. Klaus Ludwig Thiel: Staatsbauentwürfe Jean de Bodt's für Friedrich I. in Theorie und Praxis, Köln 1987, S. 5.
  4. Vgl. Klaus Ludwig Thiel: Staatsbauentwürfe Jean de Bodt's für Friedrich I. in Theorie und Praxis, Köln 1987, S. 9.
  5. Joseph Lemuel Chester (Hrsg.): Allegations for Marriage Licences Issued by the Vicar-general of the Archbishop of Canterbury, Band 31, London, S. 285.
  6. Robin D. Gwyn: Huguenot Heritage: The History and Contribution of the Huguenots in Britain, Brighton 2001, S. 95.
  7. Vgl. Klaus Ludwig Thiel: Staatsbauentwürfe Jean de Bodt's für Friedrich I. in Theorie und Praxis, Köln 1987, S. 13.
  8. Huguenot Society of Great Britain and Ireland (Hrsg.): Proceedings of the Huguenot Society of Great Britain & Ireland, Band 26, Ausgaben 1–4, London 1997, S. 509.
  9. Schlodien.org (Memento des Originals vom 28. Juli 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.schlodien.org
  10. Mitglieder der Vorgängerakademien. Jean de Bodt. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 24. Februar 2015.
  11. Hagen Bächler und Monika Schlechte: Führer zum Barock in Dresden, Dortmund 1991, S. 87
  12. Ingenieurkammer Sachsen: Ingenieurleistungen in Sachsen, 1998, S. 11, ISBN 3-00-002735-1
  13. Bericht über den Sammelband-Erwerb@1@2Vorlage:Toter Link/www.winterthur.org (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.