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Jean Antoine Michel Agar

französischer Staatsbeamter

Jean Antoine Michel Agar (* 18. Dezember 1771 in Mercuès, Département Lot; † 8. November 1844 in Paris) war ein hoher Staatsbeamter zur Zeit des französischen Empire.

LebenBearbeiten

Agar wuchs mit seiner Familie in Saint-Domingue auf, wo er in jungen Jahren Zeuge des Sklavenaufstands gegen die französische Kolonialherrschaft wurde. Nach der Entlassung aus kurzzeitiger britischer Gefangenschaft 1794 studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Toulouse. Nach einer Anwaltstätigkeit in Cahors wurde er von Joachim Murat als provisorischer Kommissar der 1799 von französischen Truppen eroberten Toskana berufen, die 1801 in das Königreich Etrurien umgewandelt und im März 1808 von Frankreich annektiert werden sollte. 1806 bis 1808 war Agar Finanzminister und provisorischer Minister-Staatssekretär sowie Präsident des Staatsrats im Großherzogtum Berg unter dem zum Großherzog aufgestiegenen Joachim Murat, den er seit jüngeren Jahren persönlich kannte. Zudem heiratete Agar 1807 eine Nichte Murats.

Agar erwarb sich in der relativ kurzen Zeit seines Wirkens im bergischen Regierungssitz Düsseldorf bleibende Verdienste in jenen Bereichen, die Murat noch vor der persönlichen Übernahme der Regierung Napoleons in Berg persönlich hatte gestalten können: Die zu ihrer Zeit herausragende Emanzipation der Juden, die sich sehr kompliziert gestaltende Abschaffung der Feudalrechte einschließlich der adligen Grundherrschaft und die Reform des Justizwesens.

In Anerkennung seiner Verdienste und Loyalität hatte Murat seinem Protégé Agar 1807 seinen eigenen Titel eines Comte de Mosbourg und damit das Verfügungsrecht über Flecken und Schloss Morsbroich im heutigen Leverkusen übertragen, das er auch in preußischer Zeit behaupten konnte. Agar residierte jedoch selten in Morsbroich, sondern musste vorwiegend in der bergischen Landeshauptstadt Düsseldorf präsent sein. 1808 folgte er seinem Dienstherrn Murat, der zum Souverän des Königreichs Neapel erhoben worden war, nach Neapel.

Auf Agar folgte im Großherzogtum 1808 als maßgebliche Persönlichkeit der höheren Verwaltung der konservativer gesinnte Jacques Claude Beugnot in kommissarischer Vertretung Napoleons. In Paris wurden – als Vorgesetzte Beugnots – nach Agars Abgang Minister-Staatssekretäre für das Großherzogtum Berg ernannt, zunächst Michel Gaudin (1808), dann Hugues-Bernard Maret (1809–1810) und zuletzt Pierre-Louis Roederer (1810–1813). Agar selbst blieb an der Seite des im Königreich Neapel eingesetzten Murat, wo er bis zu dessen Tod 1815 als Finanzminister fungierte.

Nachdem das Rheinland als Folge des Wiener Kongresses Teil des Königreichs Preußen geworden war, erwarb 1817/18 der Kölner Bankier Abraham Schaaffhausen das Schloss einschließlich der zugehörigen Grafschaft Morsbroich von Agar. Um die gebotene Summe von 700 000 Francs für die Grafschaft Morsbroich alleine zu kassieren, ließ Agar 1818 seine Frau und die drei gemeinsamen Kinder im fernen Neapel ermorden. Notariell wurde festgehalten, die Familie sei einer Krankheit zum Opfer gefallen.[1]

Nach seiner aktiven Zeit im Staatsdienst betätigte sich Agar auf regionaler Ebene in seinem Heimatarrondissement Cahors. Bereits 1804 in die Ehrenlegion aufgenommen, wurde ihm 1837 der Titel eines Pair von Frankreich verliehen.

WerkeBearbeiten

  • Seconde lettre a son excellence M. le comte de Villèle, Ministre des finances président du conseil des minstres, etc., etc., sur le projet de remboursement ou de réduction des rentes. Delaunay, Paris 1824 (Digitalisat).

LiteraturBearbeiten

  • Charles Schmidt: Das Großherzogtum Berg 1806–1813. Eine Studie zur französischen Vorherrschaft in Deutschland unter Napoleon I. (= Bergische Forschungen. Band 27) [dt. Übersetzung der 1. Auflage, Paris 1905].
  • Klaus Rob (Hrsg.): Regierungsakten des Großherzogtums Berg (= Quellen zu den Reformen in den Rheinbundstaaten. Band 1). München 1992.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. H. J. Mahlberg: Die Grafschaft Morsbroich. 700.000 francs und ein Mordskandal. In: Schloß Morsbroich in Leverkusen. Seite 90 ff.