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Jean-Léon Gérôme

französischer Historienmaler
Jean-Léon Gérôme, links ein Selbstporträt von 1886. Jean-Léon Gérôme, links ein Selbstporträt von 1886.
Jean-Léon Gérôme, links ein Selbstporträt von 1886.

Jean-Léon Gérôme (* 11. Mai 1824 in Vesoul, Département Haute-Saône; † 10. Januar 1904 in Paris) war ein französischer Historienmaler und Bildhauer.

LebenBearbeiten

 
Jean-Léon Gérôme in seinem Atelier

Jean-Léon Gérôme, der Sohn eines Goldschmieds, kam im Alter von 17 Jahren nach Paris. Hier war er Schüler von Paul Delaroche, den er 1844 auf einer Italienreise begleitete. Er erkrankte auf der Reise und musste bereits nach einem Jahr nach Paris zurückkehren. Hier setzte er seine Studien bei Charles Gleyre fort.[1]

1847 debütierte Gérôme auf dem Salon de Paris mit seinem Gemälde Un combat de coqs (Hahnenkampf), für das er eine Auszeichnung erhielt.[2] Der Kunstkritiker Théophile Gautier zeigte sich in seiner Einschätzung beeindruckt von dem Werk. Gérôme nahm darauf regelmäßig an dieser jährlichen Kunstausstellung teil und gewann weitere Preise. Nach seinem Erfolg auf den Salons erhielt zahlreiche Aufträge, besonders für großformatige historische Gemälde.[1]

Zu seinen bevorzugten Sujets gehören der Orientalismus sowie historische und mythische Themen.[3] Wesentlichen Einfluss auf seine Malerei hatten seine Reisen in die Türkei (1854) und nach Ägypten (1857).[1] Gérôme war ein erbitterter Gegner des Impressionismus.[4]

1863 ernannte ihn die Pariser École des Beaux-Arts zum Professor.[2] 1875 wählte ihn die American Academy of Arts and Sciences zum Mitglied; 1878 wurde er in die Ehrenlegion aufgenommen;[5] weitere Mitgliedschaften wurden ihm in der Royal Academy of Arts (1869, Hon RA)[6] und der Académie des Beaux-Arts zuteil.[1]

Gérôme heiratete im Januar 1863 Marie Goupil (1845–1912), die Tochter des Kunsthändlers Adolphe Goupil (1806–1893). Das Paar lebte an der Rue de Bruxelles in Paris.[7] Aus ihrer Beziehung gingen vier Töchter und ein Sohn (Jean, † 1891 im Alter von 27 Jahren) hervor.[8]

Fast 80 Jahre alt starb Gérôme am 10. Januar 1904 in Paris. Sein Begräbnis auf dem Friedhof Montmartre fand mit militärischen Ehren statt. Sein Grab wird von einer von ihm entworfenen Trauerstatue geschmückt.[9]

WerkeBearbeiten

 
Tanagra, 1890
 
Pollice Verso (1872)
 
Un combat de coqs (1846)

Gérômes Werk ist dem akademischen Realismus zuzuschreiben.[1] Ein für ihn typisches Gemälde ist Pollice Verso[10] aus dem Jahr 1872. Es gilt als eines der herausragendsten Werke, die Gladiatoren zum Thema haben, und als das Bild, das heutige Vorstellungen über Gladiatorenkämpfe prägte. Gérôme hatte umfangreiche Recherchen betrieben und intensiv in Pompeji ausgegrabene Rüstungen studiert, sein Gemälde beruht somit auf dem damaligen Forschungsstand. Die Kombination der Ausrüstungsgegenstände ist nach heutigem Wissensstand zwar nicht zutreffend, Pollice verso gibt die Atmosphäre des entscheidenden Moments jedoch treffend wieder: Unter dem durch das Sonnensegel gefilterte Licht fällt eine aufgeregte Menge das Todesurteil über den unterlegenen Kämpfer. Selbst die weiß gekleideten Vestalinnen, die dem als Staatsakt geltenden Gladiatorenkampf stets beiwohnten, lassen sich zur tödlichen Geste hinreißen, die allerdings in römischer Zeit nicht als nach unten zeigender Daumen belegt ist. Sowohl das Sonnensegel als auch der privilegierte Sitzplatz der Vestalinnen sind jedoch historisch belegt. Der Regisseur Ridley Scott ließ sich nach eigenen Angaben von diesem Gemälde für seinem Film Gladiator aus dem Jahr 2000 inspirieren.[11] Weniger bekannt sind Gérômes Porträts von Personen der französischen Geschichte, darunter Bilder Ludwigs XIV., Molières und Marschall Michel Neys. Gérôme arbeitete darüber hinaus auch als Bildhauer. Seine Bellona aus Elfenbein, Metall und Edelsteinen wurde in der Royal Academy of Arts in London ausgestellt, seine Figurengruppe Bacchus und Amor wurde vom Pariser Salon 1881 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

Gérômes lebensgroßer Marmorakt Tanagra war eine der Sensationen auf dem Pariser Salon von 1890.[12] Die sehr detailliert ausgeführte Personifikation der gleichnamigen antiken Stadt hält auf der ausgestreckten linken Handfläche eine Terrakotta-Figur, die auf die damals sehr beliebten Tanagra-Figuren verwies. Seine bemalte Aktfigur Corinthe aus Gips stellt eine sitzende und nur mit Kopf-, Brust- und Armschmuck bekleidete Frau dar.

Ein im Jahre 2009 im Depot des Frankfurter Städelschen Kunstinstitut ‚wiederentdecktes‘ Gemälde Gérômes aus dem Jahr 1874, Heiliger Hieronymus, wurde 2011 nach einer Restaurierung zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt. Das Gemälde war dem Museum 1935 von den Erben des Frankfurter Bankiers Otto Hauck geschenkt worden und umgehend in das Depot gestellt worden.[13]

Andere seiner Werke tragen Titel wie:

SchülerBearbeiten

AusstellungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Gerald M. Ackerman: Jean-Léon Gérôme. Monographie révisée, catalogue raisonné mis a jour. ACR, Courbevoie 2000, ISBN 2-86770-137-6.
  • Gerald M. Ackerman: Jean-Léon Gérôme (1824–1904). Sa vie et son oeuvre. ACR, Courbevoie 1997, ISBN 2-86770-100-7.
  • Alexandra Hein: Zwischen Dokumentation und Illusion. Die Orientmotive im Werk von Jean-Léon Gérôme. 2 Bände. Frankfurt am Main 1996.
  • Helene B. Weinberg: The American pupils of Jean-Léon Gérôme. Amon-Carter-Museum, Fort Worth, Texas 1984, ISBN 0-88360-049-8.
  • Alberto Shayo: Statuettes art deco period. Antique Collectors Club Art Books, 2016, ISBN 1-85149-824-9, S. 100.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Jean-Léon Gérôme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Historical Dictionary of Romantic Art and Architecture. Scarecrow Press, 2011, ISBN 0-81087-473-3, S. 102f.
  2. a b Marius Roux, Dick Collins, Paul Smith: The Substance + the Shadow. Penn State Press, 2007, ISBN 0-27103-205-7, S. 20.M
  3. Julia Reuter, Alexandra Karentzos: Schlüsselwerke der Postcolonial Studies. Springer-Verlag, 2012, ISBN 3-53193-453-8, S. 255.
  4. Allison Lee Palmer: Art + Paris Impressionists & Post-Impressionists. The Ultimate Guide to Artists, Paintings and Places in Paris and Normandy. Museyon, 2011, ISBN 1-93845-024-8, S. 182.
  5. Alberto Shayo: Statuettes art deco period. Antique Collectors Club Art Books, 2016. ISBN 1-85149-824-9, S. 100.
  6. Jean Léon Gérôme Hon RA (1824 – 1904). In: royalacademy.org.uk
  7. Hélène Lafont-Couturier, Goupil & Cie, Frick Art & Historical Center: Gérôme and Goupil. Réunion des Musées Nationaux, Paris 2000, ISBN 2-71184-152-9, S. 72.
  8. Gerald M. Ackerman: The life and work of Jean-Léon Gérôme, with a catalogue raisonné. Sotheby's, 1986, S. 62.
  9. Gerald M. Ackerman: Jean-Léon Gérôme. His Life, His Work, 1824-1904. ACR édition, 1997, ISBN 2-86770-101-5, S. 170.
  10. Eckart Köhne, Cornelia Ewigleben, Ralph Jackson: Gladiators and Caesars: The Power of Spectacle in Ancient Rome. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Historisches Museum der Pfalz (Speyer, Germany), 2000, ISBN 0-52022-798-0, S. 31f.
  11. Pollice Verso – Thumbs Down. (Memento vom 17. April 2010 im Internet Archive) In: Kings Galleries|
  12. Robert Rosenblum, Horst Woldemar Janson: Nineteenth Century Art. Edition 2, revised. Prentice Hall, 2005, ISBN 0-13189-614-8, S. 485.
  13. Was für eine Entdeckung! In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20. August 2011, S. 23; Hans-Joachim Müller: Schätze aus dem Depot – das ist kein Kanon mehr. In: welt.de vom 17. November 2011
  14. Jean-Léon Gérôme (1824–1904). In: Museo Thyssen-Bornemisza