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Jany Tempel (* 8. Juli 1969 in Berlin) ist eine deutsche Schauspielerin und Autorin.

Inhaltsverzeichnis

Leben und WirkenBearbeiten

Kindheit und JugendBearbeiten

Jany Tempel verbrachte ein paar Kindheitsjahre in Bayern. Sie ist die Schwester von Inka Groetschel und mit Hans-Georg Maaßen verwandt. Ihre Mutter Brigitte Tempel war 1980 Bundestagskandidatin der Grünen.[1] Sie hat, entgegen der medialen Verbreitung über ihren Namen, keinen Künstlernamen. Tempel erkrankte in jungen Jahren an Krebs und Depression. 2003 schrieb sie einen Roman über ihr Leben (Literarische Agentur Simon). Das Buch wurde seinerzeit nicht veröffentlicht, weil sie u. a. über Straftaten noch lebender Personen berichtete. Es liegt dem ZEIT-Magazin als Manuskript vor.

Beruflicher WerdegangBearbeiten

Nach dem Schauspiel-Studium gab sie 1990 mit Der Staatsanwalt hat das Wort – Im Regen Tanzen als erste westdeutsche Besetzung beim DFF ihr Debüt als Filmschauspielerin.[2] Sie arbeitete als freie Dokumentar-Redakteurin. Seit Anfang der 1990er Jahre trat sie in über 50 Film- und TV-Produktionen auf, etwa in der Serie Nicht von schlechten Eltern, für die es Bambi- und Telestar-Filmpreise gab. 1999/2000 wurde sie einem breiten Publikum als Tatort-Kommissarin Alice Bothe für den HR bekannt. Ihr Kinodebüt als Autorin und Regisseurin gab sie im Februar 2007 mit Große Lügen. Sie arbeitet als freie Fotografin und Autorin.

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

Schauspielerin

Auszeichnungen und PreiseBearbeiten

Jany Tempel und #MeTooBearbeiten

Der millionenfach verwendete Hashtag #MeToo der Sozialaktivistin Tarana Burke wurde durch die Schauspielerin Alyssa Milano populär, um auf das Ausmaß sexueller Belästigung und sexueller Übergriffe aufmerksam zu machen. Im Zuge des Weinstein-Skandals erreichte die Debatte auch Deutschland. Im Dezember 2017 berichtete Der Spiegel über den unterschiedlichen Umgang der schwedischen und deutschen Gesellschaft in der #MeToo-Debatte. Während 456 schwedische Schauspielerinnen im Svenska Dagbladet einen offenen Brief unterzeichneten und einen Theaterabend in Anwesenheit der Königin veranstalteten, ginge von Deutschland ein „ohrenbetäubendes Schweigen“ aus.[4]

Als der deutsche Regisseur Dieter Wedel sich im Zuge der #MeToo-Debatte selbst als Opfer sexueller Belästigung darstellte[5], ging Jany Tempel an die Öffentlichkeit. Nach Angaben des Redakteurs Christoph Amend in der Sendung Hart aber fair ist Jany Tempel die erste deutsche Frau, die im Zuge der Hashtag #MeToo-Debatte öffentlich einen prominenten Namen nannte.[6] Ende 2017 erzählte sie den Journalistinnen Jana Simon und Annabel Wahba vom Zeit Magazin ihre Geschichte. Der Artikel Im Zwielicht erschien am 4. Januar 2018 im ZEITmagazin.[7]

Deutsche und internationale Medien (u. a. die Tagesschau) berichteten über die Vorwürfe mehrerer Frauen (u. a. Patricia Thielemann)[8], die dem Regisseur Dieter Wedel sexuelle Belästigung, Nötigung und/oder Vergewaltigung vorwerfen. Der Redaktion des Zeit Magazins lagen vor Erscheinen des Artikels deren eidesstattliche Versicherungen vor. Der Regisseur bestreitet die Anschuldigungen, ebenfalls mit eidesstattlicher Versicherung.[9] Medienanwalt Christian Schertz vertritt Jany Tempel und Patricia Thielemann.[10]

Die Medien lieferten sich pro-und-contra-Debatten, #MeToo versus Vorverurteilung und medialer Pranger. Die Bildzeitung kreierte einen Banner als Hinweis der Redaktion, der ostentativ unter jedem diesbezüglichen Artikel platziert wurde: „BILD hält die schweren Vorwürfe gegen Dieter Wedel für ausreichend plausibel, um umfangreich darüber zu berichten... Es steht Aussage gegen Aussage“.[11] Erhärtet wurde Tempels Anschuldigung durch einen zweiten Artikel des Zeit Magazins mit dem Titel Der Schattenmann, in dem weitere Frauen zu Wort kamen. Unter anderem meldete sich Esther Gemsch, deren Vorfall mit dem Regisseur bereits seit 1980 beim Saarländischen Rundfunk aktenkundig ist.[12]

Namhafte deutsche Politiker und Prominente der Filmbranche äußerten sich positiv zu Tempels Initiative. Unter den ersten Stimmen waren Katarina Barley[13], Renan Demirkan[14], Iris Berben[15] und Til Schweiger[16]. Von medialer Vorverurteilung sprachen u. a. Svenja Flaßpöhler[17], Gisela Friedrichsen,[18] und Thomas Fischer, der daraufhin als Autor und Kolumnist der ZEIT entlassen wurde.[19]

Dazu wurden Organisationen gegründet. U. a. sagte die ARD im März 2018 ihre Unterstützung zur Errichtung der überbetrieblichen Beschwerdestelle in der Film- und Fernsehbranche zu.[20] Die Bewegung um den Hashtag #MeToo ist vom US-Magazin "Time" zur Person des Jahres erklärt worden. Die Kampagne habe eine rasante kulturelle Veränderung freigesetzt. Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte die Wahl und äußerte sich anerkennend zu der #MeToo-Bewegung.[21][22] Am 1. Januar 2018 wurde von Hollywood Prominenten als Reaktion auf den Weinstein-Effekt und die #MeToo Bewegung Time's Up gegen sexuelle Belästigung gegründet.[23]

Das Zeit Magazin berichtete in seinem Artikel Im Zwielicht, dass in der Causa Wedel alle Fälle verjährt seien. Die Bildzeitung ermittelte jedoch, dass Tempels Fall nicht verjährt ist. Am 22. Januar 2018 bestätigte die Münchner Staatsanwaltschaft, dass ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts einer nicht verjährten Sexualstraftat eingeleitet worden ist.[24] Tempel wird von dem Strafverteidiger Alexander Stevens vertreten.

Der Chefredakteur der Wochenzeitung Die Zeit, Giovanni di Lorenzo, sprach in der Maybrit Illner (Fernsehsendung) „Macht, Sex, Gewalt – der späte Aufschrei“ (ZDF) am 1. Februar 2018 davon, dass bislang 22 Fälle sexuellen Missbrauchs durch den Regisseur bekannt geworden seien.[25]

Ende März 2018 wurden in einem dritten Artikel des Zeit Magazins Dieter Wedel – Das System die damaligen Bedingungen der deutschen Filmbranche beleuchtet.[26]

Im Juni erhielt das Rechercheteam des Zeit Magazins den Leuchtturm-Preis 2018 für besondere publizistische Leistungen.[27][28]

Am 3. Dezember erhielt das Rechercheteam des Zeit Magazins für den Artikel Im Zwielicht den Deutschen Reporterpreis 2018.[29]

Inzwischen wird der Verjährungsfehler des Rechercheteams des Zeit Magazins diskutiert, dem Tempel als einziger Fall ausgesetzt ist. Dieser Fehler hat weitreichende Konsequenzen, wie zum Beispiel das Benennen der bisher anonymen Frauen. So beleuchtet Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen den Umgang mit den Opfern und beschreibt die Geschichte hinter der „Zeit“-Story zum Fall Wedel als eine Kampagne, die ihre Kinder frisst.[30] Bundesrichter a. D. Thomas Fischer stellt zudem die Reporterpreisträger Rechercheteam des Zeit Magazins und Claas Relotius in Zusammenhang und beleuchtet den deutschen Qualitätsjournalismus.[31]

Die Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft im Fall Tempel und der Akte Wedel sollen noch bis Mitte 2019 andauern. Inzwischen ist ein weiteres Verfahren, der Fall Dominique Voland in den Ermittlungen involviert.[32]

Am 29. Mai 2019 wandte sich Jany Tempel in einem Offenen Brief mit dem Titel 512 Tage Schweigen auf ihrer Homepage erneut an die Öffentlichkeit und zog bittere Bilanz.[33]

Am 5. Juni 2019 veröffentlichte Zapp ein Interview, das mit Jörg Nabert, Anwalt der Zeit geführt wurde und auf die Gerichtsverhandlung, die Artikel des Magazins, die Aussagen von Jany Tempel zur Berichterstattung des Magazins sowie ihre Forderungen an Die Zeit eingeht.[34]

Am 14. Juni 2019 veröffentlichte Jany Tempel auf ihrer Homepage einen weiteren Offenen Brief mit dem Titel Mein Streit mit der ZEIT als Replik auf die Vorwürfe des Anwalts der Zeit Jörg Nabert.[35]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Neunte Bundestagswahl in Bayern am 5. Oktober 1980. Bayerisches Statistisches Landesamt, 1981, S. 277.
  2. Dagmar Wittmers: Im Regen tanzen. 18. November 1990, abgerufen am 2. Juni 2018.
  3. Max Ophüls Preise: Bester Kurzfilm, Fritz-Raff-Drehbuchpreis und weitere Preise | Filmfestival Max-Ophüls-Preis. Abgerufen am 5. Juni 2018.
  4. Georg Diez: Sexismus in Schweden: Aufschrei im feministischsten Land der Welt. In: Der Spiegel. 5. Dezember 2017 (spiegel.de [abgerufen am 17. Juni 2018]).
  5. Süddeutsche de GmbH, Munich Germany: Dieter Wedel als junger Schauspieler sexuell belästigt. Abgerufen am 17. Juni 2018.
  6. Marc Lindner: hart aber fair vom 05 02 18 Macht Mann Missbrauch was lehrt uns der Fall. 6. Februar 2018, abgerufen am 2. Juni 2018.
  7. Dieter Wedel: Im Zwielicht. In: ZEITmagazin. (zeit.de [abgerufen am 1. Juni 2018]).
  8. Sasan Abdi-Herrle: Vorwürfe gegen Dieter Wedel: Patricia Thielemann berichtet bei Maybrit Illner. 18. November 1990, abgerufen am 5. Juni 2018.
  9. tagesschau.de: #MeToo-Debatte: Schauspielerinnen klagen über sexuelle Übergriffe. Abgerufen am 2. Juni 2018 (deutsch).
  10. Deike Diening, Jost Müller-Neuhof: „Wir müssen über das System des Schweigens nachdenken“. In: Der Tagesspiegel Online. 5. Februar 2018, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 25. Juni 2018]).
  11. Droht Dieter Wedel jetzt Knast? In: bild.de. (bild.de [abgerufen am 2. Juni 2018]).
  12. Sasan Abdi-Herrle: Dieter Wedel: Der Schattenmann. 25. Januar 2018, abgerufen am 5. Juni 2018.
  13. Familienministerin Barley spricht von "Schweigekartell". In: Der Tagesspiegel Online. 30. Januar 2018, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 2. Juni 2018]).
  14. Renan Demirkan glaubt Dieter Wedel nicht. In: Die Welt. 10. Januar 2018, abgerufen am 2. Juni 2018.
  15. Iris Berben über #MeToo: "Dieter Wedel hat mich fertiggemacht". In: Spiegel Online. 18. Januar 2018 (spiegel.de [abgerufen am 2. Juni 2018]).
  16. Til Schweiger über Dieter Wedel: "Ein Menschenquäler". In: Spiegel Online. 1. Februar 2018, abgerufen am 2. Juni 2018.
  17. Daland Segler: #MeToo-Debatte bei Illner: Svenja Flaßpöhler: Was genau bedeutet „Ich auch“? 2. Februar 2018, abgerufen am 29. Dezember 2018 (deutsch).
  18. Gisela Friedrichsen: Ein Absturz. Schlimmer kaum denkbar. In: welt.de. 26. Januar 2018, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  19. http://www.taz.de/!5494193/
  20. Überbetriebliche Beschwerdestelle: BFFS begrüßt Unterstützung der ARD. BFFS, abgerufen am 2. Juni 2018.
  21. Gegen Sexismus: "Time" kürt #MeToo-Bewegung zur "Person des Jahres". In: Spiegel Online. 6. Dezember 2017, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  22. "Time" kürt Menschen der #MeToo-Bewegung zur "Person des Jahres". In: MDR.DE. Abgerufen am 2. Juni 2018.
  23. "Time's Up": Hunderte Hollywoodstars starten Aktion gegen sexuelle Belästigung. In: Spiegel Online. 2. Januar 2018, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  24. Wegen Anfangsverdacht einer nicht verjährten Sexualstraftat - Staatsanwalt ermittelt gegen Dieter Wedel. In: bild.de. (bild.de [abgerufen am 2. Juni 2018]).
  25. Helmut Zermin: maybrit illner zu „Macht, Sex, Gewalt – der späte Aufschrei“ am 1. Februar 2018. 2. Februar 2018, abgerufen am 2. Juni 2018.
  26. Dieter Wedel: Das System. Abgerufen am 29. Dezember 2018.
  27. nr18: Leuchtturm für besondere publizistische... Abgerufen am 29. Dezember 2018.
  28. netzwerk recherche: Leuchtturm. 21. Juni 2014, abgerufen am 29. Dezember 2018.
  29. Reporterpreis 2018: Von Ronan Farrow bis zum SPIEGEL - das sind die Gewinner. In: Spiegel Online. 4. Dezember 2018 (spiegel.de [abgerufen am 1. Januar 2019]).
  30. Gisela Friedrichsen: Dieter Wedel: Die Geschichte hinter der „Zeit“-Story. In: DIE WELT. 19. Dezember 2018 (welt.de [abgerufen am 1. Januar 2019]).
  31. Thomas Fischer: preisgekroente-frauenfreunde-medienjahr-der-skandale-von-wedel-bis-relotius/. meedia, abgerufen am 1. Januar 2019 (dt).
  32. Hat Regisseur Wedel Zeugin verunglimpft? Abgerufen am 1. Januar 2019.
  33. Jany Tempel warf Dieter Wedel Vergewaltigung vor: Ihre bittere Bilanz. Abgerufen am 15. Juni 2019.
  34. Nabert: "Wir gehen inzwischen davon aus, dass das Verfahren gegen Wedel eingestellt wird". Abgerufen am 5. Juni 2019.
  35. Mein STREIT mit der ZEIT. In: Jany Tempel. 14. Juni 2019, abgerufen am 15. Juni 2019 (deutsch).