Hauptmenü öffnen

Jan Fleischhauer

deutscher Journalist und Autor
Jan Fleischhauer (2019)

Jan Fleischhauer (* 1962 in Hamburg) ist ein deutscher Journalist und Autor. Von 1989 bis 2019 war er für den Spiegel tätig, seit August 2019 arbeitet er für den Focus.[1]

BiografieBearbeiten

Jan Fleischhauer wuchs in Hamburg-Wellingsbüttel auf und besuchte von 1974 bis 1983 das Gymnasium Grootmoor.[2][3] Seine Mutter trat 1963 in die SPD ein, sein Vater Dietrich Fleischhauer[4] war zunächst Reporter, später Pressesprecher beim NDR.[5] Fleischhauer studierte an der Universität Hamburg Literaturwissenschaft und Philosophie,[6] bevor er die Henri-Nannen-Schule für Journalismus besuchte. Seit 1989 war er in wechselnden Funktionen als Redakteur beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel tätig, unter anderem als Reporter in Leipzig (1991), als stellvertretender Leiter des Wirtschaftsressorts und stellvertretender Leiter des Hauptstadtbüros. Von 2001 bis 2005 war er Wirtschaftskorrespondent in New York. Seit 2008 war er Autor des Spiegels in Berlin.[7] 2019 verließ Fleischhauer den Spiegel nach 30 Jahren, um zum Burda-Verlag zu wechseln, wo er eine Kolumne im Focus sowie eine Videokolumne auf Bunte.de hat.[8]

Sein erstes Buch Unter Linken erschien 2009. Darin begründet er seine Entwicklung zum Konservativen mit dem Dogmatismus seines sozialdemokratischen Elternhauses und ähnlicher Milieus. Das Werk wurde zum „meistverkauften politischen Sachbuch des Jahres“.[9] Fleischhauer betreibt zum Buch einen Themen-Blog.[10] Der zugehörige Fernsehfilm verwendet einige Methoden des Filmemachers Michael Moore und zeigt unter anderem Interviews mit Frank Bsirske und Christian Ströbele.[11] 2014 war Fleischhauer Co-Autor des Films Der Rücktritt über die Affäre um den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff.[12]

Zwischen Januar 2011 und Juni 2019 schrieb er für Spiegel Online die Kolumne S.P.O.N. – Der Schwarze Kanal[13], die seit Mai 2014 auch in die Print-Ausgabe übernommen wurde. Dort wechselte er sich im wöchentlich mit Jakob Augstein und Markus Feldenkirchen ab[14], seit Ausgabe 45 im Jahr 2018, die Ende Oktober erschien, nur noch mit Feldenkirchen. Im Mai 2012 erschien Fleischhauers zweites Buch Der schwarze Kanal – Was Sie schon immer von Linken ahnten, aber nie zu sagen wagten, eine Sammlung aus leicht überarbeiteten Texten aus der Kolumne bei Spiegel-Online.

In einem im Oktober 2017 erschienenen autobiographischen Roman mit dem Titel Alles ist besser als noch ein Tag mit dir stellte Fleischhauer die Probleme nach seiner Scheidung im Sommer 2011 in einer literarisierten Schilderung dar.[15]

Fleischhauer war Autor des Weblogs Die Achse des Guten[16] und 2010 Autor auf freiewelt.net[17] sowie auf der Website des evangelikal geprägten Verbandes Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft.[18]

Nach achteinhalb Jahren endete im Juli 2019 „Der schwarze Kanal“ auf Spiegel online. Auf Focus.de wird der Kolumnentitel weiterhin genutzt.[19] Nach dreißig Jahren beim Spiegel verließ Fleischhauer das Hamburger Nachrichtenmagazin und wechselte zum Burda-Verlag als Mitglied der Chefredaktion des Focus-Magazins mit Wirkung vom 1. August 2019.[20][21] Unter anderem soll er die Social-Media-Aktivitäten des Focus-Magazins koordinieren.[22] Medial wurde der Wechsel mehrfach kommentiert.[23]

Fleischhauer lebt mit seiner Familie in Pullach im Isartal im Landkreis München.[24] Zuvor wohnte er in München-Schwabing.[25]

KontroversenBearbeiten

Im Januar 2012 verglich Jan Fleischhauer in S.P.O.N. – Der Schwarze Kanal das italienische Volk mit Francesco Schettino, dem Kapitän der Costa Concordia.[26] Italienische Zeitungen kritisierten dies als rassistische Töne.[27][28] Der italienische Botschafter in Deutschland empfahl in einer direkten Reaktion, die SPON unterhalb der Kolumne veröffentlichte, „Verallgemeinerungen aufgrund der Rasse bleiben zu lassen“, und kritisierte den Beitrag von Fleischhauer als „vulgäre und banale Behauptungen“.[29] Die italienische Zeitung Il Giornale erschien am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, mit dem Titel „Wir haben Schettino, ihr habt Auschwitz“.[30][31]

Im März 2019 kritisierte der Satiriker und Fernsehmoderator Jan Böhmermann, dass Fleischhauer an Matthias Matusseks Feier seines 65. Geburtstags teilgenommen hatte.[32] Diese geriet in die Kritik, da unter den Gästen auch Vertreter der Neuen Rechten waren, darunter ein vorbestraftes Mitglied der Identitären Bewegung und Dieter Stein, Verleger der Wochenzeitung Junge Freiheit.[33] Fleischhauer erwiderte in seiner Kolumne die Kritik mit der Frage, ob man Freundschaften, die früher oder zufällig entstanden seien, deswegen beenden müsse, wenn sich die politische Ansichten unterschiedlich entwickeln würden.[34]

Rezeption in der PopulärkulturBearbeiten

In der von Lann Hornscheidt ausgelösten Debatte um geschlechtergerechte Sprache 2014 kritisierte der Autor Robin Detje die vier wichtigsten konservativen Journalisten Ulf Poschardt, Harald Martenstein, Jan Fleischhauer und Matthias Matussek als eine publizistische Macht, die er als "Ulfharaldjanmatthias" bezeichnete.[35] Im Stück Wenn du tanzt der Band Von Wegen Lisbeth (2016) heißt es: "Ackermann, Merkel, Jan / Fleischhauer, Voldemort / Nette Menschen, wenn du tanzt".[36] In der Fernsehsendung Neo Magazin Royale trat Sidekick Ralf Kabelka bis 2019 mehrfach in der Rolle des Spiegel-Online-Kolumnisten Ralf Flauscheier auf. In den lose an Fleischhauers konservative Positionen angelehnten Einspielern wurde eine übertrieben sexistische Sprache verwendet.[37] Das Musikvideo zu Song Linksradikale (2019) der Band Egotronic spielt auf die Geburtstagsfeier von Matthias Matussek an, für deren Besuch Fleischhauer kritisiert wurde.[38]

MitgliedschaftenBearbeiten

Fleischhauer ist Mitglied der Atlantik-Brücke.[39] Auf Twitter kündigte Fleischhauer 2019 an, der Taz-Genossenschaft beizutreten und damit Kai Diekmann als konservatives Mitglied zu folgen.[40]

VeröffentlichungenBearbeiten

AuszeichnungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jan Fleischhauer: Fleischhauers Abschied - Jetzt ist Schluss!, spiegel.de vom 13. Juni 2019
  2. Thomas Andre: Journalisten. Carini und Fleischhauer: Früher links – heute Spießer?, abendblatt.de vom 22. Mai 2012
  3. J. Fleischhauer, M. Carini: Richtungsstreit zweier Ex-Freunde. Sind Konservative die wahren Rebellen?, taz.de vom
  4. Deutsches Bühnen-Jahrbuch. Band 92, 1983, S. 643.
  5. "Wenn Sie als Journalist gemocht werden wollen, ist das das Falsche" - Kolumnist Jan Fleischhauer. Abgerufen am 10. September 2019.
  6. Magisterarbeit Gespenster und Gespenstertheorien 1740–1820. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte des „Unsichtbaren“ unter besonderer Berücksichtigung der Aufklärung, Universität Hamburg 1988. (Eintrag im OPAC Uni Hamburg)
  7. Jan Fleischhauer auf Spiegel Online
  8. Caspar Busse: Jan Fleischhauer wechselt zum „Focus“. In: sueddeutsche.de. 7. Mai 2019, abgerufen am 7. Mai 2019.
  9. Unter Linken. Autor. Abgerufen am 23. Februar 2013.
  10. Blog Unter Linken
  11. „Unter Linken – der Film“: Der Michael Moore der Bourgeoisie Sehenswert: „Spiegel“-Journalist Jan Fleischhauer geht durch Berlin und entlarvt auf amüsante Weise die Lügen humorloser Linker. Die Verfilmung seines Buches „Unter Linken“ ist gelungen. Da war die Legendenbildung vorab gar nicht nötig. Stern.de, 26. September 2010, von Dirk Benninghoff
  12. Co-Autor Jan Fleischhauer im Interview. Abgerufen am 9. Juni 2019.
  13. S.P.O.N. - Der Schwarze Kanal, Kolumne bei Spiegel Online
  14. Hausmitteilung: Betr. Titel, Neuerungen, Brot (in DER SPIEGEL 1/2016; S. 3)
  15. Jan Fleischhauer: Alles ist besser als noch ein Tag mit dir. Roman über die Liebe, ihr Ende und das Leben danach. München: Knauss Verlag 2017. (Vorabdruck eines Auszugs im Spiegel 40 / 2017)
  16. Beiträge von Jan Fleischhauer bei der Achse des Guten
  17. Jan Fleischhauer (Memento vom 8. Mai 2012 im Internet Archive)
  18. http://www.dijg.de/kritik-zeitgeist/fleischhauer-erfindung-opfers/?sword_list%5B0%5D=jan&sword_list%5B1%5D=fleischhauer
  19. Jan Fleischhauer: Abschied beim SPIEGEL: Jetzt ist Schluss! In: https://janfleischhauer.de/. 16. Juni 2019, abgerufen am 22. September 2019.
  20. Jan Fleischhauer: Jetzt ist Schluss! In: https://www.spiegel.de/. Der Spiegel, 13. Juni 2019, abgerufen am 22. September 2019.
  21. Caspar Busse: Jan Fleischhauer wechselt zum "Focus". In: https://www.sueddeutsche.de/. Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH, 7. Mai 2019, abgerufen am 22. September 2019.
  22. Kress Medien-Dienst: Philipp Welte holt Spiegel-Journalist Jan Fleischhauer zum Focus. In: https://kress.de/. Johann Oberauer GmbH, 8. Mai 2019, abgerufen am 22. September 2019.
  23. taz: Neue Kolumne im „Focus“ - Windmacher fürs Kleinbürgertum. In: https://taz.de/. taz, 11. September 2019, abgerufen am 22. September 2019.
  24. Jan Fleischhauer: Enteignet Altmaier! In: Spiegel 16/2019. 12. April 2019.
  25. Kommentar von Raphael Thelen: Zimperlich sind die, die am Schreibtisch bleiben; Spiegel Online vom 2. September 2018, abgerufen am selben Tag; Zitat der Redaktion: „Der Kolumnist Jan Fleischhauer legt Wert auf die Feststellung, dass er vor einem halben Jahr aus München Schwabing nach Pullach gezogen ist und dort nicht in einem Altbau, sondern in einer Doppelhaushälfte lebt. Pullach ist ein Vorort von München.“
  26. Italienische Fahrerflucht
  27. la Repubblica
  28. quotidiano Libero
  29. Der Botschafter der Italienischen Republik, Michele Valensise, hat uns zu der obenstehenden Kolumne folgenden Brief geschickt
  30. Italienisch-deutscher Kolumnenstreit eskaliert, Basler Zeitung vom 30. Januar 2012
  31. zeit.de 29. Januar 2012: Geschmacklose Provokationen gegen den Euro
  32. Daniel Dillmann: Matussek feiert mit Rechten Geburtstag. In: https://www.fr.de/. Frankfurter Rundschau, 11. März 2019, abgerufen am 22. September 2019 (deutsch).
  33. Skandälchen am Büfett: Matthias Matussek feierte seinen Geburtstag mit alten Medien-Freunden und neuen Rechten. Abgerufen am 7. April 2019.
  34. Kontaktschuld. Abgerufen am 7. April 2019.
  35. Robin Detje: Gender-Debatte: Anschwellender Ekelfaktor. In: Die Zeit. 24. November 2014, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 22. Oktober 2019]).
  36. Stuttgarter Zeitung, Stuttgart Germany: Von Wegen Lisbeth: Einfach Pop von der Straße. Abgerufen am 8. Oktober 2019.
  37. Neo Magazin (TV Series 2013– ) - IMDb. Abgerufen am 5. Oktober 2019 (englisch).
  38. Wie ein wilder Super Mario mit Iro und Septum. Abgerufen am 8. Oktober 2019.
  39. Jan Fleischhauer: Der Schwarze Kanal: Gekaufte Journalisten. In: Der Spiegel. Nr. 1, 2015, S. 19 (online29. Dezember 2014).
  40. Jan Fleischhauer: Es wird Zeit, der „Taz“-Genossenschaft beizutreten. GenossIn @KaiDiekmann, ich komme! https://taz.de/Neue-Kolumne-im-Focus/!5624450/ … via @tazgezwitscher. In: @janfleischhauer. 11. September 2019, abgerufen am 8. Oktober 2019.
  41. Journalist Fleischhauer für Liberalismus geehrt, Hamburger Abendblatt, 23. Juli 2010