Jamie Cullum

englischer Jazzpianist und Sänger
Jamie Cullum auf dem North Sea Jazz Festival, Rotterdam 2015

Jamie Cullum (* 20. August 1979 in Essex) ist ein englischer Singer-Songwriter und Multiinstrumentalist.

LebenBearbeiten

Den Bezug zur Musik fand Cullum schon sehr früh. Sein israelischer Vater (dessen Mutter wiederum – eine gebürtige Ostpreußin – vor der Judenverfolgung des Nationalsozialismus nach Palästina floh[1]) und seine Mutter aus Burma spielten in der Band „The Impacts“. Dort sammelte Cullum bereits als Kleinkind erste Erfahrungen am Klavier, später hatte er Gitarren- und Gesangsunterricht. Als Jugendlicher hatte Cullum zahlreiche Auftritte in Bars und Clubs. Dadurch finanzierte er sein Studium und 1999 auch schließlich die Produktion seines ersten Albums Heard It All Before. Dieses, erschienen in einer Auflage von etwa 700 Stück, verkaufte Cullum auf seinen Konzerten. Durch das Album wurde Geoff Gascoyne auf das junge Talent aufmerksam und lud Cullum ein, an dessen Album Songs of the Summer mitzuwirken. Nachdem er an der University of Reading 2001 seinen Abschluss in Literatur und Film machte, veröffentlichte Jamie, der selbst größtenteils Autodidakt ist, sein Album Pointless Nostalgic. Im April 2003 unterschrieb er mit Universal Jazz, einem Major-Label, einen Vertrag. Obschon Cullum ursprünglich hauptsächlich Jazzmusiker ist, versteht er es, eine weite Bandbreite an Stilen anzuwenden und wird auch allgemein als ein „Crossover“-Künstler verstanden.

WirkenBearbeiten

 
Jamie Cullum (2011)

Im Juli 2003 gewann er in der Kategorie „Rising Star“ bei den British Jazz Awards. Sein drittes Album, Twentysomething, wurde im Oktober 2003 in Großbritannien bzw. Anfang 2004 in Deutschland, veröffentlicht und fand über 2,5 Millionen Käufer. Das Album umfasst einige Jazzstandards wie Singin’ in the Rain, What a Diff’rence a Day Made, I Get a Kick Out of You sowie eine Coverversion des Rock-Klassikers The Wind Cries Mary von Jimi Hendrix, jedoch auch eine Vielzahl an eigenen Stücken, wie etwa das Titelstück oder All at Sea, die er zusammen mit seinem älteren Bruder Ben Cullum schrieb. Des Weiteren komponierte er mit ihm auch die Musik zum West-End-Bühnenstück When Harry Met Sally.

Bei den Brit Awards 2004 wurde Jamie als „British Breakthrough Act“ nominiert. Er spielte zusammen mit Katie Melua live bei der Zeremonie im Earl’s Court Exhibition Centre. Auch zum Geburtstag von Elisabeth II. trat er auf.

Im September 2005 veröffentlichte er sein Album Catching Tales. Dieses Album enthält bis auf vier Ausnahmen Eigenkompositionen, die Cullum unter anderem in Zusammenarbeit mit Guy Chambers, Stewart Levine oder Salaam Remi verfasst hat. Sowohl dieses Album wie auch sein Vorgänger waren auch Jahre später noch Verkaufserfolge unter den Jazzalben.[2]

Für den im Jahr 2008 erschienenen Film Gran Torino von Clint Eastwood spielte Cullum die Titelmelodie mit dem gleichnamigen Titel ein und erhielt dafür eine Golden Globe-Nominierung. Außerdem arbeitete er unter anderem mit Toots Thielemans, Camille und Pharrell zusammen, war auf den Alben seines Bassisten Geoff Gascoyne zu hören und auf dem Album Swinging, Singing, Playing des Count Basie Orchestra, das ihn auf dem Album The Pursuit begleiten sollte.

Im November 2009 wurde das Album The Pursuit bei Decca Records veröffentlicht. Es besteht aus acht Eigenkompositionen, darunter die Singles I’m All Over It und Wheels und vier Coverversionen: Just One of Those Things von Cole Porter, das mit dem Count Basie Orchestra aufgenommen wurde, If I Ruled the World, das ebenfalls als Single ausgekoppelte Rihanna-Cover Don’t Stop the Music und Stephen Sondheims Not While I'm Around aus dem Musical Sweeney Todd. Dieses Album wurde nicht von Stewart Levine, sondern (bis auf Don’t Stop the Music) von Greg Wells produziert, der auf vielen Tracks auch Schlagzeug, Gitarre, Bass und Orgel spielte. Sebastiaan de Krom und Geoff Gascoyne, die bisher Cullum auf seinen Alben begleitet hatten, wirkten an dieser Produktion nicht mehr mit, sind aber als Co-Komponisten von You and Me Are Gone vermerkt.

2012 komponierte Cullum den Titel Standing Still für Roman Lob, der damit für Deutschland beim Eurovision Song Contest 2012 in Baku (Aserbaidschan) antrat und den achten Platz belegte. Am 17. Mai 2013 erschien mit Momentum sein sechstes Studioalbum in Deutschland. Bei dem am 3. Oktober 2014 veröffentlichten Album Interlude wendet sich Cullum im Gegensatz zu seinen letzten Veröffentlichungen wieder dem Jazz zu und interpretiert einige Jazz-Standards neu.[3] Ebenso sind Gregory Porter und Laura Mvula im Duett mit ihm zu hören.

PrivatesBearbeiten

Seit Januar 2010 ist Cullum mit Sophie Dahl verheiratet und wohnt im Londoner Bezirk Kensal Green.[4] Am 2. März 2011 wurde ihre gemeinsame Tochter Lyra geboren,[5] am 4. März 2013 ihre zweite Tochter Margot.[6]

DiskografieBearbeiten

AlbenBearbeiten

Jahr Titel Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[7]
(Jahr, Titel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
  DE   AT   CH   UK   US
2002 Pointless Nostalgic UK55
 
Gold

(6 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 23. September 2002
2003 Twentysomething DE57
 
Gold

(10 Wo.)DE
AT30
 
Gold

(26 Wo.)AT
CH29
 
Gold

(12 Wo.)CH
UK3
 
×3
Dreifachplatin

(61 Wo.)UK
US83
(20 Wo.)US
Erstveröffentlichung: 20. Oktober 2003
2005 Catching Tales DE30
 
Gold

(6 Wo.)DE
AT22
(11 Wo.)AT
CH14
(21 Wo.)CH
UK4
 
Gold

(13 Wo.)UK
US49
(4 Wo.)US
Erstveröffentlichung: 26. September 2005
2009 The Pursuit DE11
 
Gold

(32 Wo.)DE
AT24
(13 Wo.)AT
CH7
(17 Wo.)CH
UK16
 
Gold

(9 Wo.)UK
US42
(4 Wo.)US
Erstveröffentlichung: 10. November 2009
2013 Momentum DE10
(8 Wo.)DE
AT12
(3 Wo.)AT
CH10
(9 Wo.)CH
UK20
(9 Wo.)UK
US156
(1 Wo.)US
Erstveröffentlichung: 20. Mai 2013
2014 Interlude DE13
(4 Wo.)DE
AT23
(3 Wo.)AT
CH14
(4 Wo.)CH
UK19
(4 Wo.)UK
US154
(1 Wo.)US
Erstveröffentlichung: 6. Oktober 2014
2019 Taller DE16
(4 Wo.)DE
AT17
(2 Wo.)AT
CH15
(2 Wo.)CH
UK17
(… Wo.)Template:Charttabelle/Wartung/vorläufig/2019UK
Erstveröffentlichung: 7. Juni 2019

Weitere Alben

  • 1999: Heard It All Before (Jamie Cullum Trio)

LivealbenBearbeiten

  • 2006: Live at Ronnie Scott’s

KompilationenBearbeiten

  • 2005: Kings of Swing
  • 2007: Jamie Cullum: Influences
  • 2007: In the Mind of Jamie Cullum
  • 2010: Devil May Care (Mix aus anderen Alben incl. zwei Bonus-Tracks)
  • 2018: The Song Society Playlist

SoundtracksBearbeiten

SinglesBearbeiten

Jahr Titel
Album
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[7]
(Jahr, Titel, Album, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
  DE   UK
2004 These Are the Days / Fontin’
Twentysomething
UK12
(7 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 3. Mai 2004
Everlasting Love
Twentysomething
UK20
(9 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 5. November 2004
Original: Robert Knight (1967)
2005 Get Your Way
Catching Tales
UK44
(3 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: August/September 2005
Mind Trick
Catching Tales
UK32
(1 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 11. November 2005
2009 I’m All Over It
The Pursuit
DE93
(4 Wo.)DE
UK55
(5 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 2. November 2009
2010 Don’t Stop the Music
The Pursuit
DE58
(4 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 25. Januar 2010
Original: Rihanna (2007)

Weitere Singles

  • 2002: High and Dry
  • 2004: All at Sea
  • 2004: The Wind Cries Mary
  • 2005: Photograph
  • 2010: Wheels
  • 2010: Love Ain’t Gonna Let You Down
  • 2013: Everything You Didn’t Do
  • 2013: Edge of Something
  • 2013: You’re Not the Only One
  • 2014: Don’t Let Me Be Misunderstood (feat. Gregory Porter) (Original: Nina Simone, 1964)
  • 2014: Good Morning Heartache (feat. Laura Mvula) (Original: Billie Holiday, 1946)
  • 2014: Don’t You Know (Original: Ray Charles, 1954)
  • 2016: Show Me the Magic
  • 2017: Work of Art
  • 2018: The Man (Original: The Killers, 2017)
  • 2019: Taller
  • 2019: Drink
  • 2019: The Age of Anxiety

GastbeiträgeBearbeiten

VideoalbenBearbeiten

  • 2004: Live at Blenheim Palace (UK:  )
  • 2004: Twentysomething
  • 2005: Telling Tales
  • 2006: Live in Buenos Aires

Auszeichnungen für MusikverkäufeBearbeiten

Goldene Schallplatte

  • Belgien  Belgien
    • 2007: für das Album Catching Tales
  • Neuseeland  Neuseeland
    • 2004: für das Album Twentysomething
  • Niederlande  Niederlande
    • 2005: für das Album Catching Tales

Platin-Schallplatte

  • Australien  Australien
    • 2004: für das Album Twentysomething

2× Platin-Schallplatte

Anmerkung: Auszeichnungen in Ländern aus den Charttabellen bzw. Chartboxen sind in ebendiesen zu finden.

Land/Region   Gold   Platin Ver­käu­fe Quel­len
Aus­zeich­nung­en für Mu­sik­ver­käu­fe
(Land/Region, Auszeichnungen, Verkäufe, Quellen)
  Australien (ARIA) 0! G   Platin1 70.000 aria.com.au
  Belgien (BEA)   Gold1 0! P 25.000 ultratop.be
  Deutschland (BVMI)   3× Gold3 0! P 300.000 musikindustrie.de
  Neuseeland (RMNZ)   Gold1 0! P 7.500 nztop40.co.nz
  Niederlande (NVPI)   Gold1   2× Platin2 160.000 nvpi.nl
  Österreich (IFPI)   Gold1 0! P 10.000 ifpi.at
  Schweiz (IFPI)   Gold1 0! P 15.000 hitparade.ch
  Vereinigtes Königreich (BPI)   4× Gold4   3× Platin3 1.225.000 bpi.co.uk
Insgesamt   12× Gold12   6× Platin6

QuellenBearbeiten

  1. Jamie Cullum: My family values The Guardian, 17. Mai 2013
  2. http://www.jazzecho.de/service/charts/, abgerufen am 30. Juli 2010 (zeigt die aktuellen Charts)
  3. http://www.berliner-zeitung.de/berlin/interview-mit-jamie-cullum--es-passiert-sehr-viel-in-berlin-,10809148,28661392.html
  4. Cullum: „Ich kann ziemlich peinlich sein“, focus.de, Interview vom 7. November 2009.
  5. http://nachrichten.rp-online.de/panorama/jamie-cullum-1.443714
  6. http://www.ok-magazin.de/people/news/16571/sophie-dahl-und-jamie-cullum-zum-zweiten-mal-eltern-geworden
  7. a b Chartquellen: DE AT CH UK US

WeblinksBearbeiten

 Commons: Jamie Cullum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien