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James Schwarzenbach

Schweizer Politiker (NA) und Nationalrat

Herkunft und BerufBearbeiten

James Schwarzenbach entstammte einer protestantischen Textilindustriellenfamilie aus dem Kanton Zürich. Die antifaschistische Schriftstellerin Annemarie Schwarzenbach war seine Cousine, ihre Mutter Renée Schwarzenbach-Wille seine Tante. 1933 konvertierte er zum Katholizismus[2].

Er war Verleger und betätigte sich auch als Autor. Die in seinem damaligen Thomas-Verlag erschienenen Publikationen gelten teilweise als faschistisch, völkisch und antisemitisch. Er verlegte auch die Autobiografie des geflüchteten sowjetischen Diplomaten Wiktor Andrejewitsch Krawtschenko in der Schweiz.

PolitikBearbeiten

In seiner Jugend war Schwarzenbach Mitglied der Nationalen Front, später wurde er Parteichef der Nationalen Aktion. Von den Wahlen 1967 bis 1979 gehörte er dem Nationalrat an und war 1971 bis 1974 Fraktionspräsident.[3] 1971 gründete er die Republikanische Partei der Schweiz.

Mit der Nationalen Aktion gegen die Überfremdung von Volk und Heimat[4] lancierte er 1968 die sogenannte «Schwarzenbach-Initiative».[5] Er wollte die Schweiz vor «Überfremdung» schützen, indem der Anteil ausländischer Bevölkerung in jedem einzelnen Kanton die 10-%-Hürde nicht hätte überschreiten dürfen. Genf wäre die einzige Ausnahme gewesen, wo ein Anteil von 25 % Ausländern erlaubt gewesen wäre. Der Abstimmungskampf verlief sehr emotional und riss zum Teil tiefe Gräben auf. Wäre die Initiative angenommen worden, hätten 300'000 bis 400'000 Menschen ausgewiesen werden müssen.[6]

Schwarzenbach galt als hervorragender Redner und erster Schweizer Politiker, der die Strategie des Rechtspopulismus auszuspielen verstand. Er präsentierte sich gern als Einzelkämpfer. An den meisten Podiumsdiskussionen zu seiner Initiative trat er als einziger Befürworter auf. Das Begehren wurde am 7. Juni 1970 mit 54 Prozent Nein- zu 46 Prozent Ja-Stimmen durch das Schweizer Stimmvolk abgelehnt.[7] In acht Kantonen gab es jedoch eine Ja-Mehrheit.[8]

WerkeBearbeiten

  • Im Rücken das Volk. Thomas-Verlag, Zürich 1980 (Autobiografie).

LiteraturBearbeiten

  • Carl Holenstein: Mit dem Rücken zur Zukunft. Die geistige Welt des James Schwarzenbach. Flamberg, Zürich 1971, ISBN 3-7179-2087-1.
  • Thomas Buomberger: Kampf gegen unerwünschte Fremde. Von James Schwarzenbach bis Christoph Blocher. Orell Füssli, Zürich 2004, ISBN 3-280-06017-6.
  • Isabel Drews: «Schweizer erwache!» Der Rechtspopulist James Schwarzenbach (1967–1978) (= Studien zur Zeitgeschichte. Band 7). Huber, Frauenfeld 2005, ISBN 3-7193-1380-8.
  • Angelo Maiolino: Als die Italiener noch Tschinggen waren. Der Widerstand gegen die Schwarzenbach-Initiative. Rotpunkt, Zürich 2011, ISBN 978-3-85869-463-8.

DokumentarfilmeBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Who’s Who in Switzerland, including the Principality of Liechtenstein. 14. Ausgabe (1984–1985), S. 491.
  2. Carl Holenstein. Mit dem Rücken zur Zukunft. 1971, S. 9
  3. Bundesversammlung – Fraktionspräsidenten ab 1917. (Memento des Originals vom 31. Juli 2009 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.parlament.ch In: Website der Bundesversammlung – Das Parlament.
  4. Cenk Akdoganbulut: Von «guten» und «schlechten» Ausländern. In: Saiten. 16. Februar 2017, abgerufen am 23. Dezember 2018.
  5. Bundeskanzlei BK: Politische Rechte. Abgerufen am 23. Dezember 2018.
  6. Die Schweiz und die «Überfremdung». In: Saiten. 20. März 2017, abgerufen am 23. Dezember 2018.
  7. Jens Renner: Schweizerangst. In der: WOZ. 8. Juli 2004.
  8. Nämlich in Bern, Freiburg, Luzern, Nidwalden, Obwalden, Schwyz, Solothurn und Uri.