Hauptmenü öffnen

James Booth (Landschaftsgärtner)

schottischer Landschaftsgärtner

LebenBearbeiten

James Booth war der Sohn einer angesehenen alten schottischen Familie. Sein gleichnamiger Vater besaß eine Baumschule in Falkirk. Der Hamburger Kaufmann, Sozialreformer und Landwirt Caspar Voght lernte den damals 25-jährigen Gärtner James Booth auf einer ausgedehnten England-Schottland-Reise (1793–1795) kennen. Beeindruckt von den dortigen Anpflanzungen zur Verbesserung der Bodenqualität überredete er Booth, sich an der Elbe anzusiedeln, um ihm bei dem Aufbau und Betrieb einer Baumschule zu helfen.[2]

 
Baumschule von Booth in Flottbek um 1855, Lithografie von Wilhelm Heuer

Mit seiner Ehefrau Mary Elisabeth Richmond (1776–1826) zog James Booth 1795 nach Klein-Flottbek westlich von Altona. Caspar Voght hatte eine Baumschule auf 4 Hektar Land anlegen lassen. Sie wurde unter dem Namen „Flottbeker Baumschule“ betrieben. Als Gründungsjahr wird 1797 angenommen. Im Jahr 1802 wurde mit dem Verkauf von Sträuchern und Bäumen begonnen,[3] und im Jahr 1804 mit dem Handel von Samen, u. a. Grassamen.[4] Nachweise für die in einigen Veröffentlichungen aufgestellte Behauptung, James Booth habe gestalterisch an der Planung des Landschaftsparks und Mustergutes von Caspar Voght mitgewirkt, konnten bisher nicht erbracht werden.

Mit finanzieller Unterstützung von Caspar Voght hatte Lucas Andreas Staudinger 1797 auf dessen Pachthof eine landwirtschaftliche Lehr- und Erziehungsanstalt errichtet. Hier brachte James Booth sein Wissen über den Obst- und Gemüseanbau ein, Staudinger hielt Vorträge zur Landwirtschaft, der Apotheker Johann Gottfried Schmeisser in Chemie unter Berücksichtigung der Besonderheiten der Landwirtschaft, ein Herr Wolters im Fach Physik und der aus Wien vertriebene Mediziner Johann Gottlieb Wolstein hielt Vorträge über Haustiere, sowie zur Zucht und zu Krankheiten. Die Lehrzeit war auf drei Jahre festgelegt.

James Booth & SöhneBearbeiten

Voght hatte sich 1812[5] wegen des ausbleibenden geschäftlichen Erfolges infolge der Belagerung und Besetzung Hamburgs aus der gemeinsamen Baumschule zurückgezogen.[6] Die Baumschule wurde unter den Namen „James Booth & Söhne“ fortgeführt. Der Zusatz „& Söhne“ wurde verwendet, da er den ältesten seiner Söhne als Teilhaber beteiligt hatte. Im November 1813 hatte der die französischen Truppen in Hamburg kommandierende Marschall Davout aufgrund der schlechten Versorgungslage in der Stadt 30.000 mittellose Bürger Richtung Altona vertrieben und auf diese Weise die schwierige Lage nochmals verschärft. Caspar Voghts Landwirtschaft war zerstört worden.[7] Die Perspektive für das Unternehmen aber war als andere als vielversprechend.

James Booth verstarb 1814 im Alter von 39 Jahren in Klein-Flottbek. Sein Grab liegt auf dem Nienstedtener Friedhof.

Die Baumschule James Booth & Söhne wurde zunächst vermutlich von einem erfahrenen Gärtner und dem erst zwanzigjährigen Sohn James Godfrey fortgeführt. John Richmond und George waren jünger und noch ohne Ausbildung. Ab 1828 bis zu seinem Tod war John Richmond alleiniger Inhaber.

EhrungenBearbeiten

1930 wurde der Boothsweg in Osdorf nach James Booth benannt.

LiteraturBearbeiten

  • Sylvia Butenschön (Herausgeberin): Frühe Baumschulen in Deutschland. Universitätsverlag der Berliner Technischen Universität 2012, ISBN 978-3-7983-2414-5.
  • Maria Möhring: Die Hamburgische Familie Booth und ihre Bedeutung. Dissertation, Hamburg 1950.
  • Anja Herwartz: Sie leben fort in einer Rose. Königin von Dänemark. In RB 1/97. Seite 32–35.
  • Anhang zum vorstehenden Aufsatz vom Landmanne in Flottbek,in: J. G. Büsch's, weiland Professors in Hamburg bisher noch nie gesammelte vermischte Schriften, Erster Theil, Satorius Erben, Mainz 1801, S. 233 ff. (Caspar Voght (=Landmann in Flottbek) äußert sich in diesem Aufsatz eingehend zu seinen auf einer Reise durch Schottland und England gewonnenen Erkenntnissen und der Gründung einer Baumschule.)
  • Heinrich Christian Philipp Kiesewetter: Praktisch ökonomische Bemerkungen auf einer Reise durch Hollstein, Schlesswig, Dithmarsen und einen Theil des Bremer und Hannöverschen Landes an der Elbe, G. A. Grau, Hof 1807, S. 40–43, (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D0K4ZAAAAYAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3DPA40~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D, zu den Anfängen der Baumschule) und ein Verzeichniß von in- und ausländischen Forst-Bäumen und Strauchholz-Arten, welche bey James Booth in der Flotbecker Baumschule ... zu bekommen sind, S. 225 ff., (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D0K4ZAAAAYAAJ~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D225~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).

WeblinksBearbeiten

  Wikisource: Isis – Quellen und Volltexte
  Wikisource: Johann Georg Büsch – Quellen und Volltexte
  • Die Baumschule James Booth. In: Route 4: Pinneberg Von Baumschulbaronen und Pflanzenjägern. Jenischpark, Hamburg-Altona. Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Abteilung Gartenbau, abgerufen am 1. Oktober 2018.

Einzelnachweise und AnmerkungenBearbeiten

  1. Falkirk Archives (Archon Code: GB558) Russel & Aitken Papers (55) Papers of Peter Booth, Reference Code: A1855 Digitalisat *PDF. Abweichend dazu 1771 im Sterberegister oder 1772 als Grabinschrift und bei Carl Ansorge: Über die Einführung ausländischer Gehölze und die Beteiligung der Familie Booth daran. In: Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, Nr. 29, 1920, S. 272
  2. Voght hatte in Schottland den Eindruck gewonnen, dass Land durch Anpflanzungen von Bäumen und Sträuchern kultiviert werden könne und „ohne eine beträchtliche Baumschule kann aus allem Anpflanzen im Großen nicht viel werden, weil die Pflanzen nicht wohlfeil genug geliefert werden“. (Anhang zum vorstehenden Aufsatz vom Landmanne in Flottbek, S. 241) „Das ist nun auch ... bekannt, daß niemand mehr große Bäume pflanzt, die sehr theuer sind.“ (Anhang zum vorstehenden Aufsatz vom Landmanne in Flottbek, S. 236)
  3. Anzeige der Flottbeker Baumschule in: Staats und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten, anno 1802, am Sonnabend den 30. Oktober, o. Seitenangabe, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10503684~SZ%3D673~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D
  4. Anzeige der Flottbeker Baumschule in: Staats und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten, anno 1804, am Sonnabend den 20. Oktober, o. Seitenangabe, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10503687~SZ%3D623~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D
  5. abweichend 1813: Flottbek. In: Johannes von Schröder, Hermann Biernatzki: Topographie der Herzogthümer Holstein und Lauenburg, des Fürstenthums Lübecks und des Gebiets der der freien Hansestädte Hamburg und Lübeck. 2. Aufl., 1. Bd., Allgemeiner Theil A–H, C. Fränckel, Oldenburg 1855, S. 387–388
  6. Zweyter Tag. In: Lorenz Oken: Isis, Heft VIII–X, 1831, Sp. 851
  7. „Der Krieg … zerstörte ihn [gemeint ist der Landbau] gänzlich. Im Jahr 1814 war alles neu zu schaffen.“ In: Hans-Jörg Czech, Kerstin Petermann, Nicole Tiedemann-Bischop (Hrsg.): Caspar Voght (1752–1839) – Weltbürger vor den Toren Hamburgs. Imhof, Petersberg 2014, ISBN 978-3-7319-0053-5, S. 151