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Jagdszenen aus Niederbayern (Film)

Film von Peter Fleischmann (1969)

Jagdszenen aus Niederbayern ist ein 1968 gedrehter deutscher Kinofilm des Regisseurs Peter Fleischmann mit Martin Sperr in der Hauptrolle.

Filmdaten
OriginaltitelJagdszenen aus Niederbayern
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr1969
Länge88 Minuten
AltersfreigabeFSK 16
Stab
RegiePeter Fleischmann
DrehbuchPeter Fleischmann
ProduktionRob Houwer
KameraAlain Derobe
SchnittBarbara Mondry
Jane Seitz
Besetzung

Inhaltsverzeichnis

InhaltBearbeiten

Nach längerer Abwesenheit kommt der 20-jährige Mechaniker Abram zu seiner Mutter in sein Heimatdorf in Niederbayern zurück. Beide sind keine Einheimischen, und man lässt sie dies spüren. Erschwerend hinzu kommt, dass Abram schwul ist und dadurch endgültig zum Außenseiter abgestempelt wird. Er versucht, den Spott seiner Mitbürger zu ignorieren. Bald kommt das Gerücht auf, Abram sei im Gefängnis gewesen, denn er habe sich an einem geistig behinderten Jungen vergangen.

Die als „Hure“ verschriene Hannelore ist der einzige Mensch, der ihm Verständnis und Zuwendung entgegenbringt. Derweil steigern sich die Vorurteile der Dorfbewohner zu blankem Hass, der sich bald zu einer Art 'Menschenhatz' ausweitet. Als sich herumspricht, dass Hannelore von Abram schwanger ist, eskaliert die Situation endgültig. Abram versucht fluchtartig, das Dorf zu verlassen, doch es ist bereits zu spät. Die Metzgerin hat ihn aus purer Bösartigkeit angezeigt. Schließlich kommt es zum Streit mit Hannelore, bei dem die junge Frau von Abram im Affekt getötet wird. Der Dorfpöbel gerät in Rage, die Jagdszenen in Niederbayern beginnen. Abram wird gefangen und wie ein Tier ausgestellt, während die Dorfgemeinde fröhlich feiert.

ProduktionshintergründeBearbeiten

Der Film basiert auf dem Theaterstück Jagdszenen aus Niederbayern des Hauptdarstellers Sperr. Die Dreharbeiten fanden vom 5. August bis 6. Oktober 1968 in Unholzing und Ergoldsbach statt.

Er erlebte seine Welturaufführung im Mai 1969 während der Internationalen Filmfestspiele in Cannes. Die deutsche Erstaufführung erfolgte am 29. Mai 1969 in Landshut.

Für Angela Winkler und Hanna Schygulla war dies beider erster abendfüllender Kinospielfilm.

KritikBearbeiten

Das Lexikon des Internationalen Films schrieb über Jagdszenen in Niederbayern: „Eine polemische Entmythisierung verlogener Heimatfilmklischees, verbunden mit einer sarkastischen Beschreibung dumpfer Provinzmentalität, die als Keimzelle politischer Repression erscheint. Lokalkolorit und folkloristisches Ambiente dienen weniger der dokumentarischen Milieustudie, sondern sind zu einer symbolträchtigen negativen Idylle stilisiert, die auch vor grellen Klischees und Denunziationen nicht zurückschreckt – was die Glaubwürdigkeit der Parabel etwas mindert.“[1]

Reclams Filmführer urteilte: „Fleischmann hat die Szenerie des deutschen Heimatfilms wiederentdeckt. Aber Personal und Dekorationen sind gründlich verändert. Neben den Berufsschauspielern stehen Laien vor der Kamera, das Milieu wird mit kräftigen Strichen gezeichnet. Dabei ist der Regisseur nicht ganz der Gefahr entgangen, sein Dorf als Panoptikum, die Dörfler als abnorme Monstren zu zeichnen. Doch ganz deutlich wird die bornierte Engstirnigkeit, die Mechanik des Konformismus, die den „Andersartigen“ ausstößt und jagt. Deutlich werden die Brutalität grobschlächtiger Witze, Unbelehrbarkeit, Vorurteile.“[2]

Der Evangelische Filmbeobachter zog folgendes Fazit: „Peter Fleischmanns Spielfilmdebut, das in konsequenter Weise die Gefahren einer Massenpsychose zeigt. [...] Unprätentiös und realistisch wird eins der wesentlichen Phänomene der Ursituation des Faschismus aufgezeigt: die Austauschbarkeit der Positionen, Verfolger werden zu Verfolgten und umgekehrt.“[3]

Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden erteilte dem Werk das Prädikat «Wertvoll».

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Klaus Brüne (Red.): Lexikon des Internationalen Films Band 4, S. 1853. Reinbek bei Hamburg 1987.
  2. Reclams Filmführer. Von Dieter Krusche, Mitarbeit Jürgen Labenski. Stuttgart 1973, S. 353.
  3. Evangelischer Presseverband München, Kritik Nr. 232/1969